Bin geheilt

Du hast eine Krise gemeistert oder Dir geht es im Allgemeinen deutlich besser, als noch vor einiger Zeit? Hier ist der Platz um deine Erfahrungen und deinen Weg anderen mitzuteilen...

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Zitronenkind

Bin geheilt

Beitragvon Zitronenkind » 01.10.2005, 16:01

liebe leute, ich hab ja schon mal einen beitrag verfasst, in dem ich über angst vor übelkeit geklagt habe. nun habe ich einen stationären aufenthalt in der psychosomatik hinter mir und muss sagen- ich bin geheilt.
Und das nicht, weil ich dort verhaltenstherapie gemacht habe oder ähnliches, überwiesen bin ich ja nur weil ich depressionen zusätzlich hatte.
Es waren nämlich 10 Bulimiker auf meiner Station, die so bis zu 17 mal am Tag gekotzt haben. Am Anfang hatte ihc Panik, vor der Kotze, mich vorm Wc geekelt etc. Nach einigen Gesprächen mit den Brechsüchtigen hab ich das Ganze nicht mehr so schlimm gefunden. Dauernd ist wer von denen seelenruhig zum Wc gegangen und hat sich dort absichtlich erbrochen. Unvorstellbar für mich am Anfang das auszuhalten bzw aufs gleiche Wc zu gehen, wie die. Doch nach einiger Zeit hat sich das gelegt, und durch den täglichen Umgang mit Erbrochenem bzw durch die Akustik, den Geruch und die Seelenruhe die da zu dem Thema vorherrschte bzw auch die Sucht haben bei mir alle Ängste beendet.
Die Depression ist zwar noch nicht ganz weg, ab morgen nehme ich Cipralex dagegen, aber die Angst vor dem Erbrechen ist vollkommen weg.

eni

Beitragvon eni » 01.10.2005, 16:25

sollen wir uns jetzt alle mit bulemie kranken zusammenzun damit wir gesund werden? ich krieg die krise

Bulli

Beitragvon Bulli » 01.10.2005, 16:38

Also ich kann ja verstehen, dass du durch diese Gesellschaft die Angst vor dem Erbrochenen und dem Kotzen an sich verloren hast. Aber mich würd' interessieren: Hast du auch die Angst vor der Übelkeit verloren? Ich meine, Bulimikern ist ja eigentlich nicht schlecht, wenn sie kotzen, soviel ich weiß... Aber das ist es, wovor ich die größte Angst hab': die Übelkeit und die Ungewissheit, ob man kotzen muss oder nicht

Zitronenkind

Beitragvon Zitronenkind » 02.10.2005, 01:08

hm, ja ich hatte angst vor der übelkeit wegen der ungewissheit vor dem kotzen. aber da die angst vor dem kotzen jetzt vollkommen weg ist, ist auch der rest vorbei!!nehme nun cipralex wo die häufigste nebenwirkung übelkeit und erbrechen sind, und da die angst vorbei ist ist es mir egal und bisher nicht passiert. mal sehen, vielleicht kommts ja wieder dann meld ich mich ;)

ich meine damit nicht, dass sich alle mit bulimikern zusammentun sollen, habe mir nur gdachr ich schreib das hier rein weil es mich wirklich gewundert hat!!ich find das nur eigenartig, dass einem sowas hilft das war kein "schauts mich an mir gehts super euch nicht" einfach ein "hey ich finds arg und sehr eigenartig dass die direkte konfrontation hilft"

Lg und allen viel Kraft!

Zitronenkopf

Trixi

Beitragvon Trixi » 02.10.2005, 15:24

Habe bei einem mehrmonatigen Klinikaufenthalt aber eine ähnliche Erfahrung gemacht.
Allerdings bin ich nur im Umgang mit Bulimikerinnen lockerer geworden -sobald jemand Magen -Darmgrippe hat oder es mir selber schlecht geht, ists vorbei mit der Coolness.
Aber schön, dass es auch auf deine Angst vor dem Ungewissen eingewirkt hat. Kanns mir schwer vorstellen, weil es bei mir nicht geklappt hat.
Aber das zeigt auch, wie facettenreich unsere Ängste sind und leider kein Allerheilmittel greifbar ist.

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Sharilyn
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Beitragvon Sharilyn » 02.10.2005, 15:41

habe die gleichen bedenken wie trixi... bulemiker/innen kotzen weil sie es wollen.. es gibt auch welche die sich eslber furchtbar ekeln vor erbrechen bei MDG oder ähnlichem... laut erzählungen kann man das nicht vergleichen, da bulemiker/innen gleich nach dem essen kotzen was es nicht ganz so "eklig" macht... anscheinend.

finde es ganz toll dass dir das so gut geholfen hat, ich glaube ich persönlich hätte mit bulemiker/innen auch keine allzugroßen probleme - es gäbe ja keine gefahr mich anzustecken... aber uaf nem zimmer mit 3 MD-Kranken... :shock: :shock: :shock: da könnt man mich dann erschießen :lol:

trotzdem: wenn es Dir geholfen hat: super!!! freue mich für Dich dass du den Sch*** los bist :D

@Eni:
solche kommentare kann man sich sparen! das war hier keine allgemein-heilmethode! wenn du dich schon nicht für die methode begeistern kannst, was ja einige hier tun, dann freu dich doch zumindest... freu dich dass es tatsächlich jemand geschafft hat, das heißt doch dann wohl dass es heilung GIBT!

Grüße
Sharilyn
Life always needs a little Salsa !!

Nachtfee

Beitragvon Nachtfee » 02.10.2005, 16:09

Ich hätte auch keine Angst vor Menschen, die nichts ansteckendes haben.
Sobald es Anzeichen von MDG gibt, bin ich panisch, weil ich ANgst habe mich anzustecken.
ich habe ja eh Angst selber zu kotz**. Was andere so freiwillig machen ist mir wurscht. :lol:

Nicky

Beitragvon Nicky » 03.10.2005, 13:49

hallo zitronenkind,

hast du denn auch die angst vor dem eigenen erbrechen/der eigenen übelkeit verloren oder "nur" die angst vor der konfrontation damit?

ich kann mir vorstellen, dass man durch längeren kontakt mit leuten, die sich regelmäßig übergeben, die angst vor DEREN erbrechen verliert, mit der zeit dagegen also abstumpft. trotzdem denke ich, dass die eigenen körperempfindungen einem immer noch zu schaffen machen. oder hat sich das bei dir gleich mit gelegt? und konntest du denn inzwischen auch selbst erbrechen?

lg nicky

Prodigy

Beitragvon Prodigy » 03.10.2005, 15:04

ich kann mir vorstellen, dass man durch längeren kontakt mit leuten, die sich regelmäßig übergeben, die angst vor DEREN erbrechen verliert, mit der zeit dagegen also abstumpft.


Ich freue mich das Zitronenkind es mit Konfrontation geschafft hat da ich ehr die gegenteilige Erfahrung gemacht. Durch die Konfrontation ist meine Emo noch schlimmer geworden.

dieFee

Beitragvon dieFee » 03.10.2005, 18:41

bei mir hat der ständige kontakt zu erbrechenden leuten zu einer abstumpfung geführt. mir macht das nix mehr aus, ich finds zwar ned besonders appetitlich, aber muss ja auch ned..... :wink:

grüsse

dieFee

MadEM

Beitragvon MadEM » 04.10.2005, 15:25

Freut mich erstmal,dass "das zitronenkind" ( :wink: ) es geschafft hat ! Ich frage mich,ob bei mir auch eine Konfrontation in Frage käme...könnte durchaus sein... aber wie schon gefragt wurde,was habt ihr denn sonst da in dieser therapie gemacht ??? oder war es irgendwie beabsichtigt,dich in die nähe von bulemikern zu bringen ??

Mimoeschen

Beitragvon Mimoeschen » 04.10.2005, 18:46

Also, ich mach zur Zeit einAuslandssemester in Schottland und werde heir sehr haeufig konfrontiert, weil (auch wenn sich's bloed anhoert) die Schotten ein sehr "natuerliches" Verhaeltnis zu ihrem Koerper haben und ausserdem auch ein sehr "freundliches" Verhaeltnis mit dem lieben Alkohol pflegen und durch diese Verbindung kommt es meistens so alle 100 Meter vor dass irgendwer irgendwo hingekotzt hat... In Flagranti hab ich es gott sei dank bisher noch nie miterleben duerfen *aufholzklopf* aber bei mir kommt es trotz der Konfrontation auf die Tagesform an... Wenn es mir normal bis gut geht is es mir mittlerweile scheissegal, es sei denn es is ganz schlimm eklig... Da gibt es ja leider wie ich hier immer mehr feststelle schon arge Abstufungen von ertraeglich zu ich-will-garnich-erst-dran-denken....

Naja, was ich damit sagen wollte ist, dass es mir aber trotzdem noch zu schaffen macht wenn ich generell nen schlechten Tag hab oder mir selber grad schlecht is und ich bin nach wie vor der Meinung, dass Emo ans ich nur das Symptom fuer innere Probleme ist, zumindest bei einem grossteil von uns... Und von daher glaube ich nicht an eine "Heilung", zumindest nicht fuer mich. Ich glube dass ich lernen kann oder schon gelernt habe mit der Emo umzugehen und zu leben... Das ist aber was anderes als das gewagte Wort "geheilt"... Ic hab wohl zu oft schon gute Jahre gehabt und dannach doch wieder rueckfaelle als dass ich sowas behaupten wuerde...

Ausserdem haben wir doch fast alle schonmal gekotzt und danach wurde es doch wieder schlimmer, auch wenn es die krasseste Form der Konfrontation war...

Will niemanden verunsichern oder ernuechtern, wenn sich jemand als geheilt sieht, freut mich das natuerlich sehr fuer ihn, aber ich denke vielleicht waere ein anstoss in ne andere Rihctung auch nich so verkehrt, dass man irgendwie aufhoert, Heilung anzustreben, die es fuer manche von uns nicht gibt...

Im Sinne, dass es fuer andere, die wenn sie pszchischen Stress haben oder Trauer bewaeltigen muessen oder so, auch keine Heilung gibt, wenn sie in so Situationen dann nich schlafen koennen oder so. Es wird eben mit der Zeit wieder besser... :wink:

Nicky

Beitragvon Nicky » 05.10.2005, 15:31

ich frage mich nur, ob das erbrechen anderer auch gegen die angst vorm EIGENEN erbrechen (nicht nur vom anderen-zusehen) wirkt. kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass ich dann meine eigenen übelkeits- und ausgeliefertsein-gefühle besser ertragen könnte, auch wenn ich andere kotzen sehen kann.

MadEM

Beitragvon MadEM » 05.10.2005, 15:36

@nicky

hmmm irgendwie versteh ich grad net was du meinst :gruebel:

Mimoeschen

Beitragvon Mimoeschen » 05.10.2005, 17:00

Ich versteh das schon Nicki und ich seh das genau wie du... Auch wenn ich Phasen hatte in denen es mir gut ging und ich kein Problem damit hatte, andere kotzen zu sehen... Das Einzige was mir geholfen hat, mit mir selber besser klarzukommen war, dass ich mir eingeredet hab ich muss nich kotzen, weil ich eben so lange schon nich mehr gekotzt hab...

Aber egal wie gut es mir ging hat es nie was daran geaendert, dass ich in Panik ausgebrochen bin wenn mir mal wirklich schlecht war oder ich sogar (so gut wie nie) wirklich mal kotzen musste...

Ich denke diese Angst ist auch sehr schwer zu bekaempfen, man kann hoechstens lernen zu beurteilen, ob einem wirklich schlecht ist und man eventuell wirklich kotzen muss... wenn man die emo uebelkeit naemlich mal ausgrenzt, ist selbst Emos so gut wie nie wirklic schlecht, wahrscheinlich noch seltener als Normalos, weil wir ja trotzdem auf Essen udn Alkohol und Hygiene und so achten...

Aber ich denke wenn es wirklich dazu kommt, dass man kotzen muss, dann ist die Angst da und man kann nix dagegen machen... Aber ich bin mir sicher, frag mal ein paar Normalos, dass 90% aller Menschen in den Minuten vorm klotzen Panikartige Gefuehle haben... Ich hab schon mit vielen darueber gesprochen und fast jeder hat bis zu einem gewissen Mass angst vorm kotzen...


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