Alltag, Schwindel, Angst usw

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

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Sophie23
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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon Sophie23 » 01.01.2015, 21:34

hallo ichhalt123,

ich verstehe was du meinst. "Du hast dein Leben in der Hand. Nur du kannst dich da rausholen!", das klingt
manchmal geradezu höhnisch, wenn man vor Angst gelähmt ist und sein Leben kaum erträgt.

Ich sehe es so: Du bist das Problem und du bist auch die Lösung. Aber nicht unbedingt im Alleingang. Fakt ist,
dass niemand dich "heilen" kann, ohne dein Zutun (bzw. sehr viel davon). Du stehst also im Zentrum des Heilungs-
Prozesses, musst mitarbeiten und die richtigen Hilfsangebote finden.

Ich war die letzten Wochen auch in einem Tief und hatte das Gefühl, da einfach nicht rauszukommen. Alles erschien
mir so aussichtslos und das war für mich fast noch schlimmer als die Angst und die Magenbeschwerden. Um mich zu beruhigen,
habe ich mir im Kopf einfach mal einen Plan mit Möglichkeiten gemacht:

1) Medizinische Hilfe / Unterstützung:
Zum Arzt gehen und die Beschwerden medizinisch abklären lassen (habe ich schon, ist psychisch). Der nächste Schritt könnte
ein Gang zum Psychiater/ Neurologen sein. Momentan ist eine medikamentöse Unterstützung für mich (noch) keine Option, es hilft
mir aber daran zu denken, das dies eine (!) Möglichkeit wäre, wenn gar nichts mehr geht. Auch eine psychosomatische Klinik wäre ein solche Option.

2) Therapie:
Therapeutische Unterstützung finde ich enorm wichtig. Wie schnell es dein akutes Problem lindern wird, ist höchst individuell, zu wissen, dass es jemanden gibt, mit dem man 1 Stunde wöchentlich nur über sich selbst spricht, oder ähnliches und der einen mit seinem fachlichen Rat bereichert habe ich als enorme Bereicherung empfunden. Gerade wenn man nervlich völlig am Ende ist, ist jede Form der Unterstützung hier Goldwert. 1 Stunde wöchentlich klingt übrigens zwar wenig, wenn man diese Zeit aber intensiv nutzt ist das mehr als anstrengend und ausreichend, um eine Woche mit den neuen Eindrücken und Anregungen zu füllen.

3) Selbsthilfe
Was unter diesen Punkt fällt, ist auch höchst individuell. Ich habe für mich schon oft gemerkt, dass es mir in den schlimmsten Emo Zeiten enorm geholfen hart, liebevoll mit mir umzugehen und mir Gutes zu tun. Man ist oft so sehr mit der Angst und Abwehr beschäftigt, dass man vergisst die eigenen Reserven zu füllen. Ohne diese wird es aber enorm schwierig, die nervlichen Belastungen nicht nur auszuhalten, sondern auch neue Wege einzuschlagen. Ich achte deshalb darauf, gerade in schlimmen Phasen gut zu essen, mich regelmäßig zu bewegen, viel Lieblingsmusik zu hören, mich mit schönen Dingen zu umgeben, ausreichend lange zu schlafen, ab und an zur Massage zu gehen und mir viel Tageslicht zu gönnen. Das sind Dinge, die mir gut tun und mir die nötige Kraft geben, um mich mit der Emo auseinanderzusetzen.

Gerade wenn du so auf dein Essensproblem fokussiert bist und das Gefühl hast da alleine nicht weiter zu kommen, solltest du vielleicht mal eine zeitlang davon ablassen und deine eigenen Reserven wieder auffüllen. Gut möglich, dass du dich dann insgesamt stabiler fühlst und dich mehr traust.

Das war jetzt nur eine verkürzte Aufzählung. Gemeinsam können wir die Liste vermutlich endlos erweitern. Es soll dir nur zeigen, dass es
eine ganze Menge an Möglichkeiten gibt, von denen du und ich vermutlich noch nicht einmal einen Bruchteil ausgeschöpft haben. Dabei steht
der Emo immer im Mittelpunkt und muss mitarbeiten , das heißt aber nicht, dass er/ sie alles alleine machen muss :ja:


Mein Lieblingszitat dazu:

Viele Wege führen dich dem Guten zu. Die Wege sind da. Gehen musst du!

Edit:
Wenn du selber merkst, dass Ablenkung dir enorm hilft, warum setzt du da nicht an? Das ist doch schon mal eine tolle Sache, die man sowohl
alleine, als auch mit Unterstützung (welcher Art auch immer) instrumentalisieren kann, um gewisse Probleme zu lösen!

ichhalt123
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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon ichhalt123 » 02.01.2015, 18:46

Danke schonmal für die sehr ausführliche Antwort.

Was macht ihr in einer Therapie? Ich bin an einer Uni wo jede Stunde auf Video aufgezeichnet wird, was ich schonmal nicht so toll finde vor den Kameras zu sitzen. Am Anfang wurde alles besprochen und dann wurde begonnen in den Stunden was zu essen. Immer was anderes sodass man sich nicht auf eine Sache konzentrieren kann. Fand ich auch super nur leider bringts mich nicht weiter. Trotz erfolgreicher Ess Stunden in der Therapie konnte ich es nicht in die Tat umsetzen. Auf der Arbeit esse ich nur kleinigkeiten, habe hunger ohne ende und Abends in der Wohnung esse ich dann was... Was mich so fertig macht das ich das mal locker konnte. Klar angst war immer da, aber ich habe mich schon wohlgefühlt und konnte mit Arbeitskollegen was essen...

Das muss doch zumindest wieder so hinzubekommen werden, wie es mal wahr...

Welche Medikamente haben euch geholfen welche weniger? Ich nehme Abends Mirtazapin, für morgens habe ich mal Cipralex bekommen, was bei mir nur Mundtrockenheit verursacht hat aber nicht die Ängste gelindert.

Und gibt es Kliniken die auf Emetophobie spezialisiert sind bzw. das im "Angebot" haben?...

Sonnenschein
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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon Sonnenschein » 02.01.2015, 22:28

In Münster die Christoph Dornier klinik ist darauf spezialisiert. Muss man aber glaub ich selbst zahlen. ..
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dariusbritt
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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon dariusbritt » 03.01.2015, 03:32

@ichhalt und genau DA ist der Puntk, dem du in der Pflicht bist, selbst zu handeln und es selbst in der Hand hast.

Du sagst, in den Therapiestunden hat das immer ganz gut geklappt mit dem Essen und dass dir das ja nichts bringt. Aber die Therapie ist ja dazu da, dir Lösungsansätze aufzuzeigen. Diese dann auf deinen Alltag zu übertragen und die Übungen fortzuführen, ist ganz allein deine Aufgabe. Natürlich ist das kein Kinderspiel und nicht so einfach, das behauptet niemand. Aber das ist der einzige Weg, wie du es dauerhaft schaffst. Alle anderen können dir erzählen, dass du einen Fuß vor den anderen setzen musst und dich an die Hand nehmen und schubsen - laufen musst du aber allein.

Es verlangt auch niemand, dass du dich in die Öffentlichkeit setzt und ein fettes drei Gänge-Menü verdrückst. Und wenn du bei deiner ersten richtigen Mahlzeit doch mittendrin aufgibst ist das auch kein Drama - du hast es immerhin versucht! Beim nächsten Mal schaffst du dann zwei Bissen mehr, irgendwann dann die ganze Mahlzeit.

Aber so wie du es momentan handhabst, die Ängste als Begründung dafür nutzt, warum du eben diese nicht überwinden kannst und dich selbst bemitleidest, weil es alles so schwer ist und dich niemand - nicht mal andere Emo's die genau den gleichen, mühsamen Weg hinter sich haben - versteht, wird das definitiv nichts. Da helfen auch keine Medikamente der Welt. Die setzt du irgendwann wieder ab, und dann... ? Und auch egal welche Therapie in welcher Klinik du machst, es werden dir IMMER nur Lösungsansätze gezeigt werden können.

Aber trotz allem, zur Christoph Dornier Klinik: Wenn dein Arzt belegen kann, dass die Therapie in gerade dieser Klinik notwendig ist (weil Therapieangebote in der direkten Umgebung ausgereizt sind), KANN man Glück haben, dass die Kasse das übernimmt. Ist aber sehr verschieden. Habe aber definitiv schon Berichte von Kassenpatienten gelesen, von denen die Kosten übernommen wurden.

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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon ichhalt123 » 04.01.2015, 13:32

Mir ist schon klar, das ich das auch außerhalb der Therapie umsetzen muss. Und versuche auch in kleinen Schritten. Klappt aber halt auch nicht immer...

Ich weiß langsam halt nicht mehr weiter.

Mich würde halt interessieren wie ihr dagegen wirkt? Was habt ihr als erstes getan, auch körperlich komplett check usw?

Gehört Emetophobie in die Kategorie Essstörung?

Sonnenschein
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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon Sonnenschein » 04.01.2015, 14:35

Emetophobie ist KEINE Essstörung sondern zählt zu den spezifischen Phobien.
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Sophie23
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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon Sophie23 » 04.01.2015, 14:40

Emetophobie ist in erster Linie eine Angststörung. Diese kann sich stark auf das Essverhalten auswirken (bspsw. nur noch einseitig, wenig, oder sogar gar nichts essen) und eine Essstörung auslösen. Diese ist dann aber nur ein Symptom der Angsterkrankung.


Zur deiner anderen Frage: Bei körperlichen Problemen würde ich IMMER einen Arzt aufsuchen. Einfach, um körperliche Erkrankungen auszuschließen. Ich habe mich also damals einmal durchchecken lassen, in Form von einem großen Blutbild, Magenspiegelung, Ultraschall.
Alles mehr oder weniger unauffällig. Damit war für mich klar: Es sind psychosomatische Beschwerden :ja: . Natürlich kann man den Ärzte-Marathon noch endlos weiterführen (im Internet finden sich ja immer wieder Berichte von ganz ungewöhnlichen Krankheiten, die dann erst nach Jahren diagnostiziert werden), in 99,9% der Fälle wäre eine körperliche Erkrankung aber mit den "normalen" Untersuchungsformen erkannt.


Der nächste Schritt ist/ war für mich, meine Lebensumstände mal genau zu prüfen. Und therapeutische Hilfe anzufordern, in Absprache mit meinem Hausarzt. Bei den nächsten Attacken, habe ich dann bewusster hingeschaut. Auch wenn noch oft der Gedanke aufkam: Das ist der Magen, es ist gaaaaanz sicher was körperliches!, wurde mir immer bewusster dass es so nicht ist. Ich bin während solcher Anfälle auf 180, denke lauter negatives und dramatisches Zeug und kann mich kaum beruhigen. Das sind alles Zeichen von Angst.

Wenn du zu Hause, aber nicht in Gesellschaft essen kannst, wird dir ja auch klar sein, dass das ein psychisches Problem ist. Ich verstehe deine Ungeduld in gewissem Maße. Aber: Du übst bereits mit deinem Therapeuten, also praktisch in Gesellschaft zu essen. Und dort klappt es einigermaßen. Außerhalb klappt es noch nicht so gut. Was soll man da für einen Tipp geben als: Üben, üben, üben!

Als ich vor 4 Jahren in meiner ersten Emo-Hochphase war, habe ich mich nicht in die Bahn zu meiner Uni getraut. Diese fuhr nämlich 1 Stunde lang zu meinem Studienort, mit nicht mehr als 4 Zwischenstopps. Absoluter HORROR, wenn einem ständig übel ist und man Angst vor der nächsten Attacke hat. Nun musste ich aber wohl oder übel zur Uni. Deshalb blieb mir nichts anderes übrig, als es immer wieder zu versuchen. Das war schrecklich anstrengend und auch häufig nicht erfolgreich, aber in winzigen Schritten ging es vorwärts. Ich war oft unzufrieden und deprimiert und habe das Schicksal verflucht. Dann habe ich aber mal mit einer Bekannten gesprochen, die eine chronische körperliche Krankheit hat. Und sie hat mir die Augen geöffnet, wie gut ich es habe. Schließlich liegt das Problem in mir und ich kann aktiv etwas dagegen tun. Ich bin nicht wie sie ewig auf medizinische Fortschritte und ärztliche Unterstützung angewiesen, mit wenig Chancen auf eine wirkliche Verbesserung. Mein Körper ist gesund und kann THEORETISCH alles machen. Nur mein Empfinden muss das wieder einsehen. Bis mein Gehirn sich an die Situation wieder gewöhnt hatte und ich fröhlich plaudernd und essend im Zug saß, mit 0,0 Gedanken ans Erbrechen.

Genau das ist auch Dein Weg. Niemand hier hat eine Tablette, oder einen Tipp, der dein Problem sofort löst. Du musst einfach kontinuierlich daran arbeiten, mit der Unterstützung die du bekommst (hier im Forum und auch durch die Therapie).
Zuletzt geändert von Sophie23 am 04.01.2015, 14:57, insgesamt 1-mal geändert.

Sophie23
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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon Sophie23 » 04.01.2015, 14:52

Nochmal ich: :D

Was mir immer wieder auffällt: Du sprichst davon, dass du bereit bist für ein Leben ohne Angst zu kämpfen, forderst
auf der anderen Seite aber eine Lösung die "nicht hart" ist. Das passt für mich nicht zusammen. Wenn du der Meinung
bist, Ärzte und Therapeuten wären nicht qualifiziert dir zu helfen, bleibt dir ja nichts anderes übrig, als selbst dran zu
arbeiten. Dafür sehe ich aber keine wirkliche Bereitschaft..

Wie stellst du dir denn eine mögliche Lösung vor? Oder was genau erhoffst du dir hier an Tipps?

Wenn einer von uns, eine angenehme und einfach Methode gegen diese Phobie hätte, wären wir doch vermutlich alle nicht
hier, weil gar kein Bedarf mehr bestünde :roll: .

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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon ichhalt123 » 04.01.2015, 15:26

danke schonmal :D

also, mir geht es darum, das ich ja schonmal halbwegs ohne angst leben konnte. und zwar so das ich zufrieden war. nicht sorgenfrei aber ich konnte eben "Leben" und nun ist es so das es nicht mehr geht. so wie es gekommen ist, erhoffe ich das es auch wieder mal eine hochphase gibt. ich will ja geholfen bekommen, aber mir geht es halt so schlecht das ich mit 1x pro woche kein land sehe.
Und wieso muss der weg hart sein. gibts keine "scheiß egal" tabletten die da unterstützen, das man halt weniger ängste hat und der weg einfacher wird???

Sophie23
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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon Sophie23 » 04.01.2015, 15:41

Über Medikamente musst du mit deinem Arzt sprechen, dazu ist das Forum nicht gedacht und auch wirklich nicht geeignet.
Generell würde ich bei Psychopharmaka immer bedenken, dass sie sich ja nicht unbedingt nur auf die Gedanke zur Emo
auswirken.. aber wie gesagt, sprich darüber bitte mit deinem behandelnden Arzt.


Ich habe selbst gerade einen Rückfall, nachdem es mir 2,5 Jahr gut mit meiner Emo ging. Ich hatte wenig körperliche Beschwerden
und dann ging es vor 5 Wochen plötzlich wieder massiv los. Natürlich frustriert das, das brauchst du mir nicht erzählen :wink: ! Es zeigt doch
aber eins: Die Angst ist noch da. Der Weg ist noch nicht zu Ende. Leider vergisst man die Angst häufig, wenn man eine gute Phase hat. Dann darf man sich aber auch (leider) nicht wundern, wenn sie wiederkommt. Aber wir wissen beide: Auch eine gute Phase wird wieder kommen, wir haben
sie ja selbst erlebt. Viele Menschen mit körperlichen Erkrankungen können das leider nicht behaupten, nur mal so als Denkanstoß..

Wenn es dir wirklich so schlecht geht, dass du nicht mehr weiter weißt, gibt es immer die Möglichkeit sich akut einweisen zu lassen und
einen stationären Aufenthalt zu fordern. Diese Tür steht dir also offen.

Was sind denn neben dem Schwindel und dem nicht vor anderen Essen können deine Beschwerden momentan? Also was raubt dir so den Mut?

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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon mainzerin » 04.01.2015, 16:20

ich kann dir als tipp für einen stationären aufenthalt die schön klinik in bad arolsen empfehlen. da war ich selbst und würde jederzeit wieder hin, wenn es akut werden würde

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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon dariusbritt » 04.01.2015, 20:19

ichhalt123 hat geschrieben:danke schonmal :D

also, mir geht es darum, das ich ja schonmal halbwegs ohne angst leben konnte. und zwar so das ich zufrieden war. nicht sorgenfrei aber ich konnte eben "Leben" und nun ist es so das es nicht mehr geht. so wie es gekommen ist, erhoffe ich das es auch wieder mal eine hochphase gibt. ich will ja geholfen bekommen, aber mir geht es halt so schlecht das ich mit 1x pro woche kein land sehe.


Wenn du wirklich das Gefühl hast, dass einmal die Woche Therapie nichts bringt, kannst du gern eine stationäre Therapie in Betracht ziehen. Bitte bedenke aber auch, dass das genau so wenig eine Wunderheilung ist. Ich kenne das auch so, dass der Hauptansatzpunkt in Kliniken die medikamentöse Einstellung ist. Bei vielen Krankenkassen ist das sogar Bedingung um überhaupt auf Dauer bleiben zu können. Auch ist zu bedenken, dass der Rahmen in einer Klinik sehr geschützt ist und dass etwas, was dort hervorragend klappt, nicht draußen zwangsläufig genau so laufen muss. Wenn zB die Emo ein Resultat von Problemen ist, die du zu Hause hast, die unerkannt bleiben, ist es sehr wahrscheinlich, dass du auf Dauer wieder in alte Verhaltensmuster zurückverfället und die Angst wiederkommt.

Das heißt natürlich nicht dass Kliniken generell schlecht sind. Nur hat es bspw geholfen zu erkennen, dass es notwendig ist, aus meinem Elternhaus auszuziehen und dauerhaft in Gemeinschaft zu sein.

Ich kann auch nicht für alle Kliniken sprechen weil es da wirklich riesige Unterschiede gibt. Aber bei mir war es zB so, dass ich auch dort lediglich 1x die Woche Therapie hatte. Nicht einmal zusätzliche Gruppentherapie oä. Weiß aber, dass das in anderen Kliniken anders ist.

ichhalt123 hat geschrieben:Und wieso muss der weg hart sein. gibts keine "scheiß egal" tabletten die da unterstützen, das man halt weniger ängste hat und der weg einfacher wird???


Doch, natürlich gibt es die. Diese sind aber zu Recht verschreibungspflichtig und machen extrem Abhängig. Ich mein, es ist ja so schön einfach, eine Tablette zu nehmen und die Angst ist weg. Die Tabletten werden auch auf dem Drogenmarkt gehandelt - nur um dir eventuell zu verdeutlichen, dass das eben nicht so harmlos ist, wie es klingen mag.
Gäbe es ein Mittel, was nicht schädlich ist und so einfach von Angst erlöst, gäbe es keine wirklichen Ängste mehr, weil sie im Keim erstickt werden würden.

Aber ganz von alle dem ab, würde ich schon mal (falls noch nicht geschehen) vom Arzt alle physischen Aspekte abklären lassen. Vor allem ein Blutbild mit allem, also auch B-Vitamine und Schilddrüsenhormone, da diese Faktoren sich auch auf die psychische Stabilität auswirken können.

ichhalt123
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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon ichhalt123 » 08.01.2015, 22:01

Angenommen ich übe selbst, ich hab Panik, Angst ohne ende. Verusche zu essen, so viel geht, kann ich dann ersticken bei hoher Angst?

Sophie23
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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon Sophie23 » 08.01.2015, 22:09

Es gibt Leute, die haben es schon "geschafft" ihre Zunge zu verschlucken und sind daran erstickt. Ich könnte an dem Kaufgummi, das ich
gerade kaue ersticken und natürlich KANNST du bei so etwas ersticken (wie bei allem anderen auch). Es ist aber EXTREM EXTREM EXTREM unwahrscheinlich.

Gerade wenn du dich dauernd mit solchen Horrorszenarien beschäftigst, schürt das deine Angst und die Probleme noch mehr. 100 Mal wahrscheinlicher als dass du erstickst ist dass dich das konsequente Üben dazu bringt angstfreier zu leben :D

Konzentrier dich doch mal auf den Gedanken :wink:

dariusbritt
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Re: Alltag, Schwindel, Angst usw

Beitragvon dariusbritt » 09.01.2015, 13:34

Sophie23 hat geschrieben:Gerade wenn du dich dauernd mit solchen Horrorszenarien beschäftigst, schürt das deine Angst und die Probleme noch mehr.


Genau das. Umso mehr du dich darauf versteifst, dass bestimmt irgendwas passiert, desto mehr verkrampfst du und desto eher passiert auch irgendwas. Vielleicht erstickst du nicht gerade, aber könnte mir vorstellen, dass man sich so verkrampft vielleicht eher mal verschluckt. Das siehst du dann als Begründung deiner Angst, obwohl doch überhaupt nichts wirklich passiert ist.
Du wirst beim essen nicht ersticken. Das musst du dir vor Augen halten. Und wenn du ganz langsam isst und kaust, und du musst auch gar nicht mal viel essen, dann merkst du mit der Zeit, dass die Angst immer weniger wird. Den ganzen Prozess musst du üben, üben, üben und dir immer bewusst machen: Du schaffst das. Denn je mehr du vom Gegenteil überzeugt bist und je mehr du dir denkst "ohje, ich schaffe das nicht", desto eher schaffst du es auch tatsächlich nicht.


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