essen in der öffentlichkeit

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Plattfuß
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essen in der öffentlichkeit

Beitragvon Plattfuß » 29.07.2014, 08:39

hallo leute,
vielleicht könnt ihr mir ja ein paar tipps geben, wie ich noch besser an mir arbeiten kann.

ich habe große probleme mit anderen menschen bzw alleine in der öffentlichkeit zu essen. dabei ist es egal obs warme oder kalte speisen sind. ein absolutes no go sind kantinen oder restaurants - besonders wenn viele menschen da sind und es relativ eng ist. das problem habe ich schon länger - habe mich aber nicht regelmäßig solchen situatiunen ausgesetzt und gezielt umgangen. :ja:
muss ich solche situationen durchstehen, bin ich angespannt, ich bekomme druck auf dem oberbauch, mir wird übel und ich bekomme angst mich zu erbrechen.
vor dem "akt" habe ich eigentlich keine angst, das problem ist nur dass ich angst habe was die anderen von mir denken (also das wäre die angst - eigentlich ist es mir egal nur halt unangenehm).

die problematik hat sich nun auch auf aktivitäten die nix mit essen zu tun haben ausgeweitet. d.h. wenn ich einkaufen muss und in der schlange stehe, bahn fahre, bei freunden bin - also in allen lebenslagen in denen ich ausgeliefert bin - nicht flüchten kann und "warten" muss.
körperlich ist es immer das gleiche spiel. ich bin angespannt, bekomme druck auf dem oberbauch, mir wird übel und ich bekomme angst mich zu erbrechen. die sache entspannt sich (wie auch beim essen), wenn ich aus der situation raus bin und entspanne. dann stoße ich 3-4x auf und der druck wird deutlich weniger bzw ist weg.
ich blockiere in den situationen aber so dermassen, dass ich nicht aufstossen kann bzw den druck als "erbrechen" deute.

nunja, ich stelle mich nun seit einiger zeit jeden tag der "mittag-essen"-situation, indem ich in die stadt fahre und in kaufhäusern versuche eine kleinigkeit zu essen. panik bekomme ich nicht mehr aber bin dermassen angespannt, wenns ernst wird. was zu essen habe ich bis jetzt noch nicht geschafft. dann flüchte ich und suche ne alternative wo ich nicht gebunden bin und schneller wegkomme. das heisst meistens mcd oder burgerk. das essen schmeckt mir gar nicht, ich habe aber keine andere alternative. meistens esse ich dann im laufen oder in der bahn - was geht. bei denen im laden zu essen geht aber nicht.

wenn ich was gegessen habe hält die "übelkeit" in der öffentlichkeit an. die angst mich zu übergeben ist immer da.

danke fürs lesen, ich wäre dankbar für nützliche hilfestellungen jeglicher art.
eine therapie mache ich gerade.

Laay
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Re: essen in der öffentlichkeit

Beitragvon Laay » 30.07.2014, 13:28

Hallo Plattfuß

Dein Text könnte von mir geschrieben sein vor ca. 4-5 Jahren :D

Ich denke du machst das schon ganz gut. Du machst ja eine Therapie (was für eine?) und bist selber am üben. Mir hat das üben im Alleingang enorm viel gebracht. Also bei mir ging es vorallem darum, dass ich nicht in Restaurants essen konnte. Einfach weil ich dort immer das Gefühl hatte, ich sei an den Tisch gefesselt und alle Gäste würden mich anstarren, wenn ich mich irgendwie komisch verhalten würde. Im Endeffekt ging (und geht) es nur darum, dass ich Angst hatte negativ aufzufallen. Sei es, dass ich Angst hatte über den Tisch zu kotzen oder auf dem Weg aufs Klo vor allen anderen zu stolpern. Ich habe mir damals eine Freundin geschnappt, bei der mir echt nichts peinlich war. Also vor der hätte ich auch schreiend aus einem Restaurant laufen können und mir wäre es nicht unangenehm gewesen. Und mit ihr habe ich dann essen-gehen geübt. Später dann mit meiner Mutter und Schwester... einfach immer geübt, bis ich das Essen geniessen konnte.
Bei mir hatte es einfach sehr viel mit dem Selbstvertrauen zu tun. Und an diesem Selbstvertrauen habe ich dann auch gearbeitet... also viel mehr Sachen unternommen, mich mehr gewagt, einfach immer ein Stückchen mehr. Und auch geübt, dass es egal ist was andere von mir denken. Also z.B. mit extrem fettigen Haaren durch die Stadt laufen und sich nicht darum kümmern was jemand von dir denken könnte. Oder: Musik über Kopfhörer hören und mitsingen :lol: Ich glaube das hört sich immer doof an, selbst wenn man singen kann und ich kann überhaupt nicht singen.

Und dadurch sind bei mir viele Ängste verpufft, da ich mir keinen Kopf mehr gemacht habe, was man von mir denken könnte. Und wenn ich deine Story so lese, könnte ich mir vorstellen, dass das bei dir ähnlich wäre.

ich blockiere in den situationen aber so dermassen, dass ich nicht aufstossen kann bzw den druck als "erbrechen" deute.

Gibt es nichts, mit dem du dich locker machen kannst? Also ich hatte ganz früher eine etwas dumme Methode, aber sie hat gewirkt (obwohl es auch unter negativ auffallen fällt). Ich habe etwas Wasser getrunken und absichtlich etwas auf mein Shirt geschüttet. Einfach damit ich ein Grund hatte über mich selber zu lachen und meist hat dann auch jemand neben mir geschmunzelt. Es ist doof und keine Lösung auf Zeit, aber ich war dann wieder lockerer und nicht mehr in diesem Panikrausch.

Ansonsten heisst es ja oft, dass man solche Paniksituationen aushalten soll - aber wieso sollte ich Panik aushalten, wenn ich an der Supermarktkasse stehe? Bringt einem das wirklich was? Ich weiss ja, dass mir in dieser Schlange nichts passiert. Ich bin da immer etwas zwiegespalten was das aushalten und durchleben einer Panikattacke angeht. Und frage mich ob das wirklich etwas bringt...

Zu Hause hast du dann überhaupt kein Problem was das Essen angeht?

Liebe Grüsse
Laay
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Re: essen in der öffentlichkeit

Beitragvon Plattfuß » 30.07.2014, 15:20

hallo laay,
vielen dank für deine antwort!
ja zu hause habe ich gar keine probleme, nur eben auswärts.

zum essen gehe ich alleine. bis jetzt schaffe ich ne bratwurst an der wurstbude einigermaßen entspannt zu essen. heute hab ich mich sogar hinsetzen können. dabei esse ich und beobachte die leute. allerdings ist die übelkeit dennoch vorhanden die mich ans übergeben denken lässt :( . es kommt bzw kam aber niemals etwas :D

in der kantine bekomme ich eigentlich erst richtig panik wenn ich das tablett nehme und mich damit an einen tisch setzte - egal ! wieviele menschen da sind. es fühlt sich dann so an, als ob ein riesen ballon in meinem bauch aufsteigt und raus will k.a. wie ichs sonst beschreiben soll.

zum thema selbstvertrauen - ja das ist halt deswegen im keller bzw ist das essen/das denken sich übergeben zu müssen mein wunder punkt, sodass ich viel vermeide bzw vermieden habe.

Laay
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Re: essen in der öffentlichkeit

Beitragvon Laay » 30.07.2014, 17:25

Ja aber ich finde diesen ersten Schritt, dass du es angehst und dranbleibst obwohl dir übel ist schon mal klasse. Das es einfach ist, hat niemand gesagt ;)

Mach dir doch eine Liste von allen Dingen/ Orten die du vermeidest und fang mit den einfachsten Sachen an. Könnte ich auch mal tun, da gäbe es bestimmt auch noch was. Und du kannst das ja immer mit deiner Therapeutin absprechen, damit sie dich unterstützen kann.
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Re: essen in der öffentlichkeit

Beitragvon annukka » 14.08.2014, 00:22

Ich kenne das ganz genau. Immer wenn ich das Gefühl habe, unter Druck zu stehen und nicht aus der Situation heraus zu können, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass mir - ganz unbewusst - schlecht wird. Besonders schlimm ist das in Essens Situationen in Gemeinschaft. Ich habe es seltener in Restaurants, wie du, das kommt aber auch vor, öfter passiert es mir in kleinen Runden, also Familie, Freunde... Ich würge dann an meinem Essen, kaue ewig auf einzigen Happen rum und ähnliches, nur um zu verstecken, dass jetzt gerade nichts runtergeht. Die Lösung ist: Überlege dir, woher das kommt!
Bei mir ist es die Tatsache, dass ich als Kind oft angeschrien wurde, wenn ich nicht aufessen wollte. Ich wurde dann immer gezwungen. Alle warteten bei Tisch, bis mein Teller leer war, auch wenn ich würgen musste. Da ich recht dünn war, achtete die gesamte Verwandtschaft und auch befreundete Familien darauf, dass ich ja immer aufaß.
Kein Wunder also. Mir hat geholfen, mir zu sagen, dass ich nun kein Kind mehr bin uns mich niemand mehr zwingen kann, aufzuessen. Dass niemand beleidigt ist, wenn ich wenig esse. Dass es nur die Angst vor der Angst selbst ist. Oft gehe ich kurz aus der Situation raus, beruhige mich, dann geht es wieder. Was ist bei dir der Grund? Was kannst du dir selbst sagen, um dich zu beruhigen?


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