Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

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Nanni
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Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Nanni » 24.09.2015, 09:34

Hallo Ihr Lieben,

lange habe ich hier nicht mehr geschrieben.
Mir geht es gut, ich habe die Emo im Griff, bin die letzten Jahre viel gereist (auch in weit entfernte exotische Länder) und auch meine Depressionen sind nur noch selten am Start... :D

Leider treibt mich jetzt, kurz vorm 40. Geburtstag, das Thema "Kinder" um. Ich hatte noch nie einen Kinderwunsch. Natürlich war einer der Hauptgründe dafür die Emo, aber auch, dass ich eine extrem überbehütende, latent depressive und um ein kurz nach der Geburt verstorbenes Kind auch nach über 50 Jahren noch trauernde Mutter hatte und das Mutter-Thema bei mir anscheinend sehr negativ besetzt ist. In meinen Therapien (zuletzt drei Jahre drei mal die Woche auf der Couch einer Psychoanalytikerin) habe ich für mich herausgefunden, dass diese Mutter-Geschichte die Ursache für meine Probleme ist und ich eine Art "Ersatz-Kind" für das verstorbene war.

Ich bin seit 11 Jahren mit einem tollen Mann verheiratet. Als er mir den Heiratsantrag gemacht hat, habe ich "ja, aber: Du weißt, ich kann Dir keine Kinder versprechen" gesagt. Das hat er so angenommen und er wollte mich trotzdem heiraten. Das Thema Kinder kam immer mal wieder hoch und vor zwei Jahren wurde mir erstmals bewusst, wie schmerzhaft es für ihn ist, dass er keine hat und dass ihm in seinem Leben etwas fehlt. Wenn ich dann sage, dass er doch wusste, dass ich keine will, kam von ihm immer: "Ich habe immer gedacht, dass deine Uhr irgendwann anfängt zu ticken."

Tja, irgendwie tut sie es nicht. Das einzige, das ich bemerke ist, dass ich - wenn wieder einmal eine Freundin schwanger wird - ich eine Art Stich verspüre. Den deute ich mehr in die Richtung: Ich habe wieder jemanden verloren, mit dem ich demnächst kein Thema mehr habe und die Treffen weniger werden. Eine meiner Freundinnen versucht seit über drei Jahren schwanger zu werden, sie ist jetzt 41 und nach allen missglückten Versuchen steht jetzt als letzter Ausweg eine Eizellenspende an. Ich merke immer, dass ich ihren Kinderwunsch um jeden Preis überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Gestern abend hatten mein Mann und ich mal wieder das Thema. Wir waren essen und ich war nach zwei Gläern Wein ein wenig angschickert und habe gesagt, dass ich ja mal die Pille absetzen könnte (bin gerade in der Pillenpause). Er hat sich gefreut wie ein Plätzchen und ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil ich Horrorszenarien im Kopf hatte. Das schlimmste war: ich bekomme ihm zuliebe ein Kind, stürze wieder in absolute Depressionen, lasse ihn und das Kind sitzen und wander nach Australien aus.

Oh, Gott...ich fühle mich als so ein schlechter Mensch...Andererseits hatte ich auch - unter dem Weineinfluss - bei dem Gedanken an ein Kind eine freudige Erregung. Wie gesagt, heute wieder alles anders...

Ich frage mich auch, wie es wäre, wenn mein Mann keinen Wunsch hätte? Ich glaube, dann wäre die Sache mehr als klar und wir würden einfach gemenisam die Welt bereisen und es uns anders gut gehen lassen....

Könnt ihre meine Gedanken nachvollziehen?

Danke erstmal, ich habe das Gefühl, dass ich nur hier vielleicht auf Verständnis stoßen könnte.....

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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Natalie » 24.09.2015, 21:19

Vorweg: ich kann dich superst verstehen!!!
Meine Ausgangslage ist genau wie deine, nur dass ich mit 34 etwas jünger bin. Aber gerade das mit den Depressionen kenne ich zu gut, und dass ich nie einen Kinderwunsch hatte (obwohl ich Kinder wirklich sehr mag und sie auch mich mögen).

Nanni hat geschrieben:Wenn ich dann sage, dass er doch wusste, dass ich keine will, kam von ihm immer: "Ich habe immer gedacht, dass deine Uhr irgendwann anfängt zu ticken."
Ganz ehrlich: Ich finde, das darfst du nicht gelten lassen. Du hast von Anfang an mit offenen Karten gespielt, er hat sich selbst belogen, und nun habt ihr beide den Salat. Du hast absolut keinen Grund, dir deshalb Vorwürfe zu machen!
Konzentriert euch eher darauf, was ihr wirklich wollt - nicht für den anderen, sondern je für euch selbst. Und entscheidet, ob es damit eine gemeinsame Zukunft geben kann.

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mainzerin
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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon mainzerin » 24.09.2015, 22:16

Ich schreibe jetzt mal als Mama, die vorher auch nie einen Kinderwunsch hatte und dann doch plötzlich schwanger war (von einem Mann, von dem ich mich hab trösten lassen, als ich herausfand, dass mein langjähriger Freund, den ich heiraten wollte, mich schon länger betrügt).

Meine Tochter ist für mich die größte Herausforderung und absolute Bereicherung zugleich. Um keinen Preis der Welt würde ich sie heute wieder hergeben wollen. Allerdings münzen deine Gedanken eher um die Angst eine Depression zu bekommen, als um die Emo, wenn ich das richtig interpretiere? Oder hast du emomäßig auch Angst, ein Kind zu bekommen?

Es ist eine Gradwanderung. Würdest du deiner Bekannten, die jetzt an Einzellenspende denkt, deine Gedanken mitteilen, würde sie dich vielleicht in der Luft zerreißen, wegen solch diffuser Gedanken. Allerdings ist es einzig und alleine deine Entscheidung. Auch dein Mann...er wusste davon und hat es offenbar als Lappalie abgetan, wenn er heute sagte, er glaubte, du würdest die Uhr schon noch ticken hören. Habt ihr im "nüchternen" Zustand nochmal gesprochen?

Nanni
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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Nanni » 25.09.2015, 09:09

Hallo!

Erstmal danke für die Antworten!

@mainzerin: ja, wir haben auch nüchtern gesprochen, gerade heute morgen vor der Arbeit nochmal. Mein Mann sagt, bisher ging es ja auch ohne Kind. Er sucht nur glaube ich nach einem "Sinn" im Leben und den sieht er halt nicht in meiner Lieblingsbeschäftigung reisen :? Bzw. eigentlich hatte er immer schon den Wunsch, eine Familie zu gründen...Habe ihn auch nochmal gefragt, warum er dann mich geheiratet hat, die da eben sehr gegenteilig ist bzw. ambivalent.
Was ihn glaube ich überrascht hat an den Gesprächen der letzten zwei Tage, dass er gemerkt hat, dass ich mich schon auch sehr mit dem Thema "Kinder" auseinandergesetzt habe und da auch - falls wir eins bekämen - Vorstellungen im Kopf habe, mehr vielleicht, als er. Allerdings überwiegen bei mir natürlich die negativen...
Auch wenn ich mit meiner Emo mittlerweile wirklich gut zu Recht komme, ist sie noch da und gehört mit zu den Gründen, warum ich kein Kind möchte. Wir haben z. B. mehrere Neffen und Nichten. Mein Mann würde gerne mit seinem Patenkind mal in den Freizeitpark fahren und für mich kommt das ÜBERHAUPT

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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Nanni » 25.09.2015, 09:21

UUUPPPS...Beitrag versehentlich abgeschickt :oops: Hier geht's weiter:

Für mich kommt das ÜBERHAUPT nicht in Frage, da Kinder und Freizeitpark für mich automatisch Kotzgefahr bedeuten. So gerne ich meine Nichten und Neffen habe, bin ich immer auch froh, wenn sie wieder aus unserem Haus weg sind nach einem Besuch und nicht gekotzt haben... :oops:

Neben der Angst, ein Kind könnte sich übergeben spielt aber eben auch meine persönliche Geschichte eine Rolle und hier die depressive Mutter und meine eigenen Depressionen - die ich auf gar keinen Fall vererben möchte bzw. natürlich besteht die Gefahr, dass ich wieder depressiv werde und mein Kind so leidet, wie ich es - unbewusst - lange Zeit meines Lebens mit meiner Mutter getan habe. Auch eine Rolle spielt, dass es für mich sehr schwer war, mich aus der symbiotischen Beziehung zu meiner Mutter zu lösen und ich einen regelrechten inneren Freiheitsdrang habe und mir meine Unabhängigkeit sehr wichtig ist. Ein Kind bedeutet natürlich eine Bindung und dass da jemand sehr lange auf mich angewiesen ist. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe, denn ich merke, dass ich innerlich Fluchtgedanken bekomme...

Wie gesagt, mein Mann sagte, wir kriegen das auch so hin. Ich muss eben irgendwie lernen, mit meinem schlechten Gewissen ihm gegenüber umzugehen. Er sagt, er möchte nach wie vor sein Leben mit mir verbringen, das ist ja schon mal was ;D

Ich bin gerade eben vermutlich selbst ambivalent, da eben die eine Freundin evtl. jetzt mit Eizellenspende schwanger wird und eine andere (die immer sagte, sie will keine Kinder, aber das habe ich ihr nie abgenommen) jetzt im 4. Monat happy schwanger ist. Ich frage mich schon, was mit mir nicht stimmt (Erklärungen habe ich ja genug) und sehne mich auch sehr danach, mehr Austausch mit Frauen zu haben, die eben auch meinen Weg gegangen sind. Wie gesagt, vielleicht ist es das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören und auch etwas zu verpassen. Unabhängig davon läuft es bei mir im Job gerade total doof...Ich arbeite seit zwei Jahren auf einer Stelle, die mich überhaupt nicht ausfüllt und ich erliege gerade einem Bore-Out :roll: Die Arbeit macht keinen Sinn und ich habe dadurch das Gefühl, mein Leben zu vergeuden. Denke, das kommt noch dazu.

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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Sase » 28.09.2015, 21:02

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich verstehe deinen Post nicht so ganz (der Nachtrag ist allerdings auch noch etwas verwirrend). Ich habe eigentlich selten von wem gelesen, dass er so sicher kein Kind möchte. Was konkret bringt dich zu einem ja oder vielleicht? - der wein, die liebe für deinen Mann. Du schreibst doch ganz klar und nachvollziehbar, dass und auch warum du keine Kinder willst.
Für mich liest es sich so, als habest du Angst, dass diese Gefühle nicht echt sind und du irgendwo in dir drin doch Kinder willst ("wollen könntest") - wieso traust du deiner Wahrnehmung nicht?
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!

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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Nanni » 29.09.2015, 17:15

Danke für die ehrliche Rückmeldung, Sase!
Ich finde meine Gedanken auch phasenweise verwirrend...
Ich denke, Du hast aber mit der Frage "Wieso traust du deiner Wahrnehmung nicht?" den Nagel auf den Kopf getroffen, denn das tue ich eben manchmal an genau diesem Punkt nicht. Die Gesellschaft suggeriert einem ja auch ein Stück weit, dass jede Frau einen Kinderwunsch hat (zu haben hat) und dass alles andere sonderbar bzw. nicht normal ist, vielleicht ein Grund, meiner Wahrnehmung nicht zu trauen....

Den Wein trinke ich übrigens öfter, der bringt mich sicher nicht zu einem ja oder vielleicht :wink: Schon viel eher die Liebe zu meinem Mann. Ich kann den Gedanken nur schwer ertragen, ihn um einen lebenslangen Wunsch zu bringen...
Aber diese Woche bin ich schon wieder klarer, keine Ahnung, was da letzte Woche los war...

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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon hama » 12.11.2015, 00:53

Hallo Nanni,

auch wenn die Beiträge schon etwas älter sind, vielleicht liest Du meine Antwort ja noch...
Als ich gelesen habe, wie es sich für Dich anfühlt, wenn wieder jemand aus Deinem Umfeld ein Kind bekommen hat, und dass Du selbst nie einen Kinderwunsch gespürt hast, war ich irgendwie sehr erleichtert, dass es offensichtlich doch noch andere Menschen gibt, die in dieser Hinsicht ähnlich ticken wie ich. Denn ich habe immer mehr das Gefühl, dass mit mir irgendwas nicht stimmt, dass man doch Kinder wollen MUSS, und vielleicht gar nicht richtig "lebensberechtigt" ist, wenn man keine hat, aber eigentlich könnte. Wenn mir Eltern irgendwas erzählen, schwingt für mich oft so ein "davon hast Du keine Ahnung, Du hast ja keine Kinder" mit. Das tut mir weh, und ich fühle mich dann echt schlecht.

Mein Freund ist glaube ich ganz erleichtert, dass ich zumindest nicht aktiv Kinder will, insofern ist bei mir kein Druck dahinter. Ich glaube, wenn ich schwanger werden würde, würde ich das alles schon ganz gut hinkriegen (ja, vielleicht sogar das Versorgen und Trösten von kotzenden Kindern.. naja, vielleicht auch nicht - aber das ist nicht das Thema, da bin ich mir sicher). Trotzdem habe ich panische Angst davor. Ich weiß gar nicht so recht, warum eigentlich. Bin ich nur zu faul? Will ich keine Verantwortung übernehmen? Gerade letzteres ist generell schon ein Thema bei mir, ich bin zwar damit bisher ganz angenehm durchs Leben gekommen, aber mittlerweile fühle ich mich damit eher total nutzlos. Und wenn man dann so Sprüche hört wie "wenn Du Kinder hast, musst Du Dir über sowas keine Gedanken mehr machen" bei Dingen, die mich echt beschäftigen, und über die ich mich gerne mit jemandem austauschen würde, kommt es mir so vor, als wären meine Gedanken völlig sinn- und wertlos. Vielleicht ist alles das, was ich glaube aufgeben zu müssen, wenn ich Kinder habe, total unsinnig?
Seltsam, ich mag die Kinder, die ich kenne, wirklich gerne, und es gehört zu den schönsten Erlebnissen, wenn ich es z.B. geschafft habe, eins ganz alleine zu trösten, sie zum Einschlafen mit mir kuscheln wollen oder anderen freudestrahlend erzählen, dass wir Freunde sind... aber ich glaube ich will einfach keine eigenen. Oder kann dieser Wunsch so tief in einem verborgen sein, dass man ihn nicht mitbekommt? Oder erst, wenn es zu spät ist? Ich bin mit vielem ein paar Jahre zu spät dran, also vielleicht auch damit..? Vielleicht aber auch nicht? Kann einem die Lust auf Kinder durch diesen gefühlten Gesellschaftsdruck so gründlich vergehen? Tue ich mich vielleicht einfach nur mit definitiven Entscheidungen schwer?

Sorry, dass ich jetzt so viel von mir geschrieben habe, das musste mal raus, im realen Leben kann ich darüber kaum mit jemandem wirklich reden, das versteht einfach keiner...
Wie geht es Dir inzwischen damit?

Paulinchen
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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Paulinchen » 12.11.2015, 14:55

Mir gehts übrigens ähnlich, ich habe nie einen Kinderwunsch verspürt und ich verspüre noch immer keinen. Die Emo spielt da auf jeden Fall ne ganz große Rolle, aber selbst wenn sie nicht wäre, hätte ich nicht dieses Bedürfnis, ein Kind zu bekommen. Ich frage mich immer, ob ich diesen Wunsch nicht doch noch bekomme... Das einzige, was mir später wirklich fehlen wird, ist ein erwachsenes Kind, welches einem im Alter besucht und für einen sorgt. Ich werde im Alter vermutlich völlig alleine sein und dieser Gedanke ängstigt mich sehr.

hama
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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon hama » 12.11.2015, 20:35

Ja, Paulinchen, genauso geht es mir auch. Ich rede mir manchmal ein, dass ja auch manche totale Funkstille mit ihren Kindern haben und eher noch Sorgen als Hilfe im Alter... aber das liegt ja wahrscheinlich auch sehr an einem selber, wie sich das entwickelt. Und ist nur eine von vielen Ausreden, mit denen ich versuche, mein keine-Kinder-Wollen vor mir selbst zu rechtfertigen. Klappt aber nicht.
Manchmal schaue ich mir die Leute so an, die keine Kinder haben, und denke mir, die würden bestimmt vieles anders sehen, wenn sie welche hätten, und sich anders ("besser.".?) verhalten. Was man eben vermutet, dass andere später über einen selbst denken. Das will ich irgendwie auch nicht. Andererseits denke ich mir auch bei vielen Eltern, dass ich ganz sicher nicht so werden will wie die... Aber das sind alles nicht die wahren Gründe, glaube ich.

Paulinchen
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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Paulinchen » 13.11.2015, 00:33

Hama, ich glaube, bei Frauen wie uns, die noch nie einen starken Kinderwunsch gehabt haben und das auch nie als festen Bestandteil ihres Lebens eingeplant haben, ist das ohnehin schon eine komplizierte Angelegenheit und die Emo macht es noch komplizierter. Ich stelle mir auch total viele Fragen und überlege immer wieder, ob dieser Kinderwunsch wirklich einfach nicht vorhanden ist... oder ob ich es mir aus Angst nur einrede.. wenn ich meine Argumente gegen ein Kind aufzähle, frage ich mich immer wieder, ob es vll nur Ausreden sind.
Naja, genauso sehe ich auch Mütter, die ihren Kindern alles durchgehen lassen und wo ich mich ernsthaft frage, ob die jemals etwas von Erziehung gehört haben und dann gibt es auch Kinder, da stellen sich mir die Haare auf.. das ständige Rumgebrülle und Rumgebocke und dann sehe ich wieder Kinder, wo ich so eine richtige Herzenswärme empfinde, wie heute zum Beispiel. Habe eine Katze auf der Straße gestreichelt und dann kamen zwei kleine Jungs, die mich sofort angesprochen haben und sich mit mir über die Katze unterhalten haben und sie auch gestreichelt haben. Die beiden waren einfach so süß und herzlich, dass es mir doch irgendwie einen kleinen Stich versetzt hat...
Ich bin auch eigentlich ein echter Familienmensch und als ich zu Halloween das Haus umdekoriert habe und Kürbisse ausgehöhlt und geschnitzt habe, da dachte ich, wie viel Spaß mein Kind jetzt mit mir haben könnte, wenn ich eines hätte. Solche Momente habe ich immer mal wieder, wenn ich etwas kreatives mache, an dem garantiert auch Kinder Spaß hätten. Aber irgendwie fehlt mir dann doch die Vorstellungskraft für einen kompletten Alltag mit Kind.. und dann diese jahrelange Verantwortung.. trotz meines Alters fühle ich mich nicht einmal ansatzweise bereit dafür. Ich habe mich schon mal gefragt, ob ich vll einfach zu egoistisch für ein Kind bin? Ich will reisen, ich will nicht so viel Verantwortung, ich will viel Geld für mich und meine Hobbies ausgeben können, ich will Zeit nur für mich und meine Hobbies usw usw dann frage ich mich an schlechten Tagen, ob ich wirklich so ein schlechter Mensch und totaler Egoist bin. Mein mann will auch keine Kinder, hat aber Angst davor, im Alter allein zu sein. Aber ich finde, dieses Argument sollte nicht ausschlaggebend sein, wenn man beschließt, ein Kind zu bekommen... vor allem sollte es nicht das einzige Argument sein! Falls mein Mann sich umentscheiden würde, dann wüsste ich auch nicht, was ich machen sollte. Aber ich möchte die Entscheidung nicht allein von meinem Partner abhängig machen, wenn, dann will ich selber auch zu 100% dahinter stehen. Trotzdem merke ich auch, dass ich mir ein Lebewesen wünsche, um das ich mich kümmern kann... Ich sehne schon den Tag herbei, wenn wir uns endlich endlich einen Hund anschaffen. Das klingt total bescheuert, aber momentan habe ich das Gefühl, dass ich mit einem Hund, der sich erbrechen muss, besser umgehen kann als mit einem Kind und das Erbrochene leichter beseitigen könnte. Das klingt so bescheuert, aber genau so empfinde ich es.
Naja ich weiß gar nicht, worauf ich genau hinauswollte mit meinem Beitrag, aber es ist einfach unheimlich kompliziert...

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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Sase » 13.11.2015, 21:41

Ein sehr spannendes Thema! Ich tendiere ja total dazu zu sagen: Positioniert euer Thema doch mal unter Ähnlichdenkenden, die KEINE Emo haben. Allerdings ist es wohl schwierig solche Gleichgesinnten erst mal zu finden, also wo soll man das hin adressieren...

Ich denke, die Emetophobie unbewusst irgendwie vorschieben, kann man eigentlich nicht. Im Grunde, wenn man nur ein bisschen ehrlich zu sich ist, weiß man ziemlich genau, wenn man das tut. Selbst bei den Frauen, die sich wirklich wegen der Emo dagegen entscheiden, entsteht (mehrfach beobachtet) eher ein Gefühl des Abschiednehmens und der Trauer und Anerkennung, dass man eben keine Kinder wird haben können...
Das ist vom Denken aber anders als bei euch, es ist mehr ein "Ich würde ja gerne, aber.....". Viele Emofrauen, hier beschreiben auch, dass sie ja gerne wollen würden, aber....

Die Entscheidung gegen ein Kind ist genau aus den Gründen, die ihr beschreibt auch ein Prozess. Genauso wie die Entscheidung dafür. Man kann eben beides ab einem gewissen Punkt nicht mehr rückgängig machen und ich denke, genau aus dem Grund hab ihr da so Gedankenkarrussells. Es gibt bestimmt diese Frauen, die sagen "Kind, no way, never" und das wissen sie von Geburt an und dann machen sie Karriere und lassen sich mit 23 sterilisieren... aber das sind die wenigsten. Ich denke, dass es sehr vielen so geht wie euch. Man wird ja nicht geboren und weiß schon ob man Familie will oder nicht. Und eben das herauszufinden, geht beim einen schneller beim anderen langsamer und abhängig von den Umständen und Erfahrungen usw. ist es leichter oder schwieriger.

Ich denke, ihr seid voll normal und solltet versuchen, eurer Wahrnehmung zu trauen.
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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Schorschla » 13.11.2015, 22:59

Also ich bin so eine, die schon "ab Geburt" (überspitzt gesagt) nie ein Kind wollte. Ich bin jetzt fast 35 und hatte nie einen Kinderwunsch, bei mir tickt keine innere Uhr oder ähnliches. Ein bißchen Angst vor einem späteren Alleinsein habe ich schon, liegt aber auch daran das ich keinen Partner habe (und das schon ziemlich lange). Keine Ahnung ob und wann sich das ändert, aber ich habe mir mein Leben insgesamt für`s Alleinsein eingerichtet und kann ganz einfach mit Kindern nichts anfangen. Und das ist definitiv keine Voraussetzung eins in die Welt zu setzen.

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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Nanni » 20.11.2015, 15:13

Huch! Ein paar Wochen nicht mehr hier gewesen und es hat sich einiges zu meinem Thema getan...
Mir geht es ganz gut, bin mittlerweile 40 :? - es fühlt sich gar nicht soooo schlimm an.
Das Thema Kind oder nicht poppt natürlich immer wieder mal hoch zwischen meinem Mann und mir :roll: Allerdings steht bei mir - glücklicherweise - demnächst ein Jobwechsel an (hatte glaube ich geschrieben, dass ich mit meiner momentanen Stelle eher unzufrieden bin) - so dass es auch noch einige andere Themen gibt.
Meine Freundin mit der Eizellenspende ist mittlerweile schwanger (noch ganz am Anfang, 8. Woche oder so). Ich drücke ihr natürlich die Daumen, trotzdem hat es mir einen Stich versetzt - wie erwartet. Habe da wieder viel über das, was mit mir "nicht stimmt " nachphilosophiert.... und komme doch immer wieder zu dem Schluss, dass ein Kind für mich nicht in Frage kommt. Gerade diese Woche habe ich eine gute Freundin besucht, die dieses Jahr zum 5. Mal (!) Mutter geworden ist. Bei ihr habe ich übrigens nie einen Stich verspürt, wenn sie schwanger war. Ich denke, das liegt daran, dass ich mit der anderen Freundin unterschwellig irgendwie so ein Konkurrenzding laufen habe, da ich mir ihr ggü. immer schon etwas minderwertiger vorgekommen bin. Aber diese Geschichte hier aufzudröseln führt zu weit.
Naja, jedenfalls war ich bei meiner Freundin frühstücken und dachte, dass nur der Jüngste (6 Monate alt) da ist. Aber auch ihr 9jähriger war zu Hause, da er Bauchweh hatte...Oh weh, da habe ich ganz stark gespürt, wie sehr die Emo in so Gefahrensituationen da ist. Nach etwa zwei Stunden sagte er dann (und legte sich dabei auf die Couch) "Mama, mir ist ganz übel und ich friere"...Nun, da ich kurz zuvor schon angekündigt hatte, bald los zu müssen, habe ich dann relativ fluchtartig das Haus meiner Freundin verlassen. Habe ganz schön gezittert und da ganz deutlich gemerkt: ein Kind geht definitiv schon wegen der Emo nicht! - Auch wenn ich immer wieder höre und lese, dass es beim eigenen anders ist...
Die Frage mit dem "Was ist im Alter" stelle ich mir natürlich auch. Aber: auch hier sind Kinder keine Garantie. Da ich eine ganze Weile mit alten Menschen gearbeitet habe, kann ich das mehr als bestätigen...Natürlich hat man das als Eltern sicher sehr stark in der Hand, wie die Kinder sich später kümmern, manchmal gehen Kinder aber auch ins Ausland, in eine weiter entfernte Stadt und mit so einem Versorgungsgedanken ans Kinderkriegen heranzugehen finde ich schwierig.

Ich habe das Kein-Kinderwunsch-Thema übrigens auch schon in einem Nicht-Emo-Forum geschrieben. Es gibt einige gleichgesinnte Frauen (auch ohne Emo).Das Problem dort ist, dass es meistens so ein bißchen in ein gegenseitiges "bashen" der Mütter und Frauen ohne Kinderwunsch abdriftet. Das finde ich sehr schade. Hatte das Gefühl, wenn ich jetzt noch von meiner Emo schreibe, heißt es erst recht: Siehst Du, Frauen ohne Kinderwunsch haben einen an der Waffel!... :?
Das Thema ist halt sehr emotional besetzt.

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Re: Ein Kind - ja, nein, vielleicht?!

Beitragvon Nanni » 20.11.2015, 15:24

So, mach nochmal weiter (irgendwas stimmt mit meinem Textfeld nicht, deshalb neuer Text;-))

Es gibt z. B. in den USA die "Childfree-by-Choice" Bewegung, wo sich gewollt kinderlose Menschen zusammengetan haben, um gemeinsame Treffen etc. zu veranstalten. Den Gedanken finde ich gar nicht so schlecht...Als ich ein bißchen darüber recherchiert habe, bin ich auch auf Online-Artikeln in deutschen Zeitungen über diese Bewegung gestoßen. Als Resultat habe ich aber herausgelesen, dass die Menschen in dieser Bewegung natürlich bemitleidenswerte Wesen sind, die mit sinnentleertem Blick am Wochenende ihr Mountain-Bike schultern um zu langen Touren in den Bergen aufzubrechen und Listen von berühmten Frauen erstellen, die keine Kinder haben um sich einreden zu können: Siehst Du, auch die haben es ohne geschafft.... Das hat mich echt getroffen...Ich möchte nicht bemitleidet werden!

Naja, und dann haben wir noch das Hollywood-Glamourpaar Nr. 1 Brad Pitt und Angelina Jolie. Ist ja ganz klar, dass Brad Pitt seine Ex-Frau nur verlassen hat, weil die keine Kinder haben wollte und Frau Jolie auf jeden Fall. Damit war die Ex-Frau natürlich absolut schuldig für das Ende der Beziehung und sonst niemand!

Das ist halt so der "Gesellschaftsteil", der es mir einfach schwer macht, meiner Wahrnehmung zu glauben, dass ich keinen Kinderwunsch habe. Ihr merkt, ich bin schon etwas tiefer in der Materie...

@ paulinchen und hama: wie alt seid Ihr denn, wenn ich fragen darf?


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