Ich stelle mich vor...

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14 Dez 2017 11:26 #1 von emetosophia
emetosophia erstellte das Thema Ich stelle mich vor...
Hallo zusammen
wie es gewünscht wird (was ich übrigens sehr toll finde!) stelle ich mich nun vor:
Ich bin Mitte 20 und Studentin. Meine Phobie (falls es das denn ist) hat 2014 angefangen.

2014 gab es den einen unangenehmen Abend, an dem ich mich übergeben musste, das erste Mal seit ich etwa 8-jährig war. Obwohl der Vorgang selbst nicht allzu traumatisierend war breitete sich in mir sofort eine etwas unerklärliche Angst aus: Ich fürchte mich vor dem Kontrollverlust über meinen Körper. Dass ich diesen Vorgang nicht steuern kann versetzt mich seitdem eigentlich täglich in Angst, immer öfters auch in Panikzustände. Ich hatte schon seit längerer Zeit Verdauungsprobleme, die sich im Laufe der letzten Jahre als Reizmagen herausgestellt haben. Zudem hat sich bei mir ebenfalls seit der Jugend Nervosität, Aufregung durch Übelkeit geäussert. -> diese Gefühle deute ich seither als Übelkeit, heute weiss ich gar nicht mehr was der unterschied zwischen "Stein im Magen" "Übelkeit" "viel Luft im Verdauungstrakt" etc ist.. bei mir löst jedes Piepsen von der Zunge bis zum Darm einen Schreck aus....

Seit her musste ich mich nur ein einziges weiteres Mal übergeben. Auch dort war der Vorgang an sich zwar höchst unangenehm aber wirklich nicht ultraschlimm.
Meine Angst ist am stärksten in der Öffentlichkeit, wenn andere Leute mich sehen könnten oder am schlimmsvorten, wenn ich irgendwo nicht wegkomme (Enge Vorlesungssäle, Kinos, Theater, öffentliche Verkehrsmittel, Läden, Restaurants etc) ist das die Hölle für mich. Ständig checke ich ab, wo ich hinrennen könnte im Falle eines Falles. Diese Angst verstärkt noch die Übelkeit (Phobophobie habe ich in diesem Forum gelernt!) bis zum unerträglichen... Auch zuhause kriege ich immer gleich Angst wenn sich etwas komisch anfühlt, die wird aber nie panisch, da ich ja zuhause eher "in Sicherheit" bin. Vor dem Schlafen gehen wird die Angst eher wieder stärker...

Oft habe ich schlicht Angst, mich vor lauter Angst/Panik übergeben zu müssen - ohne dass ich überhaupt etwas schlechtes gegessen hätte. Das Problem ist nämlich auch, dass ich bei beiden "Vorfällen" (jeweils in 2014 und 2015) nicht genau weiss, was der Auslöser für das Erbrechen war. Wäre es einfach ein Virus oder Magenverstimmung gewesen, wäre ich wahrscheinlich einigermassen beruhigt. Aber ich befürchte immer, dass es wegen Stress oder so war und deshalb wächst natürlich meine PhoboPhobie jedes mal wen ich wegen etwas nervös bin...

Hui das ist jetzt ein Roman geworden, aber es war gut das mal aufzuschreiben.
Ach ja, ich habe mich endlich überwunden, eine Therapie anzufangen, bin aber noch auf der Suche nach einer geeigneten Person...

Ich freue mich im forum dabei zu sein!
Liebe Grüsse!

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18 Dez 2017 23:23 #2 von urbanciruela
urbanciruela antwortete auf das Thema: Ich stelle mich vor...
Hey!

erstmal herzlich Willkommen bei uns :)

Ich persönlich habe gar kein Problem mit Romanen!
Verstehe ich vollkommen.
Endlich hat man "jemanden" gefunden, bei dem alle seine Sorgen, Freuden und Ängste ausplaudern kann, den man sonst nicht hat.
Und da wir uns ja alle erst kennenlernen, muss man eben immer etwas ausschweifen..

Ich finde immer, je länger und ausführlich, desto besser!
Wenn ich nämlich hierherkommen, nehme ich mir Zeit.
Das ist mein persönliches Spa hier!


Und nun zu dir:
Ich kann deine Unruhe verstehen. Die Ungewissheit, warum man erbrechen musste, ist das schlimmste! Denn man kann keine zukünftigen Vorkehrung treffen. Man kann nicht sagen: Oh, das hab ich nicht vertragen, da sollte ich aufpassen. Oder: Ah, das ist also der Magen-Darm-Virus, jetzt weiss ich auf jeden Fall, was da auf einen zukommen sollte.
Aber Ungewissheit? Ich denke, das ist sowieso (neben dem Kontrollverlust) der Hauptpunkt unserer Angst.
Wann passiert es? Wie überraschend? Wie oft? Wie viel? und so weiter...
Das lässt unser Kino natürlich kreativ werden und zeigt uns die schlimmsten Filme.

Aber ich beneide dich auch etwas.
Ich habe das letzte Mal vor...lass mich lügen...11 Jahren gebrochen? Damals war ich 13. Warum weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich irgendwas nicht vertragen.
Aber ich habe keine Ahnung mehr, wie übergeben eigentlich ist. Und das ist der Horror! Ich male mir eben das Schlimmste aus... Und wie ist die Übelkeit davor? Gibt es irgendwelche Vorzeichen? Fragen über Fragen.

Du hast das "Glück", dass du in etwa noch weißt, wie das ist. Auch wenn es keine schöne Erfahrung ist, bist du "besser vorbereitet".

Aber ich muss dir Recht geben, die Angstübelkeit ist die Schlimmste. Denn man weiß, dass es aus Angst ist, und das macht mich persönlich immer ganz kirre, denn auch wenn ich nicht will, steigere ich mich immer weiter rein.
Ich selbst habe für mich rausgefunden, wenn ich den Tag durchgehe, und mir immer mehr Argumente gebe, dass eigentlich nichts sein kann, bin ich immer etwas beruhigter.
Wenn aber etwas in der Zukunft ansteht, vor dem man Angst hat oder aufgeregt ist, dann sieht das ganze immer etwas anders aus.

Ich denke dann immer an die positiven Sachen. Das, was mich in der Zukunft erwartet, macht mich stärker. Ich sammel Erfahrungen, die mir keiner mehr nehmen kann. Wenn ich das geschafft habe ( was wohl auch schon Millionen Anderer geschafft haben), dann schaffe ich sogar noch krassere Sachen.
Und dann belohne ich mich mit positiven Zukunftsgedanken.
Nächsten Samstag kaufe ich mir neue Schuhe, was für welche? Mal online schauen... oder ich koche für meinen Freund ein romantisches Dinner. Mache ich Kerzen an? Ziehe ich mir was hübsches an? ... Und so weiter.


Vielleicht hilft dir das ja auch?

Wir sollten die Sachen etwas gelassener betrachten. Denn die Stunden, in denen wir uns sorgen, machen wir eine eigentlich sehr schöne Zeit kaputt, die wir nicht mehr wiederbekommen.

Du packst das!!!

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20 Dez 2017 22:59 #3 von emetosophia
emetosophia antwortete auf das Thema: Ich stelle mich vor...
Hey, das ist ja wirklich toll auf diesem Forum, alle sehr nett und jetzt noch eine so persönliche Antwort...!

Ja das versuche ich mir auch immer einzureden, dass ich durch diese Erlebnisse einen Vorteil hätte.
Ich weiss ja eigentlich noch schemenhaft wie es abgelaufen ist, aber eben nicht mehr SO haargenau, dass ich "alltägliche" Übelkeit in jedem Fall noch davon unerscheiden kann. Darum denke ich dann oft, "meine Zunge hat sich damals genauso angefühlt wie jetzt" oder " damals hatte ich auch so ein Gefühl in der Speiseröhre" etc... also darum trägt es bei mir teilweise auch zur Angst bei.

Ich weiss aber EIGENTLICH, dass die Übelkeit wirklich schlimm war, ich auch fror, ja mich gleichsam Schüttelfrost einige Male schüttelte, bis es soweit war. Dennoch fürchte ich mich vor dem Erbrechen auch ohne dass diese Symptome vorliegen.... ach ach...

Mit den guten Gedanken funktioniert es in der Tat, wenn es nicht all zu schlimm ist. Ich habe auch angefangen zu meditieren, damit ich mich besser beruhigen kann. Aber ich werde versuchen, wie du schreibst, solche positiven Pläne zu schmieden!

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