Verschweigen von MGD

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bienemajo
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Verschweigen von MGD

Beitragvon bienemajo » 11.12.2014, 15:22

Hallo,

Ich habe heute erfahren, dass mein Vater mir vor ein paar Monaten verschwiegen hat, dass er MGD hatte, mit dem Ergebnis, dass ich mich angesteckt habe. So, und jetzt weiß ich nicht, was ich davon halten soll, weil einerseits habe ich keine Panik bekommen, wie wenn ich es gewusst hätte. Aber andererseits hatte ich ja auch nicht die Chance mich darauf vorzubereiten und die direkte Konfrontation mit sowas zu haben. Wird ja immer mal wieder sowas vorkommen. Vielleicht hätte ich mich ja auch vor einer Ansteckung schützen können, allerdings wäre das ja wieder ein Vermeidungsverhalten gewesen, oder? Ja, und jetzt begleitet mich auch noch die Angst, dass er mir wieder einen MDV verschweigen könnte. Weiß absolut nicht, was ich jetzt davon halten soll, ob das gut oder schlecht für fir Emo war....

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Re: Verschweigen von MGD

Beitragvon Ohlone » 11.12.2014, 17:08

Naja, immerhin wird daran deutlich, dass dein Umfeld Rücksicht auf deine Angst nimmt - damit stützt sie tendenziell deine Ängste, weil es dir die Chance nimmt, bewusst mit der Angst umzugehen. Auf der anderen Seite glaube ich, dass es dir wenn du die Emo irgendwann im Griff hast, vlt einfach egal ist, ob dir jemand jetzt von seiner MGD erzählt oder nicht. Verstehst du was ich meine? Wir Emos neigen dazu, ständig das Kotzrisiko einzuschätzen und unsere Umweld und Mitmenschen dahingehend zu scannen, ob sie evlt. eine Gefahr darstellen könnten, das Kotzen mit ansehen zu müssen, oder selber betroffen zu sein. In dem Moment wo du dir solche Gedanken machst, was jetzt besser wäre, ob dein Vater dir sagt, ob er MDG hat oder nicht, förderst du in jedem Fall die Angst - den im nächsten Schritt baust du ein Was-wäre-wenn Szenario auf, im Sinne von "vlt hat er ja was und hat es nicht gesagt". Ich finde daran wird das Vertrauensdefizit von uns Emos sehr deutlich.

Gesünder wäre es, einfach anzuerkennen, dass es ist wie es ist, ob man nun krank wird oder nicht.

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Re: Verschweigen von MGD

Beitragvon Sase » 11.12.2014, 21:54

Ich denke, du solltest in erster Linie einfach mal darüber nachdenken, wie es das Vertrauensverhältnis zwischen euch beeinflusst. (Sicherlich hat auch dein Vater miese gefühle gehabt, als du dich dann angesteckt hattest).
Und dich fragen, was tatsächlich einfacher ist - dass die Leute offen mit dir umgehen (und du nicht etliche Tage umsonst Angst hast) oder dass sie dich schützen (und du vielleicht nun immer zweifelst). Vielleicht ist der Weg in den sauren Apfel zu beißen und zu sagen: Bitte seid lieber ehrlich zu mir, der bessere? Ob oder ob nicht, musst du entscheiden, aber denk mal darüber nach.
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!

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Re: Verschweigen von MGD

Beitragvon annukka » 21.12.2014, 21:12

Du musst wissen, was du empfindest. Ich muss dir ganz ehrlich sagen, es ist nicht sinnvoll, wenn wir mit Samthandschuhen angefasst werden. In diesem Fall wollte dein Vater dir vielleicht die Panik ersparen. Vielleicht hatte er auch andere Gründe, wir Emos können ja auch sehr nervig sein, wenn wir panicken... Aber so ist das echte Leben ja nicht. Man muss gerade die Panik auch aushalten lernen. Ich persönlich finde so etwas prinzipiell nicht gut. Es ist, als würde ich meine spinnenphobische Freundin mit zugebundenen Augen in einen alten Speicher laufen lassen, ohne dass sie davon weiß. Es ist einfach irgendwie unehrlich!

Ich habe das selbe mit einigen Freundinnen erlebt. Eine Freundin hatte eine Party geplant und sich an Tag zuvor übergeben. Sie hat es einer anderen Freundin gesagt und gebeten, mir nichts zu erzählen. Sie hat für die Party groß gekocht und wollte wohl nicht, dass ich dann nicht komme oder nichts esse, oder stresse oder was auch immer... Geholt habe ich mir nichts. Aber Monate später habe ich davon erfahren.
Und mich total ver*****t gefühlt. Es waren beides eher enge Freundinnen und ich habe mich nicht nur belogen gefühlt, ich hatte auch das Gefühl, dass mir nichts zugetraut wird - ich wäre ganz sicher trotzdem zur Party gekommen und hätte auch etwas gegessen! Und warum hast sie ihr überhaupt davon erzählt, dass sie sich übergeben hat? Ich habe da das Gefühl, aus meiner Phobie wurde da ein ganz heißes Thema gemacht... Und ja, ich habe auch sehr bereut, dass ich Ihnen überhaupt davon erzählt habe. Das Vertrauen ist jedenfalls komplett dahin. So kaputt, dass ich das nie angesprochen habe und bis heute stinkig bin.

Darum sage ich immer, man sollte sich die Leute, denen man sich anvertraut, sehr vorsichtig aussuchen!
Vielleicht solltest du mit deinem Vater einmal darüber reden, so richtig, um ihn auch ein wenig aufzuklären... Hast Du das schon gemacht? Es ist schließlich dein Vater, das ist schon etwas, was man ins reine bringen sollte.
Zuletzt geändert von annukka am 21.12.2014, 21:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Verschweigen von MGD

Beitragvon Keks2411 » 21.12.2014, 21:19

Frage mal anders rum fragst du in jedem Geschäft nach wer gerade krank ist ?

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annukka
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Re: Verschweigen von MGD

Beitragvon annukka » 21.12.2014, 21:20

Aber Keks, im persönlichen Umfeld ist das schon etwas anderes, wenn es bewusst verschwiegen wird. Wenn man anders behandelt wird wegen der Phobie...

dariusbritt
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Re: Verschweigen von MGD

Beitragvon dariusbritt » 23.12.2014, 15:04

Keks2411 hat geschrieben:Frage mal anders rum fragst du in jedem Geschäft nach wer gerade krank ist ?

Oder noch mal andersrum: Nehmen Leute im Geschäft Rücksicht auf dich bzgl ihrer Gesprächsthemen?
Kann mich noch gut daran erinnern, wie eine Nutzerin von hier berichtet hat, dass die Person vor ihr an der Kasse und die Kassiererin sich über ihre Magen-Darm Grippen unterhalten haben.

Nur durch eine Konfrontation mit der Angst, kann man sie überwinden, ansonsten baut man sich eine eigene kleine Welt unter einer Käseglocke auf und wenn man diese dann verlässt, stürzt es gleich alles auf einen ein.
Was natürlich nicht heißt, dass jeder einem sofort von allem, was mit MDG etc zutun hat, erzählen muss. Aber eben wie schon von anderen gesagt: Man sollte nicht anders behandelt werden, als die anderen. Außer in Ausnahmesituationen - aber das sind ja, wie der Name schon sagt, Ausnahmen ;)


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