Vier Jahre ohne Emo...

Du hast eine Krise gemeistert oder Dir geht es im Allgemeinen deutlich besser, als noch vor einiger Zeit? Hier ist der Platz um deine Erfahrungen und deinen Weg anderen mitzuteilen...

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Weltenbummlerin
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Vier Jahre ohne Emo...

Beitragvon Weltenbummlerin » 13.11.2014, 01:00

Hallo zusammen,

ich war wirklich ewig nicht hier in dem Forum, allerdings habe ich mir gedacht, es wird mal Zeit etwas von meiner POSITIVEN Erfahrung an euch abzugeben und Betroffenen Mut zu machen und zu zeigen: eines Tages werdet ihr angstfrei sein.

Kurz zu meiner Emo-Geschichte. Ich bin als Kind an Emo erkrankt, es war immer ein Teil von mir und bis zu meinem 16. Lebensjahr habe ich noch nicht einmal geahnt, dass noch ein zweiter Mensch so verrueckt denkt wie ich. Es hat mich wirklich enorm eingeschraenkt, mich viele Freundschaften in der Kindheit gekostet (weil die einfach nich verstanden haben, was mit mir los ist...). Als ich 19 war wurde es dann ganz extrem, taegliche Panikattacken reduzierten meine Lebensqualitaet aufs geringste. Mein ganzer Alltag hat sich nur noch um die Angst gedreht und war gepraegt von Vermeidungshandlungen. Aber was erzaehl ich euch, ihr kennt das ja! Ich war jedenfalls ein Hardcore-Fall, wollte mir sogar mal die Adern aufschneiden, weil ich dachte ich muss gleich brechen.

Letztendlich hab ich der Angst aber Stirn geboten. Denn das ist der erste Schritt. Ich habe mir bewusst gemacht, dass es meine Entscheidung ist, ob die Angst ueber mich regiert, oder ich ueber die Angst, Ich habe damals eine Verhaltenstherapie mit der Eye Movement Desensitization and Reprocessing Therapie gemacht. Das ganze hat knapp ein Jahr gedauert (ich war einmal pro Woche dort). Ich habe dort gelernt, dass die Angst ein Teil von mir ist, den ich wahrscheinlich nie vollstaendig los werde (manchmal spuere ich sie noch) , aber ueber die ich die Kontrolle habe.

Ich war emotional nicht stabil, ich war sehr depressiv (was teilweise auch krankhaft bedingt war) und hatte weder enge Freundschaften noch ein gutes Verhaeltnis zu meinen Eltern. Trotzdem habe ich es geschafft und das kann jeder von euch, der eine frueher, der andere spaeter. Gebt euch bitte nur nicht auf! Versucht die Kraft zu finden, der Angst gewaltig in den Allerwertesten zu treten und euch euer Leben zurueck zu holen.

Nachdem ich jahrelang eine mega Panik davor hatte, zu verreisen oder woanders zu uebernachten, konnte ich nach Ende der Therapie endlich beginnen zu leben! 2012 hab ich dann meine Koffer gepackt und habe ein Auslandssemester gemacht. Ich hatte natuerlich die Hosen voll, aber darum geht es: Augen zu und durch! Kein Platz fuer Angst und Gruebeleien. Wer etwas wagt, der bekommt auch etwas zurueck! Und so habe ich in diesen vier Monaten gelernt, dass ich alleine klar komme, egal wo ich bin und dass ich ueber mich und mein Leben bestimme. Ich bin schliesslich der Zuender fuer negative Gedanken! Und dafuer ist in meinem Leben kein Platz mehr. Wann immer ihr an euch zu zweifeln beginnt:"ich schaff es nicht...die Angst ist staerker... ich habe keine Kraft meine Angst zu besiegen", dankt daran: Ihr seid die einzigen, die euch selbst helfen koennen. Wartet nicht auf ein Wunder sondern traut euch selbst etwas zu!

Mittlerweile lebe ich seit ueber einem Jahr in den USA. Ich lebe alleine, reise sehr viel, habe viele sehr enge Freundschaften und lebe jeden Tag in vollen Zuegen! Ich gehe jedes Wochenende in die Stadt zum feiern oder in Bars. Ich wurde sogar einmal angebrochen (sorry fuer die Vorstellung- aber ich hab es ueberstanden!). EIgentlich gibt es kaum etwas, was ich nicht mache, ausser mich in der Naehe von MDG-kranken aufhalten (wie gesagt, die Angst bleibt immer ein Teil von mir).

WIr haben alle nur ein Leben und dies ist so viel Wert, dass es nicht gerecht ist, es von der Angst zerstoeren zu lassen!

Ich stehe gerne fuer Ratschlaege und zur Motivation zur Verfuegung, ich hoffe, dass auch ihr es bald schafft, besorglos leben zu koennen! Ich wuensche euch jedenfalls alle Kraft dazu!

Kinabalu
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Re: Vier Jahre ohne Emo...

Beitragvon Kinabalu » 13.11.2014, 13:26

Woow das klingt ja super. Ich freue mich sehr für dich-und es ist noch toller wenn man beim lesen im Hinterkopf behält dass du das alles quasi mit einem Handicap geschafft hast.
Was machst du denn in den USA?
And every demon wants his pound of flesh
but I like to keep some things to myself
I like to keep my issues strong
it's always darkest before the dawn

And it's hard to dance with a devil on your back
so shake him off!

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Re: Vier Jahre ohne Emo...

Beitragvon Sase » 13.11.2014, 15:15

Hallo Weltenbummlerin, es ist immer wieder schön hier von ehemaligen Usern zu lesen! Und es ist immer so schwer, Neulingen zu erklären, was letztlich der ausschlagegebende Punkt für die Veränderung war. Was würdest sagen, war bei dir der Knackpunkt?
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!


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