Bericht nach 10wöchiger Therapie

Du hast eine Krise gemeistert oder Dir geht es im Allgemeinen deutlich besser, als noch vor einiger Zeit? Hier ist der Platz um deine Erfahrungen und deinen Weg anderen mitzuteilen...

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nasenbaerin35

Bericht nach 10wöchiger Therapie

Beitragvon nasenbaerin35 » 30.03.2012, 13:54

Hallo zusammen,
da ich in diesem Forum viel Hilfe erfahren habe, möchte ich Euch meinen Erfahrungsbericht nicht vorenthalten, vielleicht hilft es einem von Euch ja :-)

Am Dienstag habe ich meine 10-wöchige Therapie in einer psychiatrischen Tagesklinik erfolgreich beendet. Emotional bin ich während dieser Zeit durch die Hölle gegangen. Meine Haupttherapeutin hatte einen Emo noch nie als Patientin, meine Angst- und Panikstörungen waren dagegen alltäglich. Anfangs hatte ich den Eindruck, dass ich immer wieder betonen musste, ein Emo zu sein. Als ich ihr dann sagte, dass dies mein Hauptproblem im Alltag ist, haben wir uns darauf fokusiert. Wir haben herausgefunden, dass die Wurzeln in meiner Kindheit begraben sind und das Ganze heute mit absolutem Kontrollverlust zu tun hat. Wir haben Situationen durchgespielt, in denen ich vor dem Erbrechen Panik bekomme. Einmal war es so real, dass ich zu würgen anfing und an die frische Luft musste. Das war der Höhepunkt, danach haben wir noch öfter übers kotzen gesprochen, ohne dass es mir schlecht wurde.

Meine Therapeutin hat mit mir eine 'imaginäre Notfalltasche' gepackt und ich muss sagen: bis jetzt funktioniert es, da sich eh alles im Kopf abspielt. Wenn mir übel wird bzw. wenn ich meine, dass es mir übel wird, greife ich in diese gedankliche Tasche, in die ich die letzten drei super tollen Tage gepackt habe. Parallel fixiere ich mich auf eine Sache. In der S-Bahn waren es tolle Schuhe einer fremden Frau. Ich habe mich so auf die Schuhe konzentriert (woher hatte sie die, wie teuer waren die wohl, usw.), dass ich die Situation ausgestanden habe und die Übelkeit von alleine wegging. Ich brauchte nicht mal meine reale Tasche, in der mein ganzes Notfallzeug (siehe alte Treads von mir) drin war.

Entscheidend ist bei mir auch das verordnete Medikament. Es ist ein Sertralin Beta namens Zoloft und unterdrückt nun (nach 4 Wochen Einnahme und jetzt Dauermedikation) meine Angst- und Panikstörung. Ich war sogar schon auf einem Pop-Konzert und kann alle anderen Dinge auch schon wieder tun.

Ich habe erkannt, warum ich ein Emo bin und das ist das Wichtigste!!!! Spielt sich alles im Kopf ab und den habe ich dank Zoloft unter Kontrolle!
Die Therapie hat mich in ein normales Leben zurück geführt und ich bin unendlich glücklich und dankbar. Alle Therapeuten und Ärzte haben fantastische Arbeit geleistet!!!!!!
In der Tagesklinik war ich von 08.00 h - 16.00 h und sie beinhaltete: Einzelgespräche, Gruppengespräche, Ergotherapie, Bewegungstherapie, Angststraining (Outdoor) und zahlreiche Arztgespräche. Das Angsttraining hat mir neben den Einzelgesprächen am meisten gebracht, da es absolut praxisorientiert ist (von shoppen bis kino war alles dabei). Ich hätte nieeeee gedacht, dass es so viele Angstpatienten in meinem Alter gibt.

Hoffe, mein Bericht war nützlich!

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mainzerin
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Re: Bericht nach 10wöchiger Therapie

Beitragvon mainzerin » 30.03.2012, 16:40

toll! ganz toll! herzlichen glückwunsch für diesen tollen erfolg! das finde ich wirklich super!

ich drücke dir die daumen, dass du das alles in deinen alltag verankern kannst und dann auch irgendwann dann das medikament wieder ausschleichen kannst.

weiter so!

cherrybomb

Re: Bericht nach 10wöchiger Therapie

Beitragvon cherrybomb » 02.08.2012, 12:02

Hallo!
Das mit der Panik-Tasche finde ich ganz interessant und ganz toll :) Sowas in der Art habe ich auch entwickelt, bestimmte Fokuspunkte, wenn
ich z.B. reise.

Wenn mir schlecht wird, dann versuche ich mich auch auf etwas für mich interessantes zu konzentrieren! Das Make Up einer Frau, ihre Kleidung, ihre Haare, ich beobachte dann einfach Menschen die relaxt sind und keine plötzlichen Bewegungen machen (das stresst mich nur noch mehr) und meistens hilfts auch, wenn ich einen Kaugummi mit Minzgeschmack esse oder Zähne putze, weil die übelkeit ja auch durch den unfrischen Atem meiner Meinung nach verstärkt wird. Ausserdem wirkt Minze auch beruhigend auf den Magen ;) Im Flugzeug z.B. ist ein (Reise)Kaugummi ein absolutes Muss!

Wenn anderen schlecht wird, dann ist das bei fremden Menschen einfacher wegzugehen oder sich umzudrehen, wenn du auf einer Reise bist. Wenn ich fliege und neben jemandem sitze, wo ich mich eher unwohl fühle, dann bitte ich einen andere mit mir Platz zu tauschen. Erfind einfach eine Ausrede, z.B. dass du noch nie geflogen bist und dich neben dem Fenster unwohl fühlst, oder im anderen Falle, eben neben dem Fenster sitzen möchtest, weil du eben noch nie geflogen bist und die Aussicht geniessen willst. Die Menschen sind grossteils da eh ganz nett und verständnissvoll ;)
Oft kannst du aber nicht vermeiden neben jemandem zu sitzen, weil der Flug überbucht ist und du musst dann zumindest mit anderen in einer Reihe sitzen, wenn nicht direkt neben ihnen. Ein Tipp, dreh dich zum Fenster, schliesse die Augen und höre Musik. Das entspannt und du kommst in eine andere Welt :)

Vielleicht sind das auch ganz gute Tipps für alle anderen, die eben aus selben Gründen auch Angst haben vor dem Reisen. ^^

LG

Lives

Re: Bericht nach 10wöchiger Therapie

Beitragvon Lives » 04.08.2012, 16:26

Hallo ,
also ich finde es echt toll das es dir geholfen hat und hoffe für dich, dass es nur noch aufwärts in deinem Leben geht :)

Könntest du mir den Namen deines Klinik's sagen und wo es ist :) ? Vielleicht sollte ich da auch mal schauen :)

84Nachtfee
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Re: Bericht nach 10wöchiger Therapie

Beitragvon 84Nachtfee » 04.07.2013, 21:18

Hat noch jemand persönlich gute Erfahrungen mit Sertralin gemacht?

Ich werde es, nach langem Überlegen, ab nächster Woche auch nehmen.

Bin mal gespannt.

Hab natürlich wahnsinnige Angst von den Nebenwirkungen (bzw. nur von einer).

Bischa79
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Re: Bericht nach 10wöchiger Therapie

Beitragvon Bischa79 » 05.07.2013, 15:27

Hallo,

ich finde es toll, dass Du solche Fortschritte in Deiner Therapie machen konntest. die imaginäre Notfalltasche ist ne tolle Idee.
Worauf ich aber hinaus möchte ist das mit dem Sertralin. Ich selber nehme seit Februar 2010 Cipralex und es hat mich über eine schwere Zeit gebracht. Dafür sind diese Medis wirklich gut. Worauf man aber definitiv achten muss, ist, dass man trotz Medikation weiter an sich arbeitet. Ich selbst bin in die Falle getappt, dass es mir durch die Medikation so gut ging, dass ich dachte, toll und nicht mehr wirklich was gemacht habe. Und genau da liegt der Fehler. Leider lebt man mit der Medikation unter sowas wie einer Käseglocke und wenn man dann runter dosieren will, merkt man erst, dass es doch alles nicht so rosig ausschaut, wie man dachte. Hab ich leider selbst im Januar/Februar diesen Jahres am eigenen Leib zu spüren bekommen. Ich möchte Medikamente nicht schlecht machen, in manchen Situationen gibt es einfach keine andere Möglichkeit mehr, um überhaupt mit sich selbst klar zu kommen. Möchte eben nur auch auf die Gefahren hinweisen.
Also immer schön weiter an sich arbeiten :D

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annukka
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Re: Bericht nach 10wöchiger Therapie

Beitragvon annukka » 19.09.2013, 22:42

so ganz habe ich das mit dieser tasche nicht verstanden es klingt aber sehr hilfreich. vielleicht kannst du das noch genauer erlaeutern?


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