Wovor haben wir Angst???

Du hast eine Krise gemeistert oder Dir geht es im Allgemeinen deutlich besser, als noch vor einiger Zeit? Hier ist der Platz um deine Erfahrungen und deinen Weg anderen mitzuteilen...

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Nana26
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Re: Wovor haben wir Angst???

Beitragvon Nana26 » 25.01.2013, 16:13

:!: zunächst mal kann ich Helenas Äußerung bestätigen. Die Unfähigkeit negative Gefühle im Bezug auf Mitmenschen auszuhalten ist ein wichtiger Punkt. So ging es mir mein Leben lang. Es war und ist nach wie vor mühevoll für mich klar zu äußern, wenn mir etwas nicht passt. Obwohl ich alles andere als introvertiert bin.

:!: Eine interessante These, die ich vor kurzem gehört habe, ist auch das "Auffangen" der Gefühle der Eltern. Haben sich Eltern beispielsweise viel gestritten oder fand die Mutter eben viel (in der Ehe)"zum Kotzen" (auch rein gefühlstechnisch) versucht ein Kind dies aufzufangen. Dies kann sich dann in Form dieser "Kontrolle" äußern. Man möchte "stark" sein. Der Kontrollverlust ist hierbei tragisch und schwierig.

:!: Angst vor dem Ungewissen

:!: Angst davor mich anderen zuzumuten

:!: Angst davor nicht zu wissen, was ich in dem Moment eigentlich machen muss. Wer schon lange nicht mehr hat, weiß auch nicht wie es funktioniert. Halte ich automatisch den Eimer? Sinke ich automatisch vor der Kloschüssel zu Boden? Halte ich mich dann links und rechts fest? Man verschtauch hier eine Situation zu überschauen, die man nicht überschauen kann, weil sie einfach schon lange nicht mehr passiert ist.
Man muß vor nichts im Leben Angst haben, wenn man seine Angst versteht.
(Marie Curie)

niiina
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Re: Wovor haben wir Angst???

Beitragvon niiina » 13.01.2014, 23:20

Der letzte Beitrag ist zwar schon lang her, aber ich hab das Forum gerade erst entdeckt und dachte ich könnte hier vielleicht einigen zu den Ängsten "was tun im Fall der Fälle?" bisschen helfen. Ich hab schon seit Kindesalter Angst vorm Erbrechen und hab mich immer wieder gefragt, was wäre wenn der Tag X kommt, an dem es wieder soweit ist und ich mich übergeben muss und ich dann hilflos bin, ich vielleicht gar nicht merke, dass mir schlecht ist, was ich in so einer Situation tun soll, etc. Also hatte halt genau die selben Ängste wie die Meisten hier.
Meine Eltern konnten mich dann aber beruhigen, versuchten mir die Angst zu nehmen und als ich dann gemerkt hab, dass es mir GUT ging, war die Angst erstmal vergessen, außer wenn es vielleicht irgendwelche Anzeichen auf Kopfschmerzen, Schwindel, oder Dinge gab, bei denen ich dachte sie seien der Auslöser für Übelkeit oder Erbrechen. Doch im Juni 2012 war es dann doch soweit, meine erste MDG mit 15 Jahren.
An alle die Angst davor haben, nicht zu wissen, ob es ihnen schlecht sei: ihr merkt das! Nach einer wirklich schlaflosen und unruhigen Nacht bin ich damals aufgewacht und mein aller erster Gedanke war "Heute kann ich definitiv nichts essen!" Ich hab nicht einmal darüber nachgedacht, ob mir übel sei. Euer Körper regelt das alles für euch, ihr braucht euch gar nicht fragen "mhh, könnte mir jetzt schlecht sein?" Wenn euch wirklich schlecht ist, dann müsst ihr das gar nicht erst in Frage stellen. Vertraut darauf. Natürlich merkt ihr auch sofort, wenn es dann zum Erbrechen kommt. Man kann dieses "Gefühl" zwar nicht genau definieren, aber eurer Körper gibt euch dann schon das Signal, das kann ich zu 100% bestätigen (Als es dann bei mir soweit war, bin ich erstmal schreiend ins Schlafzimmer meiner Eltern gerannt und hab noch tausendmal gerufen "Mama hilf mir, ich muss mich übergeben", bis sie mich dann ins Bad geschickt hat) Ich war meeeega in Panik, wusste nicht was jetzt auf mich zu kommt, die schlimmsten Sekunden meines Lebens. Aber das eigentliche "Erbrechen" war überhaupt nicht dramatisch. Klar, es gibt wirklich angenehmere Dinge, vorallem hatte ich auch noch meine feste Zahnspange,was mich noch mehr geekelt hat, aber ich habs überlebt. Ich kann gar niemandem sagen, wie stolz ich danach auf mich war.
Das eigentliche Problem war, was mich immernoch sehr bedrückt und mir auch bis heute noch Panikattacken bereitet, ist die Angst, wenn ich mich dann übergeben muss, warum überhaupt. Warum muss ich mich übergeben? Für mich, ich weiß nicht wieso, ist Erbrechen ein Symptom für den Tod.Und es gibt für mich nichts schlimmeres als den Tod. Diese Unsicherheit, ob ich nur eine harmlose MDG Grippe hab, mich vielleicht doch mehr als einmal übergeben muss, ob es dann überhaupt ein Ende mit dem Übergeben gibt, und wann das eintrifft oder vielleicht doch irgendwas mit dem Magen oder meinen Organen nicht in Ordnung ist, macht mich so fertig, dass ich letztes Jahr von Arzt zu Arzt bin um jegliche Krankheiten ausschließen zu können, dabei bin ich 16, kerngesund und mein Risiko auf irgendeine Art Krebs im "Bauch Bereich" ist wirklich gering.

Genauso kann ich nicht damit umgehen, wenn Leute Panik schieben, wenn etwas schlimmes passiert ist, oder wenn sie so tun als sei etwas schlimmes passiert. Das ist schwer zu definieren, aber vielleicht versteht mich jemand?! Ich meine, als ich mich damals übergeben habe, sind meine Eltern sofort angerannt gekommen, was mir dieses Gefühl gegeben hat "oh gott, oh gott, meine eltern machen sich sorgen, hilfe hilfe, es muss was schlimmes mit mir passieren, ich will nicht, dass mir was schlimmes passiert, hilfe. Dieses Gefühl überkommt mich sooft. Vielleicht kennt das wer, wenn z.B. nachts oder halt zu unerwarteten Zeiten das Telefon klingelt und man denkt sofort "oh gott wer ruft denn jetzt noch an, das heißt nichts Gutes". (Zu dieser Zeit waren meine Großeltern schwer krank und es gab öfters Anrufe in der Nacht, weil Oma oder Opa Symptome hatten bei denen z.B. irgendwo Blut an ungewöhnlichen Stellen ausgetreten ist - also wirkliche Horrorvorstellungen für mich.)
Vielleicht bin ich jetzt schon total vom Thema abgekommen, aber vielleicht versteht mich ja jetzt jemand und es gibt doch Gleichgesinnte, die genauso Erbrechen als Symptom des Tods sehen und genauso Angst vor der Panik haben,die dann entsteht, wenn dieses Symptom eintritt.

Dem Rest kann ich hoch und heilig versprechen: Das "reine Erbrechen" ist nicht schlimm! Macht euch keine Sorgen, ob ihr das, wenn es vielleicht irgendwann mal wieder soweit ist, ertragen könnt. Unser Körper ist so hoch intelligent, er würde uns niemals einer Gefahr aussetzen, die unsere Existenz auch nur annähernd bedrohen könnte - wenn ich das jetzt mal biologisch ausdrücken darf :ja:


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