Wie geht ihr mit Ansteckungsgefahr um?

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CALLFROMHELL
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Wie geht ihr mit Ansteckungsgefahr um?

Beitragvon CALLFROMHELL » 20.12.2015, 22:56

Meine Phobie ist momentan so schlimm, dass ich zu 99% in der Wohnung sitze, weil meine Angst vor einer potenziellen Ansteckung größer ist als jeder Drang, etwas Sinnvolles zu tun. Ich lese ständig im Internet von "Magendarm" und davon, dass es "zurzeit um geht". Ich denke dann sofort, dass wirklich jeder Mensch gerade so einen Infekt hat und bin sowieso rund um die Uhr überzeugt davon, mich bereits angesteckt zu haben. Mir wird dann auch einfach so widerlich schlecht, weil ich mit dieser Ungewissheit nicht leben kann. Ich habe sowieso jedes Jahr Angst vor den Wintermonaten und ich weiß wirklich langsam nicht mehr weiter, weil es überall so dargestellt wird, als könne man sich vor diesen Viren überhaupt nicht schützen.
Manchmal denke ich mir: Ich verlasse die Wohnung höchstens ein Mal in der Woche und dann bin ich nur mal auf dem Friedhof oder auf irgendeinem Wanderweg, da kannste dich ja schlecht anstecken, aber in Angstsituationen kann ich einfach nicht mehr logisch denken, weil mir so übel ist, dass mir gar nichts anderes übrig bleibt, als von einer Infektion überzeugt zu sein. Ich denke auch, dass besonders dieses Wissen über Magen-Darm-Infektionen die körperlichen Symptome unbewusst verschlimmert.

Ich würde mir wünschen, dass Magendarm genau so übertragen wird wie HIV. Dann wäre mein Leben wieder schön.

Meine Frage an euch: Wie geht ihr mit Ansteckungsgefahr um? Habt ihr Waschzwänge? Wie könnt ihr sicher sein, dass ihr euch nicht angesteckt habt? Habt ihr viel Kontakt zu anderen Menschen? Seid ihr auch oft der festen Überzeugung, euch angesteckt zu haben? Wie geht es euch mit dieser Angst?

Ellanee
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Re: Wie geht ihr mit Ansteckungsgefahr um?

Beitragvon Ellanee » 21.12.2015, 00:03

Also ich muss sagen, wenn ich nicht zwei kleine Kinder hätte, würde ich mich wohl momentan auch verkriechen. Aber ich kann nicht, das ist keine Option für mich. Ich muss meinen Kids ein einigermassen normales Leben bieten, d.h. sie in die Kita bringen. Ich denke so gefühlte 1000 mal pro Tag daran, wer sich wo angesteckt haben könnte und frage mich, wann es losgeht und wie es losgeht. Momentan denke ich sehr oft daran und sammle auch Infos im Internet. Obwohl ich die Angst erst seit meinen Kindern habe, sind sie mir jetzt eine grosse Hilfe. Vorallem wenn sie sich unbekümmert ein Stück runtergefallenes Brot im Supermarkt wieder in den Mund stecken...
Ich kann dir also keinen Tipp geben, für mich ist momentan die beste Therapie einfach weiterzumachen. Mir hilft oft die Frage, was würde ein Nicht-Phobiker machen? Ich muss aber zugeben, dass ich nach wie vor die Hände desinfiziere nach dem Supermarkt, aber ansonsten versuche ich nur eine normal Hygiene einzuhalten.

Paulinchen
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Re: Wie geht ihr mit Ansteckungsgefahr um?

Beitragvon Paulinchen » 21.12.2015, 00:47

Ich habe manchmal das Gefühl, dass das ein wenig übertrieben ist, dass in den Wintermonaten angeblich andauernd md umgehen soll. Ich war auch schon mal im späten Frühling krank und wenn ich mir Arbeitskollegen anschaue, kann ich eher sagen, dass sich das immer unterschiedlich verteilt. Mal haben es welche im Winter und mal haben es welche im Frühjahr und Sommer. Würde mich mal interessieren, ob das wirklich stimmt, dass es im Winter häufiger vorkommt... ich denke eher, dass das ein Mythos ist. In Düsseldorf gab es im August beispielsweise vor einigen Jahren mal eine große Krankheitswelle.
Ich beruhige mich im Alltag damit, dass ich mich in der Regel nicht mal eben so anstecke. Ich habe mich bisher immer nur angesteckt, wenn ein Familienmitglied krank war (und da auch nur ein Mal) oder die halbe Klasse während der Schulzeit flach lag. Also immer NUR dann, wenn ich wirklich Kontakt zu Kranken hatte und die Toiletten auch von diesen Personen benutzt worden sind. Es gab nur eine Ausnahme während einer Klassenfahrt, ansonsten habe ich mich immer nur direkt durch den Kontakt mit Kranken angesteckt.
Ich habe allerdings einen absoluten Tick, was Desinfektionsmittel angeht. ich habe viruzides Desinfektionsmittel wirklich immer, dann fühle ich mich sicher. Ich habe auf der Arbeit extrem viel Kontakt mit sehr vielen Menschen. Ich achte einfach darauf, dass ich mir in dieser Zeit nicht ins Gesicht fasse und dann geht das auch. :wink:
Ich kann deine Angst total nachvollziehen, mdg ist auch meine absolute Horrorvision, aber ich halte mir immer vor Augen, dass ich es bisher noch nicht so oft in meinem Leben hatte und dass ich mich ausreichend schütze durch Handhygiene (ehrlich gesagt ist mein Schutz natürlich übertrieben, das weiß ich auch, aber das werde ich erst noch nicht ablegen können).

CALLFROMHELL
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Re: Wie geht ihr mit Ansteckungsgefahr um?

Beitragvon CALLFROMHELL » 21.12.2015, 17:28

Erstmal vielen Dank für eure schnellen Antworten! Gut zu wissen, dass man mit der Angst nicht alleine ist. :|

Ehrlich gesagt glaube ich auch nicht daran, dass die Jahreszeiten einen derart starken Einfluss auf Magen-Darm-Infektionen haben können. Der Winter macht mir trotzdem Angst. Ich fühle mich generell nicht wohl, wenn es draußen so furchtbar früh dunkel wird und ich mag kaltes Wetter überhaupt nicht. Die gute Nachricht: heute ist Wintersonnenwende. Die Tage werden wieder länger und das gibt mir Hoffnung. Zumindest ein bisschen.

Meine Hygiene ist wirklich übertrieben. Ich wasche mir bis zu 200 Mal am Tag die Hände und ich benutze ebenfalls viruzides Desinfektionsmittel. Sicher fühle ich mich damit trotzdem nicht. Das Problem ist, dass ich meinen Körper permanent beobachte. Jedes noch so kleine Zwicken ist für mich der sichere Beginn einer Magen-Darm-Infektion. Und dann spielt es auch keine Rolle, dass ich zu 99% in meiner Wohnung sitze, keinen Kontakt zu Menschen habe und mich eigentlich gar nicht anstecken kann. Ich denke wirklich die ganze Zeit, dass ich infiziert bin. Und ich warte nur darauf, dass es losgeht.

Es gibt keinen einzigen Tag, an dem ich mich nicht krank fühle. Mir ist schlecht, ich habe fast täglich Kopfschmerzen, ständig Schweißausbrüche, Haarausfall, Schmerzen ohne Grund, keinen Appetit und fühle mich durchgehend scheiße. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich dieses Jahr schon beim Arzt gewesen bin, und wie oft mir gesagt wurde, dass ich gesund bin. Das sei die Psyche, ganz sicher. Das mag ja sein, aber wenn mir das nächste Mal schlecht wird, kann ich das nicht mehr glauben. Wirklich nicht.

Paulinchen
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Re: Wie geht ihr mit Ansteckungsgefahr um?

Beitragvon Paulinchen » 23.12.2015, 00:16

Ja, ich glaube auch, dass es eher mit dem Wohlfühlfaktor zusammenhängt. Außerdem wird man ja auch durch diverse Artikel gerade im Winter verrückt gemacht. Ich fühle mich beispielsweise im Hochsommer viel weniger wohl und bin massiv genervt und gereizt, wenn das Thermometer mehrere Tage hintereinander über 35 Grad anzeigt. Tatsächlich werde ich regelmäßig jedes Jahr in dieser Zeit krank (aber kein md zum Glück).
Tut mir sehr Leid für dich, dass deine Angst zur Zeit so extrem ist :? Ich reagiere übrigens auch sofort auf jedes kleinste Bauchgrummeln.. ich glaube, ich sage mindestens jeden zweiten Tag: "Du Schatz, meinem Magen geht es nicht so gut". Ich mache mir auch sofort Sorgen, dass ich mich irgendwo angesteckt haben könnte oder etwas falsches gegessen haben könnte.
Wann hattest du denn das letzte Mal eine md-Infektion? Bei mir ist es zwar auch sehr lange her, aber ich habe es immer vorher deutlich gemerkt, dass ich es bekomme. Rückblickend kann ich sagen, dass das Gefühl ganz anders war, wobei mir mein Kopf auch schon häufiger einen Streich gespielt hat. Naja, aber jedenfalls habe ich mich immer gut mindestens eine Stunde vorher schon deutlich krank gefühlt (nur eine Ausnahme, wo innerhalb von 5 Minuten starke Übelkeit einsetzte), bevor es richtig losging (innerliches Frieren, Abgeschlagenheit, allgemeines Krankheitsgefühl und Bauchschmerzen). Ich versuche mich immer zu überzeugen, dass ich nicht md bekomme, indem ich an spezielles Essen denke. In der Regel funktioniert es bei mir, wenn ich an Salmiakpastillen denke, denn die kann ich IMMER essen, auch während einer Panikattacke, nur eben nicht, wenn ich wirklich krank werde. Ich habe bei Panik zwar auch keinen Hunger und keinen Appetiet, aber ich KÖNNTE Salmiakpastillen runterkriegen :lach: Weißt du, was ich meine? :) Mir hilft das beispielsweise ganz gut, um mich zu vergewissern, dass ich nicht krank werde.

Also deine Symptome sind schon extrem. Ich kenne es zwar, dass mir während einer Panikattacke übel und schwindelig wird und ich auch mal dadurch Durchfall bekommen habe, aber Haarausfall und Kopfschmerzen und auch diese Schmerzen... ich weiß nicht. Ich kenne dich zwar nicht, aber rein subjektiv kann ich mir auch nur schwer vorstellen, dass alles von der Psyche kommen soll!
Bei mir hat es übrigens gute 7 Jahre gedauert, bis mal eine Ärztin einen laktosetest durchgeführt hat (ich habe allerdings nie direkt auf Milch reagiert, meist erst einen Tag später.. von daher will ich den anderen Ärzten keinen Vorwurf machen)... ich hatte ständig Durchfall und mir wurde dann auch gesagt: Kommt von der Psyche. Ich will damit nur sagen: Vll suchen die Ärzte nicht richtig... Wie lange hast du denn diese Symptome schon?
Bei einem Bluttest war alles ok? Wurden die Schilddrüsenwerte untersucht? Allergien oder Intoleranzen?

CALLFROMHELL
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Re: Wie geht ihr mit Ansteckungsgefahr um?

Beitragvon CALLFROMHELL » 23.12.2015, 21:36

Meine letzte Infektion hatte ich am 2. Februar 2010 und ich erinnere mich daran, als sei es gestern gewesen.

Ich kann auch nicht glauben, dass meine Symptome psychisch bedingt sind. Angeblich soll Haarausfall ein Anzeichen für Burn Out sein, Schmerzen sowieso. Die Übelkeit hatte ich schon immer, aber das ist bei Emetophobie auch normal. Die restlichen Symptome kamen ohne erkennbare Ursache erst dieses Jahr in heftigem Ausmaß dazu.

Ich habe bisher alle möglichen Untersuchungen mit Ultraschall machen lassen, sowie Langzeitblutdruck und, Belastungs- und Langzeit-EKG. Ich habe eine Magenspiegelung machen lassen und zwei Allergietests auf Pollen. Und gefühlte 100 Blutbilder. Hormone, Schilddrüsenwerte, großes Blutbild, kleines Blutbild - ALLES ohne Befund. Ich bin rein körperlich gesehen laut Ärzten kerngesund. Allerdings hatte ich selbst schon mehrere körperliche Krankheiten im Verdacht. Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sowie die von Hashimoto entsprechen zu 99% meinen Symptomen. Schilddrüsenerkrankungen konnten jedoch sowohl durch Blutuntersuchungen als auch durch einen Ultraschall der Schilddrüse ausgeschlossen werden. Wenn ich meine Symptome im Internet suche, komme ich immer auf dasselbe Ergebnis: Lebensmittelunverträglichkeit. Laktoseintoleranz kann ich ausschließen, da ich auf Milchprodukte nicht reagiere und wenn ich generell eine allergische Reaktion bemerke, äußert diese sich nicht in den für Laktoseintoleranz typischen Symptomen. Ich tippe viel eher auf Histaminintoleranz. Ein User beschrieb mal in einem anderen Forum exakt dieselben Symptome, die ich auch habe. Dieser User hat auch Emetophobie, ist wegen körperlichen Beschwerden von Arzt zu Arzt gelaufen. Und nach vielen Jahren konnte ein Heilpraktiker Histaminintoleranz diagnostizieren.
Wahrscheinlich wäre ich im ersten Moment einfach wütend, dass eine bloße Allergie mir mein Leben derart ruinieren konnte, aber gleichzeitig wäre eine körperliche Diagnose auch eine Art Erleichterung für mich, weil ich endlich Gewissheit bekäme. Aber ich will nicht mehr zum Arzt, ich will einfach nicht.

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Re: Wie geht ihr mit Ansteckungsgefahr um?

Beitragvon Basti » 24.12.2015, 10:37

Hast du es immer noch nicht verstanden? Du bist hier nicht erwünscht, da kannst du dich noch 100 mal anmelden. Tschüss!


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