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Psychische Folgen

 

Der ständige Kampf mit Angst und Panik behindert oft die Ausprägung wichtiger Lebenskompetenzen, die für den Erhalt der eigenen physischen und psychischen Gesundheit unabdingbar sind. Besonders in Mitleidenschaft gezogen sind das Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Beziehungsfähigkeit, emotionale Erlebnisfähigkeit und die Genussfähigkeit.

 

Selbstwertgefühl:

Das Gefühl der Phobie hilflos ausgeliefert zu sein, und sie beim besten Willen nicht in den Griff zu bekommen während andere Menschen problemlos mit der Thematik umzugehen scheinen, führt in der Regel dazu sich als Schwächling oder Versager zu fühlen. Die eigene Wahrnehmung andere und sich selbst häufig zu enttäuschen, z.B. durch das spontane oder regelmäßige Absagen von Verabredungen (teilweise durch Lügen) oder durch das Meiden von Kranken, bieten oftmals den Nährboden für enorme Schuldgefühle und geben dem Phobiker das Gefühl wertlos, nutzlos oder egoistisch zu sein. Häufig ist das Gefühl anderen eine Last oder gar unzumutbar zu sein die unmittelbare Folge und führt zu starken Minderwertigkeitsgefühlen.

 

Selbstvertrauen:

Gegen den eigenen Körper nicht anzukommen, und der eigenen Angst nahezu ausgeliefert zu sein ohne sie bewusst steuern zu können hat häufig ein großes Misstrauen sich selbst und anderen gegenüber zur Folge. Nicht selten entwickelt sich eine Angst vor dem eigenen Körper und seinen Funktionen (z.B. Magengrummeln, Magenknurren u.Ä. wird fehlinterpretiert und wirkt angstauslösend). Das oftmals negative Feedback von anderen vermittelt dem Phobiker das Gefühl andersartig oder unreif zu sein und nimmt ihm immer mehr an Selbstvertauen. Auch das Vertrauen anderer in ihn ist häufig durch seine Sprunghaftigkeit und Unzuverlässigkeit in große Mitleidenschaft gezogen.

 

Beziehungsfähigkeit:

Besonders in Mitleidenschaft gezogen ist meist auch die Fähigkeit Beziehungen auszuprägen oder sich emotional zu öffnen. Trotz dem Wunsch nach Nähe und Partnerschaft, ist der Emetophobiker häufig in einem Wechselspiel aus „Nähe“ und „ von sich wegstoßen“ gefangen. Seine Sehnsucht nach Nähe und Liebe schlägt meist dort ins Gegenteil ( von sich wegstoßen) um, wo Konfrontation ins Spiel kommt oder ihm sein mangelndes Selbstwertgefühl/-vertrauen dazwischen funkt. Das sehr sprunghafte Wechselspiel zwischen „Hass“ und „Liebe“ wird vom Partner häufig als große Last empfunden, was im Phobiker selbst wieder das Gefühl bestärkt unzumutbar zu sein und oftmals in einer tendenziellen Angst vor Beziehungen endet und/oder dem Versuch, sich möglichst nicht fest an andere Personen zu binden. Auch die enorme Angst für den Partner, sich selbst oder etwaige Kinder nicht sorgen zu können spielen eine wichtige Rolle im Beziehungsleben des Emetophobikers.
Bei Emetophobikerinnen ist vereinzelt auch das Sexualleben in Mitleidenschaft gezogen und geprägt von einer übermäßigen Angst schwanger zu werden.

 

Emotionale Erlebnisfähigkeit:

Über Jahre die eigenen Gefühle zu unterdrücken, das wirkliche Seelenleben und die Angst/Panik vor anderen verbergen hat oft gravierende Auswirkungen auf die emotionale Erlebnisfähigkeit. Mit der Zeit fällt es immer schwerer eigene Gefühle wahrzunehmen, zu deuten oder gar auszudrücken. Die angenommene Rolle nach außen hin zu funktionieren verselbstständigt sich und führt zusammen mit den zwanghaften Gedanken ans Erbrechen oft dazu, dass Angst das einzige wahrgenommene Gefühl ist, das mit der Zeit alle anderen Emotionen überschattet oder überlagert.

 

Genussfähigkeit:

Die alles überschattende Angst schränkt in der Regel die Genussfähigkeit stark ein, da bei allem was der Phobiker denkt, tut oder sagt das Konfrontationsrisiko abgewogen wird. Längerfristig ist er nur noch schwer oder kaum fähig sich auf andere Menschen oder Aktivitäten einzulassen. Oftmals fühlt er sich in sich selbst gefangen und wird durch die Phobie daran gehindert offen auf die Welt zu zugehen.

 

Frustrationstoleranz:

Durch das größtenteils extrem negative Feedback, dass der Phobiker durch seine Umwelt oftmals über Jahrzehnte erfahren hat, hat er nur eine sehr geringe Frustrationstoleranz. Dies bedeutet, dass er sich sehr schnell zurückzieht und eigene Misserfolge oftmals auch überbewertet. Nicht selten sind depressive Verstimmungen die Folge.

 

Zur Wiedererlangung einer positiven Selbstwahrnehmung ist die Entwicklung bzw. die Verbesserung wichtiger Lebenskompetenzen unabdingbar. Hierbei sollte keinesfalls außer Acht gelassen werden, dass Emetophobie eine Krankheit und keine „Laune“ ist. Dies ist besonders bei der Arbeit mit Kindern extrem wichtig. Der Betroffene kann nicht anders handeln, es ist ihm nicht möglich sich „einfach zusammenzureißen“. Das zu erkennen und zu akzeptieren ist ein erster wichtiger Schritt in der Arbeit mit emetophobischen Kindern und Erwachsenen.