Wie läuft Therapie stationär ab??

Mehr
16 Feb 2017 10:54 #1 von Eisbär
Eisbär erstellte das Thema Wie läuft Therapie stationär ab??
Hallo,

meine Emo verschlimmert sich gerade so massiv, dass ich kaum noch meinen Alltag bewältigen kann. Daher hat mein Psychiater vorgeschlagen, dass er mir eine Klinikeinweisung schreibt, damit ich stationär eine Therapie machen kann. Er weiß allerdings nicht, wie man genau bei dieser Phobie vorgeht. Eine Verhaltenstherapie habe ich bereits vor 10 Jahren gemacht, hat nichts gebracht. Konfrontation habe ich zur Genüge durch mein Kind (hat ca. alle 3 Monate einen Magen-Darm Infekt), das macht alles nur noch schlimmer.

War jemand schon mal stationär und kann mir was dazu sagen? In welcher Klinik wart ihr? Wie ist die Unterbringung? Bringt dieser Aufenthalt wirklich was?

Angstlösende Antidepressiva nehme ich schon seit 3 Monaten. Aber in Akutsituationen bringen die gar nichts und meine Panikattacken sind schlimmer denn je.

VG

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Feb 2017 14:50 #2 von Abbel
Abbel antwortete auf das Thema: Wie läuft Therapie stationär ab??
Erfahrungen hab ich zwar massig, aber ich ließ mich nie wegen der Emo behandeln. Daher weiß ich nicht, ob dir meine Erfahrungen was bringen würden?

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Feb 2017 16:16 #3 von Eisbär
Eisbär antwortete auf das Thema: Wie läuft Therapie stationär ab??
Klar, erzähl doch einfach mal. Wie ist man untergebracht? Was sind dort so für Menschen? Wird man "normal" behandelt oder kontrolliert? Wie oft hat man Einzeltherapien/Gruppengespräche? Wieviel Freizeit hat man und wie kann man die verbringen?

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Feb 2017 17:37 #4 von Abbel
Abbel antwortete auf das Thema: Wie läuft Therapie stationär ab??
Also gut. Meistens war ich in 2-3 Bettzimmern. Die eine Psychiatrie hatte das Bad mit im Zimmer, Einen Raum mit Fernseher, eine Küche in der auch gegessen wurde und einen Gruppenraum, in der die Morgenrunde und die Visite (1 mal Wöchentlich) gemacht wurden. Um 7 wurde geweckt und ab 7:45 oder 8 Uhr (weiß ich nicht mehr genau) gab es Frühstück. Danach wurde die Morgenrunde gemacht, in welcher jeder erzählte, wie es ihm geht. Danach gab es Therapien, die jeweils auf anderen Stationen oder im Keller stattfanden. Es gab u.a. Fahrradergometer, Wassertreten nach Kneipp, Angstgruppe, Depressionsgruppe, Tischtennis, Körpertherapie und Reittherapie (aber außerhalb natürlich) und sicherlich noch mehr, was ich nicht mehr weiß. Jeder hatte dort seinen eigenen Therapieplan mit seinen entsprechenden Therapien. Einzelgespräche waren vielleicht einmal die Woche. Nach den Therapien darf man natürlich auch raus, aber man muss ich beim Personal abmelden ("Schwester soundso, bin mal für ne Stunde in der Stadt") und wieder anmelden.
Auf offenen Stationen wirst du nicht kontrolliert und wirst normal behandelt. Natürlich gibts Pfleger/innen die man mag oder nicht mag.

In der anderen Klinik waren die Toiletten und Duschen auf dem Flur, aber einzeln. Also nicht Gruppenduschen und allein war man auf dem Klo auch. Also halb so wild. Badewannen gab es auch, wo du nach wunsch auch entspannende Musik und Kräuterbäder auswählen konntest. Dort wurde um 6:45 geweckt und eine Stunde gab es Frühstück, welches die jeweiligen Patienten zubereiteten, die an dem Tag dran waren. Dort gab es auch wieder eine Morgenrunde im Speiseraum und die Therapien fanden diesmal auch mit deinen Leuten von der Station statt. Ergotherapie und Therapeutisches Boxen und Sport bot die Klinik noch an. Deinen Therapieplan musst du jeweils vom Therapeuten abhaken lassen und überall mit hinnehmen. Einzelgespräche waren einmal die Woche, sowie Visite.
Ah, in der Visite wird besprochen, was du für Ziele hast und was du schon erreicht hast, Wochenendbeurlaubung wird besprochen.

So, da ich immer total durcheinander schreibe, ist es am besten, du fragst einfach nach, wenn ich was vergessen hab oder du wa genauer wissen möchtest.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Feb 2017 18:02 #5 von Eisbär
Eisbär antwortete auf das Thema: Wie läuft Therapie stationär ab??
Danke für deine Antwort!
Puh 2-3 Bett Zimmer sind für mich schon eigentlich ein Ausschlusskriterium. Ich hab in Verbindung mit der Emo auch Angst davor mit anderen in einem Zimmer zu schlafen. Ich kann nicht mal mit meiner Mutter/Schwester in einem Zimmer schlafen, nur mit meinem Mann geht es. Mein Psychiater hat mir zwar eine Klinik empfohlen, die nur Einzelzimmer hat, aber es ist ja nicht sicher, ob ich da wirklich einen Platz bekomme bzw. ob die Kasse genau diese Klinik zahlen wird. Andererseits werde ich im Moment mehrmals täglich von Panikattacken gequält und habs kein Stück im Griff. Ich MUSS also irgendwas unternehmen.

Haben dir die Klinkaufenthalte denn bei den Probleme geholfen, weswegen du da warst? Ich denke ja Wassertreten und Fahrradergometer usw. ist ja ganz nett, aber das hilft mir doch nicht bei der Emo.
Und was ist, wenn man ausgebrannt ist und einfach mal wirklich ausschlafen muss? Ich hab ein kleines Kind und wenn ich mir vorstelle nun auch noch in einer Klinik, in der ich ja bin, um mich zu erholen, auch noch um 06:45 geweckt zu werde - oh je.

Wer war bei dir Kostenträger? Die Krankenkasse oder der Rentenversicherungsträger?

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Feb 2017 18:12 #6 von Abbel
Abbel antwortete auf das Thema: Wie läuft Therapie stationär ab??
Ja, teilweise gibt es Einzelzimmer, das kannst du vielleicht mit der jeweiligen Klinik absprechen.
Die Psychiatrie mit dem Wassertreten war auch nicht so der Bringer.

Ich glaube, wenn du den Ärzten und Pflegern sagst, dass du da bist, um dich zu erholen, werden sie dir ein Hotel empfehlen. Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber die könnten so reagieren. Es spricht aber nichts dagegen, sich in Therapiefreien Zeiten hinzulegen.
Die Krankenkasse hat das bei mir übernommen.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Feb 2017 18:15 #7 von Abbel
Abbel antwortete auf das Thema: Wie läuft Therapie stationär ab??
Jetzt hab ich doch glatt eine Frage vergessen. Aus der Welt geschafft, hat es meine Probleme nicht, aber es gab mir sehr viel über mich Preis, was ich jetzt besser verstehe und immer noch dran arbeite.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
19 Feb 2017 21:50 #8 von Eisbär
Eisbär antwortete auf das Thema: Wie läuft Therapie stationär ab??
Hm ja, ich denke den Punkt mit der Erholung dürfte ich nicht ansprechen. Mein Hausarzt und Psychiater reden halt von Burnout mit ausgelöst durch die ständige Panik. Und beide sagen bei Burnout ist das wichtigste erst mal denjenigen aus der jetzigen belastenden Situation (oft Arbeit) rauszunehmen und dann anfangen den Lebensstil zu verändern. Ich hab mittlerweile schon die Arbeitszeit verkürzt, noch weiter macht mein Arbeitgeber nicht mit. Aber die Arbeit selbst ist ja nicht das Problem, sondern das frühe aufstehen und dann noch der Kindergarten, der ständig den Zettel "Magen-Darm Infekt" an der Tür hängen hat. Und diesen Magen-Darm Infekt hat mein Kind in 9 Monaten nun 4x mit nach Hause gebracht und vor der Kita Zeit auch schon 2 Mal. Und er ist noch nicht mal ganz 3. Naja ich schweife ab. Letztlich habe ich hier keine Hilfe bis auf meinen Mann (der das auch toll macht), aber wir müssen eben zu zweit ALLES alleine wuppen. Und das schaffe ich einfach nicht mehr. Ich bin fertig. Mit den Nerven. Mit der Welt. Antidepressiva nehm ich schon, auf einen Therapieplatz warte ich und Unterlagen für die Klinik werden jetzt fertig gemacht. Wahrscheinlich bleibt mir auch nichts anderes übrig als einen stationären Therapieplatz anzunehmen, egal ob Einzel- oder Mehrbettzimmer. Sonst geht ja meine Ehe bald den Bach runter, ich sitz jeden Abend, wenn das Kind im Bett ist hier und heul mir die Augen aus dem Kopf.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
30 Apr 2017 15:33 #9 von Micha_Mausi
Micha_Mausi antwortete auf das Thema: Wie läuft Therapie stationär ab??
Hallo,
der Beitrag ist ja jetzt schon etwas später, aber ich war jetzt 7 Wochen stationär und kann vllt etwas Mut machen ;)
Meine Situation war folgende: Ich konnte mein Haus kaum noch verlassen (nur noch zum Einkaufen, und das war die Hölle), entwickele einen Waschzwang und konnte kaum noch essen (wog am Ende noch 44 kg) und schlafen. Ich wollte lange nicht in eine Klinik, schon allein weil es mindestes Zweibettzimmer waren. Absoluter Albtraum! Aber ich zog es durch. Ich muss leider dazu sagen, dass mir von Anfang an mitgeteilt wurde, dass diese Klinik nicht die richtige für mich ist und ich in eine andere muss (da muss ich jetzt aber bis September warten :( ). Die erste Zeit war der blanke Horror für mich. Aber ich gewöhnte mich an alles. An das frühe Aufstehen (um 6.45), an das Essen und vor allem war es nach gut einer Woche kein Problem meher für mich das Zimmer/ Klo zu teilen.
Ich stabilisierte mich etwas und dann begann die Konfrontationstherapie. Es war schrecklich, aber ich selbst konnte einen Erfolg feststellen und glaube auch daran, dass die Konfrontation funktioniert. Auch wenn es verdammt hart ist. Aber es gibt nunmal keinen einfachen Weg aus der Angst ;) Jetzt bin ich in der Tagesklinik und werde dort auch noch eine Weile bleiben bis ich stabil genug bin um wieder alleine klar zu kommen. Versteht mich nicht falsch, ich bin noch lange nicht geheilt und noch weit davon entfernt ein normales Leben zu führen. Aber jeder noch so kleine Schritt ist ein großer Schritt gegen die Angst. Mein Waschzwang hat deutlich nachgelassen und damit auch die Angst, zumindest ein wenig. Essen kann ich auch wieder etwas besser, aber immer noch schwer. In Akutphasen wird es immer schwer sein. Erst am Freitag ging es mir plötzlich so wahnsinnig schlecht (ich weiß nicht ob es MDG ist/ war oder etwas anderes), dass ich einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen hatte, eine Panikattacke jagte die nächste. Es ist schwierig jetzt nicht wieder sofort in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Aber das muss ich eben noch lernen.
Es ist ein harter Weg, der sich am Ende aber mit Sicherheit lohnt. Also wenn man zu Hause einfach nicht mehr klar kommt, dann ab in eine Klinik! Es ist anfangs sehr schwer, natürlich. Aber manchmal ist es eben der einzige Weg. Und wie gesagt, man gewöhnt sich an die Umstände in der Klinik nach kurzer Zeit. Also keine Angst ;) Wage diesen Schritt, denn es ist ein großer Schritt zurück in ein normales Leben :)

Liebe Grüße,
Michaela

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Moderatoren: AbbelAnthea