1. Was ist dein Alter, Geschlecht, Beruf?25, weiblich, Zolldeklarantin
2. Wann hat alles angefangen (Alter, Lebenssituation, mögliche Gründe, mögliche Auslöser)?Weiß leider nicht ab wann ich es hatte, weiß nur dass ich die Phobie seit ich denken kann habe.
Es gab mehrere Erlebnisse die ich als sehr schlimm empfand als ich klein war.
Dass muss im Kindergarten alter gewesen sein.
*Trigger*
Meine Eltern wollten ausgehen und haben einen Babysitter für meine Schwester und mich organisiert. Wir schauten Fern und durften Salzstangen knabbern. Meine Schwester hat dann ziemlich viele davon gegessen.
Später mussten wir dann ins Bett und der Babysitter wartete immer eine Stunde bis wir schliefen und ging dann meistens nach Hause. Einige Zeit später hat meine Schwester ins Bett gek****( wir mussten uns ein Zimmer teilen). Ich hab’s zuerst gar nicht realisiert und hab sie gefragt was los sei. Sie antwortete ganz gelassen dass sie K***** musste. Ich sprang auf rannt die Treppe runter zum Telefon und rief unter Tränen meine Mutter auf dem Handy an. Sie kamen natürlich gleich nach Hause. Aber für mich war es der absolute Horror alleine mit meiner Schwester zu sein.
Ein anderes Mal waren wir bei meinem Vater in der Firma. Da hatte es einen Unterirdischen Gang der zur Cafeteria führte. Meine Schwester und ich wollten unbedingt noch was trinken gehen, aber meine Eltern wollten nach Hause. Also haben wir so lange gebeten bis wir schnell gehen durften. Da meine Eltern nach Hause wollten sollten wir schnell machen. Also gingen wir schnell rüber und nahmen zusammen eine Limo. Wir rannten schnell wieder zurück und als wir in der Hälfte waren blieb meine Schwester stehen und übergab sich. Ich bin dann einfach weitergerannt und habe es meinen Eltern gesagt. Ich musste mir dann anhören warum ich sie da einfach alleine gelassen habe usw.
*Trigger Ende*
3. Wie ist deine Krankheit verlaufen? Wie hast du dich dabei gefühlt? (Gerne ausführlich beschreiben)Da ich es schon immer hatte war es für mich eigentlich sehr normal. Panik habe ich nur wenn jemand sagt dass ihm schlecht ist, sich jemand übergibt oder wenn mir selber schlecht ist oder ich mich übergeben muss.
Es gab bessere und schlechtere Zeiten. Aber im Großen und Ganzen fühlte ich mich immer gut.
4. Was für Auswirkungen hat deine Krankheit/deine Krankheiten auf das „normale“ Leben und deinen Alltag?Ich habe die Schule abgeschlossen, eine Ausbildung absolviert, gehe mit Freunden aus und arbeite ganz normal in meinem Beruf.
Ich kann meinen Tagesablauf sehr gut bewältigen außer in Situationen wie in Punkt 3 beschrieben.
5. Was hast du gegen deine Krankheit unternommen?Ich habe bis zu meinem 22. Lebensjahr nicht gewusst dass es eine Krankheit/Phobie ist. Ich sagte zwar immer dass ich eine Kotzphobie habe aber musste selber immer lachen weil ich nicht wusste dass es das wirklich gibt.
Als dann mein Freund eine Magenverstimmung hatte vor 3 Jahren merkte ich wie schlimm meine Phobie wirklich ist. Ich zitterte nur noch am ganzen Körper und hatte richtige Schweißausbrüche. Ich konnte einfach mit niemanden drüber reden da ich selber nicht wusste warum ich solche Angst hatte.
Einige Monate später sind mein Lebenspartner, sein bester Freund und ich ins Kino gegangen. Wir gingen danach noch was trinken. Wir sprachen über Gott und die Welt. Irgendwann fand ich den Zeitpunkt richtig die zwei Jungs zu fragen was sie über diese Kotzphobie hielten. Ich erklärte Ihnen genau was mit mir dann passiert und die Reaktion von Ihnen überraschte mich. Sie meinten dass es auf keinen Fall normal ist und ich mal im Internet forschen solle.
Gesagt getan. Ich fand natürlich einige Infos und dieses Forum. Ich konnte es echt nicht glauben. Wut, Traurigkeit und Erleichterung machten sich bemerkbar. Ich wusste nicht ob ich weinen oder lachen sollte.
Ich machte dann einen Monat später eine Therapie die leider nichts gebracht hat. Die Therapeutin hatte keine Ahnung und fragte mich wie sie mir helfen kann. Irgendwie hatte ich zu ihr auch überhaupt keinen Draht. Sie war einfach nur unsympathisch.
Also lebe ich jetzt immer noch so weiter wie bisher.
6. Wie geht es dir nun mit deiner Krankheit? Wie gehst du mit deiner Krankheit um? Wie schaffst du es, trotz Krankheit normal zu leben bzw. was hinert dich daran?Ich akzeptiere sie. Seit ich klein bin kenne ich kein anderes Leben von daher nehme ich jeden Tag so wie er kommt. Sie hindert mich sehr wenig und ich kann mit der Krankheit leben. Klar wäre es schöner wenn ich in gewissen Situationen keine Angst hätte aber das gehört einfach zu mir.
7. Wie gehst du mit deinem Umfeld um? Erzählst du anderen von deiner Krankheit? Warum oder warum nicht?Meine Eltern, mein Freund und meine engsten Freunde wissen Bescheid. Ich möchte auch nicht dass es jeder weiß. Weil viele können das einfach nicht nachvollziehen und machen sich lustig darüber. Auf das kann ich gut verzichten.
8. Wie ist dein aktuelles Befinden? Welches Ziel hast du?Mir geht es im Moment sehr gut. Mein Ziel ist es dass ich mich von der Krankheit nicht Einschränken lassen möchte und mein Leben weiter so gut verläuft wie bisher.
9. Was hat dir konkret geholfen? Was hilft dir noch?Die Erkenntnis dass ich nicht alleine damit bin und das meine Familie und Freunde hinter mir stehen wenn’s mir mal wirklich schlecht geht.
Ablenkung ist auch ein gutes Mittel gegen schlechte Gedanken. Klappt nicht immer aber das Leben geht weiter.
10. Was würdest du Angehörigen/Außenstehenden raten wie sie mit deiner Krankheit umgehen sollten? Was würdest du dir von ihnen wünschen?Sie sollen es einfach Akzeptieren und sich nicht lustig darüber machen.
Mir zur Seite stehen wenn es mir nicht gut geht und mir helfen wieder auf die Beine zu kommen wenn ich mal gefallen bin.
Ein offenes Ohr haben wenn es nötig ist und allenfalls Tipps geben wenn es möglich ist.
Ich hoffe es hilft dir weiter.
Grüässli
Lea