Vermeidungsverhalten - was ist das eigentlich?

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26 Mär 2016 21:34 #16 von LucyInTheSky
LucyInTheSky antwortete auf das Thema: Vermeidungsverhalten - was ist das eigentlich?
Das ist eine sehr gute Frage nach deren Antwort ich gerade noch suche. Also es war ja schon mal so schlimm. Dann hab ich es eine zeitlang eben ganz gut im Griff gehabt, trotz Stress, Prüfungen, Umzügen, etc.. Letztes Jahr im Juli ging es dann schleichend wieder los, parallel dazu auch eine depressive Episode. Erst dachte ich Stress, weil ich damals Diplomarbeit geschrieben habe und nebenbei arbeiten musste was in einer 60h-Arbeitswoche resultierte. Im November war dann Abgabe und ich war erstmal nur Teilzeit arbeiten und sogar Gleitzeit, also wirklich absolut entspannt. Aber mit der Entspannung wurde es sogar noch schlimmer.

Eine Theorie, dass es im Juli wieder schlimmer geworden ist, ist dass offen stand, wie mein Leben ab Herbst so weiter geht und ich quasi mit dem zwanghaften Verhalten versuche das Gefühl von Kontrolle haben herzustellen.

Zweite Theorie warum es mit der Entspannung noch schlimmer wurde: Mir hat es erstmal gar nicht gepasst, dass ich so wenig zu tun hatte (eigentlich war anderes als die Teilzeitarbeit geplant) und ich fing an mir noch krampfhaft nen Job dazu zu suchen, weil ich nicht ausgelastet war. Ich hing den ganzen November/Dezember planlos rum, bis auf das bisschen arbeiten gehen und hab quasi nichts gemacht. Fand mein Leben sinnlos usw.. Ich war die meiste Zeit bei meinen Eltern und nicht mehr in der WG, weil mein Mitbewohner Ende November Noro hatte und ich so paranoid war, dass ich selbst Wochen danach nicht mehr in die Wohnung wollte.

Nach und nach wurde es aber besser, ich hab geschafft meine Freizeit sinnvoll zu nutzen, hab viel über mich nachgedacht, im Dezember meiner Therapie gestartet und mir wurde/wird nach und nach immer mehr bewusst. Ich bin jahrelang vor mir selbst weggelaufen, hab mir immer besonders viel Stress gesucht oder schmerzhafte Beziehung usw., nur um mich nicht mit mir selbst auseinander zu setzen, mir selbst nah zu kommen. Und dann hatte ich auf einmal Zeit. Keinen Grund den ich vorschieben konnte, warum ich keine Zeit und Nerv habe, mich mit mir auseinander zu setzen und ich glaube deswegen kam die Symptomatik dann noch schlimmer durch, weil ich das quasi irgendwie deckeln wollte.

Warum ich mir selbst nicht nah kommen will, vor was ich da genau Angst habe, das ist mir noch nicht so klar. Aber das wird es sicher nach und nach.

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26 Mär 2016 22:44 #17 von Kriss
Kriss antwortete auf das Thema: Vermeidungsverhalten - was ist das eigentlich?
Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Mir geht es auch besser, wenn ich viel Arbeit habe und schlechter, wenn ich zu viel Zeit habe, um mit meinen Gedanken alleine zu sein. In letzter Zeit fällt mir auch wieder verstärkt auf, dass ich es allein zu Hause kaum aushalte, mal keine Hintergrundgeräusche, wie meine Serien oder Musik zu haben. Stille in meinem Kopf sorgt dafür, dass ich mich mit meinen Gedanken und ganz mit mir selbst auseinander setzen muss und das fällt mir sehr schwer.
Ab Oktober ist mein Volontariat vorbei und damit st bei mir auch offen, wie es beruflich weiter gehen wird. Ich bin gespannt, wie diese Zeit wohl so wird.
Hast du mittlerweile einen Vollzeitjob gefunden? Und geht es in deiner Therapie konkret darum die Ursachen für die Emetophobie zu finden und zu verarbeiten?

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26 Mär 2016 23:34 #18 von LucyInTheSky
LucyInTheSky antwortete auf das Thema: Vermeidungsverhalten - was ist das eigentlich?
Ja seit März arbeite ich Vollzeit. Das ist noch ne ganz schöne Herausforderung gerade mit der Phobie und dem Essen und auch erstmal in den Job reinzukommen und in diesen nine-to-five Arbeitsrhythmus. Ich hab die letzten 6 Jahre studiert, da hat man einfach nen total anderen Lebensrhyhtmus. Aber ich habe gerade so viel Freizeit wie nie zuvor. Und nach und nach tut mir das eben auch gut.

Ich denke in so ner Psychoanalyse verstehst du nach und nach immer mehr, warum du so tickst wie du tickst, was letztendlich auch Aufschluss darüber bringt, warum diese Angst z.B. besteht. Aber ich stehe ja noch ganz am Anfang der Therapie.

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27 Mär 2016 12:40 #19 von Kriss
Kriss antwortete auf das Thema: Vermeidungsverhalten - was ist das eigentlich?
Gut, dass du deine Freizeit schon ein bisschen genießen kannst.
Ich habe schon mal eine Psychoanalyse gemacht, allerdings nicht wegen der Ängste. Mit hat das sehr gut getan und ich habe mich im Laufe eines Jahres wahnsinnig weiter entwickelt.

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27 Mär 2016 14:30 #20 von Kinabalu
Kinabalu antwortete auf das Thema: Vermeidungsverhalten - was ist das eigentlich?
LucyintheSky
Es ist schonmal ein großer Schritt, dass du dein Verhalten als Vermeidungsverhalten ansehen kannst. Viele, und da zähle ich mich auch zu, verteidigen dies sehr lange. Man sagt sich dann sowas wie "Es ist doch normal wenn man sich vor dem Essen die Hände wäscht, das macht doch jeder"-ja aber nicht jeder rastet aus wenn er es dann doch mal vergisst oder unterwegs keine Gelegehnheit hat.
Also da bist du doch schon weiter!

Ich denke du bist auf einem guten Weg

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