Tipps, Erfahrungsberichte ...

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OnlyMe
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Tipps, Erfahrungsberichte ...

Beitragvon OnlyMe » 17.11.2014, 21:46

Hallo,

zunächst einmal bin ich wahnsinnig froh, dass ich nicht allein bin mit dieser doch relativ unbekannten Störung. Es ist schön, wenn man sich hier untereinander austauschen kann...

Kurz zu mir: Ich bin 21, m, und habe vor kurzem mein Studium abgeschlossen. Seit meiner Kindheit, seit ich ca. 10 bin, habe ich diese Angst vorm Erbrechen. Auslöser war wahrscheinlich eine Magen-Darm-Grippe in der Kindheit, die vorher hatte ich nie Probleme damit, und seitdem immer. Das war ca. 2003.

Seitdem ist diese Angst immer präsent, wenn ich höre, dass jemand im Umfeld Magen-Darm-Grippe hat. In Schulzeiten war das kurioserweise weniger schlimm, es hat mich auch bis 2011 nicht mehr erwischt! Da hatte die Angst dann langsam nachgelassen, weil es nicht mehr passiert ist. Von 2009 bis 2011 war ich auch in Verhaltenstherapie, nur geholfen hat mir das relativ wenig ...

2011 hat es mich dann also wieder erwischt, und seitdem ist es wieder sehr schlimm. Im Studium habe ich 1 Jahr lang regelmäßig alle 4 Wochen für ein paar Tage gefehlt, bis ich wieder "die Kurve gekriegt" habe. Die Angst blieb ... Vor allem in den Wintermonaten ist es echt schlimm. Ich schließe gedanklich aus, an anderen Ursachen außer MDG zu erkranken, weil ich penibel und krankhaft auf Mindesthaltbarkeitsdatum, Unverträglickeiten etc. achte. Mittlerweile wurden die früheren reinen "Übelkeitsattacken", die ich mit Lesen und Gewohnheitsritualen bekämpfen konnte, von richtigen Panikattacken abgelöst. Die ganze Palette: Zittern, Schwindel, taube Hände, massive Übelkeit, Kälte... Deshalb bin ich seit 2012 wieder in Behandlung, aber ich merke, dass es wenig hilft, weil immer andere Themen noch behandelt werden, wo die Psychologin meint, dass dies damit zusammenhängen könnte. Ich fühle mich mit dem Problem da im Nachhinein ziemlich ignoriert.

So ging das dann weiter bis März 14, wo es mich wieder erwischt hatte. Und das auch noch im Beisein einer Freundin, da war für mich eine Schamgrenze überschritten. Gleichwohl hat es wahnsinnig gut getan, dass sie sich um mich gekümmert hat, das hat ein wenig meiner Angst wieder genommen. So wie es generell bei Panikattacken besser wurde, als ich mit jemandem darüber reden konnte. Natürlich ist deswegen die Ursache nicht weg.

Mittlerweile tritt die Angst fast täglich abends auf (da es sonst fast immer abends passiert ist). Ich kann quasi darauf warten, und gerade deswegen passiert es ja. Panikattacken, aber zum Erbrechen kommt es nicht. Mittlerweile schränkt es mich aber auch wieder bei meiner Freizeitgestaltung ein, ich traue mich nicht mehr mit Freunden etwas zu unternehmen, aus Angst, dass es wieder passieren könnte.

Auch schlimm für mich ist, dass ich beruflich eingespannt bin und immer im Hinterkopf habe: "du darfst jetzt nicht ausfallen, erst nächsten Monat hättest du Puffer". Das beflügelt die Gedanken noch zusätzlich. Noch kann ich mich auf Arbeit zwingen, aber ich habe Angst, dass auch das bald nicht mehr möglich ist.

Ich wende mich an Euch, weil ich hoffe, dass Ihr Erfahrungswerte habt, wie man in alltäglichen Situationen diese Angst unter Kontrolle hält (vllt muss noch dazu erwähnt werden, dass ich bei Auslastung auf Arbeit für diese 8h auf Arbeit kaum Probleme habe). Es ist aber abends und frühs sehr schlimm. Ich mag mich nicht gegen die Emetophobie aufgeben :( Auch wenn der Weg immer schwerer fällt ... Was sind denn kleine Schritte, um mich selbst wieder "unter Kontrolle" zu bringen?

Lg

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Re: Tipps, Erfahrungsberichte ...

Beitragvon Sase » 23.11.2014, 02:08

Hallo OnlyMe,

gar nicht so leicht, da etwas zu raten. Also ich weiß, dass es it 21 ungeheuer schwer ist, aber an dieser Stellschraube solltest du mal zuerst arbeiten:

Auch schlimm für mich ist, dass ich beruflich eingespannt bin und immer im Hinterkopf habe: "du darfst jetzt nicht ausfallen, erst nächsten Monat hättest du Puffer". Das beflügelt die Gedanken noch zusätzlich. Noch kann ich mich auf Arbeit zwingen, aber ich habe Angst, dass auch das bald nicht mehr möglich ist.


Wenn du ausfallen wirst, wird sich auch eine Lösung finden. Ich weiß, dass das unglaublich klingt, das meine ich damit, dass es mit 21 schwer ist. Aber du wirst nach und nach am eigenen Leib erfahren, dass jeder ersetzbar ist (auf der Arbeit) und dass es auch für alles eine Lösung gibt. Du könntest dir selbst eine riesen Menge Druck nehmen, wenn du da ein Umdenken schaffst...
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!


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