Mein Weg

Du hast eine Krise gemeistert oder Dir geht es im Allgemeinen deutlich besser, als noch vor einiger Zeit? Hier ist der Platz um deine Erfahrungen und deinen Weg anderen mitzuteilen...

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Kinabalu
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Mein Weg

Beitragvon Kinabalu » 03.09.2015, 00:08

Mein Weg
Ich wurde in den letzten Tagen jetzt zwei Mal gefragt, was ich so gegen die Phobie unternommen habe. Ich hatte eh schon mal überlegt meine Geschichte mal ausführlicher aufzuschreiben, aber das hat mir jetzt mal den Anstoß gegeben es anzugehen.
Vorweg möchte ich sagen, dass ich kein Therapeut bin und der Weg den ich gegangen bin sicher nicht für jeden ideal ist. Also los geht’s.

Angst mich zu erbrechen hatte ich eigentlich schon seit ich sehr klein war. Wann genau es los ging weiß ich nichtmehr, aber ich erinnere mich an Kindergeburtstage, auf die ich nicht gehen wollte, denn da hätte ich ja Kuchen essen müssen von dem mir dann bestimmt schlecht werden würde. Ich habe mir dann meine eigene kleine Regelwelt erschaffen. Beim Abendbrot habe ich zum Beispiel immer nur eine halbe Scheibe Brot gegessen, egal ob wie groß das Brot war, egal ob Vollkorn oder Toast-immer nur eine halbe Scheibe, denn wenn mein Magen nicht voll ist kann ich mich ja auch nicht übergeben.So bin ich dann eigentlich gut ausgekommen. Im Endeffekt habe ich mich auf meine Regeln konzentriert, denn mein Vater hatte ein starkes Alkoholproblem und meine Mutter hatte damals (bzw. sie hat es immer noch) Zöliakie, eine Allergie gegen Gluten, was in so ziemlich allen Weizenarten drin ist. Sie bauete also körperlich sehr stark ab, und nachts musste mehrmals der Notarzt kommen, weil es ihr so schlecht ging. Ich erinnere mich nichtmehr gut an die Zeit aber da kurz davor mein opa gestorben war, bin ich irgendwie davon ausgegangen, dass meiner Mutter ein ähnliches Schicksal blüht.

In einer Nacht in der mein Vater besonders besoffen war sind meine Mutter und ich ausgezogen, zunächst zu Freunden und später dann in eine Wohnung. In der Zeit hatte ich mein erstes Phobietief. Ich wollte nichts mehr essen und mir war ständig schlecht. Ich wollte auch keine Freunde mehr treffen. Meine Mutter ging dann mit mir zu einem furchtbaren Kinderpsychologen (Ich war damals ca 12). Wir waren allerdings nur ein paarmal dort, da mir direkt eine Magersucht und meiner Mutter ein Jugendwahn (ich wundere mich bis heute darüber) diagnostiziert wurde. Alles anhand von einer (zugegebenen) sehr schlechten Zeichnung die ich anfertigen sollte.

Mit der Zeit hat dann das Leben mit meiner Mutter wieder etwas Ruhe und Alltag gebracht und es ging mir wieder etwas besser. Die Phobie war immer noch da, aber ehr im Hintergrund.

Mit 15 ist dann irgendwas bei mir passiert, ich weiß noch nicht genau was. Ich hatte damals einen Freund der in derselben lasse war wie ich. Leider hat er mich sehr mies behandelt und ich hab das mit mir machen lassen. Als er sich dann auch noch ziemlich fies von mir trennte war es natürlich unangenehm weiter zur Schule zu gehen. Ich vermute, dass das ein Auslöser war. Außerdem war ich ziemlich gewachsen, hatte aber schon immer Probleme beim Zunehmen und wurde in der Schule für Magersüchtig gehalten und manchmal auch sehr direkt darauf angesprochen. Naja ich weiß jedenfalls nicht genau warum, aber meine Phobie kam voll durch. Nach und nach machte mir alles Angst und anstatt zu kämpfen zog ich mich zurück. Anfangs vor Freunden/Unternehmungen und nach und nach auch vor der Schule. Ich verkleinerte meinen Kreis immer weiter und irgendwann lag ich nur noch in meinem Bett. Ich war totunglücklich und habe jeden Tag daran gedacht mich umzubringen. Heute weiß ich, dass ich depressiv war. Ich habe mich gelähmt gefühlt. Ich konnte die einfachsten Aufgaben nichtmehr erfüllen. Wenn meine Mutter mich bat den Müll runter zu bringen begann meine Angstspirale sich zu drehen. „Wenn mich im Flur einer der Nachbarn trifft werden sie mich fragen, warum ich nicht in der Schule bin…wenn ich im Aufzug (wir wohnten im 7. Stock) stehe kann ich nicht weg wenn mir dann schlecht wird. Wenn die Nachbarn mich sehen werden alle über mich reden.“ Die Treppe konnte ich körperlich nicht nehmen, also habe ich mir gesagt, dass ich einfach in einer Stunde gehe, wenn jemand fragt, sage ich es wär Unterricht ausgefallen. Aber als die Stunde um war bin ich doch nicht gegangen.

Zwischen mir und meiner Mutter war es unerträglich, ich lag ja nur rum und sie hat immer wieder versucht mich zu motivieren etwas zu machen, aber ich wollte nur meine Ruhe. Irgendwann wurde sie wütend auf mich, hat mir den Fernseher und den Computer weggenommen, also wurde ich wütend. Naja wie es so ist.

Zur selben Zeit suchte dann ein Junge aus meiner Schule Kontakt zu mir. Wir schrieben bei ICQ eigentlich jeden Abend, dann telefonierten wir. Ein Treffen aber immer wieder abgesagt. Wir telefonierten dafür jeden Abend und an einem Wochenende haben wir mal fast den ganzen Tag telefoniert.

Da ich immer noch nicht zur Schule ging ging meine Mutter mit mir zu einer anderen Therapeutin. Sie versuchte mir zu helfen, gab mir kleine Aufgaben auf, aber ich machte nichts davon. Eigentlich versuchte ich es noch nichtmal. Ich war dann gut ein halbes Jahr nichtmehr in der Schule und meine Therapeutin sagte, dass sie mich nicht weiter krank schreiben würde, wenn ich in der Therapie eh nichts machen würde. Sie stellte mich vor die Wahl: Antidepressiva nehmen und mitarbeiten oder sie würde meiner Mutter raten mich in einer geschlossene KiJu-Klinik einweisen zu lassen. Ich war aber immernoch nicht in der Lage etwas zu tun. Ich war jeden Tag sicher, dass die Übelkeit heute echt ist. Ich war wütend auf alle die mir sagten, dass ich die Antdepressiva nehmen soll. Ich habe ihnen vorgeworfen mich auf Drogen setzen zu wollen, mich verändern zu wollen. Also lag ich weiter nur rum und meiner Mutter telefonierte mit Kliniken und ich telefonierte mit dem Jungen.

Und so vergingen noch ein paar Wochen bis dann das Aufnahmegespräch mit der Klinik stattfand. Und plötzlich saß ich da, habe ein Zimmer gezeigt bekommen und schonmal einen vorläufigen Tagesplan, mit meiner Mutter wurde besprochen wann es losgeht und wie. Und plötzlich klickte es und ich merkte, dass ich eben doch noch was verlieren konnte-meine Gespräche mit eben diesem Jungen.

Ich hab meiner Mutter gesagt, dass ich nicht in diese Klinik will, dass ich Antidepressiva nehmen werde und in der Therapie mitarbeiten will und das ich alles tun werde, wenn sie mir noch eine Chance gibt.
Und sie gab mir noch eine Chance und die habe ich genutzt.

Ich wurde zunächst auf Antidepressiva gesetzt, habe Angsthierarchien erstellt (die habe ich noch irgendwo, falls es wen interessiert), habe Beruhigungsmethoden eingeübt und ich habe angefangen zu trainieren. Ich bin mit meiner Mutter spazieren gegangen, ich habe jeden Tag für unser Mittagessen sorgen müssen (ich war immernoch nicht in der Schule)…

Und ich habe mich mit dem Jungen getroffen, und dann waren wir ein "Pärchen" und dann bin ich auch wieder in die Schule gegangen. Ich hatte unendliche Mengen an Stoff nachzuholen und war grenzenlos überfordert, denn allein das anwesend sein hat mich körperlich schon so überfordert, dass ich Nachmittags 2 Stunden Mittagsschlaf halten musste (haha das klingt so bewusst, ich bin einfach eingeschlafen wo ich grade war). Meine Lehrer sind mir aber entgegen gekommen. Ich musste die verpassten Klausuren nicht nachschreiben. Aber mich hatte der Ehrgeiz gepackt und ich wollte auch keine Almosen annehmen also habe ich die Klausuren nachgeschrieben, manchmal 2 hintereinander. Oh ich bin so gescheitert :lol: -nur 4er und 5er :oops: :P :P hätte ich es mal gelassen hätte ich mir den Stress erspart. :roll: Aber meine Lehrer waren wieder wundervoll und haben mir die Klausuren nicht gewertet, die ich sie ja freiwillig nachgeschrieben habe. Ich habe dann Referate in so ziemlich allen Fächern gehalten (Physik aaaah :confused: ) und habe meinen Realschulabschluss grade eben noch mitbekommen.

Inzwischen habe ich mein Abitur, studiere, war letztes Jahr für 2 Monate als Au-Pair im Ausland. In der Zweit hat sich meine kleine Gasttochter übergeben müssen-aber es hat mich nichts ausgemacht. Ich konnte sie danach knuddeln und knutschen-ich habe sie nur zum Zähne putzen geschickt. Meine Au-Pair Familie kam aus Nigeria und das Essen war absolut gewöhnungsbedürftig für mich-aber ich kam klar. Ich musste mich auch schon selbst wieder übergeben-ohne Angst und vor allem mit dem Gefühl im Anschluss „wow jetzt geht es mir besser“. Ich mache alles worauf ich Lust habe, ich esse alles worauf ich Lust habe und ich liebe es zu verreisen. Nächste Woche gehe ich für ein 5 wöchiges Praktikum wieder nach England und ja ich bin nervös-aber wer wäre das nicht? Ja die Angst ist manchmal noch da, aber ich erkenne ihre Muster inzwischen besser. Meine Phobie hat eine große soziale Komponente und wenn ich sehr angespannt bin und einen guten Eindruck hinterlassen will ist die Angst besonders stark (denn ich will ja einen guten Eindruck hinterlassen, aber was wenn dir jetzt schlecht wird? :roll: jajaja).

Aber ich lasse mich nicht einschränken. Naja ich war noch nie auf einer Loopingachterbahn..aber ich würde inzwischen über nichts sagen, dass ich es nicht schaffen kann. Ich genieße mein Leben sehr, ich genieße es zu essen..und vor allem Essen zu gehen, ich trinke Alkohol, verreise..achso..und mit besagtem Jungen bin ich jetzt auch schon seit 8 Jahren zusammen ;)

So wie habe ich das jetzt gemacht?


Oh jetzt kommen die Weisheiten? Nein leider nicht :nein:
Grob gesagt-ich habe gekämpft, ich habe trainiert. Jeden Tag solange ich konnte. Ich hatte Medikamente zur Unterstützung und nicht zuletzt auch diese Forum. Auch wenn ich es anfangs noch nicht wirklich nutzen konnte. Einer meiner ersten Beiträge hier war irgendwas in der art „Hallo ich bin Kinabalu, ich nehme jeden Tag xy und sagt mir jetzt nicht dass das schlecht ist, denn das will ich nicht hören also schreibt nicht, dass es schlecht ist“. Als dann ein paar gepfefferte Antworten kamen habe ich beschlossen, dass hier alle doof sind und denen das auch gesagt :D Naja und dann war ich patzig. Aber am Abend habe ich überlegt…es wurde erwähnt, dass dieses Medikament süchtig machen kann, dass es Panikattacken auslösen kann. Also habe ich mir einen Plan überlegt. Ich konnte es nicht in die Tonne kloppen, also habe ich es statt beim Aufwachen (es lag auf meinem Nachttisch) erst zum Frühstück genommen, dann nach dem Frühstück, dann nach dem Duschen, im Bus, in der Schule, nach der ersten Stunde..und dann habe ich es irgendwann vergessen zu nehmen.
So sah mein Training len Punkten aus. Ich konnte noch nicht Bus fahren, also hat meine mama mich zur Schule gebracht. Dann hat sie mich früher abgesetzt, oder an der Bushaltestelle von einer leeren Buslinie. Wenn ich meinen Freund besucht habe dann ist er mir mit dem Bus entgegengefahren und irgendwo dazugestiegen, aber ich bin immer weitere Strecken alleine gefahren.

Ich habe gelernt, dass man nicht immer alles so machen muss „wie es sich gehört“. Wenn man nicht den ganzen Weg alleine schafft, darf man lieber nach Hilfe fragen, als dass man als Konsequenz den Weg garnicht erst antritt. Wenn mir Dinge Angst gemacht haben und ich sie lieber vermeiden wollte habe ich gelernt mich zu fragen, wie ich die Situation leicht verändern könnte um mich wohler zu fühlen. Man muss die Angst nicht von 10 auf 0 runter bekommen, es reicht wenn man von einer 10 erstmal auf eine 8 runter kommt-dann ist es schon etwas besser. Man kann auch ruhig mal etwas neben der Spur laufen.

Man muss nicht so verbissen an einem Plan festhalten und es lieber abzusagen als es abzuändern. Immer weiter kämpfen-nie stehen bleiben. Nehmt Hilfe an, aber Ziel ist immer es alleine zu schaffen.
Ja das war soweit mein Weg. Falls das jetzt überhaupt jemand liest und noch Fragen aufkommen-immer her damit. Vielleicht hilft es ja irgendwem. Achso und nicht die Hoffnung verlieren :flower:
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Re: Mein Weg

Beitragvon Megan.Morgue » 03.09.2015, 17:10

Wow da hast du ja einen ganz schön harten Weg hinter dir. Ich freu mich für dich, dass du das so gut hinbekommen hast.
Nachdem ich deinen Eintrag gelesen habe habe ich mir lange darüber Gedanken gemacht, was bei mir so ein Klick-Erlebnis auslösen könnte oder was man mir nehmen könnte, damit ich endlich aufwache und an mir selbst arbeite. Leider ist die traurige Wahrheit, dass mir nichts eingefallen ist :(

Hattest du auf deinem Weg auch Rückschläge und wenn ja wie bist du damit umgegangen?
Ich schwanke momentan sehr zwischen den Extremen (super gut oder sehr sehr schlecht). An manchen Tagen denke ich kein einziges Mal an meine Phobie, unternehme Ausflüge, gehe essen ... aber an anderen Tagen (wie heute) ist mir nur schlecht und ich liege im Bett.
Ich habe das Gefühl, dass je besser manche Tage sind, desto schlimmer sind andere. Wie schaffe ich es dabei nicht dir Hoffnung zu verlieren?

Sorry, falls das ein wenig von deinem Thema abweicht, aber ich hoffe du hast einen Rat für mich.
Alles Liebe
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Re: Mein Weg

Beitragvon Kinabalu » 03.09.2015, 20:50

Huhu. Ist garnicht schlimm wenn wir von "mir" abweichen. :ja:

Also ich hatte auch Rückschläge. Ich hatte immer mal wieder schlechte Phasen. In der Stuffe 11 hatte ich nochmal Probleme zur Schule zu gehen und habe wieder ordentliche Fehlzeiten angesammelt. Und auch nach dem Abi hatte ich immer mal wieder Durchhänger. Ich wollte beispielsweise ins Verlagswesen, habe aber Vorstellungsgespräche für Praktika einfach ausfallen lassen. Ich habe es nur geschafft zu einem Verlag in Münster (nur 40 Minuten entfernt) zu fahren, wäre aber viel lieber in Köln (1,5 Stunden) gewesen. Allerdings sind die Durchhänger auch mit mir "gewachsen" und ich habe andere Dinge als Durchhänger erlebt, die ich früher sogar als erfolg gesehen hätte.

Was mir eben immer geholfen hat war "weiter machen". Was man über das hinfallen oder vom Pferd fallen sagt stimmt. Immer wieder aufstehen/aufsteigen und weiter machen. kraft hat mir immer die Erinnerung an diesen Tiefpunkt gegeben (nie wieder) aber auch die kleinen Erfolgserlebnisse die man in der Arbeit an der Phobie zu erreicht. Noch heute denke ich mir: meine Güte- vor 1,2,3 Jahren konntest du dir noch nichtmal vorstellen, dass du DAS jetzt grade machst.
Ich denke das kann einem auch viel Hoffnung geben. Kleine Fortschritte sehen und merken: Hey ich bin nicht an meinen Grenzen angekommen-ich steh erst am Anfang eines Weges.
Ich finde es extrem spannend zu sehen, was in Menschen eigentlich noch so drin steckt. Sowohl hier im Forum immer wieder als auch bei mir auf meinem eigenen Weg. ich bin immer wieder überrascht wenn man beobachtet wie Leute sich entwickeln, wozu sie fähig sind und was sie alles schaffen je weniger die Angst sie hemmt.
Ich glaube wirklich nichtmehr an ein "Das kann ich nicht wegen der Angst". Ja es wird schwerer sein als für andere-aber wir können alles genauso schaffen. Und ich glaube du hast genauso Ziele und Wünsche die du irgendwann mal erreichen willst. Und auch wenn der Weg bis dahin lang wirkt, solange man in seinem Leben einen kleinen Fortschritt sieht heißt es ja, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Megan.Morgue hat geschrieben:Leider ist die traurige Wahrheit, dass mir nichts eingefallen ist :(


Das ist schade, aber auch nicht ungewöhnlich denke ich. Du bist grade in einer sehr schlechten Phase. Aber vielleicht kann ja zumindest die Neugier auf das was noch aus dir werden kann dich dazu zu bringen an dir zu arbeiten. Und wenn du nichts zu verlieren hast kannst du doch eigentlich nurnoch gewinnen. :wink: Also fang an :)
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Re: Mein Weg

Beitragvon Kinabalu » 04.09.2015, 18:12

Damit es nicht wirkt als wär ich son Superheld: Hier mal meine Angsthierarchie von vor ca 7 Jahren. Ist nicht ganz vollständig. Zu der zeit ging es mir schon etwas besser (bin jedenfalls wieder jeden tag zur Schule gegangen). 10 war komplettes Vermeiden bzw. Panik


10 Bus fahren mit umsteigen, große Partys (Vorabi), Essen gehen, Sport (Fahrrad
Touren, Volleyball spielen, Schulsport), Alkohol, bei anderen übernachten, Konzerte, MGD Krankheit bei anderen, Städtetouren, eigene Übelkeit, Schwindelgefühl, „sich nicht auf seinen Körper verlassen können“, mehrere Aktivitäten an einem Tag, Horrorfilme, Spazieren gehen

9 Kleine Geburtstagsfeiern, Beim Arzt im Wartezimmer sitzen
Volle Orte (Weihnachtsmarkt, Bus), Banken, Wenn anderen übel ist, zum FvS hoch laufen, Stress , Vor/Mit anderen Essen

8 Friseur, lange shoppen (Oberhausen), wenn es wichtigen Menschen schlecht geht

7 Klausuren/Referate (Schulsituationen ohne Fluchtmöglichkeit)

6

5 Nachmittagsunterricht, Freistunden

4 Kino

3 Regelmäßig zur Schule gehen, Einkaufen

2 Mit Freunden treffen

1 Mit Martin treffen

0 Zuhause sein, mit meiner Mutter einkaufen gehen, zum Mülleimer/Briefkasten, Essen, wenn ich zuhause zuviel gegessen habe, allein sein (alleine schlafen, alleine essen/kochen), mich auf Treffen freuen
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Re: Mein Weg

Beitragvon dariusbritt » 04.09.2015, 20:09

Es ist unglaublich beruhigend zu wissen, dass Sport und im Wartezimmer sitzen für dich auch so extrem Angstbesetzt war(/ist?). Ist für mich zwar von der Einteilung eher andersrum (also Sport weniger schlimm als WZ), Sport mittlerweile sogar noch niedriger, aber generell dachte ich, das ist selbst für Emotophobiker total abstrakt gedacht, dass Sport Angst macht :D

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Re: Mein Weg

Beitragvon Parasomnia » 04.09.2015, 20:31

Ich habe auch lange keinen Sport machen wollen, weil körperliche Anstrengung dieselben Symptome hervorruft wie eine Panikattacke und mein Hirn das sehr schlecht unterscheiden konnte. Mittlerweile geht es besser.
Es kommt dazu - trotz alledem -, dass sich die Furcht in Widerstand verwandeln wird - trotz alledem.
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Re: Mein Weg

Beitragvon Kinabalu » 04.09.2015, 22:41

Mit Sport habe ich auch heute noch Probleme. Also sowas wie Badminton o.ä macht mir total Spaß aber ich kann garnicht joggen, wenn ich so bewusst mitkriege wie mein Herz beschleunigt usw. Das mag ich nicht. Außerdem fehlt mir für alleine joggen der ehrgeiz, also ich seh nicht so ganz ein warum ich jetzt joggen soll wo ich doch auch spazieren gehen könnte und mich dabei und danach viel wohler fühle. Pilates und Yoga haben mich nur genervt (außerdem bin ich immer umgekippt bei so manchen Figuren). Ich suche noch nach dem richtigen Sport für mich :lol:
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Re: Mein Weg

Beitragvon Parasomnia » 04.09.2015, 22:47

Ich komme mittlerweile mit dem Radfahren gut klar, schwimmen würde ich nochmal wieder in Betracht ziehen. Joggen habe ich auch eher abgehakt, auch wenn ich mit einem Park direkt vor dem Haus doch immer wieder ins Grübeln komme, ob ich es nicht versuchen sollte. :wink:
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Re: Mein Weg

Beitragvon dariusbritt » 04.09.2015, 22:49

Okay dann scheint es bei mir trotz allem noch einen Ticken anders zu sein, als bei euch :tongue:
Ich habe bzw hatte nämlich immer Angst davor, weil sowohl ich als auch zwei andere Schülerinnen einmal vor vielen Jahren nach einem langen Zirkeltraining übergeben mussten. Bzw ist es ja zB bei intensivem Muskeltraining insgesamt gar nicht sooo selten, dass sich Leute danach übergeben. Also so Herzrasen hingegen hat mir nie groß Angst gemacht. Die oft mit der Erschöpfung einhergehende Übelkeit nach dem Schulsport war viel gruseliger.

Mittlerweile habe ich aber nicht mal mehr ein Problem mit Übelkeit nach dem Muskeltraining, wahrscheinlich dank der Endorphine oder so ;) aber der Schweinehund ist egal ob mit oder ohne Angst trotzdem ziemlich groß. :lach:

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Re: Mein Weg

Beitragvon Sonnenschein » 04.09.2015, 22:52

Also ich kann das Reiten ja nur empfehlen :) zum einen natürlich den Sport an sich und dann natürlich noch die Bindung zum Pferd, die ich ganz besonders wichtig finde und mir schon so einige Male aus Löchern oder Tiefs geholfen hat ;)
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Re: Mein Weg

Beitragvon mimi » 04.09.2015, 23:11

Dariusbritt, mir gehts da ähnlich wie dir - ich hatte mich selbst mal ziemlich übernommen und stand dann mit Herzrasen und Übelkeit auf dem Klo und dachte, ich kipp um und kotz und erstick. Allerdings war ich damals noch als Trainerin unterwegs und musste die Stunde zu Ende bringen - seitdem ist es gelaufen, mit mir und dem Sport.

Reiten würde ich aber immer wieder, wenn es mein Pony noch gäbe, das wurde leider verkauft :/
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Re: Mein Weg

Beitragvon Megan.Morgue » 05.09.2015, 11:30

Hey Kinabalu
wie bist du denn an die Sache mit der Angsthirarchie angegangen?
Ich kann mir vorstellen, dass sich die Punkte, je nach Tagesbefinden, sehr ändern. Für mich wäre es an manchen Tagen alles "unmöglich" und an anderen könnte ich auch Dinge tun, die mir viel Angst machen. Wie findet man da einen Mittelweg für die Liste?
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Re: Mein Weg

Beitragvon Kinabalu » 05.09.2015, 11:49

Also bei mir war es so, dass mir an schlechten Tagen auch die Dinge auf den unteren Stufen schwer gefallen sind aber dass ich an einem guten Tag jetzt plötzliche ch Dinge von Stufen 10 konnte das gabs nicht. Schwierig wenn ds bei dir so unterschiedlich ist. Ich würde an deiner Stelle einfach heute oder so mal anfangen und dann die Liste nochnal überarbeiten wenn es dir schlecht geht? Ansonsten gibt es ja auch zwischen 10 und 0 viele Stufen wo du ein bisschen genauer abstufen kannst
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Re: Mein Weg

Beitragvon Megan.Morgue » 05.09.2015, 16:30

Danke für deine Antwort. Ja ich hab da leider sehr große Schwankungen manchmal :/
Ich werd sicher mal eine Liste machen und die dann immer wieder überarbeiten, bis ich alles ganz gut eingeordnet hab.
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Re: Mein Weg

Beitragvon angsthase » 05.09.2015, 17:03

Wow kinabalu, deine geschichte macht mit echt mut..
Wie ist das bei dir mittlerweile wenn jmd tatsächlich MDG hat?
Momentan bin ich auch noch an dem Punkt an dem mir alltägliche Dinge (sowas wie Tagesausflüge oder allg länger als drei h weg von zuhause) echt angst machen. ABER: ich arbeite daran.
Aber ich frage mich ob man wenn man das überwunden hat auch iwann so weit ist ne MDG bei andren evtl sogar bei sich selbst wegstecken kann..dh nicht mehr übertrieben putzen u desinfizieren,hungern usw.du/ihr kennt das nehme ich an?


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