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Emetophobie

 

Emetophobie – Was ist das !?!

Die Emetophobie, eine sog. "Spezifische Phobie", stellt eine noch weitestgehend unbekannte phobische Erkrankung dar, bei der es sich um eine unnatürliche, irrationale Angst gegenüber dem Erbrechen handelt.

 

 

Wie äußert sich die Emetophobie?

Die Emetophobie äußert sich durch eine oder mehrere der folgenden Ängste:

1. Panik sich selbst zu übergeben, unabhängig ob alleine oder in der Anwesenheit anderer
2. Panik davor miterleben zu müssen wie andere Personen und/oder Tiere sich übergeben
Panik vor/bei jeglicher Konfrontation mit dem Thema z.B. durch Medien, in Gesprächen o.Ä.

Häufig fällt es Unerfahrenen schwer die Emetophobie gegen andere Krankheiten abzugrenzen. Wichtig zu wissen ist, dass die Emetophobie eine eigenständige Krankheit ist und den Betroffenen bewusst ist, dass ihre Ängste irrational und unangemessen sind, sie sich jedoch nicht dagegen wehren können. Der Emetophobiker kann in der Regel auch nicht wirklich benennen, was ihn am Thema Erbrechen so stark ängstigt. Anders ist dies z.B. bei einem Sozialphobiker, der aus der Tatsache heraus sich vor anderen blamieren zu können, an einer Angst vorm Erbrechen leidet. Für den Emetophobiker spielt der Aspekt des Blamierens keine Rolle, seine Angst ist allgegenwärtig und bezieht sich auf das Erbrechen als Akt.

 

 

Hat nicht jeder Angst vorm Erbrechen?

Im Gegensatz zu Menschen, die nicht an Emetophobie leiden, empfindet der/die PhobikerIn nicht nur normalen Ekel gegenüber dem Erbrechen. Vielmehr verspürt er/sie eine irrationale Angst, die mit Angstzuständen, Panikattacken und körperlichen Symptomen einhergeht, wie z.B. Herzrasen, Atembeschwerden, Beklemmungsgefühlen, Verwirrtheit, Schluckbeschwerden, Schweißausbrüchen, Schwindel usw. Diese Symptome können stunden- bis tagelang anhalten und werden häufig schon durch Magengrummeln, Hungergefühl, Husten oder Räuspern ausgelöst sowie durch die ständig präsente Angst jemandem zu begegnen der sich übergeben könnte. Um solchen Krisen aus dem Weg zu gehen, versucht der/ die PhobikerIn zwanghaft solchen angstbelasteten Situationen aus dem Weg zu gehen. Die Tatsache, dass es sich bei der Emetophobie um eine Phobie handelt, die sich auf den eigenen Körper bezieht, verleiht solchem Vermeidungsverhalten extremen Nachdruck und führt mitunter zu schweren Konflikten mit dem eigenen Körper.

 

 

Was ist Vermeidungsverhalten?

Die ständig präsente Angst sich selbst übergeben zu müssen oder mitzubekommen wie jemand anderes sich übergibt, führt meist zu einem ausgeprägtem Verhalten solchen angsterfüllten Situationen vorzubeugen. Dies erfolgt in der Regel durch maximale Risikovermeidung ( Vermeidungsverhalten) z.B. indem …
1. Öffentliche Veranstaltungen wie Jahrmärkte, Betriebsfeiern oder Parties/ Discos gemieden werden, wo der Phobiker erhöhtes Risiko läuft auf Betrunkene zu stoßen oder das Gefühl hat nicht nach Lust und Laune die Gesellschaft verlassen zu können
2. (Öffentliche) Verkehrsmittel oder Urlaubsreisen gemieden werden, aus Angst vor Reiseübelkeit seiner-/ihrerseits oder bei anderen Mitreisenden. Häufig besteht auch Angst vor Parasiten, Viren oder dem Essen in fremden Ländern.
3. Möglichst versucht wird nicht auswärts zu Essen, aufgrund der Angst vor Lebensmittelvergiftungen oder verunreinigtem Essen. Häufig werden auch bestimmte Nahrungsmittel wie Eier oder Fleisch komplett gemieden und fragwürdiges Essen unangerührt weggeworfen. Die Angst sich zu überessen und infolge dessen übergeben zu müssen führt häufig über die Jahre zu einer Essblockade, die in vielen Fällen zu Untergewicht führt.
4. Fehlzeiten in Schule oder auf der Arbeit in Kauf genommen werden, wenn dort Magen-Darm-Viren kursieren mit denen der Phobiker sich infizieren könnte. Wenn im engeren Umfeld mehrere Personen erkrankt sind verlässt er u.U. nicht mehr das Haus.
5. Schwangere gemieden werden, aus der Angst heraus sie könnten sich in seiner Gegenwart übergeben. Emetophobikerinnen haben häufig auch Angst selbst schwanger zu werden.
6. U.U. Kinder gemieden werden, aus der Angst jene könnten sich übergeben
7. Das Kino/ Videoabende gemieden wird, weil er/sie Angst hat dort mit Filmszenen konfrontiert zu werden in denen sich jemand übergibt, oder im Kino gefangen zu sein, wenn ihm/ihr selbst übel wird
8. Nahrungsmittel penibelst auf Haltbarkeitsdatum überprüft werden aufgrund der Angst versehentlich etwas Verdorbenes zu essen
9. In Räumen zwanghaft nach Fluchtwegen, Mülleimern oder Waschbecken gesucht wird in die er/sie sich im Notfall übergeben kann
10. Krankenhäuser, Arztbesuche usw. vermieden werden, um dort nicht mit Keimen oder Viren in Kontakt zu kommen oder gar mit zu bekommen, wie sich jemand anderes übergibt
11. Prophylaktisch Anti-Brechmittel genommen werden, wenn ihm/ihr übel ist. In vielen Fällen liegt eine psychische Abhängigkeit vor!
12. Medikamente und/oder ärztliche Untersuchungen abgelehnt werden, aus der Angst vor Nebenwirkungen ( häufig Erbrechen). Häufig studiert er/sie vor der Einnahme eines Medikaments ausführlich die Nebenwirkungen im Beipackzettel.
13. eine Menge zwanghafter Verhaltensweisen entwickelt werden, wie z.B. dem Überprüfen von Haltbarkeitsdaten, dem krampfhaften Suchen von Fluchtwegen, häufigem Händewaschen oder Desinfizieren von sanitären Anlagen usw.

 

 

Aber einem ist doch nur einige Male im Jahr schlecht?

Im Grunde ist dies richtig. Das Problem beim Emetophobiker ist, dass dieser aufgrund seiner enormen Angst jederzeit jemandem begegnen zu können, der sich übergeben muss, häufig an einer durch die Psyche ausgelösten Übelkeit leidet. Diese ist im Extremfall 24 Stunden am Tag vorhanden und die meisten Emetophobiker sind nicht im Stande diese „Angstübelkeit“ von echter Übelkeit zu unterscheiden zu können. Die von ihm wahrgenommene Übelkeit fördert wiederum seine Angst und fängt ihn somit in einem Teufelskreis aus Angst und Übelkeit. Häufig löst bereits ein stärkeres Husten oder Räuspern von anderen Menschen extreme Panikattacken aus, die wiederum erst nach einiger Zeit abklingen.

 

 

Teufelskreis für den Emetophobiker – die Phobophobie

Die "Phobophobie" ist ein Symptom, dass mit den meisten Phobien einhergeht, die sog. Angst vor dem Eintreten der gefürchteten Situation. Im Fall eines Emetophobikers ist das die Angst davor, einem selbst oder jemand anderem könnte übel werden. Das problematische an der Phobophobie ist, dass sie – gleich wie die Emetophobie selbst- auch Symptome der Übelkeit erzeugt und daher ein Teufelskreis entsteht. Oft ist dem Phobiker diese Problematik nicht bewusst, und er ist nicht vertraut mit der Tatsache, dass seine teilweise durchgängige Übelkeit durch seine eigene Erwartungshaltung ausgelöst wird. Deswegen kommt es nicht selten vor, dass Emetophobiker aufgrund von andauernder Übelkeit sich bereits langen Arztodyseen unterzogen haben, ohne das medzinisch etwas diagnostiziert werden konnte.

 

 

Ursachen:

Leider ist die Ursache von Emetophobie bislang nicht bekannt. Es existieren Vermutungen und Theorien wie z.B. sexueller Missbrauch in der Kindheit oder traumatisierende Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Übergeben. Viele Emetophobiker haben seit Kindesbeinen an die Phobie, aber auch Menschen, die erst im höheren Alter davon betroffen sind können sich meist nicht an den Auslöser ihrer Angst erinnern.

 

 

Therapie:

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sich im Rahmen einer Therapie mit der eigenen Erkrankung auseinander zu setzen. Die Wahl der geeigneten Therapieform hängt hierbei vor allem von der Ausprägung der eigenen Problematik ab. Eine spezielle Therapie für EmetophobikerInnen existiert nicht, Therapien sollten sich jedoch nach den üblichen Modellen zur Behandlung von Angstpatienten richten, d.h. der jeweilige Therapeut sollte nach Möglichkeit auf Angsterkrankungen spezialisiert sein. Unabhängig von der Form der Therapie ist besonders wichtig, dass zum einen das Verhältnis zwischen Therapeut und Patient stimmt und zum anderen der Therapeut die Erkrankung ernst nimmt und versucht, sich in die Problematik einzufühlen. Abhängig von der Ausprägung der eigenen Problematik wurden vor allem im Rahmen von Verhaltens- und Gesprächstherapien Erfolge berichtet. Als eine der wichtigsten Vorrausetzungen für größtmöglichen Erfolg in Therapien gilt die Anerkennung der eigenen Probleme als psychisch/psychosomatisch (es sollten vorher jedoch physische Ursachen für körperliche Beschwerden ausgeschlossen werden). In Ausnahmefällen kann es nötig sein eine Therapie mittels Medikamenten zu unterstützten. Dies sollte jedoch nur dann erfolgen, wenn der Betroffene ohne medikamentöse Behandlung nicht therapiefähig ist. Da die Einnahme von Medikamenten zu einer erheblichen Erfolgsverzögerung (u.U. zur Erfolgslosigkeit) einer Therapie führen kann, sollte immer auch das Absetzen solcher Medikamente im Rahmen der Therapie angestrebt werden.

 

 

Konfrontation:

Im Rahmen von Therapien werden etwaige Konfrontationsversuche immer in Zusammenarbeit mit dem Patienten erarbeitet. EmetophobikerInnen gegen ihren Willen mit dem Erbrechen zu konfrontieren, bedeutet für sie ein erneutes Trauma und einen enormen Vertrauensbruch. Eine Konfrontation sollte nicht im Alleingang sondern nur unter fachmännischer Begleitung (z.B. durch einen Psychologen) durchgeführt werden. Konfrontation bedeutet nicht gleich selbstinduziert erbrechen zu sollen/müssen! Der Begriff Konfrontation ist sehr weit gefasst und erstreckt sich auf alle Bereiche, in denen der Patient eingeschränkt ist: Ziel der Konfrontation ist es, Situationen in denen sich starke Angst entwickelt, ertragen zu lernen.