Meine neue Ursachentheorie

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08 Jan 2017 21:41 #1 von Eisbär
Eisbär erstellte das Thema Meine neue Ursachentheorie
Guten Abend,

ich habe mich schon oft gefragt, wo meine Angst herkommt. Niemand in meiner Familie hat Emetophobie, im Gegenteil, es macht meinen Familienmitgliedern überhaupt nichts aus. Sowohl selbst erbrechen als auch was wegputzen/Eimer halten/Rücken streicheln wurde immer in meiner Kindheit als selbstverständlich vermittelt. Daher kann es also nicht kommen. Mein Verhaltenstherapeut (die Therapie ist jetzt ca. 10 Jahre her) meinte, dass trotzdem meine Eltern "Schuld" sind, weil sie sich immer Sorgen gemacht haben, wenn meine Schwester sich erbrochen hat und das hat sie oft wegen frühkindlicher Migräne. So wurde mir wohl vermittelt, dass Erbrechen gefährlich ist.

Nun bin ich auf etwas gestoßen, was für mich aber viel logischer ist und ich hab das Gefühl die Ursache gefunden zu haben und möchte den Gedankengang gerne mit euch teilen. Ich möchte aber auch betonen, dass das für MICH gilt und selbstverständlich bei jedem etwas anderes die Ursache ist.

Wie ich schon einmal geschrieben hatte, habe ich ein fast 3 jähriges Kind. In den letzten Monaten wird das Zusammenleben mit ihm immer schwieriger. Er kann zwar mittlerweile toll reden, jedoch entwickelt er Eigenarten, die die Kinder meiner Freundinnen nicht haben. Und zwar sind das auch merkwürdige Eigenarten wie z.B. dass viele Dinge farblich zusammenpassen müssen, er trinkt nur aus blauen Flaschen. Das ist nur ein Beispiel, wir haben davon sehr viel. Das verkompliziert unseren Alltag enorm und ich bin oft frustriert, warum mein Kind diese Eigenarten hat.

Durch einen Zeitungsartikel stieß ich auf das Thema Hochsensibilität bei Kindern. Ich habe mir Literatur besorgt und mit einer Freundin, die Heilpädagogin ist darüber gesprochen. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass mein Kind hochsensibel ist und das in vielen Bereichen. Meine Freundin sagte ich solle nun mal gucken, ob mein Mann oder ich auch hochsensibel sind, denn das ist erblich und meistens ist ein Elternteil auch betroffen.

Sowohl mein Mann als auch ich haben Spleens. Klar, wer hat die nicht. Bei meinem Mann würde ich aber nicht von Hochsensibilität sprechen. Ich dagegen habe das Gefühl (und das auch schon länger, bevor ich von der Hochsensibilität wusste), dass ich im Bereich "körperliche Negativempfindungen" hochsensibel bin. Ich kann Dinge, die sich am/im Körper schlecht anfühlen einfach nicht ertragen. Habe ich z.B. Schmerzen - es müssen nicht mal starke Schmerzen sein - greife ich schnell zur Schmerztablette, weil ich das Gefühl habe es nicht ertragen zu können. Und das kann man auf viele Dinge beziehen. Übelkeit, Jucken, Schnupfen, wenn die Haare weh tun und eben auch Erbrechen. Das Gefühl finde ich am allerschlimmsten, denn es regt alle Sinne negativ an. Sehen, Fühlen, Schmecken, Riechen, Hören.

Ich habe mich bereits vor einigen Wochen um einen Therapieplatz gekümmert, denn ich möchte es noch einmal versuchen. Das Licht mit der Hochsensibilität ist mir erst letzte Woche aufgegangen. Ich hoffe mit diesem Wissen in der Therapie einen ganz anderen Ansatz finden zu können. Denn ich hab wirklich endlich das Gefühl, dass es DAS ist.

Vielleicht findet sich der ein oder andere ja darin auch ein bisschen wieder und kann es für sich nutzen. Denn diese Theorie hatte ich bisher noch nirgendwo gelesen.

Viele Grüße
Eisbär

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11 Jan 2017 23:26 #2 von Schokomascha
Schokomascha antwortete auf das Thema: Meine neue Ursachentheorie
Hallo Eisbär,

Ich bin grade auf deinen Beitrag gestoßen und kann mich tatsächlich ein wenig wiedererkennen. Ich werde das Thema gleich mal gründlich recherchieren ;)
Meine Psychologin, bei der ich vor einigen Jahren war, hat ähnliches gesagt, allerdings ohne irgendwelche Fachbegriffe, sie meinte nur, dass ich sehr stark auf meinen Körper und innere Signale und Reize achte. Einige Menschen haben das wohl zu wenig, merken also nicht mal wenn sie z.B. Schmerzen hätten müssten durch irgendeine Erkrankung, und einige (wie vermutlich fast alle emos, wir sind ja alle super gut darin jede Darmbewegung zu spüren ;) ) haben das eben einfach zu viel. Ich würde aber gar nicht mal sagen, dass es per se etwas schlechtes ist, bei meiner Mutter z.B. wurde dadurch eine Krebserkrankung festgestellt, die in so einem frühen Stadium beim "Normalbürger" gar keine Schmerzen verursacht.
Ist auf alle Fälle ein sehr interessanter Gedanke, und vielleicht ein weiterer Schritt, den Feind in sich kennen und verstehen zu lernen :)

Liebste Grüße, Mascha

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15 Jan 2017 21:32 #3 von Eisbär
Eisbär antwortete auf das Thema: Meine neue Ursachentheorie
Liebe Mascha,

schön dass ich dich mit meinen Gedanken erreichen konnte! Hast du schon etwas recherchieren können?

Hochsensibilität wird - wenn man sie erkennt und fördert - eigentlich sogar als etwas sehr positives angesehen. Ich kann zwar noch nicht alle positiven Seiten erkennen, aber ich bin ja auch noch im Findungsprozess bei meinem Sohn und mir. Aber Fakt ist, dass es unser Leben deutlich verkompliziert. Ich finde es aber klasse, dass deine Mama eine Krebserkrankung so früh gemerkt hat!

An meiner Angst hat die Erkenntnis aber leider noch nichts geändert. Ich dachte ja, dass ich vielleicht dadurch mit einem anderen Ansatz an die Angst gehen kann, jedoch gelingt mir das bisher noch nicht. Aber vielleicht erwarte ich auch einfach zu viel nach so wenigen Wochen.

Viele Grüße
Eisbär

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20 Jan 2017 17:45 #4 von Schokomascha
Schokomascha antwortete auf das Thema: Meine neue Ursachentheorie
Hallo nochmal! ;)

Ja ich habe mich in letzter Zeit mal ein bisschen informiert, und ich war beeindruckt, wie viele Aspekte von Hochsensibilität auf mich zutreffen. Ich konnte mich in extrem vielen Punkten wiedererkennen! Natürlich ist so eine Art "Selbstdiagnose" übers Internet keine Bestätigung, dass ich tatsächlich Hochsenibel bin, aber diese Parallelen waren schon faszinierend. Und auch die Verbindung, wenn man das so ausdrücken kann, zur Emetophobie oder anderen Ängsten oder psychischen Störungen erscheint mir logisch.

Eine Hilfe ist es in dem Sinne für mich auch nicht gewesen, leider. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass dieses Wissen in einer Therapie sehr hilfreich sein könnte. Ich bin gerade wieder auf der Suche nach einem Therapieplatz, und wer weiß, vielleicht kann ein Psychologe tatsächlich was damit anfangen oder weitere Erklärungen geben. Ich behalte das auf jeden Fall mal im Hinterkopf und werde es bei Gelegenheit mal ansprechen und nachfragen :)

Liebe Grüße! :)

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25 Jan 2017 14:06 #5 von schokotorte
schokotorte antwortete auf das Thema: Meine neue Ursachentheorie
Hallo!
Habt ihr euer Kind mal auf Autismus testen lassen? Ich habe eine kleine Schwester die ebenfalls autistin ist und ich will dir damit keine Angst machen... Das ist nichts schlimmes.... Aber habt ihr es eventuell mal in Erwägung gezogen?
Lg

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27 Jan 2017 22:07 #6 von Eisbär
Eisbär antwortete auf das Thema: Meine neue Ursachentheorie
Hallo,

danke für den Denkanstoß, aber autistisch ist er sicherlich nicht. Das war natürlich mein erster Gedanke als er mit diesen merkwürdigen Verhaltensweisen anfing.

Ich merke aber immer mehr, dass ich tatsächlich auf dieser Ebene "Körper" so empfindlich bin. Ich finde es z.B. schrecklich, wenn Leute husten oder niesen. Am liebsten würde ich denen sagen sie sollen damit aufhören. Niesen ist ja immer schnell vorbei, aber wenn jemand alle Nase lang hustet, sag ich teilweise schon, dass derjenige das auch mal unterdrücken soll. Frieren finde ich auch schlimm. So kommen mehr und mehr Sachen dazu, bei denen ich weiß, dass sie auf körperlicher Ebene sind und daher so schwer für mich zu ertragen.

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