Mut machen und Bericht von einer stationären Behandlung

Du hast eine Krise gemeistert oder Dir geht es im Allgemeinen deutlich besser, als noch vor einiger Zeit? Hier ist der Platz um deine Erfahrungen und deinen Weg anderen mitzuteilen...

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Princess01
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Mut machen und Bericht von einer stationären Behandlung

Beitragvon Princess01 » 08.01.2015, 21:16

Hallo, alsoo meine ersten Beiträge waren in diesem Forum das ich nicht mehr außer Haus kann und nur noch verzweifelt bin.
Aber nun möchte ich euch Mut machen. Ich bin mittlerweile bei meiner 3. Therapeutin und endlich habe ich große Fortschritte gemacht, ich kann wieder alleine zu Termine und in kleinere Geschäfte einkaufen gehen. Und wenn ich einkaufen fahre dann nicht weil ich MUSS sondern weil ich WILL!!
Eine Atemübung hat mir dann bei Angstgedanken immer sehr geholfen.. 3 Sekunden einatmen 3 Sekunden ausatmen und 3 Sekunden die Luft anhalten und das 3mal hintereinander.

Nun bin ich seit Mittwoch, also seit gestern in einer psychosomatischen Klinik. In einem Basismodul das 4,5 Wochen dauert.
Noch kann ich nicht viel sagen, außer dass das ganze Pflegepersonal & Mitpatienten total lieb sind. Sie haben alle verschiedenste Probleme.
Und wen ihr noch mehr wissen wollt kann ich euch gerne in ein paar tagen wieder etwas berichten oder eine PN schreiben.

Und noch sagen möchte ich, auch ich habe geglaubt dass ich es niemals schaffen werde wieder Sachen unternehmen zu wollen/können. Und auch wenn es kleine Schritte sind, bin ich über jeden dieser Schritte stolz. Und man darf sich nicht zu sehr ärgern wen es an einem Tag wieder schlechter geht. Es kann schließlich nicht jeder Tag gleich gut sein! ;)

Sophie23
Beiträge: 34
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Re: Mut machen und Bericht von einer stationären Behandlung

Beitragvon Sophie23 » 14.01.2015, 16:38

Hall Princess01,


danke für deinen Beitrag! Ich soll selbst in einigen Wochen stationär in Therapie, dadurch
sind deine Ausführungen für mich doppelt interessant! Wie hat sich die Emo denn bei dir
geäußert?
Ich feue mic, wenn du uns auf dem Laufenden hältst!

Liebe Grüße,
Sophie

Caro_
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Re: Mut machen und Bericht von einer stationären Behandlung

Beitragvon Caro_ » 10.02.2015, 21:38

Hallo Princess01,
Darf ich fragen, in welcher Klinik du bist?
Ich leide schon viele Jahre an einer Emetophobie und habe dabei die Erfahrung gemacht,
dass diese kaum Ärzte und Therapeuten kennen, selbst in Kliniken nicht.

Das Problem ist nun noch seit einigen Jahren, dass ich aufgrund der Emo sehr wenig wiege
und mich weder eine Klinik, noch ein ambulanter Therapeut nimmt, weil man mit so niedrigem
Gewicht nicht therapiefähig sei.
Bei früheren Klinikaufenthalten kam ich immer auf Essstörungsstationen, was mir aber überhaupt nicht half und deren Sanktionsmaßnahmen -
Teller leeressen, sonst darf man das Zimmer und die Station nicht verlassen - erst recht nicht. Aber wenigstens hatte ich genügend Konfrontation,
mit den Bulimiker/innen. ;)
Ich weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll, da ich völlig aus dem Leben raus bin - frühberentet usw.

Würde mich freuen, wenn du mir antwortest

@ Sophie23: In welche Klinik gehst du?

Danke und LG, Caro

Princess01
Beiträge: 10
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Re: Mut machen und Bericht von einer stationären Behandlung

Beitragvon Princess01 » 11.02.2015, 15:56

hi,

ich war in einer kleineren Klinik in Oberösterrreich, und bereue es absolut nicht das ich mich entschlossen habe stationär zu gehen.

Ich bin schon seit meiner Geburt immer Untergewichtig. (Zurzeit wiege ich 40kg bei einer Größe von 1,58m), weshalb ich anfangs auch immer als magersüchtig und als essgestört abgestempelt wurde. Bis ich wirklich einen Arzt fand der meine Probleme ernst nahm und mir vor 2 Jahren schon eine Psychosomatische Klinik empfohlen hat. Nur damals war das ganze noch nicht so schlimm und ich dachte die ständige Übelkeit kommt von meiner chronischen Gastritis.

Bei mir hat sich die Emo so geäußert das ich seit ich denken kann panische Angst vor dem Erbrechen hatte sobald mir übel war.
Durch einen Auslöser vor 2 Jahren wurde es dann immer schlimmer bis ich letzendlich nicht mal mehr mit dem Hund raus gehen konnte aus Angst erbrechen zu müssen, da mir schon Dauerübel war. Wenn ich wusste ich muss wohin fahren, war mir sofort schlecht bis zum Brechreiz, so habe ich es natürlich immer mehr vermieden das Haus zu verlassen.

Ich war vor 2 Jahren auch schon eimmal bei einer Verhaltenstherapeutin was mir damals garnichts gebracht hat.
Seit Oktober bin ich jetzt bei einer anderen und da ging es langsam voran.
Seit Anfang Jänner bis Anfang Februar war ich nun stationär. Es ging nicht besonders um Ängste, sondern es war ein "Basismodul" wo Patienten mit den verschiedensten psychosomatischen Erkrankungen waren. Dort wurde ich nicht als Essgestörte behandelt, sondern wegen meiner Panikattacken. Ich habe mich aber auch für eine Klinik entschieden wo keine Essgestörten sind, da ich sonst bestimmt auch als Essgestörte behandelt worden wäre. Ich habe auch von Anfang an gesagt das ich nur sehr wenig und kleine Portionen usw essen kann und so war das ganze auch kein Problem.
Wir waren nur 7 in der Gruppe und ich war mit 21 die Jüngste, und habe mich doch mit allen sooo gut verstanden. Jedes Wochenende mussten wir nach Hause um das dort erlernte zu Hause umsetzen zu können.

Nun ja, seit dieser Woche bin ich wieder zu Hause. Und es sind mehr als nur 3 Schritte die ich gegangen bin. Es sind zwei verschiedene Welten wen man mich vor Monaten gesehen hat und wenn man mich jetzt sieht. Ich bin wieder motiviert einkaufen zu fahren, kann mit dem Hund rausgehen, und bin schon gespannt auf die neuen Herausfoderungen die noch auf mich warten. Ich bin mir sicher das ich mich ganz oft überwinden muss aber ich weiß, dass ich es schaffe wen ich etwas wirklich will. Ich habe einen großen Willen und viel Stärke, was man bestimmt auch braucht um aus dieser Krankheit ausbrechen zu können.
Wir haben dort ganz ganz viele verschiedene Therapien gehabt: Psychotherapie in der Gruppe und einzeln, Gruppen mit den Oberärzte, Gruppen mit den Schwestern die speziell ausgebildet sind, Kreativtherpie, Physiotherapie, Körperwahrnehmung, Entspannung (wir machten immer die progressive Muskelentspannung in der Gruppe), Musiktherapie (war für mich das absolute Highlight, die Therapeutin ist auch Körpertherapeutin und dies hat mir wirklich sehr geholfen).
Ich habe nicht gedacht das es sooo toll wird in der Klinik, aber ich wÄre sogar noch länger geblieben wenn es möglich wäre. Nur werde ich es ganz bestimmt nicht mehr so weit kommen lassen das ich wieder stationär gehen muss..

Das wichtigste ist das man sich selbst nicht unter Druck setzt, das man sich die Zeit gibt die man braucht. Und mein Motto ist jetzt: ich probiere es wenigstens, wenn ich es nicht schaffe, dann schaffe ich es eben nicht, dann geht es vielleicht das nächste mal.

Die ersten Termine stehen mir schon bevor wo ich mich unter Beweis stellen muss wie gut ich damit umgehen kann, aber dank vielen Skills die ich in der Klinik gelernt habe, werde ich es bestimmt schaffen, auch wenn ich schon etwas nervös bin.
Aber Leute mit denen ich mich treffe usw. wissen davon, und die sagen "mach dir jetzt noch keinen Kopf darüber", wenn es dir zuviel wird sagst du es und wir gehen einfach. Mir geht es besser wen alle Bescheid wissen, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden wie viel er über sich erzählen möchte.

Wenn ihr noch weiter Fragen habt, ich beantworte sie gerne. :)

LG

Caro_
Beiträge: 2
Registriert: 09.02.2015, 15:31

Re: Mut machen und Bericht von einer stationären Behandlung

Beitragvon Caro_ » 26.02.2015, 20:23

Hallo Princess01,

vielen Dank für Deine Antwort und deinen Erfahrungsbericht!
Deine Vorgeschichte klingt ähnlich wie bei mir...
Ich war bisher in drei Kliniken in Berlin, auch in der Charité, aber niemand wusste, was eine Emetophobie ist,
ich musste immer alles erklären,hatte teilweise auch das Gefühl, die nehmen mich gar nicht ernst.
Auch bei den Vorgesprächen für eine ambulante Therapie ist das so, keine Ahnung von Emetophobie.

Jetzt bin ich mittlerweile so untergewichtig (39 kg, 165 cm) dass mich bei meinem Untergewicht keine Psychosomatik aufnimmt.
Ich versuche es jetzt irgendwie allein.
Würdest du mir sagen, wie die Klinik hieß, wo du warst und ob du dort auch besser essen konntest und zugenommen hast?
Gern auch per PN.

Liebe Grüße und alles Gute Dir!

Princess01
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Re: Mut machen und Bericht von einer stationären Behandlung

Beitragvon Princess01 » 26.02.2015, 20:54

Hi, naja da hast du dann auch schon viel mitgemacht wenn du in sovielen verschiedenen Kliniken warst. Von Emetophobie hab ich in der Klinik eigentlich garnie etwas erwähnt außer beim Vorgespräch, und da hieß es: es ist eine Art von Angst-Panikattacken und Emetophobie ist nur ein Name dafür wie z. B. eben die Angst vor Spinnen usw.

Ich habe von Anfang an gesagt das ich nur wenig essen kann, und die Krankenschwestern haben mir dann sofort nur noch halbe Portionen in der Küche bestellt. Auch alle von meinen Mitpatienten gingen damit total gut um. Ich fühlte mich richtig wohl und habe die letzten Monate auch 3 kg zugenommen :). Und ich konnte dort auch richtig mit Spaß essen. Nach ca. 2 Wochen hat eine Mitpatientin gesagt "heute sehe ich dich zum ersten Mal richtig mit Appetit essen". Solche Aussagen freuen mich natürlich. :) Also am Anfang dauerts immer ein paar Tage bis ich im Umkreis von Fremden überhaupt einen Bissen runter bringe, aber als ich merkte das alle sooo nett sind ist es relativ schnell gut gegangen.
Zuhause ist es jetzt so das ich kurz vor dem Fortfahren immer nocht nichts esse, aber so klappt das eigentlich ganz gut.

Ab Montag bin ich in einer anderen Klinik aber dort nur tagesklinisch. Freue mich schon total darauf mich endlich jeden Tag unter Beweiß zu stellen und zu sehen wie weit ich es schaffe, da ich da jeden Tag selbst hin und heimfahren muss. Und das wegfahren ja ein ziemlich großes Problem war.
Was mir jetzt auch immer hilft ist: ich probiere es wie weit ich es schaffe, und wenns nicht geht, dann gehts vl morgen. Besser wenige kleine Schritte machen als einen zu großen der einen dann wieder zurück wirft.

Bei mir wars am Anfang auch nicht sicher ob sie mich in der Klinik nehmen wegen meinem Gewicht... Aber Gott sei dank haben sie gesehen das es mir wirklich um Panikattacken geht und nicht darum das ich eine Essstörung habe.

Bist du so bei einer Psychotherapie oder machst du zurzeit garnichts?

Den Rest schreib ich dir per PN. :)

Danke, ich wünsche dir auch alles gute und ganz viel Kraft!


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