Was ist das Schlimmste an Übelkeit/Übergeben für euch?

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Megan.Morgue
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Was ist das Schlimmste an Übelkeit/Übergeben für euch?

Beitragvon Megan.Morgue » 30.11.2015, 15:55

Weils grade schon in einem anderen Thema aufgekommen ist würde ich die Frage hier gerne nochmal separat behandeln. Bei mir ist die Frage WAS eigentlich das schlimme am übergeben ist, gerade großes Thema in der Therapie und ich merke, dass ich darauf keine eindeutige Antwort geben kann.
Ich würde gerne wissen wie das bei euch allen so ist.

Bei mir vermute ich zwei Gründe. Einmal, dass es mir peinlich ist, wenn es andere Menschen mitbekommen würden. Ich will nicht, dass andere sich vor mir ekeln, mich "verurteilen" oder schlecht über mich sprechen.
Das andere ist der Kontrollverlust, dass ich keinen Einfluss darauf habe wann und wo ES passiert.

Meine Therapeutin hat mich in der letzten Stunde gefragt, was für mich das schlimmste wäre, wenn ich mich jetzt bei ihr in der Praxis übergeben müsste.
Ich war erstmal total überfordert mit der Frage und wir haben das Szenario dann einmal im Kopf durchgespielt und ich konnte nicht sagen was schlimm wäre. Logisch es wäre nicht schön, aber das rechtfertigt die extreme Panik noch lange nicht. Die größte Angst hätte ich dabei noch vor der Heimfahrt gehabt, dass ich nichtmehr selbstständig fahren könnte.

Ich würde mich freuen, wenn ihr hier eure Gedanken dazu schreiben könntet, damit wir vielleicht gemeinsam drauf kommen, was für uns alle das Schlimmste daran ist.
"There is nothing either good or bad, but thinking makes it so". - (Hamlet, Act II, Scene II)

Linnunrata
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Re: Was ist das Schlimmste an Übelkeit/Übergeben für euch?

Beitragvon Linnunrata » 30.11.2015, 17:37

Also bei mir war das Schlimmste die Ungewissheit. Ich habe mich seit mind. 25 Jahren nicht übergeben. Daher konnte ich ja auch nicht wissen was mich erwartet.
Gestern ist ES allerdings passiert.
Ich versuche mal euch meine Erfahrungen mitzuteilen.
Das Schlimmste waren die Minuten kurz davor. Kalter Schweiß und eine Übelkeit die kaum erträglich war. Aber in diesem Moment kurz davor war die Angst auf einmal weg. Ich dachte nur: Lass es geschehen! Und danach gings mir besser.
Als sehr unangenehm habe ich das Geräusch empfunden....naja dieses Plätschern, auch sehr schlimm fur mich diese irgendwie"erniedrigte" Position vor'm Klo.
Ich war übrigens in dem Moment alleine. Wäre jemand bei mir gewesen wäre es mir peinlich gewesen demjenigen das zuzumuten.
Auch schlimm ist der Gedanke an den Kontrollverlust, das unangenehme Gefühl ausgeliefert zu sein.

Währenddessen war eigentlich nur das Plätschern voll eklig und kurz danach der Geschmack im Mund. Ich musste mir gleich panisch den Mund ausspülen und im Anschluss Zähne putzen.

Helena
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Re: Was ist das Schlimmste an Übelkeit/Übergeben für euch?

Beitragvon Helena » 30.11.2015, 18:04

Darüber hab ich auch schon so oft nachgedacht und ich komm eigentlich auf keinen grünen Zweig.
Bei mir ist die Angst auch viel schlimmer, wenn ich nicht zuhause bin, also muss auf jeden Fall eine soziale Komponente dabei sein. Ich weiß jetzt nicht, wie nachvollziehbar das ist, aber wenn mir unterwegs übel ist, hab ich immer das Gefühl, dass ich jetzt eine riesen Verantwortung zu tragen hab, zu der ich mich aber nicht imstande fühle. Dieses Abschätzen, an welcher Haltestelle man raus sollte, um sich nicht in der Bahn zu übergeben, wie lang man es noch in dem Laden aushält, ob man den Termin noch wahrnehmen oder doch absagen sollte, ... Man hat auf einmal so viele Entscheidungen zu treffen, muss abwägen, was jetzt das Beste ist, und zwar unter "erschwerten" Bedingungen, weil man ja die Übelkeit aushalten muss. Und beim Erbrechen selber geht's dann eben um Kontrolle abgeben. Und genau diese Mischung aus Verantwortung tragen (= das weitere Vorgehen "kontrollieren") und Kontrolle abgeben/Loslassen ist, glaube ich, für mich das Schlimmste an der ganzen Sache. Ach, das ist echt schwer zu beschreiben. :?
Geschmack, Aussehen, Geräusch etc. ist zwar auch sehr unangenehm, aber deswegen hab ich die Phobie bestimmt nicht.

Paulinchen
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Re: Was ist das Schlimmste an Übelkeit/Übergeben für euch?

Beitragvon Paulinchen » 02.12.2015, 12:50

Ja, bei mir ist die Angst auch noch größer, wenn ich daran denke, dass es unterwegs passieren könnte.
Zu Hause habe ich ja meine Toilette und zur Not kann ich dort kampieren ;) Zu Hause bin ich allein (wobei falls es passiert, wäre mir ganz wohl dabei, wenn mein Mann oder meine Mutter dabei wären. Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich diesen Personen zu 100% vertrauen kann und mir vor ihnen gar nichts peinlich ist). Wenn ich daran denke, dass es unterwegs passiert... alleine schon Übelkeit unterwegs, dann fühle ich mich vollkommen hilflos. Selbst wenn ein Klo in der Nähe ist, denke ich daran, dass die Leute mich ja hören... und wenn sie mich hören können, ist Durchfall genauso schlimm wie Erbrechen. Ich würde mich in Grund und Boden schämen und wenn dann auch noch meine Panik dazu kommt.. die Mischung wäre eine absolute Katastrophe für mich.
Ansonsten ist die Angst natürlich generell da, auch zu Hause ab und an. Wenn ich jetzt überlege, was das schlimmste ist... dann würde ich sagen, dass es vll nicht einmal der Akt des Übergebens selber ist, sondern die Übelkeit und dann die Ungewissheit, ob es passieren wird oder nicht. Bei starker Übelkeit fühle ich mich hilflos und weiß nicht, wohin mit mir. Dieses Gefühl... die Übelkeit irgendwie zu ertragen, obwohl ich sie unerträglich finde, macht mir Angst. Und dann der Kontrollverlust, der damit einhergeht. Wird es passieren oder nicht? Ich habe ja keinen wirklichen Einfluss darauf... das finde ich ganz ganz schlimm. Das Erbrechen selber ist halt eben sehr unangenehm, aber im Vergleich zur Übelkeit dauert es ja in der Regel nicht so lange. Was mir allerdings am Erbrechen selber Angst macht, ist die Vorstellung, dass es nicht aufhört.
---> Trigger: (nicht lesen, wenn man gerade in keiner guten Verfassung ist!)
Als ich mit 8 Jahren krank war, habe ich mich gute 20 mal in einer Nacht erbrochen und nicht einmal der kleinste Schluck Tee blieb im Magen. Erbreche ich ein einziges Mal... ok... sehr schlimm, aber irgendwie zu verkraften- Muss ich aber 20 Mal innerhalb von 15 Stunden erbrechen, ist das eine absolute Qual für den ganzen Körper, dann kommt das Gefühl: Ich kann nicht mehr! Und ich habe als Kind angefangen zu weinen, weil ich einfach körperlich nicht mehr konnte. Ich musste dann wieder erbrechen und es kam und dann konnte ich nicht aufhören zu würgen. Ich würgte gute 5 Mal trocken und aus lauter Not streichelte ich dabei meinen Bauch und redete ihm gut zu, dass er sich beruhigen soll, alles sei jetzt gut. So blöd das klingt, ich sah keinen anderen Weg, damit das Gewürge endlich aufhört. Dann hörte es auf, aber 5 Mal trocken zu würgen,nachdem man sich schon knapp 15 Mal erbrochen hat, ist ein derart widerliches und schlimmes Gefühl. An dem Abend bzw auch in der Nacht habe ich Angst bekommen, dass es einfach nicht mehr aufhört und dass es einem nach einem einzigen Mal Erbrechen nicht unbedingt besser gehen muss, sondern dass man auch locker 20 Mal erbrechen kann bei einem Virus und dazu nochmal gut 10 Mal trocken würgt. Wenn ich daran denke, dass es mir vll irgendwann noch einmal so dreckig geht wie in dieser Nacht, kriege ich sofort Panik. :cry:

Linnunrata
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Re: Was ist das Schlimmste an Übelkeit/Übergeben für euch?

Beitragvon Linnunrata » 02.12.2015, 16:20

Puh Paulinchen das hört sich echt heftig an. Wahrscheinlich war das so eine Art Trauma für dich.
So schlimm hatte ich es nur mal als Säugling. Aber daran kann ich mich natürlich bewusst nicht erinnern.

Mir wäre übrigens auch beides extrem peinlich in der Öffentlichkeit. Durchfall sowie Erbrechen.
Heute war ich wieder arbeiten. Als ich zur Toilette musste dachte ich auch....säße nun eine Kollegin nebenan....ich würde mich in Grund und Boden schämen wenn ich jetzt Durchfall hätte. Was peinlicheres kann ich mir grad gar nicht vorstellen.

dariusbritt
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Re: Was ist das Schlimmste an Übelkeit/Übergeben für euch?

Beitragvon dariusbritt » 16.12.2015, 09:05

Mir wäre es zwar auch peinlich mich in Anwesenheit anderer zu übergeben, aber ich glaube noch im "normalen" Rahmen. Kann mir echt nicht vorstellen, dass sich andere damit brüsten würden, in einem wichtigen Meeting auf den Tisch oder beim Einkaufen in den Laden gekotzt zu haben. DAS wäre sonst meiner Meinung nach absurd.

Schlimm sind für mich zwei andere Dinge.
Zum einen dabei nicht zu Hause zu sein, weil ich irgendwie denke dass der Weg nach Hause eine Qual ohne gleichen wäre. In dem Fall habe ich auch etwas Angst vor der Angst, weil ich nicht weiß, wie ich dann mit den Leuten um mich herum umgehen sollte.

Zum anderen - und das ist wohl das schlimmste (für mich) - der Kontrollverlust und die Unberechenbarkeit des ganzen. Anders als zum Beispiel eine Erkältung, die dann dauerhaft einfach da ist, passiert Erbrechen plötzlich. Und die Übelkeit davor macht die ganze Ungewissheit noch schlimmer. Dazu gibt es so viele verschiedene unsichtbare Dinge, die es auslösen könnte; verdorbenes Essen, Reiseübelkeit, Ekel, Hormone und und und. Niemand erkältet sich, weil er eine kurvenreiche Strecke mit dem Auto fährt.

Ich habe einfach insgesamt ein sehr starkes Kontrollbedürfnis, weil Kontrolle mir das Gefühl von Sicherheit gibt. Wenn ich weiß, was passiert, kann ich mich vorbereiten. Bei einer Erkältung funktioniert das noch halbwegs, weil ich weiß, ich habe dies, jenes und dies und jenes wird passieren. Wenn mir schlecht ist, weiß ich (meist) nicht warum und was passieren wird. Und diese Unsicherheit macht mir eine riesen Angst.

Drölfler
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Re: Was ist das Schlimmste an Übelkeit/Übergeben für euch?

Beitragvon Drölfler » 10.01.2016, 22:06

Bei mir ist es nicht die Peinlichkeit oder sonstwas, Übergeben ist halt hin und wieder "Normal", z.B. wenn man eben Krank ist.

Für mich ist einfach die Zeit bevor es passiert so schlimm, totale Anspannung, unerträgliche Übelkeit, dieses drücken auf den Bauch und wenn es dann rauskommt, dass ich für mich das Schlimme am ganzen. Auch wenn ich immer so mega Panisch bin, das ist für mich unangenehm.
Wenn man einfach so vorm PC sitzt und drüber nachdenkt, ist Erbrechen nicht so schlimm, aber da es bei mir und wie auch bei den meisten hier, so tief
mit Angst und dergleichen verankert ist, macht der Psychische teil einfach extremen Druck.

Im großen und ganzen bin ich der Meinung, dass das einzige Schlimme wirklich das Gefühl zu haben es nicht stoppen zu können und das man es über sich ergehen lassen muss. Wenn es aber zum Ernstfall kommt ist man total aufgelöst und weiß nicht was zutun ist. Wäre diese tiefe, gebundene Angst nicht da
könnte , z.B. Ich, ganz Normal Leben und würde Erbrechen als etwas ganz normales abstempeln.

Bei mir ist der Psychische teil eigentlich das Problem weil er mit dem zusammenspiel von Panik und Angstattacken erbrechen bei mir Auslösen und das ist mein Problem.

Dementsprechend ist es bei mir der Psychische teil das größere Problem bei meiner Angst, nur leider ist dieser Teil ziemlich schwer zu kontrollieren.

xstazzy
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Re: Was ist das Schlimmste an Übelkeit/Übergeben für euch?

Beitragvon xstazzy » 11.01.2016, 15:36

Guter 1. Post. Regt zum Nachdenken an, was für einen das Schlimme daran ist.

Was schon genannt wurde. Der Ekel den andere einem zum Ausdruck bringen. Kontrollverlust.
Persönlich würde ich sagen, dass es bei mir vor allem ersteres ist. Mir wurde gerade bewusst, dass es viel mit meinem Selbstbewusstsein und der Selbstwahrnehmung zu tun hat. Was ich noch hasse, ist dass ich meinen Körper in dem Moment nicht wirklich kontrollieren kann. Das man nicht weiß wann und wo es passiert. Komischerweise ist es wenn ich wo unterwegs bin viel schlimmer als Zuhause. Vermutlich weil man sich Zuhause einfach sicherer fühlt, als in einer fremden Umgebung.

Insgesamt würde ich sagen dass auch diese Übelkeit und dieses Herklopfen, Schwitzen mit am Schlimmsten für mich ist. Diese Übelkeit zu haben und im Grunde darauf zu warten, dass es passiert.


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