Katastrophales Wochenende mit gutem Ende (stooooolz) :D

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Micha_Mausi
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Katastrophales Wochenende mit gutem Ende (stooooolz) :D

Beitragvon Micha_Mausi » 07.04.2014, 18:42

Ein Wochenende das mich zur Verzweiflung trieb, aber letztendlich doch gut ausgegangen ist...
Jeder der den Mut zum kämpfen verloren hat, oder einfach nicht weiß, wie er diese ständige Angst je besiegen kann, dem kann mein heutiger Beitrag vielleicht wieder etwas Mut machen. Ich wollte auch schon aufgeben, aber jetzt weiß ich wieder, dass es sich lohnt zu kämpfen :D

Ich bin der Meinung, jeder noch so kleine Schritt gegen die Emetophobie, ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Am letzen Wochenende, habe ich viele dieser Schritte gemacht und bin fast an meine Grenzen gestoßen. Und weil ich wahnsinnig stolz auf mich bin und auch hoffe, dass ich anderen mit meiner Geschichte Mut zusprechen kann, dass trotz der Angst alles möglich ist, möchte ich euch von meinem letzen Wochenende berichten. (Vorsicht, ist eine lange Geschichte ;))


Am Freitag feierte meine Mama ihren Geburtstag bei uns zu Hause. Das an sich ist ja schon mal eine schlimme Situation für mich, da an Geburtstagsfeiern immer Alkohol im Spiel ist. Ich kannte die meisten Leute die da waren und wusste, dass sich keiner davon maßlos betrinken würde. Also hatte ich wenig Bedenken. Doch zwei Leute auf der Party kannte ich kaum. Meine Schwester hatte zwei Freunde mitgebracht, die im Übrigen auch das ganze Wochenende bei uns waren. Sie hat mir versichert, dass die beiden zwar viel trinken, aber sich von den beiden keiner übergeben müsse. Und weil sie ja ganz genau weiß, dass ich Emetophobie habe, zweifelte ich keine Sekunde an ihrer Aussage und glaubte ihr.

Doch im Laufe des Abends, trank einer von den Jungs immer mehr und als er anfing zu lallen und teilweise nicht mehr geradeaus gehen konnte, machte ich mir doch Sorgen. Also beschloss ich mich kurz in mein Zimmer zu verkriechen um mich wieder etwas zu beruhigen, weil ich mir ja eh sicher war, das die Angst, wie sonst unbegründet ist und eh nichts passieren würde.
Ich war keine 5 Minuten in meinem Zimmer, da hörte ich wie meine Schwester auf (die scheinbar gerade auf die Toilette wollte) zu dem besagten Kerl sagen: "Hey hast du grad gekotzt?" ... :cry:
Dann bin ich natürlich ausgerastet (vielleicht haben einige von euch meinen "SOS-Beitrag" gelesen den ich gleich nach dem Vorfall verfasst habe, weil ich einfach Panik hatte und nicht weiter wusste :biggrin: ) Naja, meine Schwester brachte den Kerl ins Bett. Ich konnte den ganzen Abend nicht mehr zu der Party gehen (die hat eh nicht mehr lange gedauert). Ich versuchte einfach meine Angst irgendwie wieder in den Griff zu kriegen. Immer, wenn der volltrunkene Herr in Richtung Toilette ging, hielt ich mir die Ohren zu (mein Zimmer ist ja direkt neben dem Badezimmer :(), weil ich fürchtete er könnte sich wieder übergeben.

Am nächsten Morgen ging es allen wieder gut, einschließlich mir. Und ich war froh die Nacht dann doch relativ gut überstanden zu haben. Der Samstag verlief eigentlich ruhig. Meine Schwester ging mit ihren Freunden zum Essen, aber kurz darauf brachten sie den am Vorabend Sturzbesoffenen nach Hause, da er wohl noch etwas fertig war. Ich dachte mir nicht viel dabei und der restliche Abend verlief auch gut. Ich hatte mich wieder ganz unter Kontrolle :D

Am Sonntagmorgen, erzählte mir meine Schwester, dass sie gestern ihren Kumpel nach Hause bringen musste, da er sich im Restaurant übergeben musste. Ich hatte sofort wieder Panik. Ich ging davon aus, dass er sich MGD eingefangen hatte. Ich hatte Angst, denn wir wollten in ein paar Stunden alle zusammen nach München fahren, weil ich dort mit meiner Schwester auf ein Konzert wollte. :nein:
Ich wollt es ungern ausfallen lassen, da meine Schwester mir die Karten geschenkt hatte und ich sie nicht enttäuschen wollte. Also versuchte ich mir einzureden, dass der Typ nur was schlechtes gegessen hatte und nicht krank ist.
Ich ging kurz in das Zimmer von meiner Schwester um etwas zu holen, da sah ich neben der Matratze (auf welcher der Besoffenen geschlafen hat), eine Schüssel stehen...
Mir war natürlich gleich klar was das zu bedeuten hatte. Und ich weiß nicht warum, aber ich musste in die Schüssel reinschauen. Keine Ahnung was mich da geritten hat, denn von der Weite sah sie eigentlich relativ sauber aus und somit war ich zwar kurz geschockt, aber hatte keine Panikattacke. Das ist bei mir immer so, ich muss es einfach immer ganz genau wissen :roll:
Ich bin ganz langsam hingegangen und hab die Schüssel genau angekuckt. Und musste feststellen, dass sie benutzt worden war. :shock:
Ich bin sofort wieder in mein Zimmer gelaufen und hätte am liebsten geweint. Ich fand es einfach nur unfair. Ich hatte bisher alles ertragen, hatte all die Erfahrungen die ich dieses Wochenende machen musste überwunden um auf das Konzert gehen zu können. Aber jetzt war es vorbei. Ich konnte unmöglich auf das Konzert gehen. Ich konnte nicht fast 2 Stunden mit jemandem im Auto sitzen, der sich am Wochenende mehrmals übergeben hatte. Es war einfach unmöglich. Ich war an meine Grenzen gestoßen. Und es war enttäuschen, schon wieder versagt zu haben und diese Angst einfach nicht bezwingen zu können. Ich fühlte mich ihr einfach wieder ausgeliefert :cry:

Doch auf einmal machte es in meinem Kopf "klick", wie wenn jemand einen Schalter umgelegt hätte. Und ich dachte nur: "Verdammt! Ich WILL auf dieses Konzert! Ich will mich von der Emetophobie nicht länger einschränken lassen! Ich will wieder das machen können, was mir Spaß macht!" Es war mir urplötzlich egal, ob sich der Typ evtl nochmal während der Fahrt übergeben muss. Ich dachte mir einfach, dann kann ich ja immer noch aussteigen und meinen Papa anrufen damit er mich abholt. Ich wollte es versuchen. Also schluckte ich zur Sicherheit eine Reisetablette, damit mir schon mal nicht schlecht werden konnte, und stieg ins Auto. Die Fahrt verlief ruhig und es ist auch nichts passiert :D
Ich war so stolz, dass ich mich auf einmal in München komplett frei fühlte. Ich wollte jetzt einfach alles machen, was ich sonst nie tun würde. Also bin ich U-Bahn gefahren (hab da zwar nix angefasst, aber immerhin bin ich eingestiegen ;)). Ich habe an der U-Bahn-Station eine Pizza gegessen, ohne mir vorher die Hände zu waschen/ desinfizieren. Nachdem ich vorher nichts berührt hatte, konnte ich mir ja schlecht eine Krankheit einfangen :D Und letztendlich waren wir auf dem Konzert. Zuerst war ich verunsichert und habe mir alle Leute in einer Nähe genau angeschaut. Was, und vor allem wie viel sie trinken, ob sie gefährdet sind sich zu übergeben oder nicht. Aber dann fing die Band an zu spielen, und mir war alles egal. Ich stand ohne Angst dass mir schwindlig oder schlecht wird in der Menschenmenge. Vor einigen Tagen konnte ich mir das noch gar nicht vorstellen, dass ich dazu in der Lage bin. Als ich dann nach Hause gefahren bin, habe ich nicht einmal mehr eine Reisetablette gebraucht :respekt:
An diesem Wochenende habe ich mich sämtlichen Situationen ausgesetzt, die ich seit Jahren immer vermieden habe, aus Angst es könnte ja etwas passieren. Und es beruhigt mich zu wissen, dass ich im Stande bin, diese Situationen sehr gut zu bewältigen und dabei auch noch Spaß haben kann :D

Ich habe es tatsächlich geschafft. Ich konnte ein anfangs traumatisches Wochenende mit einem wunderschönen Abend beenden.

Und ich kann nur sagen, ich würde es jederzeit wieder tun. :D :D

Sorry, ist echt lang geworden, aber es ist einfach so viel passiert. Ich bin stolz auf mich und kann echt nur jedem empfehlen sich seiner Angst einfach mal zu stellen. Es ist alles möglich, wenn man nur einen guten Antrieb, wie in meinem Fall das Konzert, hat :D

Viele liebe Grüße,
Micha

Sahlina
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Re: Katastrophales Wochenende mit gutem Ende (stooooolz) :D

Beitragvon Sahlina » 08.04.2014, 09:56

Da hast du ja ganz schön was erlebt am Wochenende. Aber Hut ab wie du es gemeistert hast!

Kinabalu
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Re: Katastrophales Wochenende mit gutem Ende (stooooolz) :D

Beitragvon Kinabalu » 09.04.2014, 00:05

Micha_Mausi hat geschrieben: "Verdammt! Ich WILL auf dieses Konzert! Ich will mich von der Emetophobie nicht länger einschränken lassen! Ich will wieder das machen können, was mir Spaß macht!"


Jaaaajaaaajaaa :top: :top: :top: :gut:
Super ich freu mich immer solche Erfolgsgeschichten zu lesen. Das ist der Anfang vom Weg raus :ja:

Ich glaube wo du vielleicht als nächstes ein Auge drauf werfen könntest (neben dem Desinfektionszeug was du ja hete noch wegwerfen willst :wink: ) ist inwieweit dein Umfeld deine Phobie unterstützt. Also dass deine Schwester von deiner Phobie weiß (was ja auch gut ist) und dir dann versichert dass ihre Freunde nicht oft kotzen. Versuch halt immer einen Realitätscheck durchzuführen im Sinne von "Ist das Normal"? Das Problem bei Phobikern ist ja, das wir super gut darin sind under umfeld zu erziehen und an unsere Phobie anzupassen. Aber das hilft uns ja nicht weiter wenn wir versuchen eine Blase um uns zu konstruieren in der jeder in unserem Umfeld die Phobie kennt und uns vor Konfrontation fernhält. Das führt zu so einer Ko-Abhängigkeit bei den Angehörigen die deine Phobie dann mit ihrem verhalten (trotz guter Absicht) mit am Leben halten.

Wenn du dich da jetzt schwer reinversetzen kannst dann stell dir mal vor deine Schwester hätte z.B. Angst vor pinken Pullis (ist jetzt albern ich weiß) und die weißt das. Und das bedeutet natürlich dass du keien pinken Pullis in ihrer Gegenwart mehr trägst, und wenn du einen tragen musst dann ganz heimlich so dass sie es nicht merkt. Aber das reicht ja noch nicht. Als nächstes musst du deinen Freundskreis durchchecken. hast du jemanden der oft pinke Pullis trägt? ja? Tja den kannst du nichtmehr einladen! Hast du jemanden der eventuell mal einen trägt? Najaaa aber ne lieber auch nicht einladen. Die die über bleiben musst du dann vor deiner Schwester verteidigen. "Hast du die Person schon jemals einne pinken Pulli targen sehen? Wie hoch ist demnach die Wahrscheinlichkeit dass die Person sowas heute abend trägt? Und was tue ich wenn da jetzt tatsächlich jemand mit einem pinken Pulli kommt?"
Ganz viel Stress-dabei würde es deiner Schwester gut tuen ab und an mal mit einem pinken Pulli zu tuen zu bekommen (ohne das vorher komplett durchgeplant zu haben, denn das kann man eh nicht planen) um zu merken, dass pinke Pullis zwar hässlich sind aber ansonste garnicht so schlimm :wink:

Ich hoffe du verstehst ein bisschen worauf ich hinaus will. Und das soll jetzt keine Kritik an deinem tollen Erfolg am Wochenende sein! Es ist nur als "Hey das war super toll--guck mal da könntest du mit diesem neuen Mut und Schwung weiter machen"
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Re: Katastrophales Wochenende mit gutem Ende (stooooolz) :D

Beitragvon Micha_Mausi » 09.04.2014, 14:05

Also ich finde die Farbe pink klasse, hätte gern einen pinken Pulli :biggrin:
Aber ich weiß natürlich was du damit meinst, und da hast du wohl auch recht :D Und ich muss sagen, dass ich mir da nie so wirklich Gedanken darüber gemacht habe, hab das so noch nie gesehen. Ich fühlte mich eher immer hintergangen, wenn mir jemand versprochen hat dass sich keiner übergeben wird und es dann doch passiert ist. Naja, ich denke das kann ich lernen, damit anders umzugehen :ja:
Nach diesem Wochenende fühl ich mich eh so, als könnte ich jetzt alles schaffen :biggrin:
Danke auf jeden Fall, muss nämlich ehrlich zugeben, dass ich immer eher egoistisch war was die Emo betrifft. Aber man kann ja nicht immer andere für alles verantwortlich machen :D

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Re: Katastrophales Wochenende mit gutem Ende (stooooolz) :D

Beitragvon Kinabalu » 09.04.2014, 18:05

Micha_Mausi hat geschrieben:Nach diesem Wochenende fühl ich mich eh so, als könnte ich jetzt alles schaffen :biggrin:


Das ist super. Solche Momente braucht man einfach. Und wenn es mal nicht so gut läuft kannst du dich an dieses Wochenende erinnern und dir sagen "Verdammt nochmal-das habe ich doch auch super geschafft-da schaff ich das doch jetzt auch"

Micha_Mausi hat geschrieben:Danke auf jeden Fall, muss nämlich ehrlich zugeben, dass ich immer eher egoistisch war was die Emo betrifft.


Das ist ja nicht umbedingt egoistisch. Es ist ja nur natürlich dass man versucht die Umstände so angenehm wie möglich zu gestalten und es ist auch normal dass Freunde und Verwandte einem soviel abnehmen wollen wir möglich. Aber so gewöhnt man sich halt an solche Strukturen.

Ich finds super dass du dir das direkt zu herzen nimmst. Also bei mir war das am Anfang nicht so leicht. ich hab mich mit Händen und Füßen gegen alles gewehrt :lach: :oops: Also ich find deine Einstellung da schonmal echt super :)
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