Emo "behindert" mich beim essen?

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Skydriver12
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Emo "behindert" mich beim essen?

Beitragvon Skydriver12 » 15.05.2015, 15:09

Hallo zusammen,

mir ging es nun knapp drei Wochen ganz gut: Habe einen neuen Job (Traumberuf ;-), habe eine gute IHK-Prüfung abgelegt und habe jetzt noch eine Woche frei bis zum ersten Arbeitstag im neuen Betrieb. Somit bin ich z.Z. eigentlich total entspannt denn es läuft eigentlich alles gut. Die Zeit zuvor war viel schwiereger. Hatte viel Stress mit Prüfungen und Bewerbungen etc. In dieser Zeit war meine Emo auch auf Hochtouren. Jeden Tag extrem heftige Schübe von Übelkeit wo ich dachte jetzt kommt alles raus. In dieser Zeit hatte ich auch keinen Hunger bzw. Appetit und ich nahm 2 kg. ab. Bin eh schon so schlank und das merke ich dann total. Nachdem der Stress jetzt vorbei war hatte ich auch wieder Hunger aber jetzt kommt das ganz große ABER:

Bei allem was ich verzehre oder was auf den Tisch kommt überlege ich ganz genau ob das noch frisch ist. Daheim jetzt nicht so aber wenn ich eben wo anderst esse z.B. bei meiner Freundin zuhause. Da könnte ja das Fleisch verdorben sein oder sonstiges nicht mehr ganz so frisch. Somit habe ich schon ein Unwohlsein vor dem essen. Heute wollte ich mal nach Jahren wieder einen Döner essen. Ich mag das total gern, früher habe ich das immer gegessen. Aber seit meiner Emo nie mehr. Naja heute habe ich mich mal durchgerungen und habe in einem sehr große Laden in einem großen Einkaufscenter mir einen gegönnt. Der Laden war total voll, die Zutaten sahen frisch aus und auch die Bewertungen im Internet waren gut. Nachdem ich ihn gegessen habe merkte ich schon so ein Unwohlsein bzw. so eine innere Unruhe und das "Kopfkino" ging los. "Hmm könnte vielleicht der Salat oder die Sauce oder das Fleisch nicht mehr ganz frisch sein".
Das ist jetzt knapp drei Studen her und mir ist total übel, mein Bauch grummelt, ich stoße ständig Luft auf und ich habe immer das Gefühl das Erbrochene steckt mir schon im Hals. Also echt extrem grad. Ich glaube nicht das dem Döner was fehlte weil sonst hätten dreihundert andere Kunden die den ganzen Tag über dort essen auch Probleme und der Laden könnte dicht machen. Aber mein ganzer Tag dreht sich jetzt nur wieder um Übelkeit und diesen Döner. Und so geht es mir in letzter Zeit öfters. Ich bin am verzweifeln.

Gina
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Re: Emo "behindert" mich beim essen?

Beitragvon Gina » 19.05.2015, 07:48

Hallo,

ich denke der Döner ist mittlerweile verdaut :wink: .

Taste Dich doch in Zukunft langsam an bisher gemiedene Lebensmittel heran. Dann hat das Kopfkino keine so große Chance.
Mir ging es damals auch so, habe viele leckere Sachen gemieden, einfach aus Angst. Ich habe dann angefangen, in Miniportionen diese wieder zu essen.
Beispielsweise hatte ich viele Jahre keine Tomaten gegessen, obwohl ich große Lust darauf hatte. Anfangs war es bloß ein Ministück, dann schon ein viertel und irgendwann waren die Gedanken nicht mehr da.

jon
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Re: Emo "behindert" mich beim essen?

Beitragvon jon » 11.06.2015, 14:21

Hallo,
du hast ja gesagt das du bei deiner Freundin isst. Kocht doch mal gemeinsam irgendwas. Zum einen würdest du wissen was ihr isst zum anderen lernt ihr zu kochen. Da du mit kochen beschäftigt sein wirst kannst du die Übelkeit und die Panik einfach mal zur Seite schieben (ist aber leider nur eine Vermutung) und Spaß haben.
ich würde sagen das es den Versuch wert ist. Ich wünsche dir noch viel kraft alles zu überstehen.
Viele Grüße
jon

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danseusenoire
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Re: Emo "behindert" mich beim essen?

Beitragvon danseusenoire » 11.06.2015, 21:36

Hey, falls Du das noch liest! ;)

Ich denke, Du hast es schon richtig gemacht, überhaupt einfach mal zu machen. Was Du auch gut erkannt hast, ist, dass die Beschwerden nicht vom Essen kamen, sondern von Deiner Psyche. Da hilft nur dranbleiben und immer, immer wieder sowas machen. Klar, es ist blöd, wenn man dann nen Tag "verschenkt", weil man im Dauergrübelmodus ist, aber das Grübeln wird weniger und irgendwann kommt die Routine hinsichtlich der Symptome. Sprich: wenn Du jetzt den nächsten Döner ist und es passiert wieder das gleiche, kannst Du versuchen, Dich selbst ein bißchen distanziert zu betrachten und vielleicht auch mit etwas Humor zu analysieren. Also im Sinne von "ok, jetzt ist es drei Stunden her, jetzt kommt wieder Grübelpaket A), dann in 1 Stunde Wendung zu Gedankenschleife B)" und so weiter. Erstens siehst Du dann, was Deine Psyche mit dem Körper machen kann, andererseits merkst Du vielleicht auch, wie Du es steuern kannst. Spätestens, wenn Du irgendwann den "Routineablauf" kennst, kommt die Genervtheit. So wie wenn man ein Buch zum zehnten mal liest und den Text mitsprechen kann, aber auch keinen Bock auf das Buch hat. Das kannst Du nutzen um einen anderen Umgang damit zu lernen. Daher würd ich Dir empfehlen, einfach weiter zu machen und diese Gedanken kommen zu lassen. Nehm sie hin, akzeptier sie und lern sie kennen, aber zeig ihnen dann auch zu gegebener Stunde, dass Du diesen Automatismus in der Hand hast.

Und auch wichtig: Versuche mal, bezüglich Deiner ess-ängste, die Situation zu "katastrophisieren", indem Du dir "und dann?"-Fragen stellst. Also, zB "Ich habe Angst, dass das Fleisch schlecht ist". und dann? "wenn es schlecht wäre, könnte ich schlechtes Fleisch gegessen haben?" und dann? "wenn ich schlechtes Fleisch esse, kann es sein, dass ich krank werde" -und dann? - und so weiter. Vielleicht siehst Du dann, dass es für alle diese Fälle eine Lösung gäbe und vor allem selbst der supermegaschlimmste Ablauf irgendwann ein Ende hätte und Dir objektiv gesehen nichts passieren kann.

Hast Du seither nochmal Döner gegessen?
Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzunicken oder vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.
-Maxim Gorki


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