Raus rennen

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Schdinah
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Raus rennen

Beitragvon Schdinah » 14.12.2014, 19:45

Ich lese immer wieder davon, dass viele nahe am Ausgang sitzen oder in der Schlange an der Kasse nachdenken ob sie es denn rechtzeitig raus schaffen... Das ist bei mir auch so. Aber warum ist das Rausrennen so wichtig? Ist ja quasi in dem Moment nicht die Angst vor dem Erbrechen sondern die Angst im Mittelpunkt zu stehen? Oder wie ist das einzuordnen?
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Sase
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Re: Raus rennen

Beitragvon Sase » 14.12.2014, 21:19

Vielleicht ist das einfach eine Folge des natürlichen Fluchtreflexes der bei vielen bei Panik einsetzt. Das Hirn verknüpft die oft gemachte Erfahrung, dass man weg will ("muss") und nicht kann und die "Lösung" ist dann einfach, sich schon vorher einen Weg zu suchen oder möglichst behinderungsfrei schnell wegkommen aus der Situation.
Zu Hause ist in der Regel der Ort, an dem sich der Mensch am sichersten und geborgen fühlt und wo er eigentlich immer hinflüchten will. Von daher ist er biologisch gesehen dann ja bereits an diesem Ort. Aber auch zu Hause haben viele den inneren Drang bei Panik herumzulaufen, aufzuspringen aus liegen oder sitzen, oder rauszugehen ( auf Balkon oder an die frische Luft zum spazieren). Es fällt vielleicht nur nicht so stark auf, weil eben dieser soziale Faktor nicht damit verbunden ist wie andernorts.

Noch weitere Ideen? :D
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dariusbritt
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Re: Raus rennen

Beitragvon dariusbritt » 14.12.2014, 21:55

Das war bei mir tatsächlich nur am Anfang so. Also dass ich Ausgänge etc (und auch Mülleimer und Waschbecken - für den Fall ...) gesucht und im Blick behalten habe.
Mittlerweile ist es beim Einkaufen zb so, dass ich eher so schnell wie möglich aus der Situation raus will, wegen der Angst an sich, nicht weil ich tatsächlich befürchte, mich übergeben zu müssen. Weiß nicht, ob das nachvollziehbar klingt :D

Und in Räumen oder so sitze ich meist unfreiwillig nahe am Ausgang, weil ich möglichst weit hinten/außen sitze/stehe, um alles im Blick (= "unter Kontrolle") zu haben. Manchmal auch um als erste wieder aus dem Raum zu kommen und nicht beim herausstümen der Masse im Mob gefangen zu sein. ^^

Also bei mir ist es mehr so ein Kontroll-Ding.

Kinabalu
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Re: Raus rennen

Beitragvon Kinabalu » 16.12.2014, 00:27

Ich denke auch dass es etwas mit dem Fluchtgedanken zu tuen hat. Irgendwo ist in uns ja immernoch so ein Urinstinkt und der verbindet Angst eben mit Flucht. Deswegen zittern wir ja z.b auch wenn wir Angst haben-weil unser Körper die Muskeln für die Flucht vorbereiten will.

Ist jetzt seehr albern, aber letzens habe ich greys anatony geguckt und da hatte eine ne Panikattacke und die andere hat sie dabei ganz doll geknuddelt mit der Begründung dass dieser druck ein Sicherheitsgefühl schafft und man deswegen z.b kühe vor dem.schlachten ganz eng zusammendrAngt damit der gegenseitige Körperdruck sie beruhigt. Und ich saß da und dachte mir "was ein scheiß. Es soll.mal wer versuchen mich anzufassen oder gar zu knuddeln wenn ich total angespannt oder panisch bin HA!!!".

Aber vielleicht ist das auch Typabghängig. Herdentier oder Fluchttier/Einzelgänger. Grundsätzlich bin ich bei Angst und auch bei erbrechen lieber alleine. Viele hier schreiben aber auch, dass sie es lieber haben wenn dann jemand bei ihnen ist.
And every demon wants his pound of flesh
but I like to keep some things to myself
I like to keep my issues strong
it's always darkest before the dawn

And it's hard to dance with a devil on your back
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Re: Raus rennen

Beitragvon Sophie23 » 08.01.2015, 22:30

Ich trag auch mal was bei :D

Wenn mir so richtig übel wird und dazu die Panik kommt, ist meine Reihenfolge wie folgt:

1) Nach hause gehen, weil mir dieser Ort wirklich ein vermeintliches Gefühl von Sicherheit gibt und
ich dort schnell an alles komme was ich brauche (Tee, Wärmflasche, Bett etc.)

2) Wenn es zu hause noch schlimmer wird beziehungsweise sich die Übelkeit steigert und die Panik
größer wird habe auch ich den Drang raus und spazieren zu gehen. Balkon reicht da nicht. Mich treibt
die Panik dann aus dem Haus.

Ich denke auch, dass es sehr viel mit den biologischen Ur-Instinkten zu tun hat. Zum einen möchte man
an einen Ort, an dem man sich prinzipiell wohl und sicher fühlt. Zum anderen hat das mit dem rumlaufen
denke ich viel damit zu tun, dass der Körper einen Weg finden muss die Anspannung beziehungsweise
das ausgeschüttete Adrenalin abzubauen und da ist wild draußen rumrennen natürlich ne Möglichkeit (auch wenns
total bescheuert aussieht :lol: )

Ein Arzt hat mir das mal so erklärt:
Wenn eine Katze eine Maus jagt gerät ihr Körper in eine Anspannungszustand und schüttet die entsprechenden Stoffe
aus. Wenn die Katze die Maus dann fängt wird das durch das Erfolgserlebnis wieder relativiert. Nimmt man der
Katze aber die Maus weg, oder diese verschwindet etc. kann man oft beobachten, dass die Katze wild herumflitzt,
irgendwo draufspringt etc.. Das ist der "natürliche" Weg die Anspannung im Körper abzubauen und die ausgeschütteten
Stoffe ebenso.

Beim Menschen gibt es wohl ähnlich Muster, es ist für uns aber wohl oft schwieriger z.Bsp, das Adrenalin abzubauen,
weil gewisse soziale Verhaltensmuster oft davor hemmen so einem natürlichen Instinkt nachzugeben (mich übrigens
nicht und wenigstens ist es für die Nachbarn unterhaltsam wenn ich alle paar Wochen mit Wasserflasche in der Hand,
Jogginghose und panischem Gesichtsausdruck die Straße hoch und runter renne :lach: )

dariusbritt
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Re: Raus rennen

Beitragvon dariusbritt » 09.01.2015, 13:40

Ich denke das hängt damit zusammen, dass man heutzutage einfach nicht mehr in der Art flüchten muss, wie früher. Früher musste man ja dann von der einen auf die andere Sekunde unglaubliche Leistungen erbringen, um zB vor einem wilden Tier zu fliehen. Aber auch wenn wir heute auch noch fliehen, rennen wir ja nicht wortwörtlich um unser Leben. Ich glaube, wenn wir tatsächlich jedes Mal bei Angst einen Sprint hinlegen müssten, würde das Adrenalin auch eher/schneller/besser abgebaut werden, als wenn wir vergleichsweise gemütlich zurück in Sicherheit gehen.

Ist aber nur so ein Gedanke :lach:

Lia 1996
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Re: Raus rennen

Beitragvon Lia 1996 » 19.01.2015, 21:25

Hey ich bin gerade neu hier und versuche mal auch an diesem Forum teilzunehmen was einen guten Eindruck macht ! :)
Bei mir ist das so das ich das nicht mit ansehen kann und fluchtartig den Raum verlasse, einfach weil ich mir das nicht mit an sehen kann. Der Gedanke ist schon schlimm genug zu wissen das ein anderer sich übergibt ! Zudwm kippe ich oft mals um kippe wenn ein anderer sich übergeben muss , muss ich also zusehen mich hinzulegen weil es schon vorgekommen ist das ich mir dabei weh getan habe.
hoffe ich konnte euch ein wenig weiter helfen


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