Erfahrungsbericht Rotavirus

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Eisbär
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Erfahrungsbericht Rotavirus

Beitragvon Eisbär » 08.09.2015, 23:18

Hallo zusammen,

ich wollte euch mal einen Mutmach- und Erfahrungsbericht über unsere erste Rotavirus-Infektion schreiben. Das war genau die Situation, vor der ich immer Panik hatte und wegen der ich beinahe auf ein Kind verzichtet hätte. Aber es ist zu schaffen! Der Bericht kann Trigger enthalten, aber ich lasse auch viele Details aus, weils einfach den Rahmen sprengen würde.

Vor zwei Wochen rief mich mein Mann abends beim ins Bett bringen des Sohnes (knapp 18 Monate alt), dass ich schnell herkommen solle. Als ich im Schlafzimmer stand, erbrach der Kleine sich bereits heftig. Ich war die ganze Zeit bei ihm und tröstete, weil er heftig weinte. Danach machten wir das Kind wieder sauber und ich zog die Matratze ab und schmiss eine Waschmaschine an. Ich blieb völlig ruhig, weil ich überzeugt war, dass der Kleine einfach nur zu viel gegessen hatte und der Überlauf jetzt wieder raus kam. Damit begann dann eine völlig schlaflose Nacht. Er schlief wieder ein, fing aber nach 30 Minuten wieder an zu spucken. Nach dem 5. Mal spucken, gaben wir dem Kleinen ein Vomex-Zäpfchen, welches überhaupt nicht half. Da war es schon 3 Uhr. Als es einfach weiter ging, war ich drauf und dran in die Klinik zu fahren, aber mein Mann wollte noch nicht, weil er sagte, dass es dem Kleinen bis aufs Erbrechen doch noch gut geht. Hätte ich doch nur auf mein Bauchgefühl gehört.... morgens waren wir so fertig, dass ich direkt bei der Kinderärztin auf der Matte stand, die auch endlich meinen Mann überzeugte, dass der Kleine ins Krankenhaus gehört. Es blieb ja nicht mal ein Schluck Wasser drin. Er hatte bestimmt 20 Mal erbrochen.
Im Krankenhaus bekam er dann eine Infusion mit Flüssigkeit und endlich hörte das Erbrechen (es kam aber schon lange nichts mehr, war nur noch trockenes würgen) auf. Wir kamen auf ein Isolationszimmer und ich blieb 3 Nächte bei ihm. Die 4. Nacht übernahm mein Mann, weil Schlaf im Krankenhaus ja eher schlecht zu bekommen ist. Am 5. Tag durften wir endlich gehen. Dem Kleinen gings wieder gut, er fing wieder an zu essen, war nur noch wackelig auf den Beinen und hatte Durchfall.

Bis dahin ging es meinem Mann und mir auch noch gut. Kaum zuhause angekommen, war uns auch nicht mehr so gut. Wir mussten zwar nicht brechen, aber hatten Durchfall und fühlten uns knapp eine Woche wie durch einen Fleischwolf gedreht.

Mittlerweile sind wir alle 3 aber wieder fit. Ich bin unglaublich stolz, dass ich die Situation völlig ohne Panik gemeistert habe. Dass ich meinen Sohn trösten konnte, im Arm halten, kuscheln, Spuckschüssel halten, sauber machen und einfach die Liebe und Nähe geben, die er von mir als Mama an den Tagen brauchte. Ich weiß auch fürs nächste Mal, dass es mega anstrengend ist, aber wenn man zusammenhält, schafft man es als Familie.
Ach ja: mein Sohn ist nicht gegen Rota geimpft. Es ging damals aus gesundheitlichen Gründen nicht. Ich will auf keinen Fall eine Impfdiskussion lostreten, aber wenns gesundheitlich geht, würde ich mein (nächstes) Kind auf jeden Fall dagegen impfen lassen! Diese ätzenden Tage hätte man dem Kleinen evtl. ersparen können.

Ich hoffe ich kann damit anderen Mamas oder solchen, die es werden möchten, Mut machen (ich hatte ja anfangs sogar Angst, als der Kleine seine Milch wieder ausgespuckt hat).

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mainzerin
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Re: Erfahrungsbericht Rotavirus

Beitragvon mainzerin » 09.09.2015, 13:28

Oh Gott, meine Tochter ist zwar gegen Rota geimpft, aber das ist ja bei MD-Viren der Tropfen auf den heißen Stein. Glaub, man macht das nur für den Kopf. Ich zumindest ;-)
Wenn es mal soweit ist bei uns, sie wird bald 1, dann werde ich an dich denken! Respekt vor deiner Leistung! Wie gehts dir jetzt damit? Panik vor dem nächsten Mal?

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Re: Erfahrungsbericht Rotavirus

Beitragvon Linnunrata » 09.09.2015, 18:44

Wow!!! Du kannst super stolz auf dich sein wie Du das gemeistert hast.
Als mein Sohn das erste Mal MD hatte konnte ich ihn nicht trösten und in den Arm nehmen. Vor lauter Panik bin ich voll auf Distanz gegangen. Ich hab mich deswegen sooo schlecht gefühlt.
Das Erbrochene aufzuwischen war schon eine große Überwindung. Aber ihn zu trösten und womöglich vollgek... zu werden....das ging gar nicht.
Zum Glück hat mein Mann damals diesen Part übernommen.

Wie lief das bei Dir ab? Hast Du einfach funktioniert ohne Nachzudenken?
Hattest Du Panik-Symptome während der Zeit?
Als es Dir dann schlecht ging....wie hast Du es geschafft dann nicht in Panik zu geraten?
Ist deine Angst durch dieses Erlebnis weniger geworden?

Eisbär
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Re: Erfahrungsbericht Rotavirus

Beitragvon Eisbär » 09.09.2015, 22:13

Also beim ersten Mal übergeben, hab ich mich einfach gezwungen dabei zu bleiben und hinzusehen und zu trösten. Ich dachte, er ist mein Kind, ich hab es so gewollt, mit allem was dazu gehört und jetzt muss ich auch diese unangenehme Situation aushalten. Außerdem hab ich mir gesagt, dass nicht ICH dich Opferrolle hab, sondern, dass es dem Kleinen gerade schlecht geht. Früher hab ich mich nämlich immer selber in der Opferrolle gesehen, wenn jemandem schlecht war und war teilweise auch sauer auf die Leute. Als das Erbrechen dann immer schlimmer wurde, überwog aber einfach die Sorge um ihn. Klar musste ich auch einige Male gegen aufkommende Panik ankämpfen, aber ich habs immer erfolgreich geschafft sie nicht durchkommen zu lassen. Nur einmal im Auto bin ich in Panik ausgebrochen und hab meinen Mann fast weinend angeschrien, dass ich nicht weiß, was ich tun soll, denn der Kleine würgte und würgte und holte gar keine Luft mehr zwischendurch. Ich dachte er kollabiert gleich. Aber auch das war nur Panik aus Sorge.

Was ich allerdings schwierig finde, sind die Abende im Moment. Mein Mann bringt den Kleinen ja immer ins Bett und bleibt bei ihm, bis er eingeschlafen ist. An dem besagten Abend war er sehr lange bei ihm, bis er mich rief und es anfing. Hinterher sagte er, dass der Kleine einfach unheimlich unruhig war und er deswegen so lange bei ihm saß. Heute z.B. ist mein Mann wieder sehr lange weg. Jetzt schon 45 Minuten. Und ich mache mir Gedanken, ob es vielleicht wieder losgehen könnte.... Panik hab ich nicht, aber die ganze Zeit ein Unruhe-Gefühl und das jeden Abend, bis mein Mann wieder da ist und sagt, dass der Kleine ruhig schläft.

Als es bei mir losging, war ich einfach genervt. Ich wollte nicht krank sein. Aber auch da hatte ich nicht so große Panik, denn die Klinik sagte, dass WENN wir uns anstecken (sie gaben uns eine Chance von 50:50) der Verlauf wahrscheinlich recht mild sein wird. Bei Erwachsenen verläuft Rota wohl meist ohne Erbrechen. Es kann sogar sein, dass man gar nicht mitbekommt, dass man Rota hat. Man scheidet die Viren einfach nur aus.

Ach ja, was mir auch noch hilft, ist die Tatsache, dass wir im Krankenhaus ein Einzelzimmer (Isolationszimmer) hatten. Denn das war gleich nach dem Erbrechen meine zweite große Panikbaustelle. Ich hab Angst davor mit anderen Menschen in einem Zimmer zu schlafen. Und gerade Krankenhäuser sind ein riesengroßes rotes Tuch für mich. Als ich dann sah, dass wir ein Einzelzimmer bekommen, fiel ein riesengroßer Stein von mir. Ich wusste, dass dem Kleinen jetzt geholfen wird, dass wir dort in besten Händen sind und dass wir unsere Ruhe haben ohne andere Patienten im Zimmer, die uns womöglich noch einen Noro mit drauf geben.

Linnunrata, hatte dein Sohn denn schon mehrfach Magen-Darm Grippe? Hast du Panik vorm nächsten Mal? Mainzerin, hat deine Tochter sich schon mal übergeben? Also ich mein richtig, nicht nur Milch?

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Re: Erfahrungsbericht Rotavirus

Beitragvon Linnunrata » 09.09.2015, 22:31

Hallo Eisbär,

Mein Sohn hatte erst einmal MD mit Erbrechen und Durchfall.
Auch da ist "es" beim zu Bett bringen passiert. An diesem Abend hatte mein Mann den Kleinen ins Bett gebracht und wurde vollgek....
Es hat Monate gedauert bis ich ihn wieder ins Bett bringen konnte. Außerdem hatte ich Angst mit meinem Kind alleine zu sein. Denn es könnte ja nochmal passieren. Daher kann ich Deine Unruhe abends total gut verstehen.

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Re: Erfahrungsbericht Rotavirus

Beitragvon Eisbär » 09.09.2015, 23:25

Wisst ihr welcher Erreger das war? Und hast du dich angesteckt?

Ich hab jetzt schon ein bisschen Angst vorm Winter. Mein Sohn ist noch nicht in der Krippe, aber wir gehen regelmäßig zum Kinderturnen, auf Spielplätze und treffen uns mit anderen Kindern. Die Rota-Hochsaison soll von Februar bis April sein. Jetzt war August. Ich hab keine Ahnung, wo er sich den eingefangen hatte, denn wir haben die 3 Tage vor dem Ausbruch NICHTS gemacht. Klar, waren spazieren, im Garten usw., aber hatten weder Turnen noch waren wir einkaufen oder so. Also er hat eigentlich nichts angefasst, wo ich den Rota vermuten würde. Und wenn wir schon außerhalb der Hochsaison quasi durch die Luft (ich weiß, das geht nicht) uns sowas einfangen, wie wird's dann in der Hochsaison, wenn wir zum Turnen gehen? :shock:

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Re: Erfahrungsbericht Rotavirus

Beitragvon Linnunrata » 10.09.2015, 14:26

Nein, keine Ahnung welcher Erreger das war.
Wir hatten uns auch angesteckt. Aber nur Durchfall und Übelkeit. Bei meinem Mann war's nach 24 Stunden wieder vorbei....und das obwohl er von dem Kleinen richtig vollgek... wurde. Bei mir hielt die Übelkeit noch länger an...aber ich glaube das war mehr die Angst.

Mein Sohn ist schon seit einem Jahr in der Krippe und hat aber bisher erst einmal MD mitgebracht.
Trotzdem habe ich Angst vorm nächsten Mal.
Ich versuche immer im Hier und Jetzt zu bleiben. Und die schönen Momente zu genießen.
Mach dir keinen Kopf über ungelegte Eier....versuch ich mir jedesmalzu sagen.
Dann denke ich zurück an die Monate die ich "verpasst" habe mit meinem Sohn. Mensch er ist jetzt 2....so ein tolles Alter und ich wil diese schöneZeit die ich nie wieder zurückdrehen kann einfach genießen und nicht von der Scheiß Angst verderben lassen. Aber das ist halt nicht einfach und funktioniertleider nicht auf Knopfdruck.

Zerbreche dir nicht den Kopf wann und woher dein Kind den Virus aufgeschnappt hat. Es gibt zuuuu viele Möglichkeiten.


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