Einmal Frust von der Seele reden, bitte!

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

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juliasophia
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Einmal Frust von der Seele reden, bitte!

Beitragvon juliasophia » 01.04.2014, 21:53

Hallo ihr Lieben,

ich bin neu hier, 18 Jahre jung und leide seit gut drei Jahren an Emetophobie, nachdem ich im Januar 2011 Magen-Darm hatte und mich dann immer mehr "reingesteigert" habe. Mein Freund hat bisher alles was ich mache (oder eben nicht mache) so hingenommen und nichts weiter dazu gesagt, mich aber am Wochenende dann doch mal auf das ein oder andere angesprochen. Ich bin dann mehr oder weniger zusammengebrochen, habe geheult wie ein Schlosshund und bin jetzt der festen Überzeugung: Julia, du musst etwas ändern.
Ich kam bisher eigentlich immer verhältnismäßig gut klar, ich war alleine, alles was ich meiden wollte habe ich gemieden, meine Eltern haben eh nicht so viel mitbekommen. Jetzt wo es wieder wärmer wird und man auch wieder öfter unterwegs und nicht mehr im "sicheren Zuhause" ist kommen auch die Schwierigkeiten. Mein allergrößtes Problem ist: Ich habe seit über zwei Jahren absolut NICHTS mehr gegessen, was ich angefasst habe. Nur Sachen wie Müsli oder Dinge die im Ofen waren. Das macht mich unglaublich kaputt. Immer wieder versuche ich, etwas in die Hand zu nehmen und zu essen, aber ich fange dann immer sofort an zu weinen und weiß garnicht mehr wo oben und unten ist. Ich weiß ehrlich gesagt nichtmal, wo genau mein Problem liegt, aber es geht einfach nicht. Ich hab mich jetzt die letzten Monate erfolgreich davor gedrückt, die Eltern meines Freundes kennenzulernen, er war immer bei mir. Aber so langsam reicht es ihm und das kann ich auch mehr als nachvollziehen. Bisher hab ich wie gesagt immer "sichere" Lebensmittel gegessen bzw. einfach ganz auf Essen verzichtet, wenn ich mit seiner Familie am Tisch sitze geht das definitiv nicht und ich hab panische Angst davor, dass ich auch dort anfange zu weinen. Das wäre so ziemlich der schlimmste erste Eindruck den man machen kann.
Auch so bin ich einfach wahnsinnig eingeschränkt in allem was ich tue. Sobald der kleinste Anflug von Übelkeit kommt verfalle ich in totale Panik, ich kann zum Beispiel nur von Geschirr essen dass bei der höchsten Temperatur im Geschirrspüler war, handabgewaschen geht gar nicht. Das Schlimmer (oder Gute?) ist, dass ich weiß dass diese ganzen Verhaltensweisen total unnormal und überzogen sind, aber ich kann nichts dagegen tun. Mich macht das so fertig, ich weiß einfach nicht mehr was ich tun soll.
Hat jemand an paar liebe Worte für mich? :(

Alles Gute für euch!

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ramonacx
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Re: Einmal Frust von der Seele reden, bitte!

Beitragvon ramonacx » 02.04.2014, 04:02

Das mit der Panik kenne ich auch sehr gut. Ich bin 16 und habe das alles schon mein ganzes Leben lang. Ich habe aber vor ein paar Wochen angefangen, mich selbst zu 'therapieren'. Das heißt, ich gehe mit meinem Freund in die Stadt und teile mir mit ihm einen Döner (ging vorher gar nicht für mich, weil ich ja nicht wusste in welchem Zustand die Zutaten sind etc), oder ich fahre mit meinem Papa eine Runde im Auto oder kurze Strecken im Bus (ging auch gar nicht, hab mich vor 2 Tagen das erste mal wieder für 2 Stationen in den Bus gesetzt, ich hatte so Angst mich im Bus übergeben zu müssen, dass ich mich vor Angst wiederum fast übergeben hab :p) war alles im Nachhinein nicht besonders schlimm - klar ist die Angst noch da, aber man weiß auch irgendwo, dass man diese Dinge schaffen kann. Nun zu dir, ich weiß selber wie schwer es ist sich zu überwinden - aber ich glaube dir täte es gut, dich mit einer vertrauten Person (z. B deinem Freund) hinzusetzen, dir ein Brot etc zu machen und gemeinsam mit deinem Freund essen. Du musst dich langsam daran ranrasten, egal wie schwer es dir fällt. Und was seine Eltern angeht.. Ich habe den Eltern von meinem Freund vor etwa einem Jahr gesagt, als ich sie kennengelernt habe, dass ich einfach eine Phobie habe, was Übelkeit angeht. Ich musste nicht viel erklären, sie haben es akzeptiert und kochen zeitweise mit mir zusammen, damit ich weiß, dass das Essen so zubereitet wird, dass ich es beruhigt essen kann. Vielleicht hilft es dir, dir vor dem Essen die Hände zu desinfizieren? Schadet nicht und die eventuellen Bakterien sind auch so gut wie verschwunden.
Ich wünsche dir alles Gute! :)


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