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Verhaltenstherapie

  • Kriss
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12 Apr 2026 22:18 #16

An verdorbenen Lebensmitteln zu riechen klingt für mich auch als hätte es einen Sinn. Wenn ich es ausprobiere, berichte ich euch natürlich gern davon.
Leider hat der Therapeut heute wieder mit der Steck-dir-den-Finger-in-den-Hals-Sache angefangen, nur dass er diesmal vorgeschlagen hat, das auch noch in der Praxis unter seiner Überwachung zu machen, was für mich noch schlimmer ist als zu Hause. Er meint zwar, ich müsse dabei ja gar nicht erbrechen, sondern es reiche, das Würgen zu fühlen, aber das macht es auch nicht besser. Außerdem sagt er immer noch, ich müsse nichts gegen meinen Willen tun aber so wie er mir das immer erklärt, gibt er mir zu verstehen, dass das der einzig gute Weg ist, wenn ich wieder gesund werden will.
Ich war heute jedenfalls mal wieder vollkommen verunsichert nach der Sitzung, wei ich ihm doch bereits gesagt habe, dass mich dieser Vorschlag überfordert und ich das nicht machen will. Ich habe dann meine ehemalige Therapeutin (eine Psychoanalytikerin), zu der ich über die Jahre viel Vertrauen aufgebaut habe, angerufen, weil ich einfach mal ihre fachliche Meinung hören wollte. Ich selbst traue mir oft nicht zu, den Therapeuten richtig zu bewerten, weil ich immer denke, nach einigen Jahren Studium und Erfahrung muss er doch besser als ich wisse, was das Richtige ist. Die Therapeutin war jedenfalls einigermaßen entsetzt von seinem Vorschlag. Ihrer Meinung nach gibt es mehr als diesen einen Weg, die Angst in den Griff zu bekommen. Sie hat gelobt, wie gut ich mich vielen Situationen schon gestellt habe und mich motiviert, damit weiter zu machen. Sie sagt, ich solle gegenüber dem Therapeuten ganz klar meine Meinung vertreten und mich positionieren und wenn er gut ist, weiß er auch einen anderen Weg. Sie hat sich wohl außerdem vor einer Weile mit ihrer Kollegin über meinen Therapeuten unterhalten und die kennt ihn scheinbar und hatte nicht viel Gutes zu sagen.
Ich geb ihm jetzt noch eine allerletzte Chance, aber wenn er dann nicht mal was anderes vorschlägt, wars das für mich.
Bei dem Gespräch mit der ehemaligen Therapeutin ist mir heute erst wirklich bewusst geworden, dass ich mir alles, was sich bisher gebessert hab, selber erarbeitet habe, in der Therapie hat sich bisher gar nichts getan.
Ich bin gespannt auf eure Meinung zu der ganzen Geschichte.

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13 Apr 2026 07:48 #17

Ich finde es gut dass du ihm noch eine letzte Chance geben willst und dich dieser eventuell unangenehmen Konfrontation (das Gespräch mit ihm) stellen willst. Sich Dingen zu stellen die man eigentlich vermeiden würde ist ja auch eine Form der Konfrontation.

Allerdings fürchte ich, dass dein Vertrauen in diesen Kerl ziemlich erschüttert ist, was ich nicht für die beste Arbeitsgrundlage halte. kannst du nicht zurück zu dieser Therapeutin zu der du so großes Vertrauen hast?

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  • Kriss
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13 Apr 2026 09:34 #18

Die Therapeutin hat auch gesagt, sich solchen Situationen zu stellen und klar meine Meinung zu vertreten, ist auch wichtig. Leider kann ich zu ihr nicht wieder gehen. Das wäre mir auch am liebsten. Als ich die Therapie bei ihr gemacht habe, war ich noch privat versichert. Sie kann nur privat abrechnen und ich bin jetzt blöderweise in der gesetzlichen KV.
Sie hat mir aber vor einer Weile angeboten, ihre Kollegin zu fragen, ob sie mich aufnehmen könnte. Die ist allerdings auch Analytikerin. Ich wollte eigentlich eine Verhaltenstherapie machen, weil ich mir davon mehr und schnellere Erfolge versprochen habe. Ich fürchte, bei einer Gesprächstherapie bei einem neuen Therapeuten muss ich erneut meine gesamte Kindheit aufarbeiten, was ich ja schon 1,5 Jahre lang bei der ehemaligen Therapeutin gemacht habe. Ich kann zwar mittlerweile gut über das alles sprechen, aber das klingt doch wieder sehr langwierig.
Mein Vertrauen in den aktuellen Therapeuten ist tatsächlich ziemlich erschüttert. Ich kann mir nicht vorstellen, weiterhin jede Woche dorthin zu gehen und mit ihm darüber zu diskutieren, warum ich mir nicht den Finger in den Hals stecken will. Ich bin allerdings gespannt, was er mir sagen wird, wenn ich konkret nach anderen Strategien frage.

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13 Apr 2026 09:44 #19

Hm schwierig. Kannst du deine Bedenken und deinen Wunsch eine Verhaltenstherapie zu machen nicht mal deiner ehemaligen Therapeutin mitteilen und sie um Rat bitten. Es kann ja entweder sein, dass sie dir sagt dass ihre Kollegin auch viel Verhaltenstherapie mit einbaut oder dass sie dir zumindest einen Kollegen für die Verhaltenstherapie empfehlen kann. Halt uns mal auf dem Laufenden

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14 Apr 2026 20:04 #20

Wenn der Therapeut mir nächste Woche gar keine Alternative vorschlagen kann, dann werd ich auf jeden Fall die ehemalige Therapeutin nochmal anrufen und mit ihr auch über meine Bedenken sprechen. Als ich ihr vor ein paar Wochen erzählt habe, dass ich eine Verhaltenstherapie anfangen möchte, war sie auch der Meinung, dass das gerade bestimmt das RIchtige für mich ist.
Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden. Ich bin selber jedes Mal froh, dass ich solche schwierigen Situationen hier ansprechen kann und ihr mir eure Meinung dazu sagt. Das hilft mir wirklich.

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19 Apr 2026 18:56 #21

Ich habe heute nochmal mit dem Therapeuten gesprochen. Hab ihm klar gesagt, dass das Finger in den Hals stecken für mich nicht in Frage kommt. Wir haben dann eigentlich ein recht gutes Gespräch geführt. Er hat tatsächlich mal anerkannt, wie weit ich selber schon mit meiner Konfrontation gekommen bin. Immerhin, das möchte ich hier jetzt mal stolz erwähnen, saß ich vor zwei Monaten noch daheim und hab eine Panikattacke bekommen, wenn ich die Wohnung verlassen wollte oder auch wenn ich einfach nur zuhause saß. Jetzt geh ich wieder arbeiten, einkaufen, fahr Auto, Straßenbahn und Zug, hab letzte Woche zwei Tage auf einem Seminar weiter weg verbracht und am Wochenende sogar mit Freunden zu viel getrunken. Er meinte, damit sei ich auf einem sehr guten Weg, was den Kampf gegen die Angst vor der Angst angeht.
Allerdings meint er, das Kernproblem, also die Angst vor dem Übergeben, bekämpfe ich damit nicht. Ich würde also zwar meinen Spielraum vergrößern und wieder mehr Lebensqualität bekommen, aber die ANgst würde im Kern bleiben. Ich müsse selbst entscheiden, ob mir das genug ist. Oder ob ich zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht bereit bin, mich dann mit meiner Kernbaustelle auseinander zu setzen. Er hat auch zugegeben, dass er mich vielleicht mit dem Vorschlag der direkten Konfrontation ein bisschen früh überfallen hat, weil ich auf ihn immer so gewirkt hab, als hätte ich das alles so gut im Griff.
Wir haben uns jetzt darauf geeinigt, dass ich erstmal selber so weiter mach wie bisher und sollte es ein Problem geben oder ich doch noch mit der Konfrontation, was das Erbrechen betrifft, weiter machen will, ich mich wieder bei ihm melde.
Nun überlege ich, ob stattdessen vielleicht eine Gesprächstherapie für mich in Frage kommt. Denn ich denke, er hat schon recht damit, dass das Kernproblem noch da ist, trotz allem, was ich schon geschafft habe. Ich hoffe, es gibt nicht nur seinen Weg, um die Angst ganz zu besiegen. Vielleicht kann ich mit einer Gesprächstherapie herausfinden, was wirklich tief in mir drin dahinter steckt.

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19 Apr 2026 19:40 #22

Jetzt hab ich noch was vergessen: Der Therapeut meinte auch noch, dass bei Ängsten nur Verhaltenstherapie hilft, Gesprächstherapie bringe in diesem Fall gar nichts. Hat vielleicht trotzdem jemand gute Erfahrung damit in Bezug auf Emo gesammelt?

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19 Apr 2026 21:04 #23

Das sehe ich aus fachlicher Sicht komplett anders. Ich nehme an mit Gesprächstherapie meinst du eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie? Es gibt Studien die zeigen, dass beide Therapierichtungen ihre Berechtigungen haben, zwar jetzt nicht speziell auf die Emetophobie gemünzt, aber allgemein. Bei einer Verhaltenstherapie siehst du schneller Ergebnisse, weil die hauptsächlich an den Symptomen ansetzt. Bei der tiefenpsychologisch fundierten Therapie oder Psychoanalyse, dauert es länger bis man etwas "merkt", aber die Ergebnisse wirken langfristiger. Ich bin ein Befürwörter, dafür dass im Grunde beide Therapieschulen parallel gefahren werden müssen, allgemein aber auch bei der Emetophobie. Aber nur wenige Therapeuten haben beide Ausbildungen (weil es neben der Ausbildungszeit auch jede Menge Geld kostet). Ich persönlich mache es so, dass ich neben meiner tiefenpsychologischen Therapie, trotzdem an meinem Vermeidungsverhalten arbeite. Mich hat die Verhaltenstherapie nur bis zu einem gewissen Punkt weiter gebracht und ich weiß auch gut, was ich machen muss, aus verhaltenstherapeutischer Sicht.
Wie läuft das jetzt organisatorisch? Er hatte die Therapie doch schon bei der Krankenkasse beantragt oder? Kannst du jetzt einfach noch so wechseln?

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19 Apr 2026 21:11 #24

Ich habe auch vor neben der tiefenpsychologisch fundierten Therapie weiter an meinem Vermeidungsverhalten zu arbeiten. Das klappt ja bis jetzt auch ganz gut, dass ich das ohne anleitenden Therapeuten mache.
Er hat mir heute erklärt, dass für mich eine Therapie beantragt ist, dass ich die Stunden aber jetzt aufheben und mich wieder bei ihm melden oder auch zu einem anderen Therapeuten gehen kann. Ich werde das mit der neuen Therapeutin dann noch genau besprechen, sobald ich einen Termin bei ihr habe. Ich hoffe, es wird nicht an der KV scheitern.
Wie kommst du denn mit der Mischung aus tiefenpsychologisch fundierter Therapie und eigener Arbeit am Vermeidungsverhalten zurecht? Kommst du gut voran?

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19 Apr 2026 22:08 #25

Ich sehe das auch so wie Lucy. Hinzukommend kommt der eine mit der einen, der anderen mit der anderen Therapie besser klar. Im idealsten Fall macht man irgendwie beides, allerdings kann z.B. auch jemand der per se ein eher konfrontativer Typ ist auch neben einer tiefenpsychologischen Therapie selbst an Konfrontation arbeiten und jemand, der in einer Verhaltenstherapie ist, hat ggf. enorm reflektierte Freunde und kann auch da viele Probleme lösen. Nicht für alle ist das gleiche das richtige.


Wunder muss man selber machen (Trinkwalder)

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