Neue Erkenntnisse

Du hast eine Krise gemeistert oder Dir geht es im Allgemeinen deutlich besser, als noch vor einiger Zeit? Hier ist der Platz um deine Erfahrungen und deinen Weg anderen mitzuteilen...

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rainbird85
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Neue Erkenntnisse

Beitragvon rainbird85 » 11.11.2010, 22:46

So, ich dachte mir, ich melde mich mal wieder zu Wort und schieß auch gleich mit meinen „super Erkenntnissen“ los...

Ich habe im Oktober wieder mit einer Therapie begonnen. Eine „ganz normale“, also meine Therapeutin ist nicht auf Emo spezialisiert. Nachdem die Emo sowieso für was anderes steht, halte ich es für nicht notwendig zu einem Emo-Therapeuten zu gehen. Meine Therapeutin kennt mich mittlerweile schon seit 7 Jahren (war nicht durchgehend in Therapie), sie kennt also meine Macken schon sehr gut und hat verdammt schnell ins Schwarze getroffen, wie ich meine (ich geh nur 2-3x im Monat hin).

Und auf folgendes bin ich gestoßen:

:arrow: In meiner Familie wird mit Emotionen „gar nicht umgegangen“. Demnach hab ich vieles einfach „verschluckt“, was eigentlihc hätte raus sollen. Nachdem ich das aber mit der Muttermilch mitgekriegt hab, fiel mir das gar nicht so arg auf.

:arrow: Ich bin extrem unsicher geworden. Weswegen weiß ich nicht mal! Vermuten tu ich aber – und damit wären wir schon beim nächsten Punkt –

:arrow: Meine unfreiwillige „Delogierung“ vor 2 Jahren. Meine Mitbewohnerin hatte mich quasi von heut auf morgen vor die Tür gesetzt, weil ihre Lebensgefährtin einziehen sollt eund ich könnte doch bei meiner Freundin unterkommen… mich hat noch nie jemand so enttäuscht UND ich saß zusätzlich noch quasi auf der Straße.

:arrow: Im Zuge dessen Zog ich bei meiner Freundin ein, es klappt alles super, nur ist ein Zusammenziehen aus wirklich absolut freiwilligen Stücken halt doch was anderes als eine etwas „gezwungene“ Sache, so gut wir auch harmonieren.
Sprich: Kleine Wohnung, kein bzw. sher wenig Platz nur für meine Sachen – ich hab eigentlich nur mehr meine Klamotten und meine Bücher… mehr ist nicht mehr bei mir. Der Rest ist quer verstreut… Ich hatte praktisch eine Zeit lang nicht das Gefühl noch eine Existenz zu haben, überspitzt gesagt. Die Emo tauchte relativ kurz nach den beiden Ereignissen (Delogierung + Einzug) auf…

:arrow: Ich bin in dem Glauben nichts Gutes verdient zu haben. Hier schiebe ich meistens die Emo vor: Ich freu mich auf einen Urlaub, der seit Ewigkeiten geplant ist. ABER was ist, wenn ich eine MDG kriege vorher? Oder am Tag der Abreise? Habe ich irgendjemanden angelogen? War ich zu irgendjemanden ungerecht? Wenn ja, dann krieg ich sicher was, als Strafe!
Absolut hirnrissig, ich weiß! Aber wenn man im Kreis denkt…

Das alles sind nur ein paar kleine Aufzählungen, wie es um mich grad steht. Auf der einen Seite freue ich mich es anzupacken und es los zu werden vor allem. Auf der anderen Seite hab ich solche Angst, dass ich ewig Emo bleibe. Dass ich ewig einen kleinen Stich verspüre, wenn ich von einer MDG höre, die grad umgeht. Dann frag ich mich manchmal, wie sehr ich eigentlich ein Emo bin, denn wenn mir manchmal übel ist (und bei mir ist es das körperlich aus gesundheitlichen Gründen immer wieder), dann frage ich mich immer öfter, wieso ich mir net einfach den Finger in den Hals stecke… allerdings denke ich so nur, wen meine Freundin nicht daheim ist. Ich hab Angst sie anzustecken.

Momentan befinde ich mich auf einen extremen Tiefpunkt und ich hab das Gefühl als käme ich da nicht so schnell raus. Jedoch ist es oft so, dass es einem erst schlechter gehen muss, damit sich der Zustand bessert… und ich hoffe, dass das dieser Tiefpunkt ist!

Gast

Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Gast » 11.11.2010, 23:08

Ich finde deine Aufzählung ABSOLUT klasse, vllt auch weil ich mich in ganz vielen Sachen wiederfinde.

rainbird85 hat geschrieben:

Auf der einen Seite freue ich mich es anzupacken und es los zu werden vor allem. Auf der anderen Seite hab ich solche Angst, dass ich ewig Emo bleibe. Dass ich ewig einen kleinen Stich verspüre, wenn ich von einer MDG höre, die grad umgeht.


Was wäre daran so schlimm, man muss nicht komplett angstfrei leben um das Leben geniessen zu können, man darf sich nur nicht davon kontrollieren lassen. Andere haben eine unruhige Nacht wenn sie wissen, ihnen wird am nächsten Tag Blut abgenommen, wieder andere haben Angst vor dem Fliegen und können den Urlaub erst geniessen wenn sie gelandet sind usw.
Ich denke nicht dass man dann noch von einer EmetoPHOBIE sprechen kann. ich kann mir auch nicht vorstellen dass ein ehemaliger Arachnophobiker sich Spinnen als Kuscheltiere ins Bett mitnimmt. Auch er wird wohl noch einen Bogen um die Tiere machen, aber keine Panik mehr bekommen, oder an jeder Ecke eine auf ihn lauernde Spinne vermuten.

rainbird85 hat geschrieben:
Momentan befinde ich mich auf einen extremen Tiefpunkt und ich hab das Gefühl als käme ich da nicht so schnell raus. Jedoch ist es oft so, dass es einem erst schlechter gehen muss, damit sich der Zustand bessert… und ich hoffe, dass das dieser Tiefpunkt ist!


Da kann ich nur sagen, du hast recht. Man sagt ja nicht umsonst, dass man erst bis zum Hals in der Sch....e stecken muss. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. ich sass irgendwann fassungslos im Auto, als ich gemerkt habe wie armselig es ist, mittlerweile zig Kilometer zu fahren, weil man Angst haben könnte, dass der enorme Vomex Konsum den umliegenden Apotheken auffallen könnte.

rainbird85
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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon rainbird85 » 12.11.2010, 09:36

Geli hat geschrieben:Was wäre daran so schlimm, man muss nicht komplett angstfrei leben um das Leben geniessen zu können, man darf sich nur nicht davon kontrollieren lassen. Andere haben eine unruhige Nacht wenn sie wissen, ihnen wird am nächsten Tag Blut abgenommen, wieder andere haben Angst vor dem Fliegen und können den Urlaub erst geniessen wenn sie gelandet sind usw.
Ich denke nicht dass man dann noch von einer EmetoPHOBIE sprechen kann. ich kann mir auch nicht vorstellen dass ein ehemaliger Arachnophobiker sich Spinnen als Kuscheltiere ins Bett mitnimmt. Auch er wird wohl noch einen Bogen um die Tiere machen, aber keine Panik mehr bekommen, oder an jeder Ecke eine auf ihn lauernde Spinne vermuten.


Du hast sicher recht mit dem was du sagst. Ich bin auch einfach ein "Schwarz/Weiss-Denker", deshalb komm ich auf sowas, was dub eschrieben hast, erst gar nicht.
Wenn ich aber die Graustufen dazwischen betrachte, dann würde ich meinen Wunsch für die Zukunft so beschreiben: Ich DARF mir was dabei denken, wenn jemand in meinem Umfeld MDG hat, aber ich will die Gedanken dazu nicht mehr -> "Krieg ich es eh nicht?", "Wo hab ich hingefasst, wo er/sie auch hingefasst hat?",... man kennt das ja!

Aber: Wenn man die Emo bei der Wurzel gepackt und "raus gerissen" hat, also den Problemen auf den Grund geht und weiß wofür sie steht, sollte man dann nicht emofrei sein? Ist es nicht ein Zeichen dafür, dass es noch "Rückstände" gibt, solange man sich bei einer MDG was denkt oder auch nur das geringste Vermeidungsverhalten auftaucht?

Gast

Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Gast » 12.11.2010, 11:14

Das ist eine super Frage. Ich geh die mal so an. Was ist eine Phobie? Eine übertriebene krankhafte Angst.Desweiteren schränkt eine Phobie den Menschen oft sehr ein, weil er versucht der auslösenden Situation aus dem Weg zu gehen.
Wenn du also denkst: Oh Mensch hoffentlich bekomme ich die MDG nicht, die gerade umgeht, aber NICHT anfängst dir zwanghaft die Hände mit Sagrotan abzuwaschen, deinen Alltag weiterlebst, weiter normal isst usw, ist es keine Phobie mehr.
Dafür kannst du vllt ohne mit der Wimper zu zucken ne Spinne wegmachen, während deine Kollegin das nicht kann. Wenn sie aber jetzt nicht panisch schreined wegläuft ist sie keine Arachnophobikerin, es löst halt Unbehagen bei ihr aus. Ich kenne Kollegen die meiden Aufzüge, sie fühlen sich unwohl. Aber wenn sie dareingehen müssen machen sie es auch, ohne dass man Angst haben muss die kollabieren aus Angst. Meine Nachbarin meidet die Kirmes wenn sie am Abend proppevoll ist, sie wählt eine andere Tageszeit, weil sie sich unwohl fühlt wenn sie in Menschenmassen eingeklemmt ist. Sie hat es gemacht als die kinder noch kleiner waren, also sie kann es, aber wenn sie die Wahl hat wählt sie eine Zeit aus, wo es nicht so voll ist. ich denke jeder Mensch hat etwas ,was ihm Unbehagen bereitet., Ja bei dir sind es vllt noch die "kleinen" Nachwehen der Phobie. Ein WINZIGER Rest, der nicht verschwindet. Ich würde sagen, ich habe die EMO überwunden. Aber wenn du mich fragst: Eine dicke Erkältung von 7 Tagen, oder 12 Stunden MDG, ich würde immer noch die Erkältung vorziehen. Und immer noch spitze ich instinktiv die Ohren, wenn sich vor mir an der Kasse welche über "ich habe die ganze Nacht gekotzt" unterhalten, während meine Antennen bei "ich habe die Nacht gehustet" eigentlich nicht ausgefahren werden. Aber, ich lebe meinen Tag normal weiter, esse normal, inspiziere auch nicht mein grosses Geschäft auf der Toilette ob es auch so ist wie immer oder horche ängstlich auf ein Glucksen oder nicht glucksen meines Magens.

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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon zauberin87 » 12.11.2010, 14:26

Hallo Geli,
hallo alle anderen :)

also so wie du das beschreibst, lebe ich dann auch Phobiefrei? Ich traue mich aber nicht, mir wirklich einzugestehen, kein Emo mehr zu sein.

Merkwürdige Sache... ich meine, seit zwei Jahren lebe ich ohne Panikattacken, habe sogar richtig zugenommen, esse normal und mit Freude und Genuss :) , wasche meine Hände normal usw. Ich spitze meine Ohren genau wie du, bekomme aber deshalb nicht gleich Panik. Ich mach dann trotzdem weiter, wie bisher. Was bringt es mir auch, mich verrückt zu machen. Allerdings muss ich zugeben, in Akutsituationen nicht ganz angstfrei zu sein. Zum Beispiel habe ich einen Reizdarm, und wenn der sich nun mal wieder grade meldet, werde ich eben hibbelig und wenn es nicht aufhört, nehme ich allerdings zur Beruhigung meines Darms, statt meiner Psyche ein paar Tropfen Iberogast. Sonst nehme ich keine Medikamente. Wenn es anderen Leuten schlecht geht, macht es mir keine Angst. Aber ich weiß, wenn es mal dazu kommt, dass ich mich übergeben müsste, dann hätte ich Angst und Panik und die Welt würde untergehen, ABER ich bin mir sicher, dass sie sich danach weiterdreht und ich nicht zurück in die Angstspirale falle.

Ich weiß nicht so recht, wo ich stehe. Ich bin momentan in keiner Therapie, weil meine Ängste mich eben in meinem Leben nicht behindern. Aber ich würde mich auch noch nicht als phobiefrei bezeichnen. Was meint ihr? Was könnte ein nächster Schritt für mich sein? In einer vorangegangenen Verhaltenstherapie zu anderen Ängsten, habe ich gelernt, mich diesen zu stellen, mich in Situationen zu bringen, die mir Angst machen. Ich lernte, diese Angst bewusst zu spüren - und zu spüren wie sie abnimmt, weil sie unbegründet ist. Nun stelle ich mir das mit dem wirklichen Kotzen etwas schwierig vor. Mein Therpeut hat mir damals eine Hypnosetherapie empfohlen, da meine Angst aus einem Trauma aus der Kindheit entstand. Er meinte, es wäre gut, die Situation noch einmal im Erwachsenenalter zu "durchleben", und sie dann richtig zu interpretieren, da das kindliche Gehirn dazu neigt, Dinge zu verdrängen und neue dazu zufügen. Es wäre dann leichter für mich, weil ich erleben würde, dass es nicht schlimm ist, sich zu übergeben. Naja, davon bin ich sehr wenig begeistert.

Vielleicht habt ihr ja noch ein paar Tipps, Anregungen, Kritik oder Erfahrungen. Danke schonmal :)

Liebe Grüße die zauberin

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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon Forsthorst » 20.11.2010, 09:49

hej, ich bin grad über den satz gestolpert:

Geli hat geschrieben:Mein Therpeut hat mir damals eine Hypnosetherapie empfohlen, da meine Angst aus einem Trauma aus der Kindheit entstand. Er meinte, es wäre gut, die Situation noch einmal im Erwachsenenalter zu "durchleben", und sie dann richtig zu interpretieren, da das kindliche Gehirn dazu neigt, Dinge zu verdrängen und neue dazu zufügen.


dazu wollt ich was sagen....und zwar: ich bin auch in hypnosetherapie und wir gehen genau an diese stellen heran. das ist nicht so, dass du dich da wirklich übergibst, sondern du durchdenkst es einfach nochmal. und das coole daran ist: du bekommst es garnicht so richtig mit. es hört sich an wie eine unangenehme traumreise, aber wenn du wieder voll da bist, bist du davon auch weg. ich bin nach der thera meist n bissl traurig, aber es geht mir nicht wirklich schlecht. und ich merke, dass mir in vielen alltäglichen situationen son sicherheitsgefühl hochkommt, ganz aus dem inneren. bin ja auch noch lange nicht fertig mit der therapie und der arbeit an mir- aber ich kann dir die angst vor der hypnose echt nehmen. dir passiert da nichts und du kannst dich sogar selber aufwachen lassen, wenn es dir nicht gefällt. vielleicht probierst du es mal aus!!
~Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht!~

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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon zauberin87 » 21.11.2010, 16:42

Hallo Forsthorst,

hmm naja, ich denke, ich sollte mir da vielleicht nochmal nen Rat vom Arzt holen. Ich kenne mich mit Hypnose nicht wirklich gut aus. Ich denke, Hypnose, da hat jmd. über mich die Kontrolle, kann verdammt viel Schaden anrichten und ich kann mich nicht wehren. Ich habe schon immer sehr sehr intensiv geträumt, wirklich so, dass mein Freund immer schon drauf wartet, was für einen Hollywoodfilm ich ihm am nächsten Morgen präsentieren kann. Ich habe einfach so Angst, dass es schon alleine deshalb sehr real werden kann. Ich will das auch garnicht mehr durchsprechen, jede Erinnerung ist eine Qual. Ich will es einfach vergessen. Ich wüsste nicht, was es bringen würde, außer das es mich quält. Naja, vielleicht bin ich einfach noch nicht so weit.
Aber danke für deine Antwort.

Liebe Grüße, die zauberin

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Re: Neue Erkenntnisse

Beitragvon AAA » 30.12.2014, 18:50

Ich kenne mich mit Hypnose nicht wirklich gut aus. Ich denke, Hypnose, da hat jmd. über mich die Kontrolle, kann verdammt viel Schaden anrichten und ich kann mich nicht wehren.


Das ist eines der Missverständnisse über Hypnose. Hypnosetherapie hat mit Showhypnose oder Hypnose in Filmen ziemlich wenig zu tun. Mit Macht und Kontrollverlust hat es rein gar nichts zu tun. Das ist mehr so wie eine geführte Meditation, man weiß eigentlich die ganze Zeit, was passiert, könnte sich auch jederzeit bewusst wieder ausklinken - so, wie man das auch kann, wenn man eine Entspannungs-CD hört.

Klar, für die Kontrollfreaks unter uns ist es manchmal ein bisschen schwieriger, sich darauf einzulassen. Und wie jedem Therapeuten sollte man auch Hypnosetherapeuten vertrauen, bevor man was mit ihnen macht. Aber Hypnose ist ein ganz natürlicher Zustand, den wir auch im Alltag ständig erleben aber nur nicht so nennen (z.B. beim Anschauen spannender Filme). Eine gezielte Lenkung der Aufmerksamkeit. Und vieles, was in sogenannten Hypnoseshows gemacht wird, hat nicht das geringste mit Hypnose zu tun, sondern sind billige, aber effektive Tricks.


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