Freunde über Emetophobie berichten

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

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ImStrongerThanYou
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Freunde über Emetophobie berichten

Beitragvon ImStrongerThanYou » 23.11.2014, 12:39

Hallo Leute,

Ich werfe hier gleich mal meine erste Frage in die Runde.
Also es ist so, daß mich die Emo mittlerweile sehr beeinträchtigt in meinem Alltag: Ich mach nicht mehr gerne ab, übernachten geht garnicht, sobald jmd. schlecht ist zisch ich ab, wenn sich jmd. übergibt krieg ich sooo eine Panik (hab mich aber meist unter Kontrolle) und so weiter und so fort.

Nun, mein Problem ist halt, dass ich Freundin J. schon zweimal aufgrund meiner Angst und einmal weil sie da gerade die MDG hatte, und da benutzte ich halt Ausreden, die sie nicht ganz schluckte und sauer auf mich war.
Freundin S. wollte letztens mit mir Übernachten, aber ihre Mom hat es nur bei ihr erlaubt. Also musste ich mir zuerst eine Ausrede fürs Übernachten einfallen und ja. Dieser Tag war extrem anstrengend für mich, weil wir in einem Shoppingcenter waren, weit weg von Zuhause, ich musste 2h Zugfahren und sie ist Bulimikerin. Sie war natürlich auch sauer, wegen dem ganzen Wochenende.
Und bald übernachte ich mit einer Freundin, hab aber Angst, dass sie nicht zu mir kommen kann...

Und da gibts natürlich noch mehr Momente und so, aber das reicht erstmal.

Wie habt ihr es euren Freunden gesagt?
Wer weiss es alles?
Wie haben sie reagiert?
Wie behandeln sie euch jetzt?

Ich habe verd*ammt Angst..

Sonnenschein
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Re: Freunde über Emetophobie berichten

Beitragvon Sonnenschein » 23.11.2014, 20:06

Da ich auch extrem eingeschränkt bin/war hab ich den Lehrern alles erzählt und die haben es dann allen aus meiner klasse erzählt. Alle sind wirklich super verständnisvoll und echt nett. Siw wissen jetzt auch was sie tun sollen wenn ihnen schlecht ist und so weiter. Ab jetzt mach ich auch kein Geheimnis mehr draus und erzähl es jedem der fragt was los ist.
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Gina
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Re: Freunde über Emetophobie berichten

Beitragvon Gina » 24.11.2014, 10:24

Ich sehe das mit geteilter Meinung.

Es ist sicherlich wichtig, im engsten Umkreis, heißt der Familie (Partner, Eltern) oder seinen engsten Freunden (wirklich sehr enge Freunde) sich zu öffnen. Dies aber richtig.
Sprich: Emetophobie zu erklären und aufzuklären. In der Regel kommt da auf das Umfeld ein komplett neues Thema zu. Das Umfeld ist verunsichert, überfordert und will nur das beste tun.
Emos neigen dann dazu, und das meine ich nicht böse, unbewußt das Umfeld zu "erziehen". Ohne es zu wollen beginnt dann das Umfeld das Vermeidungsverhalten der Emos zu unterstützen. Uns Emos kommt das natürlich gelegen, denn wir sind entlastet, wenn Übelkeit anderer in der Familie nicht mehr so breit getreten wird, die Bauchgrippe der Oma verschwiegen wird, der Durchfall vom eigenen Ehemann verschwiegen wird.....u. s. w.

Nur wenn ein Mitwissender richtig aufgeklärt ist, kann er auch unterstützen.

Wenn das nicht der Fall ist, finde ich es besser, nicht "geoutet" zu sein. Das gewährleistet einfach den normalsten Umgang.

Hier auf dieser Seite gibt es tolle Infos für Angehörige im Umgang mit einem Emophobiker.

Ich mich persönlich, habe mich nie ganz geoutet. Als meine Akutphase vor vielen Jahren war, hat zwar mein Umfeld gewußt, dass etwas nicht stimmt, aber ich habe mich nie geöffnet. Lediglich mein Mann und meine Mutter wußten Bescheid.
Heute bin ich über diese Entscheidung sehr froh.



@Sonnenschein
Sonnenschein hat geschrieben:Siw wissen jetzt auch was sie tun sollen wenn ihnen schlecht ist und so weiter.


Und was sollen sie tun?

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Sase
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Re: Freunde über Emetophobie berichten

Beitragvon Sase » 24.11.2014, 10:45

@Gina: Sehr guter Beitrag, das kann ich so nur befürworten. Du triffst es genau auf den Punkt :top:
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!

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Re: Freunde über Emetophobie berichten

Beitragvon Gina » 24.11.2014, 19:55

Danke :D

Kinabalu
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Re: Freunde über Emetophobie berichten

Beitragvon Kinabalu » 24.11.2014, 20:45

Ich kann mich da Gina nur zustimmen.

Allerdings denke ich sollte man grundsätzlich vorsichtig damit sein recht private Informationen über einen selbst mit Bekannten zu teilen. Grade in Schulklassen in eurem Alter wird doch so schnell mal gelästert. Da macht man sich am Ende das Leben nur schwerer.

Ich schließe mich auch Ginas Punkt an: Nicht euer Umfeld muss sich ändern sondern ihr/wir.

Außerdem ist es dann irgendwann schwer den Ruf als Phobiker wieder los zu werden wenn es einem dann doch besser geht.

Also Offenheit ja-aber vorsicht mit wem man private Dinge bespricht!
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Luna26
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Re: Freunde über Emetophobie berichten

Beitragvon Luna26 » 24.11.2014, 23:48

Bei mir wissen es viele. Ich versteh nicht ganz warum rücksichtsvolles Verhalten der Anderen hier so verteufelt wird!

Bei deinem Problem wäre es schon sehr wichtig, es deinen Freunden zu sagen, dann fangen sie an, deine ständigen Absagen zu verstehen ansonsten merkst du ja selbst, sind sie beleidigt und/oder gekränkt. Du kannst nicht von ihnen verlangen, dass sie es verstehen das können sie nicht, aber wenn sie wirklich Freunde sind, werden sie es zumindest versuchen. Du hast es dann auch etwas leichter und musst nicht immer krampfhaft Ausreden suchen.
Vertrau deinen Freunden ruhig!

Kinabalu
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Re: Freunde über Emetophobie berichten

Beitragvon Kinabalu » 25.11.2014, 00:27

Luna26 hat geschrieben: Ich versteh nicht ganz warum rücksichtsvolles Verhalten der Anderen hier so verteufelt wird!


Es geht garnicht darum irgendwas zu verteufeln. Ziel bei der Arbeit an der Phobie soll sein ein möglichst normales Leben zu führen und sich von der Angst nichtmehr einschränken zu lassen. Dazu muss man leider manchmal auch sehr unangenehme wege gehen und vorallem braucht man Ehrlichkeit. Ich habe auch meinen engsten Freunden, meinem Freund und meiner Mutter davon erzählt und ich denke das ist für mich auch ok gewesen. Ich verstehe auch jeden der sagt, dass er es niemanden verraten will.
Denn von dem zeitpunkt an dem man sich "geoutet" hat behandeln einen die Menschen nunmal anders. Das kann natürlich in manchen Punkten gut sein-man bekommt in vielen Punkten mehr Verständnis und dass kann einem den Kampf gegen die Emo leichter machen. Es kann aber auch dazu führen, dass deine Umwelt dich plötzlich anders sieht, dich in Watte packt und versucht zu vermeiden, dass du dich aufregst o.ä. In dieser Situation fühlt man sich vielleicht auch erstmal wohl-niemand sagt mehr wenn ihm schlecht ist, alle sind ganz verständnisvoll und versuchen alles richtig zu machen-aber ist das die reale Welt?
Es passiert dann auch einfach schnell, dass man als "die Kranke" abgestempelt wird. Wir wollen essen gehen/feiern gehen? Dich brauchen wir ja garnicht erst fragen-sowas magst du nicht/das stresst dich nur", dabei wäre es gut mit sowas regelmäßig konfrontiert zu werden um die Chance zu haben weiter an sich zu arbeiten.
Und auch wenn kein Emo das gerne hört-aber ich halte es für durchaus auch hilfreich wenn man eben doch dann mal von Freunden berichtet bekommt dass sich jemand übergeben hat. a) weil es normal ist und ihr doch nicht wollt dass eure Freunde vor jedem Gespräch mit euch erstmal krampfhaft überlegen müssen was sie euch jetzt überhaupt sagen dürfen und b) weil man so als Emo auch immer mal wieder sieht, dass andere sich auch erbrechen können und dann in der Lage sind weiter zu machen "als wäre nichts gewesen"-es muss also scheinbar nicht immer die Welt untergehen wenn sich jemand erbricht.

Also wie gesagt-wir verteufeln es nicht wenn man sich entschließt sich anderen anzuvertrauen-ich habe das auch getan. Allerdings muss man eben auch sehen, dass man da auf einem schmalen Grad wandelt und auch schnell in die Konstruktion einer Scheinwelt abrutschen kannn.

Und wie gesagt-darüber hinaus denke ich auch, dass diese Phobie etwas privates ist, was nicht jeder über mich wissen muss.
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dariusbritt
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Re: Freunde über Emetophobie berichten

Beitragvon dariusbritt » 25.11.2014, 02:09

Dem schließe ich mich an. Es gibt auch definitiv einen Unterschied zwischen Verständnis von anderen und Vermeidungsverhalten fördern. Dass eine ganze Schulklasse sich an "Regeln" hält, um die Angst nicht zu triggern, ist letzteres.
Es ist zwar sehr nett von deiner Klasse und sicher bequem für dich, aber auch absolut kontraproduktiv. Was ist nach der Schule zB beim Studium oder im Berufsleben? Willst du dann jedes Mal erstmal dem ganzen Hörsaal/Büro/Team erklären, wie sie sich zu verhalten haben?

Ich denke auch, dass das engere Umfeld schon Bescheid wissen darf bzw sollte. Sie sind die Personen, die einen am ehesten auf irrationales Denken oder übertriebene Handlungen hinweisen können, bzw einem Helfen können einen "Realitätscheck" durchzuführen. Im weiteren Umfeld, sprich Schulklasse, flüchtige Kollegen/Bekannte etc reicht es, es Ihnen zu erklären, wenn es relevant ist. Sprich, wenn man zB eine Panikattacke hat o.ä.

Bei mir in der Schule wussten die Lehrer zwar (zwangsläufig), dass ich irgendwelche Probleme habe, aber nicht was. Dementsprechend habe ich auch das ein oder andere Mal eine Ansage und einen Dämpfer bekommen, vonwegen ich solle mich zusammenreißen etc. Und das war im Nachhinein betrachtet richtig so. Klar, für den Moment damals habe ich mich schrecklich ungerecht behandelt gefühlt, weil hah - einfach zusammenreißen, die haben leicht reden. Aber genau das hätte ich tun sollen.

Dass es etwas privates ist, sehe ich persönlich für mich nicht ganz so. Die Leute dürfen ruhig wissen, dass ich Emetophobikerin bin. Das wichtigste für mich ist, dass ich zwar akzeptiere, dass es ein Teil von mir ist, mich aber nicht dadurch identifiziere und andere es auch nicht tun. Ich bin nicht meine Angst, demnach sollten mich die Menschen um mich herum auch nicht so behandeln, wie es die Angst will. Im Prinzip ist es wie eine große Narbe am Bein. Irgendwann fällt es sicherlich auf und vielleicht kommt dann auch die ein oder andere Frage dazu. Aber nur weil ich die Narbe habe, kann es ja nicht sein, dass plötzlich alle das Thema Verletzungen/Narben vermeiden, wenn ich dabei bin oder keinerlei Aktivitäten mehr mit mir unternehmen, wo man sich eventuell eine Narbe holen könnte (zB Klettern, Wandern, etc). Es ist zwar etwas, was einen Teil von mir ausmacht, aber es sollte nicht mein Leben bestimmen.

zwergi27
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Re: Freunde über Emetophobie berichten

Beitragvon zwergi27 » 20.12.2015, 22:25

Bei mir wussten es meine beste Freundin und mein Mann. Einer anderen guten Freundin wollte ich es eigentlich vor Monaten schon sagen, da ein gemeinsamer Urlaub bevorstand.
Aber ich kann da nicht so offen drüber sprechen und fand nie den richtigen Zeitpunkt.
Nun war es letzte Woche so, das ich sie zum notdienst gefahren habe, da ich nicht von Mdg ausging. Sie hatte zwar gebrochen, aber das Hauptproblem war der husten und die schmerzen beim Atmen.
Trotzdem hatte ich unwahrscheinlich angst ich könnte mich doch evtl. Angesteckt haben. Und als sie am Freitag morgen schrieb das ihr wieder schlecht sei, habe ich ganz spontan drauf los geschrieben.
Und im Nachhinein wars das beste was ich tun konnte. Sie hat ganz toll reagiert und vollstes verständnis.
Habe ihr aber auch gesagt das sie mich absolut nicht mit dem Thema schonen soll. Und auch das tut sie nicht.

Aber mehr Leute werden es definitiv nicht erfahren. Die, die es wissen müssen, wissen es nun.
Ich glaube es kommt immer darauf an, wie man jemanden vertraut und wie eng der Kontakt ist.


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