Startseite   Forum   Mitgliederbereich   Mithilfe  

 

Psychosoziale Folgen

 

Der lästige und ständige Begleiter „Angst“ führt in der Regel zu ernormen Schwierigkeiten im psychosozialen Bereich und geht meist mit einer enormen Minderung der subjektiv erlebten Lebensqualität einher.

In fast allen Fällen berichten Betroffene sich in einer Außenseiterrolle wahrzunehmen, oder sehr lange in dem Glauben „absolute Unikate“ zu sein, gelebt zu haben. Durch ihr von Angst gesteuertes Leben nehmen Betroffene diese Rolle auch tatsächlich ein: Sie gelten als „Spaßbremsen“ oder „Spielverderber“, da sie -für Außenstehende kaum nachvollziehbar- scheinbar alle interessanten, amüsanten und in der Jugend häufig auch als „cool“ bezeichnete Aktionen ablehnen. Sie kommen nicht mit ins Kino, lehnen jede liebgemeinte Einladung zum Essen oder einer Party ab, sie trinken kein Alkohol, wollen nicht mit auf den Jahrmarkt…kurzum vermitteln sie das Bild einer wenig kontaktfreudig und unzuverlässigen Person.

Oftmals hat der Phobiker im Leben Unverständnis geerntet oder wurde schlichtweg für seine nicht nachvollziehbaren Verhaltensweisen verspottet oder ausgeschimpft. Dies trifft besonders Kinder hart und stört sie in ihrer persönlichen Entwicklung. Emetophobiker erleben sich oft als hilflos, andersartig oder unnütz und entwickeln dadurch häufig eine enorme Angst vor Situationen in denen sie anderen Menschen nicht helfen können, oder in denen sie von anderen für die Auswirkungen der Emetophobie diskriminiert, nicht ernst genommen oder verspottet werden.

Dies führt mitunter zu erheblich Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich, besonders beim Pflegen und Aufrechterhalten von Kontakten und Freundschaften sowie beim Kennenlernen neuer Leute, da permanent die Angst besteht, von diesen verspottet zu werden oder durch sie mit dem Erbrechen konfrontiert zu werden. Das Vertrauen in andere Menschen und in die eigenen Fähigkeiten nimmt hierbei beständig ab. Nicht selten äußern sich die Folgen in Rückzug (beiderseits) und Einsamkeit bis hin zu Isolation.

Besonders schwierig gestaltet sich die Situation aufgrund der Tatsache, dass vielen Betroffenen nicht bewusst ist, dass sie an einer Krankheit leiden. Sie schämen sich für ihre Ängste und verbalisieren sie daher kaum oder gar nicht.

Aufgrund dieser Tatsachen führen Emetophobiker in der Regel eher oberflächliche oder platonische Freundschaften, wobei sie häufig als sehr distanzierte Menschen wahrgenommen werden, da es ihnen schwer fällt sich auf emotionale Bindungen einzulassen.

All diese Aspekte führen häufig auch zu sozialphobischen Zügen, die sich auf Grundlage der Emetophobie ausprägen. Menschen werden aus der Angst heraus gemieden durch sie mit dem Erbrechen oder ansteckenden Magen-Darmerkrankungen konfrontiert zu werden. Nicht selten endet dieses sekundär ausgeprägte Verhalten in Schul-/Ausbildungsabbrüchen oder dem Verlust des Arbeitsplatzes. In Extremfällen ist die Ausübung des eigenen oder irgendeines Berufes überhaupt nicht mehr möglich. Dies trifft vor allem Menschen, die bereits voll im Berufsleben standen, und dann an Emetophobie erkrankten. Solche, die bereits seit Kindheit betroffen sind meiden häufig bestimmte Berufe/Ausbildungen und fühlen sich in der Regel stark in ihren Berufswahlmöglichkeiten eingeschränkt.

„Raus aus dem Schneckenhaus, rein in den Salat“

Das bewusste Angehen gegen die Phobophobie (Angsterwartungshaltung) und die sich ergebenen sozialen Schwierigkeiten können nach eigenen Aussagen Betroffener sehr stark zur positiven Beeinflussung der Lebensqualität beitragen. Dies kann beispielsweise im Rahmen einer Psychotherapie erfolgen.
Eine besonders wichtige Rolle nimmt auch das Anerkennen der eigenen Krankheit ein sowie der Aufbau von Selbstbewusstsein und eine Verbesserung der Selbstwahrnehmung. Das Schaffen eines stabilen sozialen Umfelds ist hierbei enorm wichtig, ebenso das „Aus sich heraus gehen“ und das Verbalisieren der eigenen Ängste und Probleme.
Eine besondere Gefahr ergibt sich für emetophobische Kinder, die häufig beginnen ihre kindliche Welt mit eigenen Idealen und Ansichten zu spicken, die sie mitunter stark in der persönlichen Entwicklung behindern. Reden und dem Kind zuhören sind hierbei äußerste Notwendigkeit und haben einen erheblichen Einfluss auf seine weitere Entwicklung.