Der eingebildete Kranke!

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Emmy1990
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Der eingebildete Kranke!

Beitragvon Emmy1990 » 22.02.2014, 18:38

Hallo ihr Alle :)

seit einigen Tagen geht mir ein spezielles Thema nicht aus dem Kopf bzw. ein Gespräch mit meiner Mutter.

Ich habe seit Jahren Darmproblemen (Durchfall, Darmkrämpfe ect.). Nach einer Magen-Darmspiegelung im Herbst 2013 kam dann Diagnose "Reizdarm" heraus. Also eigentlich nix organisches. :evil:

Mit meinem Magen hatte ich bisher eigentlich wenig Probleme (bis die Emo wieder ausgebrochen ist vor einigen Monaten).

Nun ist es ja so, dass mir Dauerschlecht ist, also das fängt schon an beim erwachen am frühen morgen..... - mir ist mal wieder schlecht

- dann kommt ein Darmkrampf - ab aufs Klos - mir wird schlechter und immer mehr bekomm ich den Klos im Hals.

Bis vor kurzem dachte ich selbst wirklich daran, dass es teilweise bestimmt nur alles Einbildung ist :| ... aber seit Wochen quälen mich Magenschmerzen, Sodbrennen (hatte ich noch nie davor) und eine noch stärkere Übelkeit.

Also wenn man mich fragt: "Hey wie gehts dir?"... Kann ich jeden Tag das gleiche antworten "Magenschmerzen, mir ist kotzübel, Durchfall, Darmkrämpfe, Bauchgrummeln" - ich werde in diesen Momenten immer sehr panisch und denke jeden Tag mich aufs neue irgendwo mit was angesteckt zu haben.... ABER ich habe diese Symptome.... irgendwas muss doch da sein?! Mein Arzt schrieb mir Prantoprazol auf, aber da gefallen mir die Nebenwirkungen nicht so besonders... und als ich mal 3 Tage hintereinander eine eingenommen habe- wurde es nur noch schlimmer.

Oder kann sich der Körper wirklich sowas antun - --- kann der menschliche Körper sich solche Symptome nur einbilden über solange zeit hinweg?
Ich wurde untersucht und mir fehlt organisch nichts - aber mir geht es jeden Tag so hundeelend, dass doch dort was sein muss?

Vielleicht kennt jemand von euch dass auch oder kann mir das mal erklären, wie man sich Symptome herbeibeschwören kann, ich kann das irgendwie nicht glauben... bzw ich kann mir das nicht vorstellen, dass das Gehirn bzw der Kopf dem Körper soetwas antut, dass wäre ja Selbstverletzung...!?


Ich bin gespannt auf eure Antworten ;D

Emmy

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Schlucki
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Re: Der eingebildete Kranke!

Beitragvon Schlucki » 22.02.2014, 20:52

Hola! :)

kann der menschliche Körper sich solche Symptome nur einbilden über solange zeit hinweg?

Mittlerweile aus eigener Erfahrung: Ja. :wink:
Ich wollts auch immer nicht glauben, aber wenn du dir zum Beispiel vorstellst, was für körperliche Reaktionen man schon kriegt wenn einem irgendwas richtig krass Angst macht oder man Lampenfieber hat(Zittern, usw), warum sollte der Körper nicht auch reagieren, wenn dich permanent irgendwas belastet, ohne dass es dir im Moment bewusst sein muss? Der Begriff Psychosomatik ist ja mittlerweile in aller Munde und imho auch schon lange anerkannt.
Alle Lebewesen ausser den Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu geniessen. Samuel Butler

Natalie
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Re: Der eingebildete Kranke!

Beitragvon Natalie » 22.02.2014, 23:40

Emmy1990 hat geschrieben:Bis vor kurzem dachte ich selbst wirklich daran, dass es teilweise bestimmt nur alles Einbildung ist :|

Hab das auch hinter mir, Reizdarm, Reizmagen, nichts mehr essen können, nicht mehr ausgehen können, eigentlich nicht mehr leben können. Und dann dieses unterträgliche Sodbrennen. Ich war dünn wie eine Magersüchtige, und das absolut unfreiwillig. Die Symptome sind sicherlich keine Einbildung gewesen ;-), aber die Ursache war rein nervlich/psychisch bedingt. Leider hat es Jahre und etliche Medikamente gedauert, bis das - vor allem mir selbst - klar war. Die Beschwerden waren so heftig, dass ich auch der Meinung war, es MÜSSE doch eine körperliche Ursache geben. Dem war aber so nicht. Ich staune bis heute, zu was der Körper in Verbindung mit der Psyche alles fähig ist...

ich werde in diesen Momenten immer sehr panisch und denke jeden Tag mich aufs neue irgendwo mit was angesteckt zu haben....

Im Rückblick musst du zugeben, dass du unmöglich permanent und so lange eine Infektion mit was auch immer gehabt haben kannst. MDG und Konsorten verlaufen ganz anders, und die Übelkeit ist dann auch eine andere. Versuche, diese Erkenntnis als Positiverlebnis zu verbuchen: Du hattest nie wirklich etwas. Also wirst du - sehr wahrscheinlich - auch die nächsten 100x, wenn es dir "schlecht" geht, eigentlich auch nichts haben. Vielmehr musst du lernen, die Symptome als vorübergehende! Wehwehchen zu ertragen, zu ignorieren. Wahrscheinlich kommt es dir jetzt, wo es dir aktu schlecht geht, wie ein Ammenmärchen vor, aber es funktioniert wirklich.
Es hat bei mir länger gedauert, und insbesondere musste ich erst einmal medikametös resettet werden, aber als ich dieses Grundvertrauen erst einmal erlernt habe, gings wieder gut. Ich habe heute noch Wehwehchen, aber a) bei weitem nicht so heftig wie damals, b) habe ich keine Angst mehr, es könnte eine MDG sein. Es geht schon vorbei und ich lasse mich nicht mehr von diesem blöden Hirngespinst so einschränken wie vorher.

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Re: Der eingebildete Kranke!

Beitragvon Dianati » 23.02.2014, 10:42

Ja der Körper kann sowas, der Körper kann sogar noch viel mehr, unterschätze die komplexen Vorgänge zwischen der Psyche und der Physis nicht.
Aus eigener Erfahrung heraus ist es leider so, dass die Psyche sogar noch viel mehr psychosomatische Symptome hervorrufen kann.
Wie bereits gesagt, deine Beschwerden sind real ohne Frage, aber wenn eben keine Ursache gefunden wurde und du an einer Angststörung leidest, dann liegt eben die Ursache nicht im Organischen.

Diesem wird man aber erst beikommen können, wenn man sich eben dieses auch eingesteht.
Du willst nicht wissen, was ich schon im Bekanntenkreis erlebt habe, da wird nicht mehr gelebt, dort wird sich unters messer gelegt, gejammert und gemault, sich selbst bemitleidet und der (nicht übertrieben) 50. Arzt aufgesucht und niemand findet was, aber sie glauben nicht, dass es von der Psyche kommt. Stur? oder Angst vor dem was dann auf sie zukäme? Angst vor Abstempelung psychisch krank zu sein?
Alles kann sein, aber sie schneiden sich alle ins eigene Fleisch. Will man seine Lebensqualität wieder haben, dann muss man in diesen Fällen eben selber was dafür tun, leider ist es so....so schwer es auch ist
LG Dianati
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Schlucki
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Re: Der eingebildete Kranke!

Beitragvon Schlucki » 23.02.2014, 20:07

Will man seine Lebensqualität wieder haben, dann muss man in diesen Fällen eben selber was dafür tun, leider ist es so....so schwer es auch ist

So anstrengend es auch sein mag, muss ich ehrlicherweise sagen, dass sich mir persönlich da auch völlig neue Welten eröffnet haben - was einen auch generell weiterbringt - nur um mal einen zusätzlichen positiven Anreiz für die Arbeit an sich selbst zu nennen. Ich war auch so einer, der meinte, dass das ja alles net sein kann und ziemlich lange versucht hat "klarzukommen" - aus jetztiger Sicht wars eine meiner besten Lebensentscheidungen mich mit meiner Psyche auseinanderzusetzen.

Stur? oder Angst vor dem was dann auf sie zukäme? Angst vor Abstempelung psychisch krank zu sein?

Ich denk mal es ist immer noch son Image-Problem womit da alle zu kämpfen haben, wobei sich das imho langsam ändert. Die Leute mit denen ich bisher darüber gesprochen hab, waren jedenfalls alle recht aufgeschlossen, was das betrifft, muss ich sagen.
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Tinkerbell
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Re: Der eingebildete Kranke!

Beitragvon Tinkerbell » 23.02.2014, 21:53

Emmy1990 hat geschrieben:Oder kann sich der Körper wirklich sowas antun - --- kann der menschliche Körper sich solche Symptome nur einbilden über solange zeit hinweg?


So wie Du Deine Beschwerden schilderst, liegt diesen sehr sicher kein Infekt zugrunde.

Nur weil Deine Beschwerden keine körperliche/organische Ursache haben, heisst es ja nicht dass Du alles nur einbildest. Vielleicht wäre es jetzt im nächsten Schritt für Dich hilfreich, ein Häkchen hinter alles was somatisch ist zu machen und die Psyche in den Blick zu nehmen.


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