Ich setze mit meiner Angst meine Beziehung aufs Spiel

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Herzchen97
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Ich setze mit meiner Angst meine Beziehung aufs Spiel

Beitragvon Herzchen97 » 12.03.2015, 10:06

Hey ihr Lieben. Ich bin gerade total fertig. Ich habe eine Horror Nacht hinter mir.
Zur Vorgeschichte...seit einem halben Jahr habe ich einen neuen Freund. Der meine Angst akzeptiert und mir hilft und Kraft gibt.
(Mein Ex Freund war da das komplette Gegenteil, der meinte immer ich soll mich nicht so aufführen und hat diese Problematik gekonnt weg ignoriert).
Ich liebe meinen Freund über alles, nur leider wird meine Emo in letzter Zeit immer schlimmer.
Ich habe größtenteils Angst davor selber brechen zu müssen, mir ist 24 Stunden täglich schlecht und zur Krönung habe ich nun auch seit ein paar Wochen eine Essstörung entwickelt. Mein Alltag dreht sich eigentlich vom aufstehen bis ins Bett gehen nur um brechen, Magen Darm Viren, Ansteckung, nicht essen wollen und sonst was. Meinen Freund macht das ziemlich fertig, und er ist wahnsinnig traurig das es mir so schlecht geht. Oft weiß er nicht was er tun soll außer für mich da zu sein und zu versuchen mich zu beruhigen, er fühlt sich wahnsinnig hilflos. Es deprimiert uns zusätzlich beide das meine Verhaltenstherapie irgendwie gar nichts bringt und ich nur das Gefühl habe es wird schlechter als besser.
Gestern war es dann so weit. Wir diskutieren über Sex ( nicht das wir zu wenig hätten oder etwas nicht Stimmt, aber in letzter Zeit hat es ganz schön drunter gelitten das ich nix ausser meine Angst im Kopf habe, und wenn die da ist kann ich auch nicht abschalten), er sagte mir dann auch das er sich wünscht das ich ihn wieder wahrnehme wenn er da ist, und nicht nur sage ich freue mich auf ihn & sobald ich dann wieder Angst oder Panik bekomme nur noch an mich denke.
Er meinte er will das ich verstehe das er für mich da ist und mir hilft, dass er sich sorgen macht und er möchte das ich esse.
Da ist mir auf einmal schlagartig klar gewurden was ich ihm da antue.

Ich bin seit diesem Gespräch total fertig, nur noch am weinen und weiss nicht vor und zurück.
Ich arbeite ja schon an mir...wie ist das bei euch in der Beziehung?
Habt ihr irgendwelche Tipps? Danke :)

Sternschnuppe2004
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Re: Ich setze mit meiner Angst meine Beziehung aufs Spiel

Beitragvon Sternschnuppe2004 » 12.03.2015, 14:57

Hallo
der Text könnte von mir sein.
Hi ist die Situation grade ähnlich nur das wir im April schon 10 Jahre zusammen sind und 2 Kinder haben.
Er versteht einfach nicht was los ist wenn ich ihn brauche ist er meist weg.
Beschwert sich daa ich keine Nähe zulasse einfach nicht zulassen kann.
Icj bin auch verzweifelt habe aber schon eine Psychologin wo ich zweimal war.
Es wird immer gesagt augen zu und durch aber das kann man als aussenstehender leicht sagen.

alexa309
Beiträge: 4
Registriert: 04.03.2015, 17:58

Re: Ich setze mit meiner Angst meine Beziehung aufs Spiel

Beitragvon alexa309 » 13.03.2015, 10:27

Hey,

ich verstehe deine Situation wirklich unfassbar gut.
Ich selbst musste mich von meinem Ex trennen, da er nicht akzeptieren konnte, dass es mir langsam aber sicher besser geht und ich vieles Nachzuholen habe.
Er hat meine Angststörung nie akzeptieren können.

Du kannst dich sehr glücklich schätzen, einen so tollen Mann an deiner Seite zu haben. Für uns, die die Angst jeden Tag mit sich rumschleppen und in ihrer ganz persönlichen "Hölle" Leben, ist es schwierig sich auf andere Personen zu konzentrieren. Wir legen unseren Blick nur noch auf unser Inneres. Andauernd Fragen wir uns ob es uns gut geht und hören in uns ob wir Bauchschmerzen haben. Natürlich kommt dein Freund da zu kurz.
Bei mir persönlich gab es Orte an denen ich mich wohl gefühlt habe, zum Beispiel bei ihm im
Wohnzimmer. Ich weiß auch nicht wieso. Setzt euch doch an so einen Ort und versucht einfach mal zu reden. Nicht über dich, nicht über die Emo, sondern über ihn und Seine Interessen.

Am Anfang dauert es bis die Verhaltenstherapie etwas bringt. Ich empfehle dir das Buch von Roger Baker "Wenn plötzlich die Angst kommt". Jeder tickt anders, aber mir hat es wirklich sehr gut geholfen! Es zeigt vor allem auf, was eine Panikattacke eigentlich ist und das es keinen Grund gibt Angst davor zu haben.

Ich bin auch noch weit davon entfernt gesund zu sein aber es hilft und auch die Therapie wird dir irgendwann helfen.

Essen solltest du wirklich. Ich verstehe, dass du Angst hast das du zu viel isst oder zu fettig oder etwas verdorbenes aber irgendwann kann dein Körper nicht mehr so arbeiten wie er es sollte. Kocht doch einfach mal zusammen. Und zwar ganz frisch, dann weißt du auch das es gut ist. Essen kannst du ja erstmal nur ein wenig, und dann nach nehmen. So mache ich es auch. Ich verteile über meinen Tag mehrere kleinere Mahlzeiten.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Glück weiterhin! Du packst das!

Feldweg
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Re: Ich setze mit meiner Angst meine Beziehung aufs Spiel

Beitragvon Feldweg » 24.03.2015, 05:49

Hey,

Ich finde den Titel " Ich setze mit meiner Angst meine Beziehung aufs Spiel " schon " bedenklich" - ehrlich gesagt.
Dieser Satz impliziert, so wie ich ihn verstehe, dass Du einen großen Teil der Verantwotung für Euch BEIDE trägst - oder GLAUBST, tragen zu müssen.
Fakt ist aber, dass eine Beziehung immer ein " Schwingen" zwischen beiden Partnern ist.
Ich habe natürlich auch eigene Erfahrungen mit dem Thema: Mein Freund und ich sind nunmehr 6 Jahre zusammen und er hat die allerschlimmste EMO - Zeit mit mir zusammen erlebt. Glaub mir, ich war ein WRACK - nix ging mehr. Und ich wähnte mich über lange Zeiten dem Wahnsinn nahe - nicht zuletzt durch denkwürdiges Verhalten und Vermeidungsstrategien - ich glaube, alle hier kennen das - mehr oder weniger ausgeprägt.

Mein Partner und ich haben sehr sehr offen gesprochen und ich versuche Dir ein Resümee aus unserem Umgang mit MEINER schlimmen Zeit zu geben.

1. Für meine Angst und meinen Schmerz, für meine Panik und den Ekel - bin ICH verantwortlich!
Der Partner ist NICHT dafür da, mir meine schlimmen Gefühle und Gedanken erträglicher zu machen, oder zu nehmen. Er darf mich trösten - die Befreiungsarbeit darf er mir nicht abnehmen. Wenn ich damals bemerkte, dass mein Liebster anfing MIT - ZU - LEIDEN, dann habe ich gelernt, ihn zu ENTLASTEN durch die klare Ansage: " es ist MEINS, wenn ich Dich brauche, werde ich Dich rufen - und ich bin OK! Es darf Dir gut gehen - auch wenn ICH leide! "

2. Mein Partner hat sich selbständig für mich entschieden, es war seine WAHL, mit mir zusammen zu sein - ich bleibe bei MIR und habe keinen Grund, ein schlechtes Gewissen zu entwickeln, weil er .... " leiden könnte oder sich sorgt"
Wenn mein Partner in Druck oder Not über MEINEN Zustand gerät, so muss ER lernen, dies zu thematisieren und mit mir zu besprechen, um gemeinsame !!!!! Wege zu finden.
ES IST NICHT MEINE AUFGABE, IHN ZU SCHONEN - ODER IHM IRGENDETWAS VORZUSPIELEN - das wäre nämlich im Grunde respektlos! Er hat es verdient, mich SO wahrzunehmen, wie ich bin!!!!
Es ist nicht meine Aufgabe, IHN zu schützen - dafür ist ER verantwortlich.

Mein Liebster und ich haben lange darüber gesprochen. Auch er sagte damals recht genervt, er " käme zu kurz" - weil es immer nur " um mmich und meine Angst" ginge.
Fakt ist aber, dass ER zugelassen hat, dass meine Panik sooo dominant in der Beziehung werden konnte. ER hat sich selbst zurückgesetzt - weil er glaubte, es " müsse so sein und er Verständnis aufbringen müsste"

Es gelang ihm, mehr auf sich zu achten und klar auf Distanz zu gehen, wenn ich in meiner Schleife gefangen war.
Wir waren stets liebevoll im Umgang miteinander und je mehr er " mich losließ " und auf sich achtete, auf seine Grenzen und seine Bedürfnisse - umso " freier" wurde ich wiederum, denn ER war glücklicherweise nicht die einzige Person, an die ich mich habe wenden können :wink:

was ich sagen will : DU setzt keine Beziehung aufs Spiel!!!!!! WENN, dann tut Ihr das BEIDE!. Besprecht eine Kommunikationsform, die respekt - und liebevoll für Euch BEIDE ist. Achtet aufeinander - ohne Euch die Luft abzuschnüren.

Meine Beziehung hat die Krise gut überstanden. Und ja, ich bin ihm dankbar! UND: ich bin MIR dankbar, dass es gelungen ist, mir meine Angst zuzugestehen - denn sie war NÖTIG und zur damaligen Zeit hätte ich es anders nicht gekonnt!.

VERANTWORTUNG übernehmen, und den anderen so lassen, wie er ist - auch in seiner Verzweiflung. Mein Freund hat das damals verstanden und ist eben NICHT mehr um mich gekreist - denn ÄNDERN konnte ausschließlich ICH etwas an der Situation.

Hab MUT!!!!!!! Sprecht miteinander - UND : Deine Angst ist berechtigt ( noch ) !!! Sie " zerstört " Eure Beziehung nur dann, wenn DEINE Angst zu SEINER wird - und DAS kann man zusammen verhindern!!!!!!!!!

LG

Gina
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Registriert: 26.01.2012, 11:29

Re: Ich setze mit meiner Angst meine Beziehung aufs Spiel

Beitragvon Gina » 24.03.2015, 09:57

Hallo Herzchen97,

ich kann Dir aus meiner Erfahrung sagen, dass es nicht unbedingt hilfreich ist, wenn der Partner zu fürsorglich und verständnisvoll mit der Emo umgeht.
Mein Mann ist eher von der Sorte wie Dein Ex Freund :lol: :lol: . Er hat mich damals unterstützt aber nicht gestützt.
Sprich, er hat dann schon mal auf den Tisch gehauen und gesagt, dass es jetzt gut ist.
Über dieses Unverständnis bekam ich dann immer so eine Wut, die mir aber dann auch geholfen hat, aus meinem Tief aufzutauchen.

Es ist wichtig, dass Dein Partner die Realität vorlebt, denn das ist das Leben.

Ich glaube Dir, dass es schmerzhaft war, dass Dein Freund Dir seine Empfindungen gestanden hat. Ihr seit zu zweit und die Auswirkungen der Emo betreffen leider auch den Partner.
Aber das soll nicht heißen, dass wir Emos uns so gehen lassen, dass der Partner alles aushalten muss.
Deshalb finde ich , dass an dem Satz "reiß Dich zusammen" schon ein Fünkchen Wahrheit enthalten ist. Es ist in akut Situationen nicht möglich, aber doch in vielen anderen.

Vielleicht überrascht Du Deinen Freund mit einem schönen Abend? Wenn er Deine Wertschätzung spürt, fühlt er sich besser und Du wahrscheinlich auch.

Gina

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Re: Ich setze mit meiner Angst meine Beziehung aufs Spiel

Beitragvon Sase » 24.03.2015, 14:16

@Feldweg: Toller Beitrag! Der regt echt zum Nachdenken an! :D (Ich glaube, ich muss mir mal einen Ordner in den Faves anlegen und die Links zu besonders tollen Beiträgen speichern :-)))

Ich kann das Denken (Überschrift) trotzdem irgendwie verstehen, OHNE sich selbst die ganze Verantwortung einer Beziehung aufzuladen und denke, dass es eine sehr komplizierte Sache ist. Natürlich ist es am besten, man selbst und der andere erkennen die Angst und die damit verbunden Folgen als solche erst mal an und gehen dann so vor, wie du es beschreibst. Aber das ist oft sehr schwierig: Eben dann, wenn der Partner es nicht voll annehmen kann und der Eindruck entsteht, dass einzige Problem an der ganzen Sache ist die Angst, die man am liebsten wegsubtrahieren will.
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!


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