Ein zäher Gegner...

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Kai35

Ein zäher Gegner...

Beitragvon Kai35 » 18.09.2011, 15:16

...ist die Emetophobie auch immer noch bei mir. :(

Hallo zusammen !

Habe mich ja eine Weile nicht gemeldet, aber da ich zur Zeit wieder ein wenig mehr durch meine Emetophobie belastet bin, dachte ich, ich schau mal wieder hier vorbei. Zudem kann es ja auch mal ganz sinnvoll sein, eine neue Bilanz zu ziehen. Wenn man das Erlebte aufschreibt, wird einem manchmal vieles klarer oder es hilft hier vielleicht auch anderen.

Nachdem ich nach meiner unauffälligen Magen- und Darmspiegelung zu Beginn des Jahres ja weitgehend beschwerdefrei war, ist es seit einigen Wochen so, dass die Angst wieder etwas häufiger ihre Finger nach mir ausstreckt. Ich muss dabei allerdings auch sagen, dass ich weiterhin keine Psychotherapie mache und keine Medikamente gegen die Angst einnehme (obwohl ich mir die als Arzt sehr einfach beschaffen könnte). Nein, ich stelle mich weiterhin selbständig meiner Angst, was aber auch nicht immer einfach ist. Meine einzige "Waffe" sind Menthol-Bonbons, die mir seltsamerweise recht gut helfen, wenn Übelkeit und Anspannung zu stark werden. Zu einer Konfrontation mit dem Erbrechen via Brechmittel, wie ich hier gelesen habe, hätte ich allerdings nicht den Mut. Dennoch: Ich lebe meinen Alltag, wie jeder andere und lasse mich durch die Angst dabei in keinster Weise behindern. Ich gehe arbeiten, ich fahre auch dann noch Achterbahn auf dem Jahrmarkt, wenn mir schon schlecht ist und ich esse trotz Übelkeit trotzdem meine Mahlzeiten, um mal ein paar Beispiele zu nennen. Allerdings gebe ich zu, dass manchmal eine sehr starke Willenskraft dazugehört, um sich nicht kleinkriegen zu lassen. Nun hat dieser Kampf allerdings ja auch wieder mit Kontrolle zu tun und einzig in diesem Punkt bin ich mir manchmal etwas unsicher, ob dadurch mein Kampf die Angst nicht vielleicht auf Umwegen auch unterhält. Das Erbrechen hat ja schließlich genau damit zu tun. Aber ich glaube trotzdem, dass -- summa summarum -- es immer noch der besserer Weg ist, als der Angst nachzugeben.

Gründe, warum es mir derzeit wieder etwas schlechter ging bzw. geht, gibt es durchaus. So haben sich in den letzten Monaten und Wochen zwei wesentliche Dinge getan. Dabei waren es sogar eher sehr positive Ereignisse, aber dennoch waren bzw. sind sie mit Aufregung verbunden gewesen:

1. Ich habe vor kurzem meine Facharztprüfung bestanden.
2. Ich bin eine neue Beziehung eingegangen.

Nun werden hier manche sagen: Hä ? Hat der Typ sie noch alle ? Wieso geht es ihm dann schlecht ? Ich versuche es mal zu erklären:

Zu 1.
Wenngleich die bestandene Prüfung mehr als erfreulich ist, so war es doch eine Tortur, sich mal wieder einer solchen zu stellen.
Wer ist da nicht aufgeregt ? Allein schon die Autofahrt dorthin war begleitet von Übelkeit und erheblicher Unruhe. Dort angekommen,
hatte ich, als ich aus dem Auto stieg, echt einen Moment das Gefühl, ich müsste mich übergeben. Zum Glück verging diese Attacke aber schnell wieder und es lief dann auch alles glatt. Bei der Rückfahrt hatte ich denn keine Übelkeit mehr, was schon ein sehr deutlicher Hinweis ist. Nun ist es aber so, dass eine so starke Aufregung bei mir immer noch lange anhält und es eine Weile dauert, bis ich wieder im Lot bin.

Zu 2.
Sich auf einen neuen Menschen einlassen und nach längerer Zeit wieder mal Nähe zuzulassen, wenn man länger allein gelebt hat, ist auch etwas Besonderes. Die Zeit, die ich mit meiner neuen Freundin teile, ist wirklich wunderschön. Ich fühle mich an ihrer Seite sehr wohl und weiß mittlerweile auch, dass ich bei ihr offen sagen kann, wenn es mir mal nicht gut geht. Trotzdem ist irgendwie emotional eine Spannung dar, wenn auch eine positive. Probleme hatte ich allerdings in der Kennenlernphase bei meinem ersten Besuch bei ihr. Immerhin wohnt sie etwa 250 km entfernt und so eine lange Autofahrt hatte ich schon länger nicht mehr gemacht. Prompt wurde mir während der Fahrt auch schlecht, vielleicht auch, weil ich sehr nervös war, wie unser erstes gemeinsames Wochenende verlaufen würde. Ich habe die Fahrt dann kurz unterbrochen, bin dann aber weiter gefahren und es war letztlich alles gut und sehr harmonisch.

Sicher, ich denke, dass sich mit der Zeit die Dinge einpendeln und ich dann auch wieder mehr Stabilität haben werde. Ich sage mir auch, dass ich nun wirklich keine Angst haben brauche, denn derzeit läuft ja alles super, beruflich wie auch privat. Aber unser Unterbewußtsein braucht eben manchmal etwas länger, um das zu schnallen und um zur Ruhe zu kommen.

Euch allen noch einen schönen Sonntag und weiterhin nur Mut ! :wink:
Kai

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