Phobophobie - Die Angst vor der Angst

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22 Feb 2016 22:58 - 22 Feb 2016 23:15 #1 von Anthea
Anthea erstellte das Thema Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Fast jeder kennt sie - die Angst vor der Angst. Eigentlich gibt es gar keinen Anlass und schon kommt das "was wäre wenn... ". In der Regel bedeutet dies "...wenn mir wieder übel wird". Und dies passiert gefühlt ständig oder ist sowieso schon 24 Stunden am Tag so.

Phobophobie (in neueren Untersuchungen auch Angstsensitivität, umgangssprachl.: Erwartungsangst) ist netter Begleiter einer jeden Phobie. Sie sorgt dafür, dass Angst und Panik nicht erst dann auftaucht wenn es aus Sicht deiner Phobie angebracht wäre (bei unmittelbarer Konfrontation), sondern sie wird schon im Vorfeld aktiv und weist dich immer wieder mit Hochdruck darauf hin, dass - auch wenn es dir gerade noch gut geht - sich das ja ganz schnell ändern könnte, wenn du z.B. jetzt ins Kino gehst oder einem anderen Fahrgast im Bus genau nun übel werden könnte. Angespannt bist du schon lange bevor sich in der Realität etwas Gruseliges abzeichnet.

Für viele EmetophobikerInnen ist die Phobophobie meist sehr viel belastender, als die Emetophobie. Denn: Wie oft werden wir tatsächlich damit konfrontiert, dass sich jemand übergibt? Gefühlt ständig, aber bei genauerem Hinsehen entpuppt sich ein Großteil der Angst als ganz typische Phobophobie - und genau diese ist es, die den Alltag erschwert und schnell zu einem Teufelskreis führt. Denn: Ein Symptom von Angst ist Übelkeit! Na super, an dem Punkt kann die Phobophobie nun endlich der Emetophobie die Hand reichen... - der Teufelskreis beginnt!

Das Gute daran ist - Man kann die Phobophobie sehr viel leichter umtrainieren, als die Emetophobie! Allem voran einfach durch entsprechendes Hintergrundwissen, Selbstbeobachtung und menschlichem Verstand. So gelingt es, den ständigen Angstkreislauf erstmal zu durchbrechen!

Wenn dir ohne physische Ursache gefühlt rund um die Uhr übel ist und deine Emetophobie dich dadurch in den Wahnsinn treibt, kannst du mit größter Wahrscheinlich davon ausgehen, dass die Phobophobie ihre Finger im Spiel hat!

Warum hat die Phobophobie eine so große Wirkung? - Ganz einfach, weil sie eine Angst wie jede ist, die typische körperliche Symptome erzeugt (Herzrasen, Übelkeit, Schweißausbrüche usw.) die missinterpretiert werden und einen super Nährboden für eine ausgewachsene Dauerpanik bieten (wenn schon übel, denn schon übel...).

Beobachte dich mal eine Weile! In welchen Situationen konntest du die Phophobie entlarven (sie tarnt sich nämlich oft gut!)?
Hilfreich ist z.B. sich die Momente zu vergegenwärtigen in denen man

- dass Gefühl hat, jetzt geht es einem gerade mal gut und SCHWUPP geht es einem total scheiße;

- sich darüber nachdenkt und abwägt, ob man einer Tätigkeit nun nachgehen soll oder besser nicht und sich am Ende dagegen entscheidet, weil einem plötzlich sauübel ist;

- man darüber nachdenkt, was alles passieren könnte;

Hilf anderen mit deinen Beobachtungen und sensibilisiere sie dafür an sich die Phobophobie zu entlarven!
(Wenn du schon einen Schritt weiter bist und deine Phobophobie gut abgrenzen kannst, kannst du dich hier mit anderen über Tipps und Tricks zum Umgang mit diesem Phänomen austauschen)

Wunder muss man selber machen (Trinkwalder)
Letzte Änderung: 22 Feb 2016 23:15 von Anthea.
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23 Feb 2016 18:59 #2 von Mimilein
Mimilein antwortete auf das Thema: Phobophobie - "Angst vor der Angst"
Hallo Leute,

ich bin 23 Jahre alt und leide an der Angst vor der Angst. Ich weiß im endefekt ich brauche keine Angst haben, aber irgt.wie ist das leichter gesagt wie getan.
Diese "Spirale" wird bei mir immer mehr und ich möchte aus dieser einfach nur noch raus. Ich möchte auch wieder easy Leben können. B) :(

Ich denke mir oft andere Leute kommen auf solche Gedanken gar nicht wie...aber warum komm dann ich auf sowas?
Vielleicht kann mir ja da jemand Helfen um dies besser verstehen zu können.

Liebe Grüße

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26 Feb 2016 14:47 #3 von Anthea
Anthea antwortete auf das Thema: Phobophobie - "Angst vor der Angst"
Hallo Mimilein,

dass du auf diese Gedanken kommst, ist zentraler Bestandteil deiner Erkrankung!
Lies dir doch meinen Beitrag oben mal aufmerksam durch und probiere dich mal selbst zu Beobachtungen! Und dann beschreib doch mal, was du beobachtet hast!

Gruß
Anthea

Wunder muss man selber machen (Trinkwalder)

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10 Mai 2016 20:12 #4 von Oriane
Oriane antwortete auf das Thema: Phobophobie - "Angst vor der Angst"
Hallo

Das mit dem "Hey, es geht mir gerade mal richtig gut - und kurz darauf geht es einem scheiße" kenne ich gut. Da ärgere ich mich immer ungemein drüber, weil ich es nicht schaffe, den guten Zustand zu halten. Dann traut man sich auch kaum, aktiv zu merken, dass es einem gut geht, weil es ja danach sofort schlimmer werden könnte.
Leider habe ich noch nicht rausgefunden, wie ich diese Reaktion für mich abstellen kann.

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13 Mai 2016 21:45 #5 von Kriss
Kriss antwortete auf das Thema: Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Hallo Oriane,

das kenne ich auch nur zu gut. Manchmal trau ich mich schon gar nicht mehr zu denken (geschweige denn zu sagen), dass es mir gerade gut geht. Denn plötzlich geht es mir dann wieder richtig schlecht, als hätte ich es verschrien.
Was mir auch oft auffällt: In guten Phasen nehme ich mir etwas vor, zum Beispiel eine Unternehmung, für die ich dann mit Freunden einen Termin ausmache. Solange ich mich gut fühle, bin ich total motiviert, das auf jeden Fall durchzuziehen und freue mich richtig darauf. Je näher der Termin aber dann rückt, umso mehr frage ich mich, was ich mir nur dabei gedacht habe und plötzlich habe ich Panik und denke mir, ich bin noch nicht bereit für sowas, an dem Tag ist mir garantiert wieder furchtbar schlecht, jetzt kann ich aber nicht mehr absagen usw. Wahrscheinlich hilft dann aber nur, die Verabredungen trotzdem einzuhalten und zu sehen, dass nichts passiert. Leider gelingt mir das Noch nicht immer.
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16 Mai 2016 23:29 #6 von Oriane
Oriane antwortete auf das Thema: Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Ich bin bei so etwas hartnäckig. Wenn ich Freunden versprochen habe, dass wir etwas zusammen machen, dann sage ich das nicht ab, gerade weil ich auch weiß, dass alles andere mein Vermeidungsverhalten fördert.
Ich kann dir auch nur raten, immer zu versuchen trotzdem hinzugehen. Ich weiß, wie schwer das sein kann und du sagst ja selbst, dass du es noch nicht immer schaffst. Aber wenn du es immer öfter schaffst, bist du doch auf einem guten Weg :)

Aber das mit der Motivation kenne ich auch. Wenn es mir gut geht, packe ich den Terminkalender voll und wenn es so weit ist, will ich nichts lieber als Zuhause bleiben und mich verkriechen.

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17 Mai 2016 22:36 #7 von Kriss
Kriss antwortete auf das Thema: Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Hallo Oriane,

gut, dass du das schon so durchziehen kannst. Ich war gerade nach einem acht Stunden Tag noch mit zwei Freundinnen was essen und trinken. Der Termin steht schon seit Wochen. Sowas sage ich meistens nicht ab, es wird eher schlimmer, wenn wir ausmachen, irgendwo hinzufahren und länger irgendwo zu bleiben, wo ich nicht zur Not schnell nach Hause fahren könnte. Sowas kriege ich auch immer öfter hin, aber eben noch nicht immer. Und ich schaffe es noch gar nicht, wenn ich nicht selber Fahrer bin, das gibt mir ziemlich viel Sicherheit. Leider kann ich mir dementsprechend auch noch gar nicht vorstellen wieder zu verreisen und das macht mich oft traurig. Vor allem macht diese Jahr gefühlt jeder in meinem Umfeld einen richtig großen tollen Urlaub. Wie sieht es denn da bei dir aus? Ist Urlaub für dich ein Problem?

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17 Mai 2016 22:38 #8 von Kriss
Kriss antwortete auf das Thema: Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Oh, gerade hab ich gesehen, dass du in einem anderen Thread geschrieben hast, dass du gerade in London warst ;)

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18 Mai 2016 11:21 #9 von Oriane
Oriane antwortete auf das Thema: Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Dass Urlaub ein Problem für dich ist, ist natürlich schade. Ich kann auch verstehen warum, aber je nachdem, welchen Urlaub du gerne machst, kann man ja auch klein anfangen.
London war lange geplant und Emo-technisch die Hölle (besonders das U-Bahn fahren. Der Londoner Underground ist ziemlich gruselig, alt und eng, das macht es noch schlimmer als Zuhause), aber ich konnte meinen Eltern nicht einfach absagen, abgesehen davon, dass ich schon lange mal nach London wollte. Meine Familie weiß nichts von der Emo, das machte es zusätzlich schwierig und die Hälfte der Zeit war mir schlecht, aber ich habe es erfolgreich ignoriert und alles gemacht, was ich mir vorgenommen habe.

Aber du musst ja nicht gleich mit der Städtetour anfangen. Von mir aus ist es z.B. nicht weit nach Holland. Ich bin unglaublich gern an Meer und so einen kleinen Wochenendtrip ans Meer finde ich persönlich total entspannend.
Oder eine Radtour? Alles, wo ich die meiste Zeit draußen in der Natur bin, ist für mich gar kein Problem. Ich weiß jetzt nicht, wie du dazu stehst, aber vielleicht wäre das ein guter Anfang um wieder ein Gefühl für Urlaub zu bekommen? :)

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19 Mai 2016 11:27 #10 von Kriss
Kriss antwortete auf das Thema: Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Toll wie du London trotzdem durchgezogen hast.
Ich werde bestimmt klein anfangen. Ich dachte, ich mach erstmal einen Tagesausflug, das habe ich mit zwei Freundinnen schon geplant. Es kommt für mich auch sehr drauf an, wie viele Leute und wer dabei ist. Deswegen weiß ich nicht, ob ich das wie du so schaffen würde, mit lauter Menschen unterwegs zu sein, die nichts von meiner Angst wissen. Ich würde am liebsten dann erstmal nur mit meiner besten Freundin übers Wochenende wegfahren. Sie weiß Bescheid, fasst mich aber nicht mit Samthandschuhen an.
Ich denke für den Anfang muss ich erstmal überhaupt irgndwie wieder erleben, dass mir nichts passiert, wenn ich den ganzen Tag oder dann auch mal über Nacht nicht zu Hause bin.

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19 Mai 2016 11:28 #11 von Kriss
Kriss antwortete auf das Thema: Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Mal wieder ans Meer zu fahren wäre unglaublich schön, aber leider hab ich kein Meer in der Nähe. Da hast du Glück.

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19 Mai 2016 11:51 #12 von Oriane
Oriane antwortete auf das Thema: Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Bei mit weiß niemand wirklich von meiner Angst. Mein Freund am ehesten, aber dass ich es für mich selbst als Emo definiert habe, weiß er nicht. Irgendwie habe ich das Gefühl, sobald ich jemandem davon erzähle wird alles realer und nimmt mehr Raum in meinem Leben ein, natürlich genau das Gegenteil von dem, was ich erreichen will ;)

Dazu kommt, dass ich mich schwach fühlen würde, etwas, was ich gar nicht leiden kann.
Meine Familie hat in letzter Zeit genug Probleme gehabt, da müssen sie sich nicht auch noch Sorgen um mich machen.

An einen Tagesausflug habe ich gar nicht gedacht, aber stimmt, das ist sicher ein guter Anfang. Und danach mit deiner Freundin übers Wochenende wegfahren, das sieht in meinen Augen nach einem guten Plan aus :)
Und beim nächsten mal nehmt ihr dann jemanden mit, der nichts von deiner Emo weiß?

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19 Mai 2016 12:14 #13 von Kriss
Kriss antwortete auf das Thema: Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Ich hab in meiner ersten Therapie, in der die Emo noch keine Rolle gespielt hat, lang daran gearbeitet, mich den Menschen anzuvertrauen, die mir nahe stehen. Vorher hab ich nämlich auch alles mit mir selbst ausgemacht und dachte, ich muss immer stark sein. Dort habe ich auch gelernt, dass es besonders viel Stärke erfordert, seine Schwächen einzugestehen. Für mich war es, denke ich, aus therapeutischer Sicht, besser, meiner Familie und meinen Freunden davon zu erzählen. Trotzdem kann ich gut verstehen, warum du das lieber für dich behältst. Und es hängt natürlich immer von der Situation ab. Wenn es in meiner Familie zu der Zeit auch andere Probleme gegeben hätte, hätte ich sie wahrscheinlich auch nicht zusätzlich belasten wollen.

Tatsächlich ist schon bei dem geplanten Tagesausflug eine Bekannte dabei, die nichts davon weiß. Das macht es ein bisschen schwieriger, aber ich bin zuversichtlich, dass ich das hinkriege. Und ja, ich hab mal grob für September eine Fahrt an den Gardasee geplant, da sind auch zwei Leute dabei, die nichts wissen. Ich bin gespannt, wie es mir bis dahin geht und ob ich mir das dann zutraue.

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19 Mai 2016 12:27 #14 von Oriane
Oriane antwortete auf das Thema: Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Man muss dazu sagen, meine Familie sind nicht die Menschen, die mir nahe stehen, bis auf meine Schwester. Ich habe mich immer an meine Freunde gehalten und denen kann ich auch alles erzählen. Nur haben die momentan auch selber viel Stress, einerseits in der Uni, andererseits durch einen Trennung und brauchen mich vielleicht gerade mehr ohne ein zusätzliches Problem. Ich weiß, das klingt wie eine dumme Ausrede. Ist es vermutlich auch, daran muss ich auf jeden Fall arbeiten.

Oh, der Gardasee ist schön, da sind wir früher, als ich noch klein war jeden Sommer hingefahren.
Ich hoffe, du traust dir die Reise bis dahin zu :)

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19 Mai 2016 12:40 #15 von Kriss
Kriss antwortete auf das Thema: Phobophobie - Die Angst vor der Angst
Auch das kann ich gut verstehen. Für mich war Familie auch immer in erster Linie mein Bruder. Dank der Therapie hab ich aber mittlerweile auch zu meiner Mama ein gutes Verhältnis.
Ich glaube letzten Endes kommts vor allem darauf an, dass man jemanden zum Reden hat, wenn man das Bedürfnis dazu hat. Solange es für dich so okay ist, das für dich zu behalten, ist ja alles gut. Und wenn du jemanden zum Reden brauchst, sind deine Freunde sicher trotz eigener Probleme da.

Ich bin schon sehr gespannt auf den Gardasee. Ich war noch nie da, aber hab schon oft gehört, dass es sehr schön sein soll. Ich hoffe auch, dass das bis dahin klappt :)

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