Körperliche Folgen
Das oftmals sehr verwobene und perfektionierte Geflecht
aus Vermeidungsverhaltensweisen, das dem Phobiker teilweise
selbst gar nicht bewusst ist, führt in den meisten
Fällen auch zu immensen körperlichen Beschwerden
und Langzeitfolgen.
An erster Stelle sei hier das oftmals problematische Essverhalten
von EmetophikerInnen zu nennen. Die übermäßige
Angst sich aufgrund Überessens, Durcheinanderessens
oder durch Lebensmittelvergiftung übergeben zu müssen
führt mit der Zeit meist zu einer starken psychischen
Essblockade oder einer Schrumpfung des Magens. Auch präventives
Hungern, frei nach dem Motto: „ Was nicht drin ist,
kann auch nicht rauskommen“ vor Terminen, oder bevor
das Haus / die Wohnung verlassen wird führen häufig
zu Untergewicht, welches mit Kreislaufbeschwerden,
Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Mangelerscheinungen
einhergeht. Das teils sehr starke Untergewicht und die Angst
gegenüber Nahrungsmitteln wird seitens der Medizin
oftmals als Magersucht fehlinterpretiert. Emetophobiker/innen
haben jedoch nicht das Ziel
(weiter) abzunehmen, oder kalorienhaltige Speisen zu vermeiden.
Gegenteilig streben sie meistens eine Gewichtszunahme
an.
Die Essgewohnheiten des Phobikers laufen in vielen
Fällen auf eine unregelmäßige und in manchen
Fällen auch sehr einseitige Ernährung hinaus,
hierdurch kommt es häufig auch zu Verdauungsbeschwerden
( Durchfall, Verstopfung, Blähungen u.Ä.) oder
Magenbeschwerden.
Eine weitere Gefahr liegt in der Suchtentwicklung,
hauptsächlich bezüglich Medikamenten ( vor allem:
Anti-Emetika, Säureblocker, Antidepressiva oder Beruhigungsmittel
häufig auch pflanzliche oder homöopathische Mittel),
die teilweise in Selbstmedikation prophylaktisch genommen
werden oder – im anderen Fall- vom Arzt verschrieben
werden. In den meisten Fällen liegt eine psychische
Abhängigkeit vor, oftmals bereits mit medikamentspezifischen
gesundheitlichen Folgeproblemen. Illegale Drogen spielen
hierbei kaum eine Rolle, da sie in Augen des Phobikers ein
besonders großes Risiko darstellen sich übergeben
zu müssen.
Viele Emetophobiker beschreiben, dass ihre Ängste
und Panikattacken im Laufe der Zeit, meist über mehrere
Jahre hin, diffuser wurden und sich immer weiter streuten;
dass die Entwicklung von Zwängen (z.B. Waschzwang,
Kontrollieren von Haltbarkeitsdaten) mehr und mehr automatisiert
wurde oder Probleme in der Selbstwahrnehmung auftraten (z.B.
Depersonalisation, Derealisation).
Häufig als sehr lästig empfunden werden auch
Konzentrationsschwierigkeiten,
die darauf beruhen, dass der Gedanke ans Übergeben den Betroffenen ständig
einwickelt und aus dem Alltagsgeschehen reißt. Dies
ist besonders für Schüler und Auszubildende ein
schwerwiegendes, ernstzunehmendes Problem.
„Weg von
den Medikamenten, hin zu mir selbst…“
Die Regulierung des Essverhaltens sowie eine ausgiebige
Auseinandersetzung mit der Suchtproblematik sind in unseren
Augen grundlegende Vorraussetzungen auf dem Weg zu einem
besseren Wohlbefinden. Hierbei sollte auf die Gefühle
und Ängste des Emetophobikers Rücksicht genommen werden und nicht
außer Acht gelassen werden, dass sein Grundproblem
die Phobie ist.
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