Ich kann nicht mehr

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

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ichhalt123
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Ich kann nicht mehr

Beitragvon ichhalt123 » 03.08.2014, 17:20

Hallo zusammen, ich männlich 31 Jahre bin schon seit einiger Zeit hier im Forum angemeldet. Ich kämpfe schon mein ganzes Leben mit der Angst in der Öffentlichkeit zu essen. Es gab Phasen in denen es besser war, aber zurzeit ist es so schlimm wie nie zu vor. Ich dachte lange Zeit daran an Emotophobie zu leiden, also die Angst zu Erbrechen. Davor habe ich ja auch "Angst"... Angst zu ersticken, angst in so einer Situation Plamiert zu werden, oder eben alleine und hilflos zu sein.
Mein ganzes Leben zieht sich durch mit Problemen. Schon als Kind hatte ich diese Angst, war und bin immernoch ein "Mutterkind" Habe Angst alleine, fühle mich wie ein Kleinkind im erwachsenen Körper. Meine Eltern trennten sich als ich ca. 3 war.

Das ganze ging durch Schule und Beruf. Mehrere Stellen, immer nur Probleme. Für kleines Geld oder ganz umsonst gearbeitet. Teils 15 Stunden täglich. Das ging über 10 Jahre. Ich war täglich mit den nerven fertig, kam abends Heim, aber meine Familie interessierte das nicht. Ich hatte wutausbrüche, habe gegenstände zertrümmert, wurde höchstens als Spinner deklariert, aber hilfe, von niemanden. Habe mehrere Ärzte durch. Depressive Phase, das wars. Antidepressiva verschrieben bekommen, weil ich immer Aggressiv / Aufbrausend war. Mirtazapin, nehme ich seit 2 Jahren. 15mg Abends. Ich habe jetzt selbst entschieden abends nur noch eine halbe zu nehmen. ich hasse Tabletten. Fühle mich als wenn mich die dinger Kaputt machen.
Bin auch zurzeit in Therapie, einmal die Woche 50min. Aber ich kann doch nicht mehr. Bin 0 Leistungsfähig. Schleppe mich jeden Tag auf die Arbeit. Habe angst meinen Job zu verlieren. Bin vor 2 Jahren wegen dem Job über 300km weit weg gezogen. Lebe hier allein in einer kleinen Wohnung. Hatte noch nie eine Beziehung, und auch keine Aussicht darauf. Ich stehe auf Jungs, und das ist das nächste Problem. Ich hasse mich. Habe das Gefühl das alles schlecht bzw. schwierige auf mich kommt. Warum nur? Ich habe als Kind gelitten, Beruflich nur gelitten. Jetzt einen Job der echt super ist, aber ich einfach nicht mehr kann. Was soll ich denn bitte machen? Einmal die Woche 50min reden? Wie soll das gehen. Habe die ganzen Ärztegänge satt. Ich will einfach nicht mehr. Ich bin mein ganzes Leben allein. Für was denn? Um zu Arbeiten und abends in Bett zu gehen. Immer alleine? Welchen sinn soll das Leben bitte haben? Ich stelle mir manchmal vor von einem gleichaltrigen "gezeigt" zu bekommen wie man sich verhält, wie man lebt, wie man Glücklich ist. Eben von einem der diese Probleme nicht hat. Der Glücklich ist, Erfolgreich im Job usw. Eben so das dass Leben einen Sinn ergibt. Ich denke mittlerweile eben das es nicht das Problem mit dem Essen ist, sondern schon eher in richtung Borderline geht. Habe viel drüber gelesen, einen Test im Netz gemacht, wo raus kam das ich davon Betroffen sein "könnte". Es spricht einfach viel dafür.
Mir ist zurzeit wenn ich in Belastungssituationen komme oder unter Menschen bin oft Schwindlig. Ich habe Angst. Mich nimmt keiner Ernst, BITTE HELFT mir!!!

Ich weiß echt nicht mehr weiter. Bin einfach nur noch am Ende. Bitte helft mir.

Betty
Beiträge: 37
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Re: Ich kann nicht mehr

Beitragvon Betty » 04.08.2014, 11:31

Hallo,

ich bin eher selten hier im Forum und hätte heute auch am liebsten geschrieben "Ich kann nicht mehr" (aus anderen Gründen), aber wenn ich Deinen "Hilferuf" so lese, dann möchte man Dir am liebsten wirklich helfen ... aber wie? Du hast so ein negatives Bild von Dir und Deinem Leben - alles ist schlecht. Punkt. Und Du willst nicht mehr. Aber ein bisschen musst Du schon wollen, sonst ist auch eine Therapie nutzlos. (Die Medikamente hätte ich auch nicht eingenmächtig reduziert, glaube ich, ...

Ohne jetzt wie ein Therapeut klingen zu wollen ... es wäre gut, wenn Du erst mal akzeptierst, dass alles so ist, wie es ist: Ja, Du hast Angst. Ja, Du bist oft allein. O.k. Und dann musst Du versuchen, Deine Blickrichtung am besten in die Zukunft zu richten und zu ändern. In kleinen Schritten. Du hast gesagt, dass Du einen Job hast, der echt super ist. Das hat doch nicht jeder! Du hast Spaß daran, oder? Ich finde, das ist schon mal ´was. Nimm das einfach mal so hin, ohne gleich zu denken, "ja, aber ich habe Angst ihn zu verlieren.etc."
Was tut Dir gut? Hast Du Hobbies? Wie kannst Du ein bisschen mehr Energie gewinnen?
Ich finde es auch nicht schlecht, dass Du Dir einen Gleichaltrigen vorstellst. Ein innerer Coach irgendwie. Für mich ist das z.B. eine Arbeitskollegin, die eine ziemlich lockere Einstellung hat. Ich stelle mir vor: "Was würde sie jetzt in dieser Situation tun?" "Wie würde sie das sehen?" Das hilft mir schon ziemlich, wenn ich alles schwarz sehe.
Und Du bist viel besser, als Du denkst. Du bist so weit weg gezogen für Deinen Job - das ist mutig. Darauf kannst Du stolz sein. Vielleicht erwartest Du auch zu viel. Erfolg im Job ist ja schön, aber wichtiger ist, dass er Dir Spaß macht, was Du tust :wink: .
Einen Typen zu finden (der auch noch der Richtige ist) braucht Zeit. Ich fand meinen mit 40 :biggrin:. Es ist doch nicht gesagt, dass Du ewig Single bleibst.
Ach ja, und Agressivität, d.h. mal so richtig Dampf ablassen, ist nicht immer "schlecht" und kann durchaus befreiend sein. ;D
O.k.,ich hör schon auf. Mir war eben nur so danach, Dir irgendwie zu helfen, die Dinge mal aus einer anderen Perspektive zu sehen (für Dich sicher schwer, ich weiß, aber bitte versuch es).
Ich wünsch Dir wirklich alles Gute und hoffe, dass auch die Therapie nicht ganz umsonst ist.

Liebe Grüße
Betty

Ohlone
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Re: Ich kann nicht mehr

Beitragvon Ohlone » 12.08.2014, 14:22

Ob du es nun Borderline nennst oder was auch immer, das ist völlig egal. Ich finde es wird sehr deutlich, dass der traumatisierte Teil von dir immer noch in einer Zeit festhängt, in der du dich vlt gefragt hast, ob du die Schuld an der ganzen familiären Misere trägt. Nun ist es deine Aufgabe, deinem inneren Kind beizubringen, dass dies nicht so ist. Und dafür braucht man vor allem erstmal Mitgefühl mit sich selbst. Dass du dich im Hier und Jetzt verbiegst und immer wieder in Frage stellst, hat doch nur damit zu tun, dass du im Kern das Gefühl hast, nicht in Ordnung zu sein, was sich im Leben solange wiederholt, bis man bewusst lernt, sich selbst zu lieben und seine Vergangenheit zu akzeptieren. Solange eine traumatische Kindheit wie ein Schatten über dem liegt, was du im hier und jetzt tust, bist du nicht frei. Frage dich, was der kleine Junge, dessen Eltern sich gerade getrennt haben bräuchte, um wieder Vertrauen zu fassen? Frage dich, wie eine Therapie dabei helfen könnte, genau an die Stelle zu gehen, wo der alte Schmerz sitzt. Kannst du dem Therapeuten vertrauen oder hoffst du, dass durch Reden einfach irgendwie alles besser wird?

Deine jetzige Situation zeigt dir, dass DU etwas ändern musst. Beim Lesen bekommt man das Gefühl, dass du in ein Leben hineingesetzt wurdest, welches überhaupt nicht deines ist. Versuch doch mal, dich selbst kennen zu lernen, neben dem Schmerz auch die guten Dinge wahrzunehmen und vlt verstehst du dann, dass das Leiden notwendig war, um etwas zum Positiven zu verändern. Das klingt vlt erstmal komisch, aber bei mir war es auch nicht anders.

Viel Erfolg!


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