Was steckt nur hinter dieser Angst?

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22 Nov 2016 18:16 #1 von Micha_Mausi
Micha_Mausi erstellte das Thema Was steckt nur hinter dieser Angst?
Hallo ihr Lieben,
ich hoffe jemand hier hat vielleicht einen Rat, oder hat das ganze selbst schon erlebt und kann mir davon berichten :)
In der Nacht von Sonntag auf Montag hat es mich erwischt mit MDG. Ich musste seit sooo vielen Jahren mal wieder brechen. Ich empfand es in keinem Augenblick als schlimm, allerdings hatte ich wahrscheinlich auch Glück. Denn außer kurz vorm Erbrechen war mir überhaupt nicht übel, hatte "nur" schlimme Bauchkrämpfe. Nach dem Erbrechen ging es mir relativ schnell besser. Am nächsten Tag konnte ich schon wieder etwas Schonkost essen und auch gut trinken. Heute ging es mir allgeimein noch viel besser, fühlte mich fast wieder gesund, war nur noch etwas schwach. Habe dann wieder etwas Schonkost zu mir genommen, etwas mehr als gestern weil ich so großen Hunger hatte. Habe trotzdem immer schön darauf geachtet langsam zu essen und alles gut zu kauen um den Magen zu schonen. Gut ich muss auch gesteheh, dass ich heute schon wieder geraucht habe. Nicht viel, aber immerhim 3 Zigaretten. Mir ging es danach aber auch nicht schlecht oder so.
Doch dann wurde es eigenartig: Ich wollte heute noch bei Zwieback und Suppe bleiben, doch dann kochte meine Mutter und ich beschloss auch die Nudeln mit Tomatensoße zu essen (mit dem Hintergedanken: Wenn ich brechen muss passiert es sowieso. Außerdem war es ja schon über 30 Stunden her und mir ging es ja bisher prima). Doch schon nachdem ich das beschlossen hatte wurde mir übel, ganz komisch. Ich fragte mich, ob es die Angst ist, dass es nach dem Essen wieder passieren könnte. Ich überwindete diese Sorgen und aß ein paar von den Nudeln mit Soße. Viel konnte ich nicht essen, da ich mich eben irgendwie so komisch fühlte und auch nicht viel Hunger hatte.
Nach dem Essen ging es etwas besser, doch ich habe jetzt immer wieder so kleine Attacken wo ich mich nicht ganz gut fühle. Es erinnernt mich wirklich mehr an die Angst. Aber im Augenblick kann ich nicht unterscheiden ob es an Angst liegt, oder an der Krankheit.

Wie geht ihr damit um? Wann könnt ihr nach einer MDG wieder "normal" essen ohne euch großartig Sorgen zu machen?
Ich muss dazu sagen, ich empfand das Erbrechen nicht als schlimm. Ich dachte ich könnte darauß Kraft schöpfen und die Angst vielleicht überwinden. Doch warum habe ich jetzt Angst wieder brechen zu müssen, obwohl ich weiß dass es nicht schlimm ist?
Wie geht es euch damit? Die wenigsten können die Angst ja nach dem Brechen überwinden. Aber warum? Wo genau sitzt die Angst denn dann, wenn es mit dem Erbrechen an sich ja eigentlich nichts zu tun hat?
Habt ihr da Erfahrung und seid schon auf irgendwelche Ideen gekommen? Gerade weiß ich nämlich nicht weiter... denke jetzt auch wirklich ernsthaft über eine Therapie nach.... Aber das könnte mir meine ganze Zukunft versauen... Ich bin ratlos :dry:

Liebe Grüße,
Michaela

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23 Nov 2016 13:32 #2 von Fleur
Fleur antwortete auf das Thema: Was steckt nur hinter dieser Angst?
Hallo Michaela,

ich kann dir leider nicht viel dazu sagen, wie man sich nach einer MDG mit Übergeben fühlt, da ich noch in der Phase "seit fünfzehn Jahren nicht mehr erbrochen" stecke. Ich bin aber, auch nachdem ich deine Posts gelesen habe, immer mehr am Überlegen, ob ich das Brechen nicht tatsächlich mal in meiner Therapie gewollt herbeiführen soll. Nicht sofort, auch nicht in einem Monat. Aber der Gedanke ist nicht mehr gar so abwegig. Und mit therapeutischer Begleitung hoffe ich, dass ich daraus auch viel Positives ziehen kann, so wie du dir das vorgestellt hattest. Das führt mich zu der Frage: Warum würde dir eine Therapie deine ganze Zukunft versauen?

Was mein Therapeut auf jeden Fall schon bestätigt hat: Er findet es gut, wenn ich mich speziell mit dem Erbrechen beschäftige und nach und nach konfrontiere, aber er hat auch gesagt, dass das nicht das Hauptproblem ist. Eher ein Symptom. Bei mir geht es wohl darum, dass ich generell viele Unsicherheiten auf mich selbst bezogen habe, mir nicht viel zutraue und Angst habe, zu versagen. Ob das immer hinter so einer Phobie steckt - keine Ahnung. Die Frage beschäftigt mich aber auch enorm!

Also hoffe ich auch, dass hier noch der ein oder andere ein paar aufschlussreiche Erfahrungen mitteilt :)

Liebe Grüße, Fleur

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23 Nov 2016 18:16 #3 von Micha_Mausi
Micha_Mausi antwortete auf das Thema: Was steckt nur hinter dieser Angst?
Hallo Fleur,
vielen Dank für deine Antwort :)
Mit dem Gedanken das Erbrechen gewollt herbeizuführen spiele ich auch schon lange. Nur hätte ich es ganz allein machen müssen, ohne begleitenden Therapeuten. Aber ich denke, es könnte eine gute Option sein, sich der Angst einfach bewusst zu stellen. Aber wer weiß schon, wann oder ob man dazu bereit ist ;)

Ich hatte im meiner Jugend schon einmal eine längere Therapie (auch mit Klinikaufenthalt) wegen Borderline. Dadurch bekam ich später Probleme meinen Traumjob (u.a. Polizei) zu ergreifen. Ich wurde deswegen sofort abgelehnt. Natürlich kann ich das einerseits gut verstehen, doch ich möchte nicht, dass mir eine erneute Therapie wieder im Weg steht. Wenn es in der Jugend war habe ich bei anderen Jobs noch Chancen. Aber eine neue Therapie könnte alles versauen. Und das will ich einfach nicht. Fraglich ist natürlich, ob man durch diese Angst für diverse Jobs überhaupt geeignet ist. Es ist doch eigentlich besser, wenn man sich dem stellt und eine hilfreiche Therapie macht, als wenn man es "geheim" hält, die Probleme dadurch über die Jahre wahrscheinlich schlimmer werden und dadurch trotzdem bessere Möglichkeiten auf so einen Job hab. Etwas gemein (meiner Meinung nach), aber das ist jetzt eine andre Sache ;)

Ich wünsche dir natürlich, dass die "Nicht-Erbrechen-müssen-Phase" noch gaaanz lange anhält, aber wie ich gesehen habe kann sich das ja ganz schnell ändern (ohne dir jetzt unnötig Angst machen zu wollen^^)
Wenn es passiert ist es halb so wild, doch weiß ich im Moment eben nicht ganz damit umzugehen. Heute habe ich einfach (trotz noch immer leichter Angst es könnte wieder passieren) relativ normal gegessen. Und es geht mir gut. Doch irgendwie denke ich seither anders darüber. All meine "Scheinsicherheiten" sind jetzt plötzlich weg. Damit muss ich nun lernen umzugehen. Ich hoffe ich schaffe es auch ohne Therapie ;)

Diese Versagensängste treffen bei mir auch eindeutig zu. Ich traue mir auch selbst nich viel zu. Ich tue Dinge lieber gleich gar nicht, aus Angst es eh nicht zu schaffen, anstatt es zumindest zu versuchen. Ich glaube auch eher dass die EMO durch all diese Unsicherheiten entstanden ist. Nur wie bekommt man so etwas weg?! :lol:

Noch eine Frage (sorry das ich so viel schreibe xD): Wie lange bist du denn schon in Therapie, und welche Art Therapie ist das? Hat es dir bisher etwas gebracht?

Liebe Grüße
Michaela

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28 Nov 2016 13:41 #4 von Fleur
Fleur antwortete auf das Thema: Was steckt nur hinter dieser Angst?
Hallo :)

Ich mache eine Verhaltenstherapie (unterstützt von einer körperorientierten Psychotherapie. Da wird mit Gesprächen, aber auch mit Massagen und Heilbehandlungen gearbeitet. Das ist hin und wieder hilfreich für mich, wenn ich sehr angespannt bin vor angstbesetzten Situationen. Es hilft, sich zu entspannen und den Körper auch mal positiv und angenehm wahrzunehmen. Die "Hauptarbeit" liegt aber in der Verhaltenstherapie bei einem anderen Therapeuten.)
Ich weiß allerdings nicht, wie eine Verhaltenstherapie "im Normalfall" abläuft, ich habe schon gelesen, dass Therapeuten ihre Patienten teilweise auch draußen und in Angstsituationen begleiten. Das ist bei mir nicht so. Ich führe Gespräche mit dem Therapeuten und er ermutigt mich, mein Verhalten und meine innere Einstellung zu ändern, grob gesagt. Manchmal habe ich das Gefühl, er sagt mir hauptsächlich immer und immer wieder, dass alles, wovor ich mich fürchte, halb so schlimm ist. Dass ich toll bin und nichts an mir verkehrt ist und ich deshalb keine Angst haben muss, was andere über mich denken könnten - selbst wenn es was negatives wäre. Und dass ich deshalb auch unangenehme Situationen, wie das Erbrechen, unbeschadet überstehen kann.
Er gibt mir aber auch oft sehr interessante Impulse. Letztes mal sagte er mir zum Beispiel (nachdem ich angefangen habe mit der Konfrontation, indem ich mir jetzt brechende Menschen auf Fotos anschaue, und das nicht so beängstigend fand wie erwartet - eklig ist es trotzdem^^), dass er sich nicht wundert, dass ich zuhause, aus der Distanz heraus, besser damit umgehen kann. Denn es ist keiner da, der meine Reaktion beobachtet und bewerten könnte. Seiner Meinung nach ist die Angst wohl eher darin begründet, dass andere es komisch finden könnten, wenn ich mit Panik auf fremdes oder eigenes Erbrechen reagiere. Ist das verständlich? Ich selbst bin noch nie auf den Gedanken gekommen, dass nicht das Brechen das eigentlich schlimme sein könnte. Aber irgendwie fühle ich mich jetzt ein bisschen sicherer, der Gedanke auch an eine MDG hat etwas an seinem Schrecken verloren (wenn auch lange nicht alles).

Es tut mir leid, dass du diese negative Erfahrung machen musstest! Ich habe auch lange gezögert, eine Therapie zu beginnen. Noch größere Angst hatte ich, einen Antrag auf Erstattung der Kosten bei der Beihilfe einzureichen, denn ich bin Beamtin auf Probe. Mein Therapeut meinte jedoch, mit meiner Diagnose (er hat nichts von Depressionen oder ähnlichem erwähnt, was dauerhaft ein Problem sein könnte) dürfte es EIGENTLICH keine Probleme geben. Und selbst wenn - ich habe die Einstellung, dass ich mit meinem Studienabschluss im Fall der Fälle auch anderweitig unter käme. Das, was ich mache, ist nicht unbedingt mein Traumjob. Meine Gesundheit und meine Freiheit, die von so einer Phobie ja sehr eingeschränkt wird, sind mir wichtiger. Und nicht zuletzt gefährde ich meine Arbeit ja eher, wenn ich die Sache unbehandelt und sich verschlimmern lasse!
Und ich habe schon das Gefühl, dass mich die Therapie weiter bringt! Ob ich am Ende davon "geheilt" werde, steht noch offen.

So, puh^^ Wie geht es dir inzwischen?

Liebe Grüße, Fleur

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28 Nov 2016 21:09 #5 von Micha_Mausi
Micha_Mausi antwortete auf das Thema: Was steckt nur hinter dieser Angst?
Hallo Fleur,
erstmal: Vielen Dank für deine Antwort, das klingt alles sehr interessant! Bisher habe ich auch nur von Verhaltenstherapien gehört wo einen die Therapeuten gezielt in Angstsituationen bringen und dabei begleiten und unterstützen. Meine erste Therapie war psychoanalytisch. Das hat mir prima geholfen, aber ich glaube auch dass in diesem Fall eine VerhaltensT eher angebracht wäre und besser helfen könnte. Vor allem die Unterstützung durch Massagen etc finde ich sehr interessant. Den Körper zu entspannen ist ja ein wichtiger Schritt gegen die Panik. Mit Entspannungstechniken habe ich auch schon gute Erfolge erzielt, aber mit Therapeut läuft das ganze sicherlich etwas besser ;)
Dein Bericht macht mir etwas Mut. Vielleicht kann ich alle anderen Ängste um Job etc ablegen und auch eine Therapie beginnen. Denn du hast natürlich vollkommen Recht, die eigene Gesundheit steht im Vordergrund. Was bringt mir der "Traumjob", wenn ich mein Leben nicht genießen kann. Für irgendetwas wird es schon gut sein, dass ich keine Chance auf solche Jobs habe, wer sagt denn dass ich mich da auch wohlfühlen würde ;)

Dass die eigentliche Angst bei mir nicht vom Erbrechen selbst kommt weiß ich schon lange. Aber ich bekomme einfach nicht raus an was es sonst liegen könnte! Natürlich fände ich es nicht gerade toll mich in der Öffentlichkeit zu übergeben, davor habe ich auch am meisten Angst, aber ich kann nicht sagen ob es daran liegt, dass ich mich in diesem Augenblick schämen würde etc. Wenn es einem schlecht geht ist glaube ich erstmal alles andere egal xD Mir ist es grundsätzlich auch egal was andere über mich denken, aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich mir das einfach seit Jahren einrede um mich besser zu fühlen. Vielleicht ist dadurch die EMO überhaupt erst entstanden?!
Als ich die MDG hatte war auch meine größte Angst, dass ich es nicht rechtzeitig zur Toilette schaffe. Meine Mutter war die ganze Zeit an meiner Seite (Respekt an sie, ich könnte das niemals!), aber ich fühlte mich dabei nicht unwohl und habe mich geschämt. Ich hatte nur panische Angst sie anzustecken. Ich habe einiges über meine Angst gelernt in dieser Situation. Und obwohl ich jetzt weiß wie "es" ist, und dass es überhaupt nicht schlimm ist, vergeht die Angst vor einer erneuten Ansteckung nicht. Ich habe jetzt eine ganze Woche gebraucht um mich wieder einigermaßen zu erholen (und zwar nur von der Angst, körperlich ging es mir am nächsten Tag schon wieder relativ gut). Ich konnte die ganze Woche kaum essen, und weil ich eh schon eher wenig wiege (das liegt aber nicht an der EMO, ich war schon immer relativ schlank xD), ist das natürlich fatal und mein Körper wurde dadurch auch noch mehr geschwächt.
Seit gestern ist es besser, und ich hoffe dass es mir hilft wenn ich wieder in den normalen Alltag einsteige. War jetzt die ganze Woche nicht in der Uni (hätte sich nicht rentiert am Mittwoch nach Passau zu fahren und am Freitag wieder nach Hause um zu arbeiten xD). Morgen geht der Alltag wieder los, und ich hoffe dass es die Angst wieder etwas mehr einschränkt wenn ich eine Beschäftigung habe und mich auf andere Dinge konzentrieren kann. Und ich hoffe noch immer, dass ich irgendwann Kraft aus aus der Situation schöpfen kann ;)

Fakt ist, sollte die Angst sich nicht noch deutlich bessern (also wieder so werden wie vor der MDG), oder sich gar wieder verschlimmern, dann muss ich reagieren. Einen Therapieplatz zu bekommen wird zwar wahrscheinlich ewig dauern, aber dann muss sich endgültig etwas ändern. Bisher bin ich ja allein ganz gut klargekommen. Und sollte es wieder so werden wie vorher, dann werde ich wohl auch keine Therapie beginnen :/ (Ich denke dann nur wieder: "Jetzt geht es dir doch eh gut, brauchst dann ja keine Therapie). Aber in Akutsituationen denke ich dann doch wieder anders darüber :lol:

Nun ja, mal sehen wie es weitergeht ;)

Sorry für diesen eeewig langen Text xD

Beste Grüße,
Michaela

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