Panikattacken durchstehen

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dariusbritt
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Panikattacken durchstehen

Beitragvon dariusbritt » 15.10.2014, 16:23

Hallöchen ihr lieben! Auch nach längerer Zeit mal wieder etwas von meiner Seite.
Zur Zeit geht es mir leider sehr schlecht. Ich habe im Moment aber eher das Gefühl, dass meine Probleme momentan eher mehr in Richtung Agoraphobie als Emetophobie gehen, daher gehe ich jetzt nicht weiter darauf ein (würde auch nur in kontraproduktivem Selbstmitleid enden :P ).

Durch besagte Verschlechterung, komme ich nun seit Jahren PA-freier Zeit immer öfter in den Genuss. Und ich sehe das als Chance, denn dadurch, dass ich die Panikattacken habe, kann ich sie auch durchstehen und überwinden und bleibe nicht ständig in diesem "ich habe Angst, aber nicht genug, um eine Panikattacke zu bekommen"-Zustand stecken, der einfach nicht besser wird.

Nun ist es aber so, dass mir bei den Panikattacken öfter mal ziemlich arg schlecht wird bzw mein Kreislauf auch zusammenbricht. Soweit ja nicht überraschend. Aber das sind ja genau die Dinge, vor denen ich so extrem große Angst habe.

Also angenommen, ich würde mich jetzt tatsächlich während einer Panikattacke übergeben bzw richtig umkippen - wäre die Konfrontation dann trotzdem noch erfolgreich? Weil es ja dann quasi so eine Bestätigung ist von wegen "Tja, siehste, wenn du in eine solche Situation gehst, musst du dich übergeben. Wusstest du doch."?

Ich erinnere mich nämlich vor langer Zeit mal irgendwas davon gelesen zu haben, dass während der Konfrontationstherapie auch eine Re-Traumatisierung stattfinden kann und weil ich selbst auch schon einmal eine "Bestätigung" meiner Angst erleben musste (auch wenn ich in der Situation selbst schon gar keine Angst mehr hatte (*)) und seit dem dadurch in dem Bereich wieder extrem große Probleme habe, habe ich immer Angst, mich durch die Konfrontation nur noch weiter einzuschränken, anstatt mich der Angst zu stellen.

Meist sind die Situationen, in denen ich Panikattacken bekomme ohnehin therapeutisch/psychologisch begleitet. Aber trotzdem habe ich da manchmal so meine Bedenken.

Ach so und noch eine Frage am Rande: Ich war in letzter Zeit schon mal wieder oft davor, im Geschäft eine Panikattacke zu bekommen. Ich muss dann immer anfangen zu heulen und bekomme diesen Drang richtig krass rumzuschreien (was ich aber nicht mache, nur es ist so ein Druck auf der Brust und ich habe das Gefühl, der geht nur weg, wenn ich schreie) und wegzurennen. Wären es jetzt irgendwelche Geschäfte, wäre mir das ja egal. Aber ich habe leider ein Geschäft direkt vor der Haustür, in dem ich bis vor kurzem fast täglich einkaufen war und ich weiß, dass mich die Verkäuferinnen (er)kennen. Da habe ich ziemliche Hemmungen, einfach das Heulen anzufangen. Stattdessen verzichte ich lieber auf die Hälfte meines Einkaufs, damit ich schnell bzw bevor ich anfange zu weinen, das Geschäft verlassen kann. Hat jemand von euch schon mal so eine schlimme Panikattacke in einem Geschäft gehabt? Oder in einer vergleichbaren Situation, eben wo die Leute einen vom sehen her kennen aber weder den Namen noch sonst etwas.

(*) weil Trigger im Anhang: Die Situation war, dass ich beim Arzt im Wartezimmer saß, allein mit einem anderen Patienten. Dieser andere verschwand dann auf die Toilette. Ich dachte mir nichts dabei, zum einen weil ich ihn am Empfang(?) irgendwas über seine Augen sagen hörte und zum anderen weil ich schon seit ein oder zwei Jahren ständig bei diesem Arzt war und sehr viele Leute ins Badezimmer ein- und ausgehen sehen habe. Plötzlich hörte ich ihn jedoch würgen und husten. Das eine Mal habe ich dann so hingenommen. Direkt beim nächsten Mal, als ich dort war, war jedoch folgendes: Ich saß im Wartezimmer und ein Patient war im Badezimmer. Ich weiß nicht, ob die Schwester das nicht wusste oder sie es nicht gestört hat, jedenfalls hat sie genau in dem Moment Toilettenpapier reingestellt und - wie sollte es auch anders sein - dort drin hat sich jemand übergeben. Bis zu diesem Tag war ich fast wöchentlich beim Arzt und saß jedes Mal um die zwei (manchmal sogar mehr) Stunden im Wartezimmer, ohne nennenswerte Angst. Aber nach diesen zwei Erlebnissen, habe ich massive Probleme mit Wartezimmern und warte fast immer vor der Tür - auch im Winter.

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Re: Panikattacken durchstehen

Beitragvon Sase » 15.10.2014, 19:36

Mh, das ist eine echt gute Frage. Vielleicht hat ja jemand eine fachmännische Antwort drauf :gruebel:
Also ich denke: Es ist situationsabhängig.
Die fachmännische Konfrontation geht ja davon aus, dass durch die Konfrontation mit dem Angst auslösenden Stimulus Angst erzeugt wird und mit der Zeit gelernt wird, dass diese ungefährlich ist (und sich in Folge abbaut) - mal so ganz einfach gesagt. Immer wieder Angst haben, ohne das was passiert, soll dazu führen, dass das Gehirn rafft: Es ist sinnlos Angst zu haben, weil es passiert ja gar nix.

Wenn du jetzt aber bereits in einer Panikattacke bist, die durch was auch immer ausgelöst wurde und du dich dann übergibst, mh, keine Ahnung. Also rein vom Gefühl her würde ich sagen, dass es kontraproduktiv ist, da dein Körper in einer Alarmhaltung ist und dann tatsächlich etwas eintritt, das du als gefährlich empfindest. Also einerseits kann ich mir nicht vorstellen, dass man in dem Moment dann wirklich umschalten kann und schwupps, Panikattacke zu Ende und "war doch nicht so schlimm".
Andersherum geht es ja eber den meisten so, dass sie nach dem Erbrechen erstmal sagen "Man, eigentlich war das gar nicht schlimm!" - und ich behaupte mal, die meisten EmetophobikerInnen hatten davor eine Weile immense Panik.
Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Konfrontationstherapie überhaupt Sinn macht (in ihrer Konzeption), wenn die meisten Menschen durch die Konfrontation dann retraumatisiert und noch mehr geängstigt würden - also mit therapeutischer Begleitung ist das mit Sicherheit auch nochmal was komplett anderes.

Grundsätzlich kann man jederzeit und überall retraumatisiert werden - auch in einer Therapie. Ich glaube aber, dass da sehr sehr viel mehr Faktoren zusammen kommen müssen, als dass man sich übergibt. Retraumatisierung ist eine sehr sehr komplexe Sache, so komplex, das Menschen oftmals lange Zeit gar nicht erkennen, dass sie retraumatisiert wurden (z. B. Missbrauchsopfer, die später im Job aus unerklärlichen Gründen Schwierigkeiten kriegen oder Menschen mit komplexer posttraumatischer Belastungsstörung).

Sprich doch deinen Therapeuten mal darauf an! Ich fänd es auch sehr interessant, was er dazu sagt!
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Re: Panikattacken durchstehen

Beitragvon aniiram » 08.11.2014, 18:41

dariusbritt hat geschrieben:Nun ist es aber so, dass mir bei den Panikattacken öfter mal ziemlich arg schlecht wird bzw mein Kreislauf auch zusammenbricht. Soweit ja nicht überraschend. Aber das sind ja genau die Dinge, vor denen ich so extrem große Angst habe.

Also ich hab die Erfahrung gemacht, dass ich bei Panikattacken immer das hab, was mir am meisten Angst macht. Oder sie zu einer Zeit hab, wo es für mich am schlimmsten wäre. Früher war das noch das Einkaufen. Ja, ich hatte auch im Geschäft schon mal leichte Panikattacken. Aber rannte da nie raus, sondern blieb drinnen und hab abgewartet, obwohl ich Angst hatte, da wen voll zu kotzen. Aber ich hab bei Panikattacken ja auch wirklich gekotzt! Jetzt hab ich Panikattacken eigentlich, schon seit längerer Zeit, nur noch zu Hause und nie draußen, weil ich weiß, dass ich unterwegs immer gut abgelenkt bin und da nichts Schlimmes passieren würde.

Ich hab auch gemerkt, dass sich das mit dem Ort und der Uhrzeit bei Panikattacken etwas verändert mit der Zeit. Früher wars für mich noch extrem schlimm, wenn ich am Abend vorm Schlafengehen voll die Panikattacke hatte. Jetzt ist das nicht mehr so schlimm und das letzte Mal, als ich etwas schlimmere Panikattacken hatte, hat sich das ganze auf den Vormittag verlagert und das hat mich voll fertig gemacht.

dariusbritt hat geschrieben:Also angenommen, ich würde mich jetzt tatsächlich während einer Panikattacke übergeben bzw richtig umkippen - wäre die Konfrontation dann trotzdem noch erfolgreich? Weil es ja dann quasi so eine Bestätigung ist von wegen "Tja, siehste, wenn du in eine solche Situation gehst, musst du dich übergeben. Wusstest du doch."?

Schwer zu sagen. Ich bin halt kein Emo, sondern hab ne generalisierte Angststörung und kotze immer mal wieder bei extremen Panikattacken. Deswegen hatte ich anfangs voll die Angst vorm Kotzen (also Angst vor der Angst). Hab dann mit der Zeit gelernt, dass ich nicht verhungere (war einer meiner größten Ängste früher), wenn ich eine härtere Angstphase über ne Woche hatte und öfters mal kotzen musste. Und ich hab gelernt, dass die Panikattacken nicht durchgehend da sind (hatte oft mehrere hintereinander und dann ein paar Tage lang extreme Angst mit Panikattacken) und dass die Angst vergeht. Also hab ich das Kotzen dann als weniger schlimm gewertet. Aber das mit meinem Kotzen ist halt anders als eure Angst vor dem Kotzen.

Aber jede Panikattacke hat ja irgendwie damit zu tun, dass man oft - also ich kann es nur von mir sagen - Angst hat, etwas nicht kontrollieren zu können. Man hat gerne sich selbst im Griff, versucht das anfangs durch Vermeidungsverhalten und Scheinsicherheiten. Und die Panikattacke macht dann alles Mögliche mit einem und entzieht einem die Kontrolle. Als ich mal gemerkt hab, dass man eigentlich so gut wie nichts wirklich kontrollieren kann, sondern man immer nur das Gefühl hat, dass man etwas kontrollieren kann und eigentlich in einer Welt lebt, wo sich alles ständig verändert, ist es mir dann auch mit der Zeit besser gegangen.
Also was ich eigentlich sagen will: vielleicht hilft es dir, wenn du heraus findest, was hinter deinen Panikattacken steht. Was du genau damit verbindest. Ob es auch eine Angst vor Kontrollverlust ist? Oder was anderes?
"Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten." - Albert Einstein.


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