Wie mein Scheitern ein Schritt nach vorne war

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Wie mein Scheitern ein Schritt nach vorne war

Beitragvon kaffeetasse » 13.02.2011, 21:23

Es ist ein paar Tage her, seit Tagen war der Himmel grau und wolkenverhangen, ich verbrachte viel Zeit alleine in meinem Zimmer, begegnete meiner Angst und verdrängte sie mit fernsehen und spielen. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich Angst habe. Ich wusste es nicht nur; ich spürte es, ich... verstand mich selbst. Aber das änderte noch nichts, erst der nächste Schritt. Ich erkenne die Angst, und handle trotzdem. Das war die weise Quintessenz eines der vielen Psychologie- und Selbsthilfebücher, die zur täglichen Lektüre geworden sind. Ich nahm keine Tüte mit. Ich aß geregelte Mahlzeiten. Gestern konnte ich nicht mit der Familie zusammen essen, nur alleine in meinem Zimmer, aber das nahm ich hin. Dafür verbrachte ich den gesamten Abend mit meiner Mutter.
Ich las wieder ein Buch über die persönliche Realität, war davon begeistert und beschloss in dieser Euphorie, alles zu ändern. Zur Erklärung: ich habe zwei Zimmer zur Verfügung, in einem steht ein Bett (unterm Dach), im anderen ist eine Art Wohnzimmer mit Schlafsofa eingerichtet. Im ersten Zimmer hatte ich im Oktober die heftigste Panikattacke, der Auslöser der momentanen Emo-Phase. Seit der Attacke hielt ich mich dort oben allenfalls für fünf Minuten auf, um etwas zu holen, dann holte mich die Panik. Trotzdem: ich würde ab jetzt wieder oben schlafen. Und ich würde mir selbst begegnen. In kurzer Zeit baute ich meinen Fernseher ab und brachte ihn ins Nachbarzimmer; keine Ablenkung mehr, ich begegne meiner Angst. Ich baute das Schlafsofa zusammen und bezog mein Bett.
Kurzum: als ich fertig war, war es still im Raum. So still, dass ich wieder von Angst ergriffen wurde. Ich verließ das Zimmer, doch der Gedanke, heute oben schlafen zu "müssen", jagte mir fürchterliche Angst ein. Ich litt darunter, weil die letzten Tage meine Stärksten waren. Ich erzählte es einige Stunden später meiner Mutter. Und gemeinsam räumten wir alles wieder zurück. Immer wieder bestärkte sie mich, dass es kein Versagen sei, sondern dass die Zeit einfach noch nicht reif ist. "ICH wäre auch lieber unten!", sagte sie. "Radikale Veränderungen sind nicht gut."
Der Fernseher steht wieder neben mir, aber er ist aus. Mein Sofa ist wieder mein Bett. Und ich entschied: ich gehe nicht nach oben. Nicht jetzt. Vielleicht irgendwann mal, aber nicht jetzt. Und mir wurde bewusst, dass ich nicht versagt habe, weil ich meine Angst vor dem Raum nicht überwunden habe. Weil ich meinen Zwang, eine innere Sicherheit zu haben (= Fernseher = Ablenkung), nicht abgelegt habe. Innerhalb von kürzester Zeit. Ganz im Gegenteil: ich bin mir selbt begegnet. Ich kenne meine Angst und ich weiß, was sie braucht. Damit werde ich sie füttern, aber trotzdem handeln. Und langsam, ganz langsam, gebe ich ihr weniger Futter. Radikaldiäten führen zum Jojo-Effekt. Mein Psychiater meinte: "Es ist besser, wenn Sie eine Notfalltüte in der Tasche haben, als zuhause zu bleiben, weil Sie die Welt fürchten."
Ich erkenne meine Angst, sorge vor, und handle trotzdem. Seit dieser Erfahrung erwarte ich nicht, dass meine Angst plötzlich verschwindet. Das liegt alleine an mir - und diese Erkenntnis kommt mir vor wie der Schlüssel zur Tür zu einem Emofreien Leben. Auch, wenn der Weg zu dieser Tür noch beschritten werden muss.

Meine Gedanken zum Thema.
Alles Gute wünscht die Kaffeetasse.

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