Die eingebildete Kranke

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ichbindeinalbtraum
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 19.07.2015, 10:22

Och komm, ist es nicht offensichtlich, dass gegen die Phobie GAR NICHTS unternommen wurde? Hätte ich nach einer erfolgreichen Therapie solche kranken Gedanken? Nee, eben nicht. Nichts hat es gebracht, gar nichts. Und ich bin NICHT 24/7 damit beschäftigt, Symptome zu googlen, das mach ich wenn überhaupt nur dann, wenn ein Symptom sich für mich "neu" anfühlt. Aber da ich mittlerweile alle Krankheiten durch habe, lass ich es sein. Und ich will mir nicht wieder zwanghaft irgendein Hobby suchen, das mir nach 2 Wochen sowieso auf die Eier geht, weil ich durch die beschissene Angst nichts auf die Reihe kriege. Hab dieses Thema eigentlich eröffnet, weil ich mir erhofft hab, dass hier jemand ist, dem es genauso geht, aber jo eh eh... dann geht ihr lieber nicht drauf ein.

mimi
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon mimi » 19.07.2015, 11:32

Ich hoffe, ich hab das nicht überlesen, aber darf ich fragen, wie lang du in Therapie warst, was dort genau behandelt wurde und aus welchem Grund du so "viele" Therapeutenwechsel hinter dir hast? Wie lang warst du jeweils bei den einzelnen?

Bitte sei nicht böse, wenn ich das sage, aber auf mich wirkt es so, als würdest du die Angst ganz gern "vorschieben" - "ich will mir kein Hobby suchen, ich bekomms wegen der angst eh nicht hin", "ich Brauch keinen anderen Tagesablauf versuchen, mir ist ja wegen der Angst eh schlecht und dann gehts nicht",.. das kann ich verstehen, aber so kommst du nicht weiter.

Du kannst das gut und gern mit einer körperlichen Krankheit vergleichen, auch wenn du körperlich gesund bist - und offensichtlich bist du das ja. Aber wenn du die Treppe runterfällst und dir ein Bein brichst, bleibst du da auch nicht liegen und wartest darauf, dass du plötzlich wieder laufen kannst. Du gehst zum Arzt, lässt es behandeln, gehst zur Krankengymnastik, machst Übungen - wirst AKTIV, anstatt dich nur hinzusetzen und zu hassen, was jetzt plötzlich alles nicht geht und dich damit abzufinden.

Übrigens glaube ich, dass es den meisten hier so ging oder geht - das hat parasomnia ja schon ziemlich deutlich beschrieben. Fakt ist aber, dass es dir eigentlich nichts bringt, zu wissen, wer sich hier welche Symptome eineinbildet und ergooglet (meine Lieblings-Krankheit bei PMS übrigens Blinddarmentzündung und ich habe zeitweise alle 10 Minuten Blinddarm-Tests gemacht). Es bringt dich nicht weiter. Ebenso wenig wie blindes Verständnis und Kopf-streicheln. Das ist halt und scheiße, aber letztendlich bist du es, die was für sich tun muss - ungeachtet von Mitleid und symptomen anderer.

Viel Glück.
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Simone » 19.07.2015, 12:24

Also erstmal glaube ich, dass fast jeder von uns das durchgemacht hat, was du gerade durchmachst. Ich war auch zeitweise nicht in der schule, hab mein Abi nur mit ach und Krach geschafft. In der Ausbildung wurde es dann viel besser. Mein Therapeut meinte damals, dass ich auch einfach die Schnauze voll hatte von schule und das ich mit einem neuen Ziel, nämlich die Ausbildung zu schaffen auf komplett andere Gedanken gekommen bin.

Ein paar Jahre später ging es mir plötzlich wieder schlechter und dann war ich 5 Monate nicht arbeiten. Während dieser Zeit war ich auch stationär und teilstationäre in Behandlung. Und ein Therapeut hat mein Leben verändert !! Er fragte mich mal in einer Sitzung, was ich denn mache damit es mir besser geht und ich sagte dann Zuhause bleiben und DVD gucken dann geht es mir gut. Er guckte mich nur und sagte ok dann machen wir die entlassungspapiere fertig wenn es ihnen doch Zuhause gut geht dann muss ich sie hier nicht behandeln (da steckte natürlich noch mehr hinter aber wäre zu viel das alles aufzuschreibem). Nach diesem Satz bin ich völlig ausgerastet und hab ihn aufs übelste beschimpft und sogar Schläge angedroht. Er lächelte nur und sagte jetzt können wir mit der Therapie beginnen.

Er hat mir damit klar gemacht, wie sehr ich es hasse nix machen zu können. Kein sozialleben zu haben, keine Lebensqualität etc. Er war es auch der mir geraten hat von Zuhause auszuziehen. Ich war 25 und hing sehr an meinen Eltern. Problem war aber auch dass meine Eltern mir alles haben durchgehen lassen + mir den a**( nachgetragen haben. So hatte ich genug zeit mich in meine Angst rein zu steigern.

Das ist jetzt 5 Jahre her, vor 4 Jahren bin ich ausgezogen und es war verdammt hart am Anfang aber heute kann ich alles machen weil ich gemerkt habe wie viel schöner es ist sich nicht nur auf die Emo zu konzentrieren
Angst selbst zu kotzen habe ich gar nicht
Übelkeit hab ich ebenfall nicht mehr, einzig die darmprobleme sind geblieben aber auch damit kann ich umgehen. Naja und die fremdkotz Emo ...

Glaub mir es gibt einen weg du musst nur bereit sein aus feinem Schneckenhaus raus zu kommen und zu sehen, dass du eben nicht brechen musst wenn du zur schule gehst etc und das ist soviel schöner als die Emo

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Parasomnia » 19.07.2015, 12:57

Och komm, ist es nicht offensichtlich, dass gegen die Phobie GAR NICHTS unternommen wurde? Hätte ich nach einer erfolgreichen Therapie solche kranken Gedanken? Nee, eben nicht.


Irgendwas muss ja bei 12 Therapeutengesprächen und einem stationären Aufenthalt im Hinblick auf die Phobie besprochen worden sein. Wenn gar nichts unternommen wurde, musst du dich ja nicht wundern, dass psychologische Hilfe nichts bewirkt hat. Und wenn du auf Vorschläge und Einwürfe eines Therapeuten genauso reagiert hast wie hier, nämlich mit Trotz und Abwehr, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Hilfe ins Leere gelaufen ist. Du hast dieses Thema eröffnet, um über körperliche Probleme zu sprechen. Okay, die haben oder hatten wir alle in mehr oder weniger großem Ausmaß. Mir ist jedenfalls nichts fremd von dem, was du hier geschrieben hast. Aber sich seitenlang darüber auszulassen, was alles wann und wie und wo weh tut, Übelkeit verursacht, Schwindel, Schmerzen oder weiß der Geier, ist genauso wenig zielführend wie Symptome googeln. Du kannst es jetzt nicht sehen, das ist Teil der Krankheit, aber ich versuche dir zu helfen. Und das tue ich nicht, indem ich mit dir gemeinsam über das schwere Los klage, was dich getroffen hat. Du bist nicht so ohnmächtig wie du dich machst.

Und ich will mir nicht wieder zwanghaft irgendein Hobby suchen, das mir nach 2 Wochen sowieso auf die Eier geht, weil ich durch die beschissene Angst nichts auf die Reihe kriege.


Du sollst dir nicht ZWANGHAFT ein Hobby suchen. Ich bin einfach davon ausgegangen (vielleicht naiv), dass du IRGENDWELCHE Interessen außerhalb der Angst hast. Wenn selbst das nicht mehr der Fall ist, wäre das sehr bedauerlich. Und ich muss meiner Vorrednerin zustimmen: man kann die Angst auch hervorragend vorschieben, um nichts verändern zu müssen. Alles geht eben nicht, wegen der Angst. Man kann, wegen der Angst, eben nur noch rumsitzen und sich mit der Angst beschäftigen. Und das macht die Angst immer größer. Du fütterst sie damit, jeden Tag, den du damit verbringst, über sie nachzudenken. Das kann nur durchbrochen werden, indem du auch mal etwas anderes tust. Du hast im Augenblick das Gefühl, dass die Angst dich beherrscht und dass du völlig machtlos ihr gegenüber bist. Aber das stimmt nicht. Im Augenblick ergibst du dich ihr. Das ist das Problem.

Ich leide seit sicherlich 20 Jahren an Emetophobie und für mich hat sich einiges verändert. Weil auch ich mich verändert habe. Die Dinge werden nicht irgendwann auf magische Weise besser, du wirst schon etwas dafür tun müssen.
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 19.07.2015, 14:12

Ich schiebe die Angst sicher nicht vor, um irgendwas nicht tun zu müssen. Zu allererst sind mit der Angst verbundene Zwangsgedanken da, die mich schon oft genug daran hindern, bestimmte Dinge zu tun, weil ich ja dann "kotzen muss". Wenn ich die Gedanken dann ignoriere, kommen die körperlichen Symptome. Die sind dann so stark, dass ich stellenweise fest davon überzeugt bin, mich angesteckt zu haben. Dann wird das ein Teufelskreis aus total gestörten Gedanken und Träumen, die mich dann vollkommen im Glauben lassen, ich hätte mich angesteckt. Dann geht's mir psychisch so dreckig, dass ich nichts mehr machen will. Tut mir ja schrecklich leid, dass ich in dem Zustand keinem Hobby nachgehen kann und mich zwangsläufig mit der Angst beschäftige. Ich könnt während dem Schreiben schon weinerlich werden, weil ich was geträumt hab und wieder mal von einer Ansteckung überzeugt bin.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Parasomnia » 19.07.2015, 14:38

Du magst die Angst nicht bewusst vorschieben, dennoch dient sie als Entschuldigung, sich keinen Millimeter aus eigener Kraft von der Stelle zu bewegen, an der man eben gerade ist. Du musst mir nicht immer und immer wieder erklären, wie das bei dir ist. Letztlich erklärst du mir die Mechanismen einer Angststörung und die kenne ich aus eigener Erfahrung bereits. Ich glaube dir, dass das bei dir so ist wie du es eben beschreibst. So ist es bei nahezu allen Emetophobikern. Dass die körperlichen Beschwerden kommen, wenn du die Angstgedanken ignorierst, ist ganz normal. So funktioniert Angst. Wenn du dir die Angst als Person vorstellst, ist es ihr Ziel, deinen Lebensradius so weit wie möglich einzuschränken. Sobald du dich also aus diesem engen Korsett aus Angst und Symptomen zu befreien versuchst, werden die Symptome stärker. Klingt jetzt unbarmherzig, aber: Da muss man durch. Man kann es langsam angehen lassen, sehr langsam. Wie schon mehrmals gesagt, aber es bleibt ja deinerseits unkommentiert: Spazierengehen und sei es nur einmal um den Block, aktiv werden, sich meinetwegen auch mit der Funktionsweise von Angststörungen beschäftigen statt mit Symptomen. Wenn man erst einmal versteht, wie die Angst funktioniert, kann man sie deutlich besser entlarven. Es kämpft sich besser gegen einen Gegner, den man kennt. Wie gesagt: das Umfeld einbinden, Unterstützung für die ein oder andere Unternehmung einfordern, die man allein vielleicht nicht bewältigen kann.
Aber eines hat langfristig noch niemanden gerettet: Selbstmitleid und Trotz.

Und: Es ist enorm schwierig, sich mit jemandem auszutauschen, der gefühlt 80 % dessen, was man schreibt und fragt, in seiner Antwort einfach ignoriert.
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 19.07.2015, 15:48

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr wirklich, was ich darauf noch antworten soll. Vielleicht fehlt meine Vorgeschichte, um Verständnis für mich aufzubringen. Ich hab schon so oft versucht, gegen die Angst anzukämpfen, hab mir Pläne erstellt, wie ich am besten "unbeschwert lebe" und am Ende waren das dann Zwangsgedanken, die so weit gegangen sind, dass ich sogar im Unterricht 99% der Zeit mit dem Wiederholen komischer Sätze beschäftigt war. Alleine komm ich aus dem Teufelskreis nicht raus, selbst wenn ich es versuchen würde, was will ICH machen, wenn ICH was träume und ICH dann überzeugt bin, krank zu sein? Alleine kann ich mir nicht helfen. Und wenn ich in solchen Foren schreibe, ist das pure Verzweiflung und ein bisschen die Suche nach Bestätigung, dass ich offiziell einen an der Klatsche hab.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon dariusbritt » 19.07.2015, 15:59

ichbindeinalbtraum hat geschrieben:was will ICH machen, wenn ICH was träume und ICH dann überzeugt bin, krank zu sein? Alleine kann ich mir nicht helfen.


Andersrum: Nur du kannst dir helfen. Nur du kannst aktiv gegen die Angst angehen, indem du dich überwindest (und ich rede nicht davon, dass du dir direkt die allerschlimmste Situation, die du dir vorstellen kannst raussuchen sollst und dass du die lockerflockig angehen sollst). Nur du kannst versuchen, dein Denken aktiv zu beeinflussen.

Ich glaube dir, dass du verzweifelt bist. Wirklich. Wie Parasomnia gesagt hat haben hier so gut wie alle genau diese Gedanken, diese Verhaltensweisen, diese "Entschuldigungen" und Ausflüchte, diese Symptome durchlebt. Es ist bei mir noch gar nicht so lange her, nicht mal ein Jahr, da habe ich fast 1:1 die selben Begründungen hervorgebracht, warum ich dieses oder jenes nicht kann. "Ich kann ja nicht, ich hab doch Angst vor allem!" Aber nein. Du versuchst es ja (anscheinend - du gehst ja nicht wirklich auf die Fragen nach deinem Tagesablauf abgesehen vom Symptomegooglen ein) gar nicht.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 19.07.2015, 16:36

Mein Tagesablauf besteht aus Handynutzung, Fernsehen und/oder bei Verwandten sitzen. Bei allem bin ich mit den Gedanken nicht wirklich dabei, die Gedanken sind immer bei der Angst. Ach ja, dann kommen tagsüber noch ab und zu ein paar Panikattacken und das war's dann. Seitdem ich nicht mehr in der Schule bin, besteht mein Tag aus leider nicht mehr als dem, was ich hier aufliste. Tut mir schrecklich leid.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Parasomnia » 19.07.2015, 17:58

Was ich mich in diesem Gespräch zusehends frage: Was erwartest du eigentlich von uns?

Und wenn ich in solchen Foren schreibe, ist das pure Verzweiflung und ein bisschen die Suche nach Bestätigung, dass ich offiziell einen an der Klatsche hab.


Falls du das ernst meinst, ist es ziemlicher Unsinn. Ich könnte jetzt natürlich schreiben: Jo, nach landläufiger Meinung derer, die nie mit psychischen Krankheiten in Kontakt gekommen sind, hast du wahrscheinlich nicht mehr alle Latten am Zaun. Du schreibst aber hier in einem Forum, wo alle dieselbe Angst eint und vermutlich dieselben Erfahrungen. Mindestens jedenfalls sehr ähnliche. Da wird niemand schreiben: Achja, du bist völlig bekloppt und vermutlich körperlich auch ziemlich schwer krank, auch wenn dir kein Arzt den Gefallen tut, das zu diagnostizieren. Das kannst du nicht allen Ernstes von uns wollen, verlangen und wünschen. Wahrscheinlich ist das schlicht eine Schutzbehauptung.

Dass du dich ganz allein nicht aus dem Sumpf ziehen kannst, ist übrigens völlig klar. Was meinst du, warum ich von meiner ersten Antwort an zu professioneller Hilfe geraten habe? Die angeblich nichts gebracht hat, sagst du. Als ich dich dann gefragt habe, was denn gegen die Phobie in therapeutischem Rahmen getan wurde, antwortest du mir mit: Nichts wurde getan. Naja, klar dann, dass es nichts gebracht hat, oder? Du wirst dein Problem nicht allein lösen, das ist wahr, aber du wirst es sicherlich gar nicht lösen, wenn du nicht selbst etwas dazu beiträgst. Da kann dir der fähigste Therapeut gegenübersitzen, wenn du genauso alles abwehrst wie du es hier tust, sämtliche Fragen ignorierst, die irgendwie zu mehr Verständnis der Situation beitragen könnten ... dann wird dir keiner helfen können.

Du hast zum Beispiel konsequent die Fragen ignoriert, wie denn deine Eltern auf das ständige Symptomgoogeln und Rumhängen reagieren. Sicherlich wollen sie da eigentlich nicht tatenlos zusehen. Du hast nicht auf meinen Vorschlag reagiert, dich mit Mechanismen der Angst auseinanderzusetzen, hin und wieder mal an die frische Luft zu gehen oder gemeinsam mit Verwandten etwas zu unternehmen, die von der Angst Bescheid wissen. Pläne zu erstellen, wie man unbeschwert lebt, ist übrigens ziemlich naiv. Und funktioniert wahrscheinlich bei niemandem. Unbeschwert leben ist so ein Wunschtraum, der sich selbst für die normalsten Menschen nicht immer erfüllt. Aber ja, in der Tat, es fehlen viele Informationen über deine Situation, weil du viele Fragen einfach nicht beantwortest. Man tippt sich die Finger wund und von dir kommt irgendein kurzer Absatz darüber, dass du das doch eh alles schon versucht hättest und alles so schlimm ist und wie schlimm es ist usw. Ich habe dich auch gefragt, ob du auf irgendeiner Warteliste für eine Therapie stehst. Keine Antwort. Ich habe mehrfach ne Klinik vorgeschlagen. Keine Antwort. Was mich dann zu der Annahme bringt: Du willst gar keine Hilfe hier, du willst nur Verständnis für eine schlimme Situation, aus der du dich nicht befreien kannst und auch kein anderer.

Aber deine Situation ist nicht einmalig, viele haben es bereits geschafft, sich aus Krisen zu befreien, indem sie hart an sich gearbeitet haben. Es gibt keinen Grund, weshalb du das nicht auch schaffen solltest. Aber im Augenblick arbeitest du nicht an dir, du versteckst dich. Und offenbar lässt dein Umfeld auch einfach geschehen, was da mit dir passiert.
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 19.07.2015, 20:17

Wie meine Eltern darauf reagieren fragst du? Okay. Erstmal müsstest du wissen, dass ich bei meiner Mutter lebe, ihr die Angst erst vor wenigen Wochen so wirklich "gebeichtet" habe und außerhalb meiner Panikattacken weder bei ihr noch bei meinen restlichen Verwandten auf Verständnis stoße. Im Gegenteil, Mutter und Oma haben sich heute sogar noch darüber lustig gemacht. Nein, ich stehe noch auf keiner Warteliste, aber ja, ich gehe zum Psychologen. Warum ich nicht in eine Klinik gehe? Weil die einzige Klinik, die hier für mich zuständig wäre, das Allerallerletzte ist. Ich melde mich auf 103929438 Seiten an, beschreibe meine Situation in der Hoffnung, dass es jemanden gibt, dem es ähnlich geht (weil, auch das hilft tatsächlich), habe 12 Psychologen und 2 Kliniken durch, aber um Gottes Willen keine Hilfe bekommen!!! Gegen meine Angst wurde bei den 12 Psychologen außerdem gar nix unternommen, weil es eben noch mehrere Probleme bei mir gibt, die in den Vordergrund gerückt wurden, aber um da durchzublicken, müsste man mich eventuell etwas besser kennenlernen.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Parasomnia » 19.07.2015, 20:29

Warum bist du eigentlich so dermaßen pampig? Wenn man Austausch wünscht, sollte man seinen Gesprächspartner nicht gleichzeitig vergraulen wollen. Wie hat deine Mutter sich denn lustig gemacht? Was hat sie gesagt? Zu was für einem Psychologen gehst du und seit wann? Wie oft? Was besprecht ihr da? Nun, es gibt keine Klinik, die explizit für dich "zuständig" ist. Es gibt Kliniken, die auf Angststörungen spezialisiert sind, für die muss man dann halt unter Umständen einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen. Aber zu sagen "Die einzige Klinik, die's hier gibt, ist scheiße, also ist Klinik keine Option" ist keine so richtig durchschlagende und überzeugende Begründung. Wir haben dir hier mehrfach geschrieben, dass uns nicht unbekannt ist, was du schreibst. Dass auch wir Dauerübelkeit kennen, Zwangsgedanken, monatelange Abwesenheit von Job/Schule/Ausbildung, was auch immer. Ich persönlich war nach meinem eigenen Klinikaufenthalt zeitweilig arbeitsunfähig geschrieben, auch ich kenne Phasen, in denen das Verlassen des Hauses schon einem Kraftakt gleichkam, den ich nicht jeden Tag bewältigen wollte. Welche anderen Probleme wurden denn in den Vordergrund gerückt? Und wolltest du das auch so? Im Moment scheint mir ja eher am dringlichsten, dass du wieder am Leben teilnehmen kannst. Was auch immer nun konkret an anderen Problemen hinter der Phobie stehen mag. Wenn du ständig davon sprichst, dass man dich für diese oder jene Einschätzung besser kennenlernen müsste, dann tu mir doch den Gefallen und antworte auf ein paar Fragen in diesem Beitrag a) ausführlicher als mit ein oder zwei Worten und b) bitte nur halb so pampig wie bisher, denn hier will dir niemand irgendwas Böses.
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Simone » 19.07.2015, 21:33

Was genau willst du denn bitte betätigt haben bzw was nutzt es dir?? Ich kann dir bestätigen was ich oben schon geschrieben habe, nämlich das es mir genau so ergangen ist. Monatelang nicht in der schule, häufig nur vor dem Klo gehockt und gewartet das ES passiert, dauerübelkeit, ständig panikattacken.... Co Abhängigkeit ä, Medikamente, viele Therapien ... ich könnte ewig so weiter machen, aber im Grunde genommen hilft es dir auch nicht weiter denn nur DU kannst was an deiner Situation ändern !!!

Ich dachte auch erst Medikamente und Therapie haben nix gebracht, aber mein Therapeut von dem ich bereits geschrieben hatte ging mir noch mehr aus dem Kopf bzw das was er zu mir gesagt hat. Ich habe dann angefangen an mir zu arbeiten, weil ich nicht wollte, dass der Rest meines Lebens aus im Bett liegen und DVD gucken besteht. Das war ein hartes Stück Arbeit, aber ich hatte ein Ziel und jetzt nach 5 Jahren bin ich fast da angekommen, aber auch nur weil ich was ändern wollte.
Es gibt kein Patentrezept für den weg aus der Emo.
Fang klein an, geh 5 Minuten vor die Tür und du wirst sehen du musst nicht kotzen. Geh in die Stadt, kauf dir ein Eis oder sonst was. Wenn du trotz Übelkeit los ziehst und nix passiert speichert dein Gehirn diese Erlebnisse.

Aber das wichtigste ist die professionelle Hilfe, vielleicht sogar medikamentös wenn es so akut ist... jeder hier schafft es auf eine andere Art und Weise.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 19.07.2015, 21:52

Ich war letzte Woche bei einem Psychiater, der mir dann gesagt hat, dass mein (zukünftiger) Psychologe meine Angst mit Sicherheit gut behandeln wird. In eine Klinik will ich auch deswegen nicht, weil ich spätestens zum Schulanfang wieder "bereit" bin für alles. Und so ein Klinikaufenthalt dauert immer mehrere Monate. Andere Probleme, die ich habe, und über die in erster Linie gesprochen wurde, sind: Traumata und wie ich damit fertig werde, selbstverletzendes Verhalten, mein Verhalten generell und wie ich wieder "normal" werde. So wie alle Teenies. Über die Angst hab ich nie gesprochen, zum einen weil ich nie gedacht hab, dass das ein echtes Krankheitsbild ist, zum anderen eben weil es nie wirklich dazu kam, das anzusprechen. Das hätte nur wieder einen neuen Stein ins Rollen gebracht und das wollte ich eigentlich vermeiden. Dass ich fremde Meinungen anfangs erstmal ablehne liegt daran, dass für mich nur meine eigene Meinung die Richtige ist. Vielleicht sollte ich mich einfach gerade raus als Borderlinerin bezeichnen, aber ich habe gehört, das schreckt ab.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Parasomnia » 19.07.2015, 22:05

Nur die eigene Meinung als die richtige anzusehen, hat aber nichts mit Borderline zu tun, sondern im Zweifelsfalle mit Engstirnigkeit oder Sturheit. Mich schreckt keine Borderlinediagnose. Was unter anderem auch daran liegt, dass sie heutzutage sehr sehr oft gestellt wird, auch wenn sie nicht unbedingt zutrifft. Dein Profil sagt, du bist 16. In diesem Alter wird normalerweise nicht gesichert eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Das soll deine Probleme jetzt nicht kleinreden, aber dir sagen: Womöglich bist du nicht ganz so krank wie du jetzt glaubst. Ich habe selbst mal die Diagnose "emotional instabile Persönlichkeitsstörung" bekommen, da war ich in deinem Alter. Heute würde mir das keiner mehr diagnostizieren. Ich habe mich damals auch selbst verletzt und kann aus heutiger Sicht, mit 26, nur sagen: Ich wünschte, ich hätte es nicht tun müssen. Das wird dich jetzt nicht augenblicklich abhalten, aber ich würde mich heute freuen, narbenfreie Arme und Beine zu haben. Du sagst, du willst zum Schulanfang wieder fit sein, verlässt aber im Augenblick nicht mal mehr das Haus. Wie willst du das in der vergleichsweise kurzen Zeit bis September schaffen? Ich befürchte, das ist keine Sache von ein paar Sitzungen.
Es kommt dazu - trotz alledem -, dass sich die Furcht in Widerstand verwandeln wird - trotz alledem.
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