Weg aus der Emetophobie

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MamaVanni
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Weg aus der Emetophobie

Beitragvon MamaVanni » 13.01.2012, 16:22

Hallo!!!
Hab ja nun lange nichts mehr geschrieben, das letzte war, das ich mich abmelden wollte, weil ich mit den Ansichten Mancher User hier nicht klarkam. Nun möchte ich ein bisschen über mich, meinen Weg, und meine Erfahrungen mit dem Forum erzählen. :)
Als ich das Forum zum ersten mal entdeckte, wusste ich vorher nicht, dass es noch mehr Leute gibt, die auch mit der Angst vorm kotzen und alles was mit dem kotzen zu hat, zu kämpfen haben. Mein erster Gedanke, als ich dieses Forum entdeckte war: Cool! Jetzt finde ich hier Tips und Tricks, damit ich nie nie nie mehr kotzen muss.
Nachdem ich mich ein wenig reingelesen hatte, war ich erstmal total schockiert. Es ging vielen ja noch schlechter als mir! Die können ja garnichts mehr! Schrecklich! Und ich entschied mich, das Forum zu meiden, weil ich der Meinung war, es gehe mir schlechter damit. Ich war total perplex. Wie die Leute hier mit einem reden! Ich war total empört. Ich hab ein Problem und nur wenige hatten Mitleid oder haben mir gut zugeredet. Die anderen haben mich (so habe ich es damals empfunden) fertig gemacht.
Ich habe ein paar Beiträge kommentiert, und ansonsten nur hin und wieder mitgelesen. Ich dachte ja, das Forum schadet mir mehr als es mir hilft, aber ganz davon ablassen konnte ich auch nicht. Konnte und wollte aber nicht verstehen, wieso mir keiner auf Anhieb helfen konnte, mich nicht verstanden hat, wenn ich gesagt hab, ich nehme Vomex und sie helfen mir! (TOTALER QUATSCH)
Habe dann vor etwa einem Jahr wieder angefangen mich einzumischen... und war schon wieder total empört von der Umgehensweise hier. Und habe mich füüüüüüüüürchterlich über Kamikaze aufgeregt, weil sie ja "sooooooooo fies" ist.
Nun sehe ich die Sache etwas anders.
Also, ich habe keine Therapie gemacht, ich habe mir einfach die Zeit zunutze gemacht und meine Meinungen ein wenig analysiert und bin nun zu folgendem Ergebnis gekommen.
Als ich erfahren hab, das ich nicht alleine mit meiner Macke bin, wollte ich von allen Leuten erstmal nur Mitleid. Ich habe es gehasst, wenn jemand gesagt hat,"Mitleid ist hier an der falschen Stelle". Ich wollte Mitgefühl, ich wollte das die Leute mir sagen: "Du Arme dich hat es ja echt schwer erwischt". Und ich wollte verlangen, das mir hier im Forum geholfen wird, durch Vermeidungstaktiken zum Beispiel, ich wollte wissen welche Medikmante den anderen bei Übelkeit helfen.

Mittlerweile weiß ich das man zuerst einmal einsehen muss, das man krank ist. Und von Niemanden Mitleid zu erwarten hat, höchstens von sich selber. Denn ES BRINGT EINEM NICHTS.
Schönrederei, und all der Quatsch hat nur zur Folge, das sich hier welche zusammentun und zusammen ihre Ticks und Vermeidungsstrategien und Ablenkungsmanöver zusammenlegen und alle noch ein wenig kranker werden.

Wie schon gesagt, ich habe mich echt lange über Kami aufgeregt. Über ihre vermeintliche besserwisserischen Beiträge, über ihre fiese Art, den Leuten die Wahrheit zu sagen. Aber was ich dann nach und nach verstanden habe: Sie hat recht!! Ja, verdammt, sie ist hier wohl eine der wenigsten, die wissen was läuft! Was die Krankheit mit einem macht! Und hat den Leuten immer wieder vor Augen geführt WIE krank sie sind. Wie gesagt, anfangs kam ich überhaupt nicht klar damit, wollte ein Anti-Kami-Forum aufmachen. (nix für ungut, Kami :mrgreen: )
Bis mir dann gaaaanz langsam klar wurde: Dank Kami und einiger anderer hier, die einem die Wahrheit sagen, schaffe ich es, mich langsam aus der Emospirale rauszuziehen.
Wo ich früher noch gedacht habe, Handdesinfektion, wegschmeißen der LM die morgen ablaufen, übermäßiger Vomex-Konsum usw. sei gerechtfertigt, stehe ich den Dingen heute ganz anders Gegenüber. Man kann vorm kotzen nicht weglaufen. Man kann, auch wenn man alle 2 Minuten im Desinfektionsmittel badet, Magen- und Darmgrippe bekommen. Es ist sicher NICHT normal, öfter als 3mal im Jahr zu denken "Scheiße ich muss kotzen" und die schönen kleinen Vomex Tabletten fressen, die einen so schön Müde und gleichgültig machen. Und es ist nicht normal, das man Freunde mit MDG meidet, oder aus dem Raum flieht, wenn jemand sagt, ihm sei schlecht.
Ich habe echt lange dafür gebraucht, mit hundertprozentig einzugestehen, das ich krank bin (Mit allen Macken).
Aber ich bin sehr dankbar dafür, dass es dieses Forum gibt. Wo ich Anfangs noch geglaubt habe, es schadet mir, ist mir heute klar, das die Arschtritte von einigen hier, der erste Schritt zur heilung war...
Gewiss, geheilt bin ich nun nicht, aber ich kann ja mal einige meiner Fortschritte aufführen.

-Zeitweise habe ich mindestens 3 Tabletten Vomex am Tag gegessen, mittlerweile bin ich bei ca. 3-8 Stück im Monat(immer noch Gaga, aber besser :) )

-Früher bin ich ohne Mineralwasser und Kaugummi nicht aus dem Haus gegangen, heute nehm ich den ganzen Kram nicht mehr überall mit hin

-Wenn ich auch nur das kleinste Bauchzwicken gemerkt habe, hab ich ne Vomex eingeschmissen und mich ins Bett verkrochen. Heute atme ich tief ein und aus, und gehe trotzdem raus (und was passiert? Nix!)

-Wenn mir jemand gesagt hat, ihm sei übel, habe ich in entweder aus meiner Wohnung geworfen, oder mich unterwegs SOFORT verabschiedet, heute sag ich nur noch: "Solange du mir hier nicht aufn Teppich kotzt"

-Früher habe ich alles vermieden, was mit kotzen zu tun hatte, wenn jemand im Fernsehen kotzte, konnte ich die Nacht nicht schlafen. Heute schaue ich mit Absicht hin und merke: Ist doch garnet so tragisch!

-Wenn meine Tochter sich übergeben muss, bin ich bei ihr und mache sie sauber, und zeige ihr nicht, das mich das ein wenig mehr stört, als anderen Menschen.

Wie gesagt, geheilt bin ich noch nicht. Was heißt auch geheilt. Ist ja nicht wie ein Aussschlag, die Krankheit. Aber ich habe mich mit meiner Krnakheit arrangiert, und kann damit leben.
Was ich noch dazu sagen muss, ich nehme Opipramol, einie geringe Dosis täglich. Und um einen Therapieplatz habe ich mich noch nicht gekümmert. Aber ich muss sagen, ich komme auch so ganz gut klar. Ob ich noch eine Therapie mache, weiß ich nicht. Dem einen helfen sie, dem anderen nicht. Jedem das seine. Wie die Welt in Zehn Jahren aussieht, kann ja noch keiner sagen, oder?
Liebe Grüße!
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewißheit, dass etwas einen Sinn hat, egal wie es ausgeht.
Vaclav Havel

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