Die eingebildete Kranke

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ichbindeinalbtraum
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Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 16.07.2015, 15:00

Hallo. Ich leide seit 6 Jahren unter meiner Emetophobie. Was anfangs nur von Übelkeit und Unwohlsein begleitet war, ist mittlerweile so schlimm, dass ich seit 3 Monaten nicht mehr zur Schule gehe. Mir war dort immer schlecht, besonders im Unterricht. Wenn mal jemand gefehlt hat, bekam ich sofort Panik, ich konnte nichts essen, wollte nach Hause und fühlte mich unwohl. Und unter diesen Umständen ist ein normaler Schulbesuch nicht mehr möglich gewesen. Seitdem ich zu Hause bin, hat sich mein Zustand allerdings extrem verschlechtert. Ich habe eine regelrechte Internetsucht entwickelt, suche dort immer wieder nach körperlichen Ursachen für meine Übelkeit und beschäftige mich den ganzen Tag mit meiner Angst. Ich mache mir selbst sogar Prophezeiungen, dass ich an bestimmten Orten kotzen muss, oder dass ich krank werde, wenn ich bestimmte Dinge mache oder eben nicht. Ich war vor einigen Wochen sogar so überzeugt davon, mich angesteckt zu haben, dass ich nächtelang mit Übelkeit wach lag. Meine letzte Prophezeiung war, dass ich kotze, wenn meine Tage kommen. Die sind jetzt da und wieder geht es mir schlecht. Ich wurde von allen Ärzten auf wirklich alles gründlich untersucht und das Ergebnis war, dass ich ein kerngesunder junger Mensch bin. Neben einer eventuellen stressbedingten Magenschleimhautentzündung vermuten alle Ärzte eine tiefliegende Ursache für meine Symptome. Und die waren in den letzten Wochen echt richtig schlimm. Müdigkeit, Unwohlsein, Speichelfluss, Brechreiz, Bauchschmerzen, Schwindel, Schweißausbrüche, Zittern, Kribbeln in den Beinen, Muskelzucken, Mundtrockenheit und natürlich die immer vorhandene Übelkeit. Auch jetzt suche ich immer noch nach körperlichen Ursachen, aber da ist einfach nichts zu finden. Ich bin kerngesund, habe ein super gutes Immunsystem und doch mache ich mir so viele Gedanken. Während ich das hier schreibe, habe ich auch Zwangsgedanken, die mit der Angst verknüpft sind und mir sagen, was ich schreiben darf und was nicht, und wehe ich tu es doch, dann kotze ich natürlich. Es ist wirklich schlimm, egal wie es mir geht, was ich fühle, sehe, schmecke, rieche - ALLES assoziiere ich mit Erbrechen. Und was noch viel schlimmer ist: Ich habe den Bezug zur Realität vollkommen verloren. Ich denke nicht mehr logisch. Egal wie ich mich fühle, meine Angst sagt mir "Genauso ging's dir damals als du kotzen musstest" und schon kommt die nächste Panikattacke. Dagegen wurde mir Opipramol verschrieben. Besserung ist keine eingetreten, außer dass ich von dem Zeug so müde werde, dass ich einschlafe. Ich habe gestern, nach 2 Monaten meine Periode wieder bekommen und naja, dementsprechend fühle ich mich jetzt nicht so gut. Ich habe so oft gehört, dass die Psyche das alles Schuld ist und meine Familie reagiert gar nicht mehr auf meine Prophezeiungen und Überzeugungen, dass ich mich angesteckt habe. Daher meine Frage an euch: Leidet noch jemand an körperlichen Symptomen? Wenn ja, welche sind das? Wurdet ihr körperlich durchgecheckt? Und kann die Psyche sowas echt auslösen?

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Parasomnia
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Parasomnia » 16.07.2015, 16:36

Hallo ichbindeinalptraum,

ja, die Psyche kann solche körperlichen Symptome auslösen! Ich hatte vor einigen Jahren auch Phasen von Dauerübelkeit, konnte wegen schlimmstem Sodbrennen nichts mehr essen, selbst von Kräutertee bekam ich Magenschmerzen. Eigentlich bestand mein Leben nur noch aus körperlichen Symptomen und deren Vermeidung. Ich war immer wieder bei Ärzten, habe eine Magenspiegelung und Intoleranztests machen lassen, alles war soweit in Ordnung. Ich habe säurehemmende Tabletten verschrieben bekommen, die alles nur noch schlimmer gemacht haben. Offensichtlich bist du körperlich wirklich kerngesund. Wie ich es auch gewesen bin. Und du solltest dringend anfangen, diese Erkenntnis langsam zu akzeptieren. Wer den ganzen Tag nur zuhause sitzt und nach seinen Symptomen googelt: ganz ehrlich, dem kann es früher oder später nur so richtig beschissen gehen. Besonders, wenn er zur Hypochondrie neigt und das tun in gewisser Weise ja viele Emetophobiker, indem sie jedes körperliche Ziepen als Vorbote einer schweren Magen-Darm-Grippe deuten.

Angesichts der Tatsache, dass du nicht mehr zur Schule gehst, deine Tage offensichtlich nicht mehr regelmäßig bekommst, weil du zu wenig isst usw., solltest du überlegen, dich stationär behandeln zu lassen. Oder wenigstens so schnell wie möglich einen Therapeuten aufzusuchen. Allerdings sind die Wartelisten dort ja meistens so lang, dass du wahrscheinlich schneller an einen Klinik - als an einen Therapieplatz kommst. Dass deine Familie dir deine ständigen Prophezeiungen und Befürchtungen nicht glaubt, ist völlig richtig so. Aber: Wissen sie von deiner Angst und dass es tatsächlich eine anerkannte Phobie und kein Hirngespinst deinerseits ist? Wenn ja, sollten sie dich auf der Suche nach professioneller Hilfe dringend unterstützen. Und mit professioneller Hilfe meine ich freilich nicht noch mehr Ärzte, die sich um dein körperliches Befinden sorgen. Die Suche nach einer körperlichen Ursache für all die Beschwerden kann auch zur Sucht werden, obwohl es längst nichts mehr gibt, was noch dafür spräche. Weißt du denn noch, wie und warum deine Phobie begonnen hat?

Alles Gute.
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 16.07.2015, 20:55

Meine Phobie entstand durch ein Erlebnis, bei dem ich schätzungsweise 4-5 Jahre alt war und erbrechen musste. Ich hatte das relativ schnell verdrängt, erinnere mich aber auch daran, dass ich eine Freundin im Kindergarten jeden Tag fragte, ob sie meint, ich müsse kotzen. Demzufolge habe ich eigentlich seit ich denken kann ein gewisses Problem mit Erbrechen. Jetzt merke ich auch, dass ich viel früher etwas dagegen hätte unternehmen sollen. Aber ich hätte auch ehrlich gesagt nie gedacht, dass das mal so extrem wird. Meine Familie erkennt schon, dass es was Ernstes ist, aber ich glaube, sie können sich einfach nicht in meine Lage hineinversetzen und wissen nicht, wie einschränkend das Ganze wirklich ist. Was mir am meisten zu schaffen macht, sind die körperlichen Symptome. Ich suche immer und immer wieder nach körperlichen Ursachen, weil ich nicht glauben will, dass meine eigene Psyche mir mein Leben dermaßen ruiniert. Ich habe sämtliche Blutuntersuchungen, Ultraschall, Magenspiegelung, Allergietests, Schilddrüsenuntersuchungen, EKG, Langzeit-Blutdruck, Blinddarmuntersuchung und sogar einen Einlauf hinter mir - nichts, alles in Ordnung. Und dann suche ich im Internet nach irgendwelchen chronischen Erkrankungen, weil ich einfach nicht davon überzeugt bin, dass die Psyche so mächtig ist. Wenn du magst, kannst du deine Symptome ja mal näher beschreiben, oder deine Phobie generell. Wir können auch gerne privat schreiben, wenn du möchtest.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Parasomnia » 17.07.2015, 10:41

Hallo ichbindeinalbtraum,

dieses Ereignis damals war wahrscheinlich der Auslöser, nicht aber die Ursache. Negative Erlebnisse mit dem Erbrechen wird jeder schonmal gehabt haben, daraus entwickelt sich aber mitnichten bei jedem eine Phobie. Was bedeutet: Es gibt andere Variablen, die das Entstehen einer Angsterkrankung, explizit der Emetophobie, begünstigen. Meistens sind das soziale Ängste, Ängste vor Kontrollverlust, mangelndes Selbstvertrauen. Was es nun ganz akut bei dir ist, wirst du dir nur selbst im Laufe einer professionellen Behandlung beantworten können. Die wird aber voraussetzen, dass du dich intensiv mit dir selbst beschäftigst, nicht nur mit deinen Symptomen. Denn wenn du nicht die Ursache bekämpfst, sondern immer wieder nur die auftretenden Symptome, wird es dir wahrscheinlich nicht besser gehen. Dass deine Familie sich nicht in dich hineinversetzen kann, im Sinne von nachfühlen kann, wie es dir tatsächlich ergeht, ist klar. Das kann vermutlich niemand, der nicht selbst unter dieser oder irgendeiner anderen Phobie leidet. Aber sie können dich vielleicht auf der Suche nach einem Therapie - oder Klinikplatz unterstützen, wenn sie wissen und verstehen, dass das eine Krankheit ist. Keine körperliche zwar, aber das ist ja egal. Wie ich schon sagte: Such dir dringend therapeutische Hilfe! Du musst aus dieser Situation raus, in der du 24/7 nur um deine körperlichen Beschwerden kreist.
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon dariusbritt » 17.07.2015, 21:41

Haben deine Eltern schon einmal erlebt, wie du eine Panikattacke hattest? Bzw hast du denn wirklich Panikattacken, so mit Hyperventilation etc?

Meine Eltern haben sich auch wirklich schwer getan damit, zu verstehen, wie groß die Angst eigentlich wirklich ist. Erst als sie eine richtige Panikattacke miterlebt haben, haben sie angefangen zu verstehen, dass das für mich wohl doch etwas schlimmer ist, als bloßer Ekel. Da waren sie dann auch bereit, einen Therapeuten mit mir zu suchen.

Wo ich bei dir auch ein großes Problem sehe ist, dass du jetzt den ganzen Tag zu Hause bist und wirklich auch die Zeit hast, dich so ausgiebig mit dir selbst zu beschäftigen. Ich kenne das von mir selbst. Wenn ich nicht zu tun habe, fällt mir jedes Bauchgrummeln negativ auf und ich fange sofort an nachzudenken, was ich getan habe, wo ich war, ob ich mir immer die Hände gewaschen habe etc. Auch wird die Angst in der Schule nicht besser, wenn du die Situation vermeidest - im Gegenteil! Aber natürlich verstehe ich auch, dass die Hürde vielleicht momentan etwas zu groß ist, um sie allein zu nehmen.

Bitte such dir so schnell wie möglich irgendwie Hilfe, sonst wird es immer schlimmer.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 17.07.2015, 23:11

Ja, ich denke, dass die fehlende Ablenkung das Ganze enorm verschlimmert. Ich beschäftige mich einfach 24 Stunden am Tag mit der Angst und meinen Symptomen, suche krampfhaft nach körperlichen Ursachen und finde einfach keine. Verdächtige zwar noch die Schilddrüse, aber da sind alle Werte in Ordnung. Meine Periode ist 2 Monate ausgeblieben und ich hatte extreme prämenstruelle Symptome, die sich durch das ständige Googlen nach Krankheiten natürlich verschlimmert haben. Jetzt sind meine Tage endlich gekommen und ich hatte starke Schmerzen, verbunden mit Übelkeit und einer heftigen Panikattacke. Jetzt sind fast alle prämenstruellen Symptome verschwunden, aber dafür habe ich seit gestern Brechreiz. Das Problem ist, dass es mir schwer fällt, zu glauben, dass das alles psychisch bedingt ist. Aber ich war heute noch beim Arzt und jetzt ist wirklich bis auf den gynäkologischen Aspekt ALLES abgeklärt und wirklich ALLES ist bestens bei mir. Ich kann und will es nicht auf die Psyche schieben. Hat jemand von euch ebenfalls psychisch bedingten Brechreiz oder andere Symptome?

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Parasomnia » 18.07.2015, 08:38

Hallo,

nimm es mir nicht übel, aber: liest du überhaupt, was wir dir schreiben? Bisher bist du in keinem Beitrag auf den Rat eingegangen, dir professionelle psychologische Hilfe zu holen. Stattdessen redest du immer wieder von deinen körperlichen Symptomen und Arztbesuchen und dass du nicht glaubst, dass das alles psychisch bedingt ist. Obwohl doch längst alles abgeklärt ist. Nochmal: JA, es gibt auch psychosomatisch bedingten Brechreiz. Die Psyche kann sämtliche körperliche Symptome auslösen, besonders wenn man so dermaßen fixiert darauf ist und sich so dermaßen reinsteigert wie du. Hätte ich 24/7 am Tag Zeit, im Internet Symptome zu googeln, hätte ich demnächst wahrscheinlich fast alles davon - ohne körperlichen Befund natürlich. Du klammerst dich an diese körperlichen Symptome als wären sie deine Rettung, als wäre alles vorbei, wenn du nur endlich die richtige Krankheit gefunden hättest, die all das auslöst. Aber ich kenne deine Krankheit schon: Emetophobie und eine extrem hypochondrische Ader! Wenn du nicht beginnst, das einzusehen, kann dir niemand helfen. Du hast schon so viele Ärzte und Untersuchungen durch: Was hast du zu verlieren, wenn du dich jetzt mal um den psychischen Aspekt kümmerst? Probier es und stell dir einfach vor, es wäre eine weitere Untersuchung. Ich glaube, du scheust dich nicht so sehr davor, weil du glaubst, es könne gar nicht psychisch bedingt sein, sondern weil du Angst hast, womit du dich womöglich konfrontieren musst. Weil du Angst hast vor den Wahrheiten, die die Emetophobie womöglich vertuscht.

Übrigens: Es ist schön, dass der Name deines Themas hier im Forum ein Rückgriff auf Molières gleichnamiges Stück ist. Der alte Herr im Stück war allerdings auch nicht körperlich krank. Vielleicht solltest du darüber nachdenken.
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon dariusbritt » 18.07.2015, 14:24

Auch die gynäkologischen Befindlichkeiten können von der Psyche enorm beeinflusst werden. Ich spreche da aus Erfahrung.
Als ich selbst noch so tief im Sumpf aus Emo und Depressionen gesteckt habe, blieb meine Periode ganze 5 Monate aus. Die Ursache? Stress. Und das ist nämlich etwas, was mir da nie richtig bewusst wurde: Stress hat man nicht nur, wenn man mehr Stunden am Tag arbeitet, als man frei hat, oder so viele Termine hat, dass man sich eigentlich vierteilen müsste um sie alle wahrnehmen zu können. Stress kann man auch haben, wenn man den ganzen Tag im Bett lieg oder rumsitzt. Zu schlechten Zeiten habe ich trotz täglich 5 Mahlzeiten und NULL Bewegung so viel abgenommen, dass ich beinahe ins Krankenhaus gemusst hätte, weil ich mich mit meinen Gedanken psychisch so gestresst habe, dass es meinen Körper so viel Energie gekostet hat.

Und auch heute merke ich es noch: Habe ich viel Stress (sei es durch 'äußere' Einflüsse wie Zeitdruck oder durch die Anget), habe ich schlimme Probleme mit PMS und auch stärkere Regelschmerzen. Bin ich selbst ausgeglichener, werden diese Probleme auch besser.

Was auch eine Ursache sein kann, ist mangelnde Bewegung. Ich schätze, du bekommst davon nicht allzu viel? Sport, selbst wenn es "nur" so etwas wie Yoga ist, kann nicht nur deine gynäkologischen Probleme sehr positiv beeinflussen, sondern auch die psychischen. Wie gesagt, du musst keinen Marathon laufen oder Gewichte heben bis zur Erschöpfung. Einfach nur etwas, das dich in Bewegung und raus aus der gedanklichen Welt der Krankheiten und Ängste bringt. Den Schweinehund zu überwinden ist, was das angeht, für alle eine große Herausforderung. Aber es ist eine, der du dich stellen kannst, ohne deinen Ängsten direkt ins Gesicht zu blicken und die dich trotzdem einen Schritt weiter und ein kleines Erfolgserlebnis spüren lassen kann.
Und du hast nichts zu verlieren. Wag es!

Nichts desto trotz muss ich mich auch Parasomnia anschließen und ebenfalls noch einmal darauf pochen, dass du dir professionelle Hilfe suchen solltest. E wirklich auffällig ist, wie sehr du dich daran klammerst, dass es etwas körperliches sein muss.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 18.07.2015, 17:20

Um das mal klarzustellen: Ich war bisher bei insgesamt 12 Psychologen, einmal in stationärer und anschließend in teilstationärer Behandlung. Was hat es gebracht? Richtig, nichts. Warum ich mich an körperliche Ursachen klammere? Nun ja, damals bei meinem traumatischen Brecherlebnis war ich tatsächlich mal körperlich krank und momentan ist es stellenweise so, dass meine Angst mir suggeriert, ich würde mich ganz genau so fühlen wie damals, bei diesem Erlebnis, als ich als Kind erbrechen musste. Andererseits will ich auch nicht so richtig wahrhaben, dass meine eigene Psyche mir mein Leben dermaßen versaut. Ich weiß, dass ich körperlich gesund bin, aber ich kann trotzdem nicht glauben, dass die Psyche sowas kann. Meine Gedanken sind teilweise übrigens viel schlimmer als alles, was ich an körperlichen Symptomen nennen kann. Die Angst geht in Gedanken nämlich so weit, dass ich denke "Wenn ich das und das mache, muss ich kotzen; wenn ich da und da hinfahre, muss ich kotzen." Ich mache mir Prophezeiungen, wann, wo und wie ich das nächste Mal kotzen werde, ich denke an nichts anderes mehr als potenzielle Infektionen, ich träume vom Kotzen, fühle mich krank, rede mir das ein, werde - genau wie damals übrigens - total weinerlich und verliere jeglichen Bezug zur Realität, was das Erbrechen betrifft. Ich kann einfach nicht glauben, dass ausgerechnet MIR immer so schlecht ist, wo ich doch ausgerechnet DAVOR solch eine Angst habe. Dann müsste meine Psyche mich eigentlich eher davor bewahren. Aber nein, mir geht es richtig beschissen, und zwar genau "wie damals" und da war ich krank. Die Angst ist ein richtiger H*rensohn.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Feldweg » 18.07.2015, 17:55

Hallo

Ich würde gern Parasomnias Worte nochmal aufgreifen, denn sie sind so wunderbar deutlich: " .....Weil du Angst hast vor den Wahrheiten, die die Emetophobie womöglich vertuscht....."

Keiner will Dir hier zu nah treten. Und wir alle, jedenfalls die allermeisten hier kennen die schrecklichen Gefühle und Befürchtungen, die die EMO mit sich bringt - mitbringen kann.

Auch aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass die PSYCHE ganz unglaubliche Symptome verursachen kann. Welche, die man - solange man nicht selbst die Erfahrung macht - für vieeeel zu krass hält, als das sie " nur" auf die Psyche hindeuten - also ein " psychisches Problem ".

Mir war 4 Jahre!!!!!!! dauerübel. 4 Jahre! ohne einen einzigen Tag Unterbrechung. An manchen Tagen so dermaßen schlimm, dass ich mich im Bad aufhielt, den ganzen Tag. ( ich KÖNNTE ja ...... ) . Entsprechend sah meine damalige Lebensqualität aus.
Aus meiner Sicht ist die " Angst " kein Feind - sondern ein sehr sehr wertvoller Helfer, ein Fingerzeig, sich den vielleicht WIRKLICH anstehenden Problemen zu widmen. Und genau das ist der Charakter der Emetophobie: die massive Angst legt sich über alles andere, frisst all Deine Aufmerksamkeit für sich um Dich ja davon abzuhalten DAHINTER zu schauen. Sie ist sozusagen ein " Puffer " - zwischen Dir - und dem, WORUM ES WIRKLICH GEHT " Die angst will angenommen werden! Du musst sie nicht MÖGEN :ja: nein!!!!!!! aber in dem Maße, wie Du Dich traust, sie anzunehmen - für den Moment zu akzeptieren - wird sich Dir vermutlich nach und nach erschließen, WAS SIE DIR SAGEN WILL, die Angst. Solange der Focus auf der VERMEIDUNG liegt, " fütterst Du Deine Angst" - denn das, was wir NICHT haben wollen, also NICHT annehmen, will dennoch GESEHEN werden - und sich umso stärker bemerkbar machen ( mehr Panik )

Versuch es . erst NACH der Annahme, dessen, WAS IST - können wir den ungeliebten Zustand ÜBERFLÜSSIG MACHEN.

LG

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 18.07.2015, 18:17

Ich kann gerne wiederholen, dass ich bereits bei 12 Psychologen war und der Blick "hinter die Fassade" mich nicht wirklich weiter gebracht hat. Ich würde nur zu gerne wissen, aus welchem Grund ich mich durch meine PSYCHE genauso beschissen fühle wie damals, als ich kotzen musste. Ich meine, wieso ist das so? Wieso hab ich mal Bauchschmerzen, mal Übelkeit, mal Kreislaufprobleme, mal Brechreiz, mal innere Unruhe, und wieso zum Teufel assoziiere ich ALL MEINE GEFÜHLE mit Kotzen? Egal, was ich habe: Nee, das ist nicht die Angst, dass ist voll echt jetzt, jetzt biste krank, jetzt hat's dich, genau so war's damals, jetzt aber! Wieso in Gottes Namen ist meine Psyche so ein Arschloch? Und kennt das vielleicht jemand?

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Feldweg » 18.07.2015, 18:30

ich habe Deine Beiträge sehr aufmerksam gelesen :ja: und ich habe auch gelesen, bei wievielen Psychologen Du bereits warst.

Deine Psyche ist eben KEIN Arschloch. Das wird so empfunden, weil " sie" Dir im Moment über das körperliche Symptom soviel Unbehagen bereitet. Sie ist KEIN Arschloch!!!!!!!

Wie siehts aus bei Dir mit dem Selbstwertgefühl? magst Du Dich - ganz grundsätzlich ? Mir fällt auf, dass Du Dich in Deinem jetzigen Sein, dem momentanen Zustand TOTAL abwertest, ja - Dich regelrecht beschimpfst. Du sagst " .... Psyche = Arschloch .... " :shock:

und JA ! ich kenne dieses Denken sehr sehr genau. ABER: es führt zu nichts - ausser einer Verstärkung der Symptome ( Übelkeit )
Stell Dir vor, Deine " Psyche" ist Dein " inneres Kind". jetzt stell Dir vor, Du hast ein tatsächliches kleines Kind vor Dir. Dieses stürzt und schlägt sich die Knie auf, es weint, kreischt und plärrt. es blutet ein wenig am Knie.
Wie verhältst Du Dich?
1. Variante: Du sagst dem Kind: " maaaaaannnn, kannst Du nicht aufpassen, wieso bist Du denn schon wieder hingefallen, jetzt blutest du auch noch alles voll ......"
Wird DAS den Schmerz des Kindes lindern, hört es dann schneller auf zu weinen?

2. Variante: Du sagst dem Kind: " komm her liebes, ich nehm Dich in den Arm, ich puste Dein Knie einwenig und Du darfst auch weinen, wir machen ein Pflaster drauf ......"

Ist nicht genau DIESE Haltung das, was das Kindchen dann braucht :wink: , um sich beachtet und geborgen zu fühlen? und ist nicht dann viel viel wahrscheinlicher, dass es den Knieschmerz weniger focusiert und darauf vertraut, was Du als " Erwachsene" ihm sagts, - dass es nämlich schnell wieder gut sein wird ?

Sei lieb zu Dir, ich meine das ganz ernst

gutes Durchhalten und liebe Grüße

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Parasomnia » 18.07.2015, 18:36

Und wie lange warst du jeweils bei diesen Psychologen? Was wurde da gemacht? Wie wurde die Phobie bekämpft? Waren es tiefenpsychologische oder verhaltenstherapeutische Gespräche? Es ist ein Anfang, sich psychologische Hilfe zu suchen, aber allein das Hingehen bringt natürlich nicht viel. Man muss selbst aktiv mitarbeiten. Was hast DU ganz persönlich getan, um gegen deine Phobie zu kämpfen? Fakt ist ja offensichtlich, 12 Psychologen hin oder her, dass du selbst aus deinem Teufelskreis nicht ausbrechen kannst. Und ja, in schlimmen Phasen habe ich auch alles mit dem Erbrechen assoziieren, jedes Ziepen in meinem Körper, jedes komische Gefühl war der Vorbote einer schlimmen Magen-Darm-Grippe. Wie oft denkt man: Aber JETZT ist es wirklich ernst, JETZT muss ich kotzen. Aber genau DAS sind phobische Gedanken. Und diese Gedankenkreise kann man durchbrechen. Wenn man sich irgendeiner anderen Tätigkeit widmet als unablässig auf den eigenen Körper zu hören. Wie sieht denn dein Tagesablauf aus? Und ist da nicht in dir selbst das Bedürfnis, etwas anderes zu tun als den ganzen Tag zuhause zu sitzen und im Internet nach Symptomen zu suchen? Deine Argumentation hier scheint mir immer wieder darauf hinauszulaufen, uns davon zu überzeugen, dass du doch krank bist und dass es bei dir eben besonders schlimm ist, dass es so sein muss, weil es damals auch so war etc. Wenn du so krank wärst, würden die Ärzte längst etwas bemerkt haben. Wenn du so krank wärst, hättest du dich längst übergeben. Warum also passiert das nicht?
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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon ichbindeinalbtraum » 18.07.2015, 21:52

Mein Tagesablauf ist ja das Problem. Seit 3 Monaten geh ich nicht mehr zur Schule und sitze dann entweder Zuhause oder bei Verwandten rum, hab mein Handy, google nach Symptomen und Krankheiten und lass meinen Gedanken freien Lauf. Alles assoziiere ich mit Erbrechen, alles. Diese Gedanken sind so gestört, wenn jemand die hören würde, wär ich sofort in der Klappse. Meine Angst war schon immer da, aber nie so schlimm wie jetzt, seitdem ich nicht mehr zur Schule gehe. Ich bin bald in Therapie und dann mach ich was dagegen. Was mich momentan so dermaßen nervt, sind die körperlichen Symptome. So leid es mir tut, aber ich muss wieder damit anfangen. Es ist einfach nur krass, was meine Psyche mir in dieser Hinsicht antut und ich finde es immer wieder schön zu lesen, dass es jemandem genauso geht. Ich muss nämlich regelmäßige Bestätigung erhalten, dass diese Symptome WIRKLICH psychisch bedingt sind, da ich neben der Emo noch eine klitzekleine hypochondrische Ader habe. Nachdem die Ärzte jetzt sagten, das sei die Psyche, hab ich mir echt Gedanken gemacht, wie mächtig die Psyche sein muss, wenn sie sowas auslöst. Unglaublich für mich, immer noch.

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Re: Die eingebildete Kranke

Beitragvon Parasomnia » 19.07.2015, 09:28

Dass du einen solchen Tagesablauf hast, weiß ich ja, ich wollte bloß wissen, ob du noch IRGENDWAS anderes tust als Symptome googeln. Ob du irgendein Hobby hast, irgendwas, was dich ablenken kann und was du trotz aller Schwierigkeiten gern tust. Was sagen deine Eltern dazu, dass du den ganzen Tag übe Symptomen brütest? Ich würde dir empfehlen, jeden Tag mindestens eine Stunde mal etwas anderes zu tun. Ein Buch zu lesen, spazieren zu gehen, einen Film zu gucken. Und in dieser Zeit ist Symptome googeln tabu!! Und nochmal: Was wurde denn bei den 12 Psychologen und in der Klinik gegen die Phobie unternommen?

Stehst du schon auf der Warteliste eines Therapeuten? Du kannst, bis es soweit ist, auch versuchen, schon selbst dagegen vorzugehen. Durch Dinge, wie ich sie oben beschrieben habe. Mal nicht Symptome googeln. Etwas tun, aktiv werden. Nicht in der Ohnmacht aufgehen, mit der du deinen Symptomen vermeintlich gegenüberstehst. Ich glaube ja, dass bei deiner Symptomausprägung eine Klinik auch sinnvoller wäre, die dich vollkommen aus diesem Umfeld und diesen Gedankenkreisen rausholt. In einer Klinik wirst du nicht unablässig Symptome googeln können. Wenn du in ambulanter Therapie bist, schon. Und ja, man kann sehr absurde Gedanken als Phobiker entwickeln. Es gibt Leute, die haben die Phobie, seit sie denken können und als Kind zu einem Kotzgott gebetet, der sie verschonen möge. Andere haben versucht, Muster darin zu erkennen, wann sie sich übergeben, um Berechnungen darüber anzustellen, wann es wieder passieren könnte. Phobiker werden abergläubisch und können auch zwanghaftes Verhalten an den Tag legen. Damit bist du nicht völlig allein, auch wenn du das offensichtlich glaubst.

Ansonsten: Ich werde jetzt einfach auf Abhandlungen über körperliche Symptome und wie UNGLAUBLICH es ist, dass das an der Psyche liegt, nicht mehr eingehen. Du drehst dich sonst nur noch im Kreis, auch in diesem Gespräch.
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