Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

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annelene
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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon annelene » 20.11.2015, 19:04

Hallo Nanni,

ich muss mich jetzt einfach mal melden - habe die ganze Zeit mitgelesen und es verfolgt, weil wir aktuell gerade versuchen, ein Kind zu bekommen und ich gerne 'beide Seiten' lese.
Ihr habt eine sehr spannende Diskussion und ich muss sagen, dass ich es furchtbar finde, dass einige Frauen andere derartig verurteilen, wenn sie keine Kinder wollen! Wie kann das sein?

Ich finde beide Wege sind völlig gleichwertige und legitime Entscheidungen. Das ist doch eine Entscheidung, die jeder für sich (und mit seinem Partner) entscheiden muss. Ich finde es sehr schade, dass in solchen Foren nicht beide Meinungen akzeptiert und respektiert werden. Ich kenne einige Frauen, unter ihnen meine 87 jährige Großtante, die keine Kinder haben - haben woll(t)en. Und warum auch nicht? Sicherlich sind sie nicht weniger glücklich oder mehr glücklich als solche mit Kindern, denn jeder hat für sich seinen Weg entschieden.

Allerdings verstehe ich gut, dass du darüber nachdenkst, ob du es bereust - aber ich glaube auch, dass da enorm viel gesellschaftlicher Druck hinter steht.

Und: Ich denke manchmal genauso, ob es wohl richtig ist, ein Kind zu bekommen? Wir sind beide voll berufstätig und ich liebe meinen Job und würde auch nach 1 Jahr wieder einsteigen wollen. Kann man dem Kind das antun (und auch hier, genau wie bei dir, der gesellschaftliche Druck macht es einem schwer, für sich selbst richtig zu entscheiden)? Wollen wir unser entspanntes Leben aufgeben und wie ist es finanziell? Wir kommen immer zum 'Ja' für ein Kind, aber so oder so, ein Rest-Zweifel bleibt sicherlich immer - trotzdem lesen sich deine Beiträge so überzeugt, dass ich an deiner Entscheidung nicht zweifeln und dir trauen würde.

Übrigens erlebe ich ganz oft, wenn ich mit einigen Freundinnen spreche, die gerade erst angefangen haben zu arbeiten, noch nicht zusammenwohnen etc (ich bin 28, die sind alle in meinem Alter), dass ich eher kritisch beäugt werde, wenn ich sagen 'ich möchte jetzt gerne ein Baby'. Also ich denke, die Gesellschaft verändert sich da zunehmend und es wird von der Gesellschaft eher 'akzeptiert', wenn man sich gegen Kinder entscheidet.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

Paulinchen
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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Paulinchen » 23.11.2015, 15:44

Nanni hat geschrieben:So, mach nochmal weiter (irgendwas stimmt mit meinem Textfeld nicht, deshalb neuer Text;-))

Es gibt z. B. in den USA die "Childfree-by-Choice" Bewegung, wo sich gewollt kinderlose Menschen zusammengetan haben, um gemeinsame Treffen etc. zu veranstalten. Den Gedanken finde ich gar nicht so schlecht...Als ich ein bißchen darüber recherchiert habe, bin ich auch auf Online-Artikeln in deutschen Zeitungen über diese Bewegung gestoßen. Als Resultat habe ich aber herausgelesen, dass die Menschen in dieser Bewegung natürlich bemitleidenswerte Wesen sind, die mit sinnentleertem Blick am Wochenende ihr Mountain-Bike schultern um zu langen Touren in den Bergen aufzubrechen und Listen von berühmten Frauen erstellen, die keine Kinder haben um sich einreden zu können: Siehst Du, auch die haben es ohne geschafft.... Das hat mich echt getroffen...Ich möchte nicht bemitleidet werden!

Naja, und dann haben wir noch das Hollywood-Glamourpaar Nr. 1 Brad Pitt und Angelina Jolie. Ist ja ganz klar, dass Brad Pitt seine Ex-Frau nur verlassen hat, weil die keine Kinder haben wollte und Frau Jolie auf jeden Fall. Damit war die Ex-Frau natürlich absolut schuldig für das Ende der Beziehung und sonst niemand!

Das ist halt so der "Gesellschaftsteil", der es mir einfach schwer macht, meiner Wahrnehmung zu glauben, dass ich keinen Kinderwunsch habe. Ihr merkt, ich bin schon etwas tiefer in der Materie...

@ paulinchen und hama: wie alt seid Ihr denn, wenn ich fragen darf?


Ich werde 29, Nanni :) Naja, ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, wie man sich mit 30 eigentlich überhaupt fühlt :lol: Ich fühle mich eigentlich noch immer wie 21 oder 22 und werde meist auch auf Anfang 20 geschätzt. Das ist auf der einen Seite schön, aber auf der anderen Seite fühle ich mich in vielen Dingen noch sehr unreif.
Ich finde aber, man sollte sich nicht ständig rechtfertigen müssen, wenn man keine Kinder will. Dieses Beispiel von der Gruppe, die dann Listen erstellen mit berühmten Frauen, die keine Kinder haben... na.. da muss man, glaub ich, nichts mehr zu sagen :biggrin: Gegenbeispie: Meine Arbeitskollegin. Wunderschöne Frau mitte 40, sie hat keine Kinder, ist aber ein sehr mütterlicher und warmer Typ. Warum hat sie keine Kinder? Sie sagt immer, es kam einfach nie da zu und sie konnte es sich auch nicht vorstellen. Sie geht damit total locker um und verschwendet keinen Gedanken an das "hätte doch" und "wäre doch". Sie ist kein Emo :wink:

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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Sase » 23.11.2015, 20:48

Ich muss sagen, ich bin auch ein bisschen geschockt. Es gibt ja viele Frauen, die sich gezwungenermaßen ohne Kind abfinden müssen, aber dass man sich selbst so in Frage stellt und leidet, wenn man sich bewusst und aus überzeugung dagegen entscheidet, überrascht mich total. Warum können Männer da eigentlich soviel leichter dahinter stehen? Oder ist das auch ein Trugschluss?
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!

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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon hama » 23.11.2015, 22:51

Hallo Ihr!

Es ist wunderbar zumindest hier zu lesen, dass nicht alle so denken wie ich bisher annahm, dass so die allgemeine Meinung ist. Ich bin übrigens 34, fühle mich aber auch bei weitem nicht so. Allzu lange Zeit lassen wollte ich mir mit dem Kinderthema allerdings nicht mehr, vielleicht setze ich mich da auch selbst zu sehr unter Druck.
Kürzlich habe ich mit einem Freund zufällig darüber geredet. Der meinte, ich muss mich mal frei von den ganzen Ablenkungen machen (Fernsehen, Facebook, etc...), dann werde ich sehen, dass auch ich Kinder haben will. Wobei ich das sowieso schon halbwegs hinkriege meine ich, bei mir sind es andere Dinge, die mich ablenken. Aber stimmt schon, wenn man es wirklich schafft, zu sich selbst zu finden, und nicht nur versucht, den Alltag irgendwie zu bewältigen, würde sicher einiges ans Tageslicht kommen. Wobei ich bei mir einfach nicht glaube, dass das der Wunsch nach einem Kind wäre... Oder vielleicht doch?

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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Paulinchen » 25.11.2015, 11:34

Hama, ich glaube, das weißt im Endeffekt nur du selbst ;)
Also den Ratschlag deines Freundes kann ich so nicht direkt nachvollziehen.. ich persönlich glaube nicht, dass der Wunsch plötzlich aufkommt, nur weil man sich nicht mehr vom Alltag ablenken lässt. Vielleicht kann so etwas Zweifel ausräumen, aber dass dadurch ein vorher nicht vorhandener Wunsch urplötzlich auftritt, kann ich mir nicht vorstellen. Aber, Menschen sind verschieden :)

Nanni
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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Nanni » 25.11.2015, 13:56

Sase hat geschrieben:Ich muss sagen, ich bin auch ein bisschen geschockt. Es gibt ja viele Frauen, die sich gezwungenermaßen ohne Kind abfinden müssen, aber dass man sich selbst so in Frage stellt und leidet, wenn man sich bewusst und aus überzeugung dagegen entscheidet, überrascht mich total. Warum können Männer da eigentlich soviel leichter dahinter stehen? Oder ist das auch ein Trugschluss?


Naja, ich denke, dass es gesellschaftlich halt immer noch so ist, dass Kinder bekommen und erziehen in erster Linie Frauensache ist bzw. als Frauensache angesehen wird. Ein Mann kann darüberhinaus auch im hohen Alter theoretisch noch Vater werden, so dass da auch weniger zeitlicher Druck dahinter ist als bei einer Frau. Davon mal abgesehen: Wurde (um mal bei den Stars zu bleiben) George Clooneys Kinderlosigkeit schon mal hinterfragt? Wohingegen Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, kurz nach einer Hochzeit gefühlt permanent unter Beobachtung stehen oder zumindest jegliche Rundung ihres Bauchs. Einfach schrecklich, finde ich!

Mein Mann steht übrigens gar nicht leicht dahinter, dass er keine Kinder hat. Mich belastet das wirklich sehr im Moment. Es bricht mir das Herz, ihm das antun zu müssen und ich habe wirklich das Gefühl, dass unsere - eigentlich gute, lustige, harmonische Beziehung - daran scheitern könnte. Früher hat er immer gesagt, eine gute Beziehung sei ihm wichtiger als Kinder...Heute höre ich immer, ich hätte ihm nie klar kommuniziert, dass ich definitiv keine will. Klar, ich habe immer auch gesagt: ich weiß nicht, ob es irgendwann tick-tack macht...Auf dieses tick-tack, so stellt es sich jetzt heraus, hat er immer gehofft. Es ist echt so, als hätten wir beide bei diesem Thema nur das verstanden, was wir hören wollten: ich die gute Beziehung, die ihm wichtiger ist und er, dass meine Uhr vielleicht irgendwann tick-tack macht...Ich bin echt traurig im Moment!


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