Bin neue im Forum und suche Austausch mit anderen Betroffenen

Mehr
22 Jan 2018 14:37 #1 von Aurorafalter
Aurorafalter erstellte das Thema Bin neue im Forum und suche Austausch mit anderen Betroffenen
Hallo,

ich stelle mich und mein Problem einfach mal vor. Mir ist übel und ich beschäftige mich ungewöhnlich viel mit dem Thema Erbrechen solange ich mich erinnern kann. Auslöser für meine Probleme war wahrscheinlich eine Darmentzündung in meiner Kindheit, bei der ich über Wochen täglich gebrochen habe bis die Diagnose gestellt und erfolgreich behandelt wurde. Danach war ich eigentlich wieder gesund, habe aber meine ganze Kindheit und als Jugendliche zahlreiche Situationen und Lebensmittel vermieden. Da es in meiner Familie genug andere heftige Probleme gab, wurde nicht weiter darauf eingegangen oder eingegriffen. Mit 20 Jahren wurde mir dann wieder ständig übel und nach einem Magen Darm Virus (habe ich nur ganz selten) der mich an der Uni erwischte eskalierte die Situation völlig. Es folgten Vermeidungsverhalten bis zur völligen Unfähigkeit das Haus zu verlassen und eine heftige Essstörung. Die Wende brachte damals eine Verhaltenstherapie, der Auszug bei meinen Eltern und der Beginn eines neuen Studiums das mich wirklich begeisterte (bin Biologin). Da sich mein Verhalten normalisierte, die Übelkeit aber blieb nahm ich 6 Jahre lang Promethazin, dass ja nicht nur beruhigt sondern auch gegen Übelkeit hilft. Dann wurde bei mir durch Zufall bei einer Operation aus ganz anderen Gründen Endometriose festgestellt (das ist eine Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut im Bauchraum wächst und Beschwerden macht bzw. bei mir auch Organe schädigt) und sofort entfernt, ich wachte unwissend auf und mir war nicht mehr schlecht! Inzwischen weiß ich,dass die Endometriose meinen Hormonhaushalt durcheinander bringt und meinen Darm + das dazugehörige Nervensystem befällt, so dass meine Übelkeit je nach Krankheitsphase häufig auch körperlich bedingt ist. Die nächsten Jahre habe ich mich ganz gut geschlagen und meine Studium trotz vieler gesundheitlicher Probleme bewältigt. Hormontherapien schlugen bei mir leider gar nicht an, aber ich habe mich noch mehrmals operieren lassen wenn es wieder los ging (merkt man auch an anderen Symptomen die damals alle psychisch gedeutet wurden). Vor vier Jahren ist meine Situation leider wieder völlig gekippt. Mir war ein Jahr lang durchgehend schlecht und ich hatte auch ununterbrochen meine Tage, so dass nach vielen anderen Versuchen mal wieder eine Op her musste. Diese ging völlig daneben, die Symptome blieben und ich ging mit dauerhaften Schäden an denen ich bis heute herumdoktore und einem dicken Trauma daraus hervor. Mir war zwei weitere Jahre schlecht, die Essstörung kam wieder, mein Studium war abgeschlossen und ich fand unter diesen Umständen keine Arbeit, meine kleine Familie ist inzwischen größtenteils verstorben und mein Freundeskreis begann sich unter den Umständen aufzulösen. Vor einem Jahr unternahm ich noch mal einen Versuch über die Psychoschine, absolvierte eine neue Verhaltenstherapie, traf einige private Entscheidungen die meine Belastungen verringerten, aber mich einen weiteren Teil meines Freundeskreises kosteten und nahm einen ehrenamtlichen Job an, der mich in Sachen Ängste sehr forderte, aber auch unglaublichen Spaß macht und mir einen Bereich bietet, in dem ich mich wieder austoben kann. Ein halbes Jahr lang ging es stetig aufwärts und ich habe Schritt für Schritt mein Vemeidungsverhalten abbauen können und vor allem wieder vernünftig gegessen. Letzten Sommer ging es mir dann wie aus dem Nichts wieder furchtbar schlecht und nach mehreren Zusammenbrüchen unterwegs war alles wieder da plus Panikattacken und Übelkeit sobald ich das Haus verlasse. Es stellte sich heraus, dass ich eine Zyste hatte, die genau das Hormon produziert das die Endometriose wachsen lässt und hormonell alles wieder durcheinander war. Die Zyste ist inzwischen weg, aber die psychischen Probleme bleiben, außerdem ist die Endometriose jetzt wieder aktiv. Meine aktuelle Situation ist dass es mir etwa zwei Wochen besser geht in denen ich auch wieder etwas aktiver bin, dann kommen aber zwei Wochen in denen ich meine Tage kriege und habe in denen die Übelkeit leider "echt" ist, was mich immer wieder in alte Muster zurücktreibt. Meinen ehrenamtlichen Job kann ich nicht mehr richtig ausüben, weil ich völlig unzuverlässig geworden bin und auch auf der Arbeit Panik und Übelkeitsattacken kriege (für mich und die Mitarbeiter ein echtes Problem). Inzwischen bin ich von dem ganzen Theater so erschöpft dass mein Leben sehr eingeengt ist und ich immer weniger auf die Reihe kriege. Meine Versuche mit Psychopharmaka in den letzten Wochen scheiterten kläglich weil ich anscheinend nichts vertrage. Der Plan im Moment ist es, mich künstlich in die Wechseljahre zu schicken, damit mein Hormonhaushalt wieder unter Kontrolle kommt und die Endometriose sich vielleicht ohne weitere Op zurückbildet. Trotzdem werde ich bis zu den echten Wechseljahren (bin Mitte dreißig) immer wieder mit Übelkeit zu tun haben und muss deshalb einen Weg aus dieser ständigen Angst und Beschäftigung damit finden. Außerdem möchte ich mir natürlich ein normales Leben mit Job und Familie aufbauen, meine momentane Isolation und Tatenlosigkeit entsprechen mir gar nicht. Mein Ziel ist es in der nächsten Saison (also so ab April) wieder meinen Hobbies nachgehen zu können, nämlich in der Natur unterwegs zu sein, Pflanzen bestimmen (versuche mich gerade auf eingene Faust zum Artenexperten auszubilden, weil da beruflich Chancen liegen könnten und es mich echt interessiert) und Geocachen. Ich möchte außerdem irgendwo in einen Kleingarten einsteigen, dann habe ich einen Ort wo ich draußen sein kann wenn ich mal nicht so fit bin und ich liebe Gartenarbeit und selbstgezogenes Gemüse. Und natürlich möchte ich wieder in meinen ehrenamtlichen Job einsteigen und als Übungs- und Sprungbrett nutzen bis ich etwas "richtiges" gefunden habe. Insgesamt brauche ich auch dringen wieder neue Kontakte und Betätigungsfelder, damit dieses ständige Gefühl von Sinnlosigkeit und Einsamkeit aufhört. Gibt es unter euch vielleicht jemanden, der auch mit der Mischung aus Emetophobie und körperlich bedingter Übelkeit zu kämpfen hat? Oder sonst jemanden der aus einem ziemlich reduzierten Leben wieder in die Normalität gefunden hat und mir sagen kann, was für ihn die entscheidenden Schritte gewesen sind? Vielleicht ist ja auch der Austausch auf regionaler Ebene möglich damit man sich mal treffen kann, ich komme aus Süd-Niedersachsten und bin hoffentlich bald wieder reisetauglich.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Moderatoren: AbbelAnthea