Habe ich den Bezug zur Realität verloren?

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ichbindeinalbtraum
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Habe ich den Bezug zur Realität verloren?

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 30.07.2015, 22:39

Hey. Nochmal vorneweg: Ich war wegen meiner ständigen Übelkeit bei allen Ärzten, hab alle möglichen Untersuchungen machen lassen und heraus kam - gesünder als ich kann man nicht sein. Die Ärzte vermuten eine psychische Ursache. Aber langsam kann ich das nicht mehr glauben. Mir ist mittlerweile den ganzen Tag schlecht, was manchmal so weit geht, dass ich schon absichtlich würge oder zu mir selbst sage, ich soll aufs Klo gehen, weil ich mich vermeintlich genauso fühle wie damals als Kind, als ich erbrechen musste. Ich assoziiere ALLES mit Erbrechen, meine Gedanken kreisen nur noch um Viren, Krankheiten, ich prophezeie mir dass ich erbreche, vermute dass ich hellsehen kann, habe Krankheits-Visionen, sehe mich selbst in der Zukunft krank im Bett liegen, ich bin überzeugt davon, mich angesteckt zu haben, kann nicht mehr richtig essen, traue mich nicht mehr bestimmte Dinge zu tun, aus Angst dann erbrechen zu müssen und ich komme aus diesem Teufelskreis nicht mehr raus. Ich KANN nicht glauben, dass meine Psyche bewirkt, dass es mir KÖRPERLICH so mies geht. Ich esse stellenweise sogar Tempos, Zitronenschale oder nachts zur Beruhigung noch Möhren. Selbst wenn es mir mal gut geht, denke ich, da stimmt was nicht. Und jetzt hab ich einen neuen Tick: Letztes Jahr im August hatte ich Durchfall. Jetzt sagt meine Angst mir, dass ich dieses Jahr ebenfalls wieder im August krank werde, weil das ja letztes Jahr auch so war, und dass ich dann eben erbrechen muss. Das passt wiederum dazu, dass ich mir Anfang des Jahres prophezeit hatte, dieses Jahr generell zu erbrechen. Als ich letztes Jahr Durchfall hatte, hatte ich auch Kopfschmerzen (und ein Gerstenkorn) und da ich auch jetzt vermeintlich sogar dieselben Kopfschmerzen habe, fühle ich mich in der Annahme bestätigt, genau wie letztes Jahr Durchfall zu bekommen. Diese Prophezeiungen mache ich oft. Ich habe diesbezüglich einfach keinen Bezug mehr zur Realität und bin so beeinflussbar, dass allein der Satz "es ist psychisch bedingt" mich besser fühlen lässt. Die Übelkeit wird immer stärker und die Angst immer größer. Daher meine Frage: Kann ich wirklich hellsehen oder habe durch die Angst übernatürliche Fähigkeiten entwickelt? Haben Krankheiten einen Rhythmus und ich werde deswegen wieder krank und kann das hellsehen? Oder ist das alles Schwachsinn, das ist Teil der Angst und meine Beschwerden sind ein für alle Mal psychisch bedingt?

eswirdbesser
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Re: Habe ich den Bezug zur Realität verloren?

Beitragvon eswirdbesser » 31.07.2015, 01:41

Hallo,

ich denke uns allen geht es mehr oder weniger so wie dir. Den einen ein bisschen besser, den anderen ein bisschen schlechter.

Die Psyche ist etwas sehr kräftiges. Vor allem die Angst. Die ist biologisch in uns fundiert und soll uns das Leben retten.
Die gute Nachricht: Angst kann man lernen und verlernen. Emetophobie ist eine angelernte Angst, man kann sie also auch wieder abtrainieren.
Die schlechte Nachricht: Das geht leider nicht über Nacht.

Beantworte doch bitte mal folgende Fragen:
Musstest du Dich irgendwann einmal wirklich übergeben, als du Angst hattest, es könnte passieren?
Wie regelmäßig isst du? Und was? Zum Beispiel in den letzten 3 Tagen.

Hellsehen kannst du nicht. Sowas ist nicht möglich. Ansonsten würde ich mal zu Lotto spielen raten :)
Du steckst vermutlich recht tief im Angstsumpf. Das blöde an der Emetophobie ist, dass sie sich selbst ganz gut verstärken kann. Angst äußert sich in Symptomen wie Magenbeschwerden, Hitzegefühlen, Schwindel, weiche Beine, etc etc.
Viele dieser Symptome assoziieren wir aber mit Übelkeit/Erbrechen und kriegen noch mehr Angst -> ein Teufelskreis.

Ein Beispiel von mir, wie absurd soetwas werden kann. Ich fürchte mich nur vor speziellen Nudelsorten. Die können alle vom gleichen Hersteller sein, alle aus dem gleichen Teig. Ich fürchte von Makkaroni/Spaghetti eher zu erbrechen, als vor Farfalle oder Penne. Das macht absolut keinen Sinn und doch redet mir meine Angst das ein.

LG

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Parasomnia
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Re: Habe ich den Bezug zur Realität verloren?

Beitragvon Parasomnia » 31.07.2015, 12:43

Hallo,

es ist bedauerlich, dass unser Gespräch im anderen Thema offensichtlich, trotz aller Mühen, so überhaupt nichts gebracht hat. Ich weiß auch gar nicht, ob es so klug von mir ist, wieder darauf einzugehen, denn eigentlich dreht sich diese Diskussion nur im Kreis.

Und jetzt hab ich einen neuen Tick: Letztes Jahr im August hatte ich Durchfall. Jetzt sagt meine Angst mir, dass ich dieses Jahr ebenfalls wieder im August krank werde


Das ist kein besonderer Tick, es ist schlicht "magisches Denken", das viele Phobiker entwickeln, um das Unkontrollierbare durchschaubar zu machen. Wenn du in dem, was du nicht voraussehen kannst, plötzlich Muster entdeckst, die es für dich vermeintlich vorhersehbar machen, ist das eine Form von Beruhigung. Du willst nicht, dass dir etwas außer Kontrolle gerät, du willst nicht, dass du einer Erkrankung ausgeliefert wärst. Dieselben Gedanken hatte ich als Kind auch: Ich war jetzt einmal krank und habe mich übergeben, das nächste mal passiert das nicht, dafür wird die übernächste Erkrankung dann aber wieder mit Kotzen sein und die danach nicht. Eine Weile stimmte das sogar, was mich noch darin bestärkte, dass das so läuft. Unnötig zu sagen, dass das Quatsch ist. Genauso, wie es Unsinn ist, dass man bestimmt genau ein Jahr nach einer Erkrankung wieder krank werden wird. Womöglich noch am selben Tag. Selbst WENN das passierte und es dir an diesem speziellen Tag schlecht ginge, kann ich dir sagen, was es höchstwahrscheinlich sein wird: nicht deine übersinnlichen Fähigkeiten, sondern eine selbsterfüllende Prophezeiung. Oder schöner im Englischen: eine selffulfilling prophecy. Man kann etwas auch so lange herbeireden und -denken - besonders psychosomatische Beschwerden! -, dass es dann auch tatsächlich eintritt. Hier kann man das auch nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Selbsterf ... ophezeiung (dort geht es zwar um das Verhalten eines anderen, das erzwungen wird, derselbe Mechanismus wirkt aber auch bei körperlichen Beschwerden, die man durch irgendwelche Pseudo-Begründungen erzwingt)

und bin so beeinflussbar, dass allein der Satz "es ist psychisch bedingt" mich besser fühlen lässt.


Wenn dieser Satz dich besser fühlen lässt, warum diskutierst du dann immer wieder dagegen an, wenn wir dir hier sagen, dass deine Beschwerden psychisch bedingt sind? Dann könntest du doch eigentlich ganz beruhigt sein. Ich kann dir nur immer wieder raten: Beschäftige dich damit, wie Angststörungen funktionieren und welche Symptome sie mit sich bringen!(insbesondere natürlich die Emetophobie) Solange du das nicht tust, wirst du immer wieder psychische wie körperliche Symptome missinterpretieren und das bietet den perfekten Nährboden, um sich noch mehr reinzusteigern. (siehe "hellsichtige Fähigkeiten").

Ein sehr gutes Buch übrigens: http://www.amazon.de/Emetophobie-Erbrec ... metophobie

Wenn du dich schon unentwegt mit dir selbst und deinen Symptomen beschäftigen musst, würde ich dir raten, du tust es konstruktiv.
Es kommt dazu - trotz alledem -, dass sich die Furcht in Widerstand verwandeln wird - trotz alledem.
(Hannes Wader)

Let me forget about today until tomorrow.
(Bob Dylan)


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