Der Weg aus der Emotophobie.

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19 Sep 2017 23:45 #1 von Exemotophobiker
Exemotophobiker erstellte das Thema Der Weg aus der Emotophobie.
Lieber Leser

Falls du nicht mit der Wahrheit leben kannst, lies nicht weiter. Falls du die Emotophobie endlich hinter dir lassen willst möchte ich dir erzählen, wie ich die Angst vor dem Erbrechen verloren habe.

In meinem zwölften Lebensjahr entwickelte sich meine Angst vor Grippen, Übelkeit und Erbrechen. Später entwickelte sich das in Panikanfälle. Ich habe meine Jugend- und Teenagephase nicht in Clubs oder auf Partys verbracht, sondern lag fast jeden Freitagabend alleine zuhause im Bett, war deprimiert und mir ging es total schlecht.

Heute feire ich auf Partys, Schlafe beinahe jede Woche bei Freunden, esse täglich mit meinen zehn Mitarbeiter an einem Tisch, fahre jeden Tag mit der Bahn 30 Minuten zur Arbeit und ich liebe Alkohol :lol: . Ich weiss, was Du denkst:

1. das ist unmöglich
2. ich werde das niemals erreichen
3. ich ticke völlig anders
... (+tausend Gründe)

Ich möchte dir sagen, dass das Schwachsinn ist!

Ich war so starker Emotophobiker, dass ich öffentliche Verkehrsmittel nicht länger als 5 Minuten nutzen konnte, ohne dass mir dabei todschlecht war. Ich konnte weder auswärts essen, noch habe ich Alkohol getrunken oder bei Freunden übernachtet. Es war für mich der blanke Horror, wenn ich an einem Ort war, wo viele Leute vorhanden waren und ich habe mich immer mehr von der Aussenwelt abgeschottet.

Mit 21 Jahren habe ich zwei Sitzungen bei einer Psychotherapeutin gebucht.
Dort habe ich mich erstmals mit meiner Angst auseinandergesetzt, habe Atemtechniken gelernt und habe angefangen meine Angst mit anderen Augen zu sehen.

Ich bin jetzt 22 Jahre alt und will Dir sagen, dass ich erst JETZT begonnen habe wirklich zu leben. Vor zwei Monaten war ich an einem Konzert mit 5'000 Menschen. Vor fünf Wochen bin ich mit dem Flugzeug von Zürich nach Berlin und zurückgeflogen.
Ich habe mich sogar vor zwei Wochen auf der Strasse übergeben müssen und es war mir sch***egal ob es jemand gesehen hat oder nicht. Ich hatte weder Angst, noch fühlte ich mich schlecht dabei. Ich fühlte mich einfach stark und befreit.
Du siehst es gibt nicht nur Hoffnung, es gibt wirklich den Weg sich von dieser blöden Angst zu befreien.

Falls das Interesse Deinerseits besteht, nehme ich mir gerne die Zeit und verfasse einen ausführlicheren Text wie ich zurück in den Genuss des Lebens gefunden habe.


Geschrieben von einem Ex-Emotophobiker.
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20 Sep 2017 03:20 #2 von urbanciruela
urbanciruela antwortete auf das Thema: Der Weg aus der Emotophobie.
Ich freue mich so für dich!!!!!!!
Herzlichen Glückwunsch :)

Du ermutigst mich gerade sehr...besonders vor dieser sehr harten Jahreszeit-Norovirs-Grippe-Phase...:/
Verfalle täglich in Angst und mittlerweile hat sogar mein Freund nach 3 Jahren die Geduld verloren..

Ich muss das irgendwie schaffen!

Leider habe ich keine Vertrauensperson mit der ich mal über alles was mich so gedanklich belastet unterhalten kann.

Mein Hausarzt (Der einzige der Wirklich auf meine Angst eingegangen ist) ist vor 2 Jahren verstorben.
Mein Freundeskreis ist der meines Freundes... keinem vertraue ich wirklich und ich rede mir auch immer ein, dass sie mich nur "mögen", weil ich die Freundin bin...dumm, ich weiß :D
Sie wissen auch alle von meiner Angst, aber keiner kann es irgendwie nachvollziehen und ich werde immer nur belächelt..

Aber mit 23, fast 24 ist es auch nicht so einfach, eine beste Freundin oder sowas zu finden.

Ich bräuchte einfach jemanden, dem ich von meinen Macken, Gedanken und Ängsten erzählen kann.
Das würde meine psychische Verfassung sehr heben...

Für einen Therapeuten fehlt mir leider das Geld (100€ pro Sitzung kann ich mir nicht leisten...)

Ich habe eine Ausbildung gemacht und arbeite gerade auf Minijob-Basis in einer Event-Agentur.
Ich lebe in meiner eigenen Wohnung, worüber ich sehr froh bin!





Wie war die Therapie für dich? Also die 2 Sitzungen?

Als du dich übergeben musstest...warum? hattest du keine Angst vorher?

wie hast du das geschafft?
Ich würde gerne jedes kleinste Detail wissen!!!!!!


Laura

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20 Sep 2017 06:08 #3 von Amyee
Amyee antwortete auf das Thema: Re:Der Weg aus der Emotophobie.
Hallo, auch mich würde es interessieren wie du es geschafft hast, also schreib deine Geschichte.
Wir würden uns alle darüber freuen :)

Gruß Amyee


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21 Sep 2017 16:16 #4 von Nerb
Nerb antwortete auf das Thema: Re:Der Weg aus der Emotophobie.
Sehr gut!

Was mich interessieren würde ist, ob und was sich zu der Zeit des Wendepunktes bei dir noch so in deinem Leben verändert hat oder du verändert hast. Natürlich nur falls dir das nicht zu privat ist.

Viele Grüße

Nerb

„You’re not your job. You’re not how much money you have in the bank. You’re not the car you drive. You’re not the contents of your wallet. You’re not your fucking khakis. You’re the all-singing, all-dancing crap of the world.“ - Chuck Palahniuk

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21 Sep 2017 21:03 #5 von urbanciruela
urbanciruela antwortete auf das Thema: Re:Der Weg aus der Emotophobie.
Hey! Ich würde gerne komplett offen mit dir reden!
Mir ist nichts zu privat, besonders wenn es hier um einen solchen Austausch geht!

ich weiß gerade nicht welchen Wendepunkt du meinst?
Bei mir gab es bezüglich Emetophobie nie einen Wendepunkt...Ich hab diese Angst schon seit ich das erste Mal erbrochen habe (zumindest das erste Mal, an das ich mich erinnern kann). und auch an jedes weitere Mal (was ich an einer Hand abzählen kann) kann ich mich erinnern als wäre es gestern gewesen...

Welchen Wendepunkt meinst du?


Grüße Und danke für deine Antwort!!!

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21 Sep 2017 21:33 #6 von Nerb
Nerb antwortete auf das Thema: Re:Der Weg aus der Emotophobie.
Das war jetzt vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt, aber meine Frage richtete sich an den Threadstarter.

„You’re not your job. You’re not how much money you have in the bank. You’re not the car you drive. You’re not the contents of your wallet. You’re not your fucking khakis. You’re the all-singing, all-dancing crap of the world.“ - Chuck Palahniuk

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22 Sep 2017 19:37 #7 von Exemotophobiker
Exemotophobiker antwortete auf das Thema: Der Weg aus der Emotophobie.
Es freut mich, wenn ich euch helfen kann.

Ich versuche auf eure Fragen einzugehen, ansonsten einfach wieder melden. Ich lese die Mails nur sporadisch nehme mir aber gerne die Zeit für dieses Thema.

Natürlich hatte auch ich keine Bezugsperson und habe auch mit niemandem über das gesprochen. Schlussendlich bestätigt einem ja jeder, dass sich übergeben nichts Tolles ist. Aber ich hatte panische Angst vorm Erbrechen. Später entwickelte sich meine Angst vom Erbrechen an die Übelkeit, was davor passiert und die damit verbundenen Hilflosigkeit.

Ich hatte einen bakteriellen Infekt und das Antibiotikum war zu stark dosiert für mich. Daher das Übergeben auf der Strasse. Seit ich keine Angst mehr vor dem Erbrechen habe, ist mir kaum noch übel.

Immer wenn ich mich Übergeben habe war ich eine Art stolz auf mich, weil ich das geschafft habe und gleichzeitig wurde mir bewusst, dass ich mein ganzes Leben verpasse, nur weil ich vor etwas Angst habe.
Schlussendlich ist es eine Phobie. Es gibt tausend verschiedene Phobien. Menschen haben Angst vor Höhe, engen Räumen, Wasser, Spinnen, etc. (natürlich ist Emotophobie die schlimmste dachte ich, weil man 24h/7d gegen sich und seinen Verstand kämpfen muss).

Der Wendepunkt war eigentlich der Tag an dem ich meine Spinnenphobie hinterfragte. Ich fragte mich selbst: Wieso habe ich Angst vor Spinnen? Gibt es einen Auslöser für diese Angst? Gibt es ein Ziel das ich erreichen kann oder werde ich mit dieser Angst sterben?

Meine Psychotherapeutin hat mir bestätigt, dass meine (und deine) Phobie nur eine Überforderung meines Nervensystems ist. Daher wusste ich, dass ich was dagegen tun kann. Sobald ich stärker bin als diese Angst ist sie weg.

Was ich in der Psychotherapie gelernt habe: Wenn dir das nächste Mal übel ist oder du merkst das diese „Welle“ kommt. Schenke deine volle Aufmerksamkeit nur deiner Angst. Gib deiner Angst einen Namen, eine Persönlichkeit und ein fratzenähnliches Gesicht.
Stell dir einfach vor du bist in einem riesigen Saal voller Leute und sobald du merkst, dass dir schlecht wird, stellst du diese Fratze auf die Bühne und alle lachen sie aus. Du lachst sie solange aus, bis diese Fratze verschwindet und damit deine Übelkeit. Du wirst sehen, das wirkt Wunder. Ich habe es selbst nicht geglaubt, habe es aber ausprobiert.

Das waren meine schönsten zwei Tage als ich das gemacht habe, weil ich die Veränderung merkte und wusste dass ich mich von dieser Angst abwende.

Also nutze diese Technik und Du wirst sehen, dass du Schritt für Schritt weiterkommst und Dinge tun kannst die du zuvor für Unmöglich gehalten hast.


Ich weiss dass ich euch hiermit nicht nur diese 0815 Ratschläge gebe, sondern einen Tipp der euer Leben verändern wird ;-)

Ich wünsche euch allen ein tolles Wochenende.

Lieber Gruss
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23 Sep 2017 21:22 #8 von frechdachs102
frechdachs102 antwortete auf das Thema: Der Weg aus der Emotophobie.
Hallo und guten Abend,

Ich bewundere Dich dafür und wäre auch gerne schon dort, wo Du jetzt bist. Das fühlt sich bestimmt super toll an :-)

Irgendwie hemmt mich die Angst, alles viel lockerer zu sehen. Kann dies nicht ablegen. Noch nicht.

Gehst Du weiterhin zu Deiner Therapeutin oder ist die Therapie inzwischen abgeschlossen?
Hast Du da auch gar keine Panik mehr vor Magen-Darm?

Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute auf Deinem Weg :-)

Liebe Grüße

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15 Nov 2017 03:11 #9 von frambosi
frambosi antwortete auf das Thema: Re:Der Weg aus der Emotophobie.
Ich freue mich auch sehr für dich

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25 Nov 2017 17:58 #10 von Princess01
Princess01 antwortete auf das Thema: Der Weg aus der Emotophobie.
Hallo Exemotophobiker und alle anderen.

Mir geht es genau so wie dir. Ich habe auch lange mit der Angst gekämpft und bin mittlerweile aber ziemlich angstfrei.
Ich genieße mein Leben in vollen Zügen.
Es ist wirklich schade, man verpasst so viel schönes im Leben wegen einer blöden Angst.
Dafür weiß man danach umso mehr zu schätzen was man im Leben hat und wofür man kämpfen muss! :)

Ich wünsche euch, dass ihr alle bald dieses Gefühl habt, das Leben in vollen Zügen genießen zu können.
Lasst euch Zeit, irgendwann schafft ihr das alles. Es muss ja nicht von heute auf morgen alles funktionieren.. aber jesen Tag ein klein bisschen mehr! :)

Lg Princess

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