Schwierige Situation, Egoismus

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

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Viiii
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Schwierige Situation, Egoismus

Beitragvon Viiii » 07.02.2014, 09:51

Hallo zusammen

Seit längerem habe ich wiedermal eine kleine Krise...
Der Freund von meiner Schwester bekam in der Nacht auf Mittwoch MGD...den ganzen Mittwoch ging es ihm nicht so gut, seine Eltern lagen auch flach...Gestern ging er noch nicht arbeiten, heute hat er es aber scho wieder vor. Am Sonntag war er noch bei uns, natürlich hatte ich Angst dass er meine Schwester bereits angesteckt hatte...bis jetzt geht es ihr aber gut.
Nun ist das Problem, dass meine Familie morgen in die Skiferien fährt und der Freund von meiner Schwester geht mit. Ich bleibe dann für eine Woche alleine zu Hause (ich wohne noch zu Hause). Also hatte der Freund vor, heute Abend zu uns zu kommen. Für mich eine grausame Vorstellung...denn er hat sicher noch Viren in sich und vielleicht auch überall auf sich kleben. Da sich alle in seiner Familie angesteckt hatten, gehe ich davon aus, dass sie ein recht ansteckendes Virus erwischt haben.
Mit Mühe und Not habe ich jetzt erreicht, dass meine Familie ihn am Samstag Morgen irgendwo abholt, damit er nicht zu uns nach Hause muss. Meine Schwester war wirklich sehr sehr wütend, was ich auch vollkommen verstehe. Ihr Freund gab mir durch meine Schwester eine Bezeichnung, die ich jetzt nicht erläutern möchte, da mich dieser Ausdruck sehr sehr verletzt...er meinte, jemand muss mir das endlich gesagt haben. Also ziemliche Kriese bei uns und ich werde ihrem Freund sicher eine Zeit lang nicht mehr vor die Augen treten. Ich schäme mich wahnsinnig fest und habe grosse Schuldgefühle. Andererseit fühle ich mich im Moment überhaupt nicht bereit zum so eine Situation zu überstehen, da ich ja eine Woche lang ganz alleine zu Hause bin. Meine Schule fängt auch wieder an worauf ich mich fest konzentrieren möchte. Und für sie entsteht durch diese kleine Abänderung ihrer Pläne nur eine Stunde Aufwand, aber ich würde eine Woche lang panisch zu Hause sitzen. Also denke ich, dass sie mir diesen Wunsch erfüllen können, wenn man meine Panik doch so leicht umgehen kann. Natürlich ist das ein Vermeidensverhalten, aber im Moment bin ich einfach nicht bereit mit so eine Situation konfrontiert zu werden. Auch wenn er eine andere Toilette benutzen würde, er wäscht seine Hände nachher meistens nicht (zu Hause haben sie nicht mal Seife auf dem Klo, weswegen sich die Krankheit bei ihnen vielleicht auch so rasant ausgebreitet hat) und würde alles bei uns anfassen und ich könnte eine Woche lang nur vorsichtig in der Wohnung herumlaufen. Meine Mutter gibt sich grösste Mühe um mich zu verstehen und steht hinter mir.
Trotzdem fühle ich mich jetzt wahnsinnig schlecht, denn es ist schon eine unangenehme Situation. Ich habe meiner Schwester vorgeschalgen, dass sie ja auch schon eine Nacht vor der Abreise zu ihm gehen könnte, wenn sie ihn unbedingt heute schon sehen will. Da meinte sie aber auch, dass dort ja überall Viren herumschwirren. Ausserdem gab sie zu, dass sie auch Angst hat sich anzustecken (ihr macht das brechen aber wirklich praktisch nichts aus). Es nimmt mich wunder, ob sie noch ein bisschen Abstand zu ihm halten wird und Körperkontakt vermeidet. Denn ich denke, sie wird das Risiko, angsteckt zu werden, voll eingehen. Es sind erst zwei Tage seit seiner Erkrankung vergangen, was für mich einfach zu kurz ist, um ihn in meiner Nähe haben zu können. Müsste ich nicht eine Woche alleine sein, wäre ich das Risiko vielleicht auch eingegangen, denn ich möchte doch meine Angst überwinden. Ich vertraue meiner Schwester im Moment nicht wirklich (wir haben ein ziemlich schlechtes Verhältnis) und befürchte jetzt sogar, dass er trotzdem zu uns kommt da sie sich beide so klug fühlen und zu wissen meinen wie sie meine Angst therapieren können. Mit Konfrontation. Das ist das Leben, meinte sie. Natürlich hat sie Recht, aber wenn man es jetzt doch umgehen kann wieso mir dann eine schwierige Zeit bescheren? Denn so ein grosser Aufwand wird das für sie nicht. Trotzdem ist das sehr egoistisch von mir und ich bin jetzt sehr traurig, dass meine Angst schon wieder gesiegt haben zu scheint. Mich würde eure Meinung zu dieser Sache sehr interessieren. Wart ihr manchmal auch so egoistisch? Findet ihr nicht auch, dass die Familienmitglieder einem manchmal ein bisschen Last abnehmen können, wenn es für sie doch weniger Mühseligkeiten bereitet als für einem selber?

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Re: Schwierige Situation, Egoismus

Beitragvon Glycerine » 07.02.2014, 10:46

Auch wenn du bereit bist, solche Konfrontationen nicht einzugehen, du solltest es tun. Aus dem ganz einfachen Grund, dass es eher selten ist, dass diese Bereitschaft selten von alleine kommt. De facto hilft meist nichts anderes, als sprichwörtlich mal ins kalte Wasser zu springen.
Wenn du erwartest, dass deine Familie Verständnis für sich aufbringt, dann würde ich mal versuchen, mich in die Situation des Freundes hineinzuversetzen. Er wird unglücklicherweise krank und das noch kurz vorm Skiurlaub und dann ist da jemand, der ihm in seiner ,,Not" auch noch verbietet, die Nacht vor dem Urlaub mit seiner Freundin zu verbringen. Der gute fühlt sich mit Sicherheit auch abgelehnt und schlecht, weil du dich vor ihm und den Viren so ekelst.

Versteh mich nicht falsch, ich will dich damit nicht in geringsten angreifen, aber es gibt eben immer zwei Kehrseiten einer Medaille und manchmal ist es nicht verkehrt, wenn die Angehörigen uns den Kopf waschen und unser ,,beklopptes" Verhalten nicht tolerieren. Denn das fuhrt letztlich dazu, dass das immer weiter einreißt. Beim nächsten Mal hat die Cousine des Schwagers MDG, dann soll er nicht mehr kommen. Dann ist er an einem Krankenhaus mit Noroverdacht vorbeigefahren etc.
Das klingt übertrieben, aber sowas kann passieren, wenn man sich der Spirale des Vermeidungsverhaltens hingibt.
Versuch den Menschen etwas mehr zu vertrauen. Besonders auch im Hinblick darauf, dass sie ihre Körperhygiene auch pflegen, ohne, dass du dich darum kümmerst ;)
„Im Leben geht es nicht darum,zu warten bis das Gewitter vorbeizieht, es geht darum, zu lernen, im Regen zu tanzen. “

Glycerine
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Re: Schwierige Situation, Egoismus

Beitragvon Glycerine » 07.02.2014, 10:46

Sorry. Im ersten Satz fehlt ein ,,nicht". Ich muss aufhören mit dem Handy zu tippen. Seufz.
„Im Leben geht es nicht darum,zu warten bis das Gewitter vorbeizieht, es geht darum, zu lernen, im Regen zu tanzen. “

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Re: Schwierige Situation, Egoismus

Beitragvon Gina » 07.02.2014, 11:42

Liebe Viiii,

oje, dass ist wirklich eine ziemliche blöde Situation. :|
Wie Glycerine schon beschrieben hat, solltest Du tatsächlich die Lage des Freundes mehr Beachtung schenken.
Du handelst gerade aus der Angst heraus und verletzt damit Menschen, die Dich sehr lieb haben.

Ich kann Dich so gut verstehen und gerade deshalb kann ich Dir nur den Tipp geben, Dich Deiner Angst zu stellen. Es werden immer wieder Situationen kommen, in denen Du sonst vergleichbar handeln wirst und das bringt Dich kein Stück weiter.

Früher war mein erster Gedanke auch Flucht oder den betroffenen in die Flucht schlagen. Aber im Grunde führt das meist zum Ärgernis im Umfeld. :(

Versuch das beste daraus zu machen :wink:

Gina

Viiii
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Re: Schwierige Situation, Egoismus

Beitragvon Viiii » 09.02.2014, 20:42

Vielen Dank für die Antworten!:)

Ihr habt natürlich beide Recht. Ich darf mich nicht davor drücken und das weiss ich auch...dieses Mal ging es aber einfach nicht. Das war ein Rückschlag meinerseits, nach den Fortschritten in der letzten Zeit (was letztes Wochenende beim Grossvater von meinem Freund im Altersheim und ihm ging es überhaupt nicht gut. Ich weiss nicht genau was er gehabt hat, aber er hatte Durchfall und konnte fast nicht essen...er meinte er kann nicht, da es ihm sonst hochkommt...und bei diesen Worten sass ich neben ihm auf einem Stuhl...er hustete auch ganz schlimm und war allgemein in einer schlechten Zustand...ich habe diese Situation aber gut gemeistert, bin nie raus und hatte auch nachher keine Panik...). Andererseits erzählte dann der Freund meiner Schwester meiner Familie am Samstag Morgen im Auto, dass es schlussendlich gut gewesen sei, dass er nicht schon am Freitag Abend zu uns kam und noch zu Hause schlafen konnte, da er nochmals Durchfall hatte...ich will ja jetzt nicht behaupten, "ich habs ja gesagt", aber ich ging schwer davon aus, dass seine Krankheit noch nicht ganz ausgestanden war...bin jetzt umso froher, dass er nicht zu uns kam...er ist jetzt glaube ich auch nicht mehr so wütend...ich denke manchmal darf man schon vorsichtig sein...jetzt hoffe ich nur noch, dass es meiner Familie gut geht beim Skifahren.

zuckerl
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Re: Schwierige Situation, Egoismus

Beitragvon zuckerl » 18.02.2014, 01:36

Hallo,
ich denke auch, dass man sich der Angst stellen soll. Nur würde in so einer Situation nicht auch ein "Nicht-Emo" ähnlich reagieren? Wer möchte schon so ne Infektion haben? Für mich ist bei sowas immer sehr schwierig zu unterscheiden, ob es "normales" und angemessenes Vermeiden ist oder eben übertrieben.


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