Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen

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01 Mär 2016 20:33 #1 von Anthea
Anthea erstellte das Thema Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
Nicht jeder ist für die Radikalmethode ("alles wegwerfen") geeignet. Andere wiederum können sich nur schwer vorstellen, andere Wege zu gehen. Wie bist du von Medikamenten & Co. weggekommen? Und speziell an die Radikalen: Wie habt ihr die ersten Situationen erlebt/ durchgestanden?

Wunder muss man selber machen (Trinkwalder)

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01 Mär 2016 21:44 #2 von Kinabalu
Kinabalu antwortete auf das Thema: Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
Mir wurde damals auch geraten die Tabletten wegzuwerfen, aber das habe ich mich nicht getraut.

Ich habe damals täglich etwas genommen, sofort nach dem wachwerden und deswegen war mein erster Kompromiss, dass ich erstmal duschen gehe, dann die Tablette. Als das klappte: erstmal frühstücken, später habe ic sie dann erst an der Bushaltestelle/im Bus/an der Schule usw genommen. Irgendwann habe ich sie dann nurnoch bei Panik genommen und deswegen war dann der nächste Schritt, dass ich mit mir gewisse Dinge abgemacht habe die ich versuche bevor ich eine Tablette nehme. Das war zum Beispiel an die frische Luft gehen, ein Glas Wasser trinken, 20 Minuten warten und so weiter. Und so habe ich dann irgendwann garnichtsmehr genommen.

Ich weiß nicht ob dieser Tipp für jeden geeignet ist, denn man muss immernoch sehr streng mit sich selbst sein und bereit sich weiter zu steigern. Dazu braucht man auf jeden Fall auch Motivation und den Willen die tabletten los zu werden, aber so ist es ja in allen Bereichen der "Angstbekämpfung"-man muss bereit sein an sich zu arbeiten.

Grade die ersten Schritte waren für mich am schwersten weil ich aus meiner Routine raus musste. Und besonders schwer fiel mir das Haus zu verlassen ohne Tabletten genommen zu haben. Geholfen hat mir, dass ich schnell Erfolge gespürt habe, da ich das ganze seeeehr Kleinschrittig angegangen bin und so schon eine Woche sagen konnte "Hey letzte Woche lag ich noch im bett als ich die Tablette genommen habe-jetzt sitze ich schon geduscht am Frühstückstisch. Super!". An schweren Tagen sollte man immer "weiter gehen". Wenn man sich noch nicht wieder steigern kann muss man eben auf der aktuellen Stufe bleiben. Egal wie schwer es einem an manchen Tagen fällt-nicht wieder zurück gehen.

Deswegen habe ich mit mir Kompromisse ausgemacht. Grundlage des ganzen ist der Tipp meines Vaters wie man ein "Super-Taucher" wird-damaliger Berufswunsch: Wenn du denkst, dass du keine Luft mehr zum tauschen hast kannst du noch einen Zug mehr machen und danach vielleicht noch einen Zug.

Also nochmal in Kurzform:
- Kompromisse finden: Wenn du die Tabletten nicht direkt aufgeben kannst, dann überlege dir wo du die Tabletten/Medikamente zumindest reduzieren kannst.
- Du kannst z.B. mit dir abmachen, dass du bestimmt Dinge probieren musst bevor du eine Tablette nehmen darfst oder eine gewisse Zeit warten musst.
- Vor jeder Tablette solltest du dich immer Fragen, ob du das grade WIRKLICH brauchst, ob du alles andere versucht hast und dich an deinen "Vertrag" gehalten hast. Und wenn du z.B die abgemachte Zeit eingehalten hast frag dich ob du nicht vielleicht doch noch 2/3/5 Minuten schaffst, denn nur so wird man ein "Super-Taucher"
-Es muss immer weiter gehen: Wenn es dir Probleme macht Zeit oder Aufgaben zu steigern dann bleib auf der aktuellen Stufe-aber geh nicht wieder zurück!

Hoffe das hilft jemandem :)
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26 Mär 2016 20:14 #3 von LucyInTheSky
LucyInTheSky antwortete auf das Thema: Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
Hey,

also ich musste damals die radikale Variante wählen. Bei mir gibt es keine Tropfen und kein Desinfektionsmittel mehr im Haus. Anders wäre ich nicht konsequent.

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27 Mär 2016 09:04 #4 von LisaWeber
LisaWeber antwortete auf das Thema: Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
Kinabalu, sei stolz auf dich selber. Das hast du gut gemacht, einfach in deinem Rhythmus Schritt für Schritt. Das auf dich zugeschnitte Vorankommen und ich werde mir daran ein Beispiel nehmen.
Ich habe es ehrlich gestern an mir selbst gesehen, ich hatte nur noch eine Pille und hab hier am Rad gedreht bis ich neue hatte und keiner kann mich hier verstehen, dass mich das runterzieht

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27 Mär 2016 13:08 #5 von Kinabalu
Kinabalu antwortete auf das Thema: Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
Lucyinthesky das ist wirklich super! Es gibt wie gesagt keinen "richtigen" Weg. Heute würde ich den Kram wohl auch symbolisch wegschmeißen, aber damals hätte ich mich das nicht getraut. Super dass du so mutig bist!

Ja Lisa man merkt leider oft erst wie sehr man sich auf diese Hilfsmittel verlassen hat wenn irgendwas "schief geht"-man seine Helferlein zuhause vergessen hat oder am Wochenende keine mehr hat. Ich kenne das auch.
Ich habe ne Zeit lang 2-3 Mittel am Tag genommen (Kreislauf und 2x Magezeugs) und im Endeffekt ging es mir Kreislauf und Magentechnisch nie wieder so schlecht wie in der Zeit. Einfach weil ich soviel Aufmerksamkeit in diese Dinge gesteckt habe anstatt mich um mich zu kümmern.

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27 Mär 2016 13:14 #6 von LucyInTheSky
LucyInTheSky antwortete auf das Thema: Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
Kinabalu, das ist die Frage ob das mutig ist ;). Einerseits ja, andererseits nein. Wenn ich das Zeug zu Hause hätte, würde ich es wahrscheinlich wieder ab und an benutzen und dann wieder mehr und mehr. Ich bin quasi nicht clean. Deswegen ist der stufenweise Weg je nach Person vermutlich sogar der nachhaltigere Weg.

Was die Tropfen betraf, war halt einfach auch ein Kriterium, dass die eben abhängig machen können und man seinem Körper einfach schadet, wenn man die so oft nimmt. Das hat auch etwas geholfen darauf zu verzichten.

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27 Mär 2016 14:22 #7 von Kinabalu
Kinabalu antwortete auf das Thema: Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
Das stimmt, die körperliche Abhängigkeit kommt noch dazu. Das hat bei mir auch für ganz viel Willenskraft gesorgt, da mein vater ein Suchtproblem hatte und ich mir niemals sagen lassen wollte, dass ich süchtig bin.

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28 Mär 2016 20:19 #8 von Rose1308
Rose1308 antwortete auf das Thema: Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
Ich kann bei diesem Thema leider auch gut mit reden.

War ein halbes Jahr Vomacur Tabletten konsumiert, 7-8 Stück am Tag. Und ich habe mir dann klar gemacht was dieses Zeug mit mir macht, ich war jeden Tag tierisch müde, kaum bei mir, da dieses Zeug eine sehr einschläfernde Wirkung hat und einem in zu hohen Dosen bestimmte Kreislauf Probleme verschaffen. Zu solchen Tabletten und Tropfen ( Vomex, MCP etc.) kann ich euch nur eins sagen, dass Zeug ist gar nicht gesund und schädlich für den Körper, auch wenn man nur eine pro Tag konsumiert und nicht 7-8 wie ich.
Führt euch das vor Augen, euer Körper ist das wichtigste und eure Gesundheit, und wenn ihr diese so kaputt macht dann ist auch nichts mit Immunsystem und Abwehrkräften.
Weiterer Tipp dazu, wenn euch wirklich schlecht ist- aufgrund einer MagenDarm-Grippe ( bei Reiseübelkeit sag ich nichts, da mag das wirklich helfen), aber bei MGD-Infekten hilt das Zeug gar nix, was raus will, will raus..( sorry für die harten Worte, aber nur so, hab ich das selber begriffen, da es mir genauso erging und da auch keine Antiemetika mehr geholfen hat)
Als ich das Zeug dann von heute auf morgen abgesetzt habe, wurde mir bewusst wie sehr man Psychisch von sowas abhängig sein kann. Mir ging es dann auch die erste Zeit ziemlich schlecht, ja auch körperlich, da war ich richtig schockiert.
Seit diesem Tag hatte ich auch keine mehr genommen, bis mir in der Schule mal übel war & ich aus lauter Verzweiflung eine eingeschmissen habe, und da ging es mir dann richtig schlecht. ( Hitzewelle, Benommenheit usw.) Da wurde mir erst richtig klar das das damals die richtige Entscheidung war.
Heute pflege ich einen normalen Umgang mit diesen Tabletten, nach dem sie bis vor einem halben Jahr stehts und ständig mit in meiner Handtasche waren ( Notfallpaket), dieses Schmiss ich aber weg bzw musste ich weg werfen an meinem 2.ten Tag in der Tagesklinik. Ich habe immer einen halben Streifen zuhause, und nehme höchstens mal eine mit wenn ich bei meinem Opa ins Auto steige, das verträgt nämlich kein Mensch diese Fahrweise.

Jedoch folgte nach der Abhängigkeit zu den AntiBrech-Tablettchen, die zu den Kaugummis. Es gab jeden Tag mindestens einen 10er Streifen, extra scharf. Ich wollte immer etwas im Mund haben, hatte die Traumvorstellung das Kaugummi kauen erbrechen verhindert...Quark, kann ich auch aus persönlicher Erfahrung verneinen.
Mein Tipp zu Kaugummi-Sucht,auch das ist nicht gesund für den Körper. Macht euch klar das das alles nur eurer Psyche hilft, nicht eurem Körper. Führt euch vor Augen, dass einem gar nicht so oft schlecht sein kann, wie es uns ist. ( Sagt sich einfach dahin, ich weiß). Und es ist gar nicht sexy ständig ein Kaugummi in der Gusche zu haben...

Eine gewisse Psychische Abhängigkeit hatte ich auch zu meiner Brechtüte die ständig im Notfallpaket dabei war, diese entsorgte ch übrigens auch zu Beginn des Aufenthalts in der Tagesklinik.
Dazu nur einen Tipp, mein Freund sagte mal zu mir: "Schatz, wenn du jetzt erbrechen musst ( da waren wir gerade in einer Großstadt beim Shoppingbummel), meinst du es sieht dann besser aus wenn du in deinen Einkaufsbeutel brichst oder einfach gleich in die FußgängerZone, sehen tut es eh jeder!"- und da hatte er Recht, einen Großen Unterschied würde es nicht machen. ( fand das in dem Moment zum schmunzeln und hab danach mal ernsthaft drüber nachgedacht.)

Die erste Zeit ohne mein Notfallpaket war der Horror, wenn ich Panik bekam dachte ich jetzt muss ich sterben.

Fazit: Es geht mir besser und ich bin froh alles entsorgt zu haben, richtig befreiend nicht mehr das Notfallpaket mit sich rumschleppen zu müssen (ich nahm es teilweise schon zum Müll rausbringen mit).
Ich denke jedoch auch das man sich immer erst selbst über die Konsequenzen bewusst werden muss bzw erstmal merken muss das das alle eigentlich gar nix bringt.
Bei mir hat dieses raikale wegschmeißen echt geholfen.

Damit wünsche ich noch einen schönen Restostermontag, und viel Glück an alle die die gegegn die Abhängigkeiten kämpfen, ihr schafft das!
Liebste Grüße, die Rose
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28 Mär 2016 22:15 #9 von Kinabalu
Kinabalu antwortete auf das Thema: Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
Hallo Rose,

wow da hast du ja wirklich schon viel durchgemacht. Respekt wie du das geschafft hast! Ich glaube das macht vielen hier ganz viel Mut.

Ich glaube das gute beim wegschmeißen ist, ist dass es wie ein Ritual ist und man absolut hinter der Entscheidung steht. Das kann es dann auch einfacher machen weil man ja garkein Hintertürchen mehr hat.
Aber ich gebe dir da auf jeden Fall Recht: An erster Stelle steht, dass man sich selbst die Konsequenzen dieses Konsums klar macht und sich ganz bewusst entscheidet mit dem Mist aufzuhören.

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29 Mär 2016 11:33 #10 von Abbel
Abbel antwortete auf das Thema: Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
Das ist echt lobenswert und ein tolles Beispiel.
Gaaaaaaanz verteufeln will ich Medikamente jetzt aber auch nicht. Natürlich nur vom Arzt usw. Ich hoffe ihr wisst, wie ich es meine.

Aber beim Shopping will ich jetzt auch nicht unbedingt in Kotze laufen, genau so wenig wie in einen Hundehaufen :D

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03 Apr 2016 13:00 #11 von maybe0205
maybe0205 antwortete auf das Thema: Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
Oh Rose , du kannst Stolz auf dich sein !

Ich bin gerade dabei (Vomex und Co.) von meinem Notfallplan zu streichen. Ich hatte jetzt 2 Wochen komplett Ruhe mit Übelkeit und mir ging es echt relativ gut, dann hatte ich einen Abend mit Übelkeit zu Kämpfen und konnte nicht einschlafen und habe wieder eine Tablette genommen und am nächsten Tag gleich noch 2 und Schwubs war ich wieder drin in dem Teufelskreis. MIr gehts jetzt seit 3 Tagen wieder so beschissen ( Hitzewallungen, Magenschmerzen, Übelkeit, Kreislauf, Herzprobleme..) Und dann möchte man natürlich gleich wieder einen nehmen , damit diese Übelkeit endlich aufhört. Aber seit gestern bin ich stark und hab keine mehr genommen. Ich versuche mich abzulenken und das irgendwie durchzustehen.

Ich möchte die Tabletten nicht schlecht reden , weil wenn einem echt übel ist , helfen die wirklich. Aber dieser Massenkonsum schadet dem Körper nur. Und ich bin jetzt auf Tee umgestiegen und Baldrian Tropfen um mich zu beruhigen und ich zeichne wieder viel damit ich mich ablenken kann.

Ich möchte Vomex und alles komplett aus meinem Notfallpaket streichen. Ich merke immer wieder, dass es mir dann noch schlechter geht. Und das ist ja genau das, was man nicht will.


Liebe Grüße M.

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01 Okt 2016 13:30 #12 von trini
trini antwortete auf das Thema: re: Tipps um von Tröpfen & Co. wegzukommen
ich kann mich dem "junkie-club" anschliessen (entschuldigung für die wortwahl!) und stehe auf, sage "hallo, mein name ist trini und ich bin medikamenten-abhängig"

... und das schon seit jahren. danke der pharma-industrie, an dieser stelle. und danke meinem arzt und apotheker - ihr seit gute dealer! besonderen dank an all den ärzten, die mich nie intensiv bei einem benzodiazepin-entzug begleitet haben.

ich muss nicht erwähnen, dass ich sarkastisch war, nicht?

zurzeit halte ich mich stationär in einer klinik auf. psyche sei dank. unter anderem werde ich auch die antiemetika-abhänigkeit angeben. dass ich schiss davor habe, brauche ich hier nicht zu erwähnen. wie es gehen wird? stufenweise. ob ich es schaffe? die zuversicht sinkt von tag zu tag...

eure trini.

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