Emetophobie statt Anorexie?

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26 Jan 2018 09:30 #1 von cosmoderm
cosmoderm erstellte das Thema Emetophobie statt Anorexie?
Guten Morgen,

vielen Dank für die Aufnahme ins Forum. Ich möchte kurz über meine kranke Tochter Lena (12 Jahre) berichten und hoffe auf Eure Unterstützung.

Im Juli 2017 ging die langjährige Freundschaft mit ihrer besten Freundin auseinander. Innerhalb von 2 Wochen gab diese Lena ohne Angaben von Gründen den Laufpass. Damals wog Lena ca. 32kg bei 140cm (durch eine Fruchtuzuckerintoleranz, die sie gut im Griff hat, war sie immer schon sehr schlank). Eingewiesen wurde sie dann Anfang Oktober mit 25.5kg. Lena sagt selbst, dass sie im Sommer eine Essstörung entwickelt hat (sie hat sich einen 6-Stunden-Rhythmus für die Mahlzeiten auferlegt, ass plötzlich sehr süss, aber von den Kalorien her nicht ausreichend). Ambulant konnten wir diesen freien Fall nicht aufhalten. Lena ist darum seit Anfang Oktober mit ihrem Einverständnis stationär in der der Kinder- und Jugendtherapie (KJPK) in Solothurn / Schweiz. Sie wurde mit der Diagnose "atypische Anorexie" dort aufgenommen. Anfangs machte Lena rasche Fortschritte, war hochmotiviert, ass alles und nahm in guten 4 Wochen fast 3kg an Gewicht zu.

Schon als junges Kind war Lenas grösste Angst zu Erbrechen, eine Magen-Darm-Grippe zu erwischen oder in Kontakt mit MD-Kranken zu kommen. Diese Angst wurde von uns Eltern zwar registriert, aber leider eher belächelt. Im Rückblick betrachtet finden wir, dass diese Angst damals nicht viel Raum einnahm, aber sicher immer vorhanden war.

Im Rahmen des stationären Aufenthaltes im KJPK nimmt diese Angst nun enorm an Grösse zu. Lena verweigerte seit Anfang Dezember feste Nahrung. Alles dreht sich um die Erbrechensangst. Der Stufenplan, der bei anorektischen Kindern dort angewandt wird, sieht eine Sondierung vor falls Lena nicht wieder isst. Eine Horrorvorstellung für Lena, weil sie Angst hat durch die Sonde erbrechen oder würgen zu müssen. Diese Angst hat Lena motiviert wieder zu essen, seit einer Woche isst sie zum Frühstück wieder ihren heissgeliebten griechischen Joghurt mit Traubenzucker, zu einer Zwischenmahlzeit 3 Lindor-Schoggikugeln.

Eine Ursachenforschung wird im KJPK nicht betrieben. Die Psychologin sagt, das stände nicht im Vordergrund. Durch das Stagnieren des Heilungsprozesses fingen mein Mann und ich zu recherchieren, stiessen sofort auf Dr. Gregor Hasler in Bern, der 2015 über die Emetophobie im Spiegel berichtete. Die Symptome dieser Phobie decken sich unglaublich mit Lenas Änsten. Leider ist Dr. Hasler mehrere Woche verreist. Seit 2 Wochen zapfen wir alle Kanäle an, die uns einfallen. Es ist aber nicht einfach Ärzte ans Telefon zu bekommen, die Krankheit selbst ist wohl nicht sehr bekannt. Im KJPK hören sich die Therapeuten unseren Verdacht gerne an, aber es wird hartnäckig an der atypischen Anorexie festgehalten. Sie sagen auch, dass Lena ja unabhängig von der Diagnose wieder essen muss. Da haben sie ja auch nicht unrecht, oder? Aber uns erscheint der Therapieweg nicht der richtige.

Nun kommt endlich meine Frage: Gibt es hier im Forum auch Mitglieder aus der Schweiz? Kann uns jemand einen Kontakt nennen? Am besten im Kanton Solothurn oder auch in der Bieler Ecke. Momentan warte ich auf einen Rückruf des Chefarztes in Bern, aber die nehmen normalerweise keine Kinder aus anderen Kantonen.
Am liebsten würden wir Lena aus dem KJPK herausnehmen, aber das erscheint uns bei ihrem jetzigen Essverhalten keine gute Idee.

Danke für eure offenen Ohren, über Antworten und Ratschläge sind wir noch so froh

Liebe Grüsse

Judith

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