Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

Moderatoren: Basti, Dianati, *

Emmy1990
Beiträge: 6
Registriert: 17.01.2014, 09:55

Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon Emmy1990 » 03.02.2014, 16:54

Hallo an Alle,

Vielleicht könnt ihr euch noch an mich erinnern, vor einigen Monaten hatte ich mich hier angemeldet und mir stand eine Magen und Darmspiegelung bevor. Der damals eigentliche Verdacht war Morbus Crohn. Nach diesem ganzen Procedere kam dann eine niederschmetternde Nachricht. Ich hatte nichts!!!!! Alle Ergebnisse waren ohne Befund und außer einer kleinen Magenschleimhautentzündung konnte rein gar nichts festgestellt werden. Ich wurde mit der Diagnose "Reizdarm" nach Hause geschickt. Natürlich hört sich das im ersten Moment erstmals super an... Aber in den darauf folgenden Wochen veränderte sich mein ganzes Leben.

Aufgrund meiner dauernden Magen Darm Probleme (die trotz der erleichternden Diagnose) nicht verschwanden wurde ein normaler Alltag für mich zum täglichen Überlebenskampf. Im Oktober ging es in meinem Job auch drunter und drüber und ich konnte ohne Buscopan und lopromed keinen Tag überstehen! Ich war nervlich und körperlich am Ende - Das lag nicht nur an der Emo.
Die ganze Arbeitssituation machte mich zusätzlich fertig ....

Schlussendlich wurde ich von meinem Hausarzt krankgeschrieben und an einen Psychologen weiterverwiesen. Die nächtlichen Magen Darm Krämpfe verschwanden sehr schnell. Ich erholte mich zumindest psychisch sehr schnell. Doch mit der Zeit wurde die EMo immer schlimmer... Erst begann es damit das mein Partner eine leichte Magenverstimmung hatte und kurz darauf ein Familienmitglied die MDG. Und von heute auf morgen war die Emo so stark da wie noch nie zuvor. Ich lebe seit Wochen in einer Art Dauerpanik.

Mein Psychologe, zu dem ich wöchentlich gehe, versucht mir zu helfen und wir sprechen viele darüber. Aber geholfen hat es bis jetzt noch nichts.
Zu allem Überfluss wurde ich dann auch noch aufgrund meiner Krankheit in der Probezeit gekündigt. Aufgrund des Krankengelds und des fehlenden Geldes können mein Freund und ich uns die Wohnung nicht mehr leisten und müssen in drei Monaten ausziehen. Das alles macht mich natürlich zusätzlich auch noch fertig....

Aber am aller schlimmsten ist diese ständige Emo. Mindestens ein bis zweimal die Woche habe ich sehr extreme Panikattacken. Meistens vor dem Essen oder spätestens nach dem Essen... Mittlerweile verweigere ich sogar tageweise das Essen komplett... Ich denke mir immer was ist wenn eine MDG habe und diese ausbricht nachdem ich etwas gegessen habe und ich mich erbrechen muss. Aufgrund meines Reizdarm habe ich leider immer noch das Problem mit dem Durchfall und jedes Mal bekomme ich Panik wenn ich auf die Toilette muss weil ich denke jetzt musst du bestimmt auch brechen.

Wenn ich es dann schaffe tatsächlich etwas zu essen oder gezwungen werde, dann geht der Horror erst richtig los... Jedes Grummeln oder blubbern im Bauch löst langsam einen gesteigerten Puls aus. Und dann kommt die Übelkeit ... In diesem Moment nutzt auch kein einreden von meinem Freund oder von der Familie. Ich verspüre einen Kloß im Hals und eine Übelkeit die für mich in diesem Moment auch wirklich da ist... Egal wer oder was in diesem Moment zu mir gesagt wird ich streite es ab und bin der festen Überzeugung brechen zu müssen.

Mein Freund und meine Familie versuchten die letzten Monate immer und immer wieder mit mir zu sprechen und mich zu beruhigen aber langsam merke ich dass sie mit ihrem verstand am Ende sind. In einer Panikattacke kann ich nicht mehr klar denken, ich laufe wild auf und ab, stoße die ganze Zeit Luft auf, fange an zu zittern und dieses Zittern kann ich auch nicht mehr kontrollieren und manchmal weine ich auch. Mein Freund hat schon versucht mit mir in diesen Situationen spazieren zu gehen gerade nachts und wenn es kühl ist ,hilft mir das sogar manchmal! Alles andere schlägt total fehl ich habe schon versucht mich mit Puzzles abzulenken oder ein interessantes Buch zu lesen oder einen super tollen Film anzuschauen aber meistens kann ich mich darauf nicht konzentrieren für mich zählt in diesem Moment nur "mir ist schlecht".
Tee, Wärmeflasche und ne Ladung MCP helfen dann letztendlich fast nur.

Natürlich kann ich mich so gut wie gar nicht mehr mich mit Freunden treffen was ich aber gerade machen sollte, laut meinem Psychologen.

Als ich letzte Woche dann tatsächlich nach monatelanger Abstinenz mit Freunden zum Essen gegangen bin drehte sich den Tag davor alles nur darum was ist wenn mir schlecht wird.
Ich packte mir einen Notfall Päckchen von Tabletten zusammen und überstand den Abend dann tatsächlich -- eigentlich war er auch ganz lustig.

Aber am Tag danach ging es dann sofort wieder weiter mit meinen Panikattacken. Diese extremen Panikattacken beeinflussen langsam auch meine Beziehung und dann noch meine Kündigung etc.

An manchen Tagen würde ich mich gerne selbst einweisen lassen weil ich einfach merke dass das kein Leben mehr ist. Aber in diesen Momenten bzw wenn hoch das laut ausspreche, sehe ich meinen Partner einfach an den Augen wie verzweifelt er eigentlich ist und es zerreißt mir das Herz.

Mir kann niemand helfen - dieses Gefühl habe ich! Ich würde so gerne wieder leben und ein freier Mensch sein. Ich weiß das ich nicht die einzige bin mit EMO aber ich fühle mich so einsam mit dieser krankeit... Und ich will dieser EMO immer wieder den Kampf ansagen - und ein bis zweimal die Woche verliere ich diesen Kampf aufs Neue.

Ich musste mir das einfach jetzt von der Seele schreiben, weil ich glaube niemand außer euch kann diese Gedanken verstehen.... Und das alles nur wegen "1-2 Minuten" über der Schüssel würgen . Was ist wenn das mein Leben so weitergeht? Und ich nichts gegen die Emo unternehmen kann? Ich muss es doch schaffen sie zu besiegen oder zu kontrollieren? ....

Vielleicht erkennt sich jemand von euch in dieser Situation oder hatte auch schon mal eine so extreme Phase kann mir vielleicht helfen oder seine Erfahrungen mitteilen.


Vielen Dank und einen schönen Tag

Emmy

Benutzeravatar
Schlucki
Beiträge: 525
Registriert: 27.09.2013, 13:14

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon Schlucki » 03.02.2014, 18:34

Was ist wenn das mein Leben so weitergeht? Und ich nichts gegen die Emo unternehmen kann? Ich muss es doch schaffen sie zu besiegen oder zu kontrollieren?

So abgedroschen das jetzt auch klingen mag, das hast du im Endeffekt selber in der Hand! Ja, es gibt sicher einen Weg daraus, irgendwas liegt bei dir quer und deine Aufgabe ists jetzt das rauszufinden. Was für eine Therapie machst du genau, wenn ich fragen darf? :wink: Auf jeden Fall ists schonmal super, dass du dir Hilfe geholt hast und an dir arbeiten möchtest. :ja:

Mir hat auf die Schnelle immer geholfen mir selbst klarzumachen, dass auch wenn ich saumäßig Angst hab, eigentlich nie wirklich was am Ende passiert ist. Also dass ich zwar immer einen Mordsbammel hatte, mich aber komischerweise nie übergeben musst. :wink: Mich hat die geringe Warscheinlichkeit dabei einfach beruhigt schätz ich. Solche Strategien werden warscheinlich oft auch erst nach einer gewissen Zeit wirksam, muss man dran bleiben.

Ich wünsch dir auf jeden Fall gute Besserung und viel Erfolg bei deinen Bemühungen.
Alle Lebewesen ausser den Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu geniessen. Samuel Butler

Sahra_
Beiträge: 17
Registriert: 02.01.2014, 23:23
Wohnort: Heilbronn

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon Sahra_ » 03.02.2014, 18:42

Hallo emmy,

Das tut mir ja alles wirklich leid für dich, du arme das ist wirklich zu viel aufeinmal. Erstmal - natürlich kann das alles nicht von heute auf morgen alles wieder in butter sein, ich denke, du musst kleine schritte machen und immerhin hast du ja auch schon ein paar fortschritte gemacht. Gerade wenn so viel negatives passiert, musst du dir immer wieder die positiven dinge vor augen halten (ich weiss, das ist leicht gesagt...) aber wenn du schon mit arbeit und wohnung so viel stress hast, nimmt dir die ständige angst ja noch viel mehr kraft, die du eigentlich für andere dinge brauchen würdest. Dazu kommt natürlich die nervliche anspannung und das wenige essen, das alles schaukelt sich natürlich hoch. Diese panikattacken kenne ich leider nur zu gut, mir hat es geholfen, mir eine liste mit allen guten dingen in meinem leben zu machen, alles, was mir ein lächeln ins gesicht zaubert, egal wie schwer es ist. Auch ich habe mit ziemlich hoher wahrscheinlichkeit einen reizdarm, liegt bei uns in der familie und bei reizdarm reagiert man wirklich auf alles was irgendwie stressig ist. Ich habe manchmal in stressphasen tage wo ich wirklich nur noch von toilette zu toilette renne... :( mir hat damals eine hypnose sehr geholfen, dadurch bin ich erst auf einige tieferliegende probleme gestoßen und habe auch zumindest eine ahnung bekommen, warum ich überhaupt die emo habe...vielleicht ist das ja auch eine möglichkeit für dich, denn wenn du lernen könntest, deinem körper wieder zu vertrauen, könntest du die kraft, die du in die emo steckst, wie gesagt für andere dinge verwenden. Ich weiss, dass man in dem moment, wo man wirklich nur die übelkeit im kopf hat, felsenfest davon überzeugt ist, brechen zu müssen, aber das wichtigste (und schwierigste) ist dann, in seinen kopf zu bekommen, dass die angst irrational und unbegründet ist..Tritt die panik denn bei alldn lebensmitteln auf, also ist es egal was du isst, du bekommst auf jeden fall panik? Weil bei mir war es in schlechteren phasen immer so, dass ich problemlos "sichere" lebensmittel essen konnte, sprich nahrungsmittel, die durchgekocht wurden (alle bakterien abgetötet) oder nicht blähend oder zu fettig sind sowie die ich selbst zubereitet habe, weil ich dann ja selbst das haltbarkeitsdatum etc. Überprüfen kann.

Nimm dir kleine ziele vor, schreib dir sachen auf, die du unbedingt mal wieder entspannt und ohne angst erleben möchtest: Ausgehen mit freunden, ins kino gehen, restaurantbesuch....das kann alles mögliche sein. Mach dir keinen stress, sondern überleg dir kleinere zwischenziele wie z.b. eine kleine portion essen und trotzdem ruhig bleiben, einen gemütlichen abend mit freunden verbringen ( vlt ist es auch leichter für dich, leute zu dir nach hause einzuladen, weil du da ja in deinen gewohnten umfeld bist)...

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen und wünsche dir ganz viel kraft für die nächste zeit!! Du schaffst das schon! :)

Liebe grüße, sahra
I'll spread my wings and i'll learn how to fly.

Emmy1990
Beiträge: 6
Registriert: 17.01.2014, 09:55

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon Emmy1990 » 03.02.2014, 21:42

Vielen Dank für eure Antworten!

Alleine das zu lesen gibt mir schon etwas einen Antrieb.

Ich mache eine Verhaltens/Sprachtherapie mein Psychologe ist allerdings spezialisiert auf Sucht, Phobien und Depressionen. Ursprünglich sollte die Therapie mir mit meiner Lebenskrise helfen - während der Therapie allerdings kam meine Emo immer mehr zum Ausdruck und ist derzeit auch Hauptthema. Er gibt mir immer "Hausaufgaben" auf.

Z.B. Auf Händewaschen und desinfizieren mind. 1 x am Tag zu verzichten.

Meine größte Aufgabe ist scheinbar der Angst keine MACHT zu geben.

Und irgendwo weiß ich auch, dass es meine "Schuld" ist bzw ich an mir arbeiten muss und ich die Emo besiegen muss. Aber in diesem Momenten bzw während der Panikattacken werf ich meine ganzen guten Vorsätze über den Haufen.

Im Normalfall kann ich mich in anderen Extremsituationen (habe auch Flugangst und fliege 1x jährlich mind. Langstrecke.) zusammenreißen.
Ich sag mir während dem fliegen immer... " jetzt hockst eh schon drinnen - kannst nicht mehr raus". Da verfalle ich dann eher in Trance.

Aber wenn die Übelkeit kommt, dann ist das was anderes. Es ist dieser schreckliche Kontrollverlust. Ich weiß dass der Akt weder lebensbedrohlich ist und mich nicht umbringen wird und in der Norm geht es dir dananach ja auch besser. Und trotz dieser ganzen Fakten (es sind ja Fakten). Bleibt diese Angst oder Panik vor dem Akt....
Mir ist letztendlich aber aufgefallen bzw klar geworden, dass es eher die Angst vor der Übelkeit und den 10 Minuten davor ist.

Letztendlich macht mir der Gedanke, dass es mich zB eine Magen darm Grippe jederzeit erwischen kann so unglaublich nervös.

Mein Freund und ich waren vor 2 Wochen mit Bekannten in einem Freizeitpark und ich habe mich so gefreut :) und es war ein toller Tag und die Emo war zwar da und ich habe nicht gegessen und immer artig die Hände gewaschen... Aber auf der Heimfahrt mussten wir zweimal am Rasthof rausfahren weil ich Panik hatte und schwören konnte.... "Ich muss mich übergeben und habe eine Magen darm Grippe und erst muss ich k**** und danach werd ich furchtbaren Durchfall bekommen und das ganze Auto beiderseits vollmachen" dass sind Gedanken die mich dann verfolgen.

Mein Freund kennt das mittlerweile und geht dann immer verzweifelt aber behutsam an die Sache ran und manchmal auch etwas grob "dir ist nicht schlecht und jetzt ist Ruhe".

Vor weniger engen Freunden oder Bekannten sind mir diese Situationen sehr unangenehm und fördern meine Panik eher noch.

Es gibt kein Rezept gegen Emo. Aber ich will diese Bestie besiegen und vll bin ich noch nicht bereit dafür diesen Kampf mit dem Goliath aufzunehmen. Ich hoffe nur dass ich irgendwann gewinne :(


Ich bin euch sehr dankbar :) vielen Dank!

AliasHope
Beiträge: 130
Registriert: 15.12.2007, 23:19

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon AliasHope » 03.02.2014, 22:27

Hier im Forum hatten wir schon des Öfteren das Thema "Angst vs Panik" auf der Agenda. Warum? Weil es im tagtäglichen Sprachgebrauch zwar oftmals synonym verwendet wird, aber mitnichten dasselbe ist. Von daher werden Angst und Panik auch unterschiedlich behandelt.
Nun bin ich kein Arzt, und selber wenn ich einer wäre, würde ich keine Ferndiagnose stellen wollen. Dennoch erinnert mich vieles von dem, was du schreibst, an Symptome einer Panikstörung. Von daher meine Frage: Ist dein Krankheitsbild klar diagnostiziert? Ist dein Therapeut Psychiater? Falls dem nicht so ist, und du noch bei keinem warst, kann ich dir aus eigener Erfahrung nur sagen, dass einem dort durchaus geholfen werden kann.

Und noch ein gut gemeinter Rat: Es nicht die Aufgabe von Angehörigen, therapeutische Aufgaben wahrzunehmen. Helfen kann man sich schlussendlich nur selber, und es steht einem selbstverständlich zu, dazu Hilfe in Anspruch zu nehmen - doch die muss sowohl objektiv als auch "vom Fach" sein und von daher zwangsläufig von außerhalb kommen.

Emmy1990
Beiträge: 6
Registriert: 17.01.2014, 09:55

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon Emmy1990 » 03.02.2014, 23:16

Ich war zuerst bei einem Psychiter bzw bei einem Neurologen und von der Krankenkasse bei einem Psychiater und dann wurde ich direkt an meinen jetzigen Facharzt für psychotherapie verwiesen. Zunächst war das Hauptproblem mich natürlich aus der depressiven Phase herauszubekommen - zu dem damaligen Zeitpunkt hatte ich die Emo nicht erwähnt... Die brachte dann nach einigen Gesprächen mein Psychologe ins Spiel bzw erwähnte sie.

Zunächst vermutete er eine Zwangsstörung (aufgrund meines ständigen Waschzwangs und anderen Vermeidungen zB Menschenansammlungen, Türgriffe ect) aber irgendwann kam es dann auf den Punkt. Ich sehe mich schon seit Jahren als Emo - ich war ja auch schon vor 4 Jahren hier angemeldet und dann ging die Emo zurück und schlummerte still in mir) bis letztes Jahr.

Ich denke dass die Emo bestimmt da ist aber das mit der Panikstörung hört sich auch plausibel an.
Ich kenn mich damit überhaupt nicht aus und ich bin sehr froh einen Super Psychologen zuhaben der ohne meine zutun die emetophobie erwähnte - ich fühle diese Angst vorm erbrechen ud diese unglaubliche übelkeit :( gerade jetzt wo ich euch schreibe ist es auch wieder total schlimm :( und ich bin alleine und ich glaube ich kann es euch am besten beschreiben wenn ich es fühle wie jetzt:

Es ist die übelkeit, ein Kloß im Hals, bauchschmerzen und ich weiß dass in den nächsten 20 - 30 Minuten die Panik losgeht. Und ich denke dass die Emo die Panik auslöst und mit der Panik umzugehen und mir auch mal auch mal klare ansagen zu machen. Darin liegt das Problem und das kann bestimmt auch eine Panikstörung sein.


Du hast natürlich total recht. Ich belaste ja irgendwie auch meine Verwandten und Bekannten und Freunde. Manchmal versuche ich mit diesen Panikattacken selbst klarzukommen und mich selbst zu beruhigen. Aber bei dem Versuch mich selbst zu beruhigen und Mir klare Ansagen zu machen damit mach ich mich noch mehr verrückt. Weil ich mich noch mehr darauf konzentriere. Ich nehme mir auch jetzt in diesem Moment vor, niemanden anzurufen ( ich bin alleine und da ist es immer am schlimmsten) oder jemanden kommen zu lassen. Aber ich vermute dass ich in der nächsten Stunde eines von beiden machen werden muss. Auch wenn ich mir ganz fest vornehme. Es nicht zu tun! Und genau dann fängt der Teufelskreislauf wieder an... Manchmal würde ich mich gerne selbst Ohrfeigen oder einfach mal laut schreien oder mich im Spiegel anschreien... Irgendwas muss ich tun ... Es muss bei mir anfangen und ich denke Das dazu noch ein ganz besonderer Schritt fehlt und dieses Puzzle Stück versuche ich verzweifelt zu finden.

Und dabei ist es ja nicht mal was schlimmes es ist eine Reaktion des Körpers und nichts was mich umbringt erwiesen ist es dann so bedrohlich?

Benutzeravatar
Bellchen
Beiträge: 347
Registriert: 22.01.2009, 23:22

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon Bellchen » 03.02.2014, 23:48

Wo die Panikstörung anfängt und die Emo aufhört, ist sicher schwer abzugrenzen. Bei mir ist auch zur Zeit beides vorhanden.

Ich kenne das mit der Übelkeit nur zu gut und auch den Kloß im Hals. Das ist echt ein furchtbares Gefühl. Wenn es mir so geht, kann das auch manchmal in Panik münden. Andersrum habe ich aber auch schon erlebt, dass ich Panik bekomme und mir dadurch erst übel wird und dann aber so richtig schlimm und dann bekomme ich noch mehr Panik, weil ich das Gefühl habe, gleich brechen zu müssen (die Panik ist da manchmal zuerst da und dann erst der Gedanke ans Erbrechen. andere Male denke ich aus irgendeinem Grund an das Erbrechen oder Übelkeit und bekomme daraufhin Panik) Das beides bedingt sich gegenseitig - schaukelt sich auch hoch, weil man in der Panik eben nicht mehr klar denken kann.
Emmy1990 hat geschrieben:Aber in diesem Momenten bzw während der Panikattacken werf ich meine ganzen guten Vorsätze über den Haufen.
Genau so ist es bei mir auch während der Panik. Man sieht nur noch schwarz und hat das Gefühl, dass es einem nie wieder besser gehen wird.

Das mit dem nicht alleine sein wollen, während der Panik, kenne ich auch. Ich rufe auch oft jemanden an, oder in Phasen, wo es mir ganz schlecht ging, habe ich bei meinen Eltern gewohnt (manchmal dann nur 1-2 Tage aber im Herbst letztes Jahr waren es 6 Wochen, weil ich dazu auch noch total depressiv war und es mir echt total mies ging).

AliasHope
Beiträge: 130
Registriert: 15.12.2007, 23:19

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon AliasHope » 04.02.2014, 00:05

Angststörung (in deinem bzw. unserem Fall die Emo) und Panikstörung schließen sich nicht gegenseitig aus. Im Gegenteil - sie verstehen sich so prächtig miteinander, dass man als Laie und/oder Betroffener mitunter nicht merkt, wo das eine aufhört und das andere anfängt.
Deswegen hatte ich auch gefragt, ob du in fachärztlicher Behandlung bist.
Angst kann erst dann erfolgreich therapiert werden, wenn man keine Panik mehr hat. Um es mal ganz lapidar zu sagen: Angst ist etwas, was man gedanklich beeinflussen, sich also an- und bis zu einem gewissen Grad auch wieder abtrainieren kann. Angst ist folglich ein Gefühl. Panik dagegen ist eine eigenständige körperliche Reaktion, die nur dazu dient, unser Überleben zu sichern. Das heißt, Panik läuft vollautomatisiert ist und man hat (so gut wie keinen) Einfluss auf diesen Automatismus. Und das ist auch gut so: Denn wenn wir uns in einer lebensbedrohlichen Situation befinden und in dieser Situation erst lange überlegen würden, wie wir angemessen reagieren sollen, wären wir vermutlich tot, bevor wir überhaupt eine Entscheidung getroffen haben. Allerdings wird Panik dann zum Problem, wenn Situationen als lebensbedrohlich wahrgenommen werden, die es gar nicht sind. Deshalb gilt es bei einer Panikstörung, diesen Kreislauf zu durchbrechen.
Und aus diesem Grund werden Angst- und Panikstörung auch unterschiedlich angegangen. Während man einem Angstpatienten rät, die Angst auslösende Situation nicht zu meiden, sondern sich vielmehr damit zu konfrontieren und in der Situation zu bleiben, bis die Angst nachlässt, würde man bei einem Menschen, der Panik (also im wahrsten Sinne des Wortes) Todesangst hat, zunächst einmal alles daran setzen, ihn aus diesem Zustand herauszuholen. Ein Beispiel: Während es als Vermeidungsverhalten gilt, als Emo ständig Kaugummi zu kauen oder mit einer Wasserflasche herumzulaufen, soll man während einer Panikattacke bewusst mit körperlichen Gegenreizen arbeiten, um besagten Automatismus zu durchbrechen: Also gerade eben ein scharfes Bonbon lutschen!
Außerdem kann - ebenfalls vereinfacht ausgedrückt - Panik medikamentös behandelt werden, Angst hingegen nicht. Auch hier derselbe Grund: Angst ist ein Gefühl, das sich medikamentös nicht einfach ausradieren lässt, Panik hingegen ist eine Reaktion des Körpers, die über den Gehirnstoffwechsel deutlich herunterreguliert werden kann.

Soviel als laienhafte Beigabe zur Unterscheidung von Angst und Panik. Der richtige Ansprechpartner für Diagnose und Behandlung ist aber in jedem Fall ein Psychiater. Und hab keine Angst davor, das zu thematisieren und ggf. noch mal zu deinem überweisenden Arzt zu gehen! Niemand kann in dich hineinschauen und wissen, ob und wie sich dein Zustand ggf. verändert oder verschlechtert hat. Was das anbelangt, bist du in der Bringschuld.

Im Übrigen meinte ich nicht, dass du eine Belastung für deine Angehörigen bist. Ich wollte damit vielmehr zum Ausdruck bringen, dass Angehörige zum einen nun einmal zwangsläufig emotional involviert und damit voreingenommen, und zum anderen in der Regel meist auch keine Fachleute sind und von daher gar nicht immer beurteilen können, wie sie situativ angemessen zu reagieren haben. Auch hier ein Beispiel: Während es einem Angstpatienten durchaus helfen mag, wenn ein Angehöriger korrektes Verhalten unterstützt und sagt "Es gibt keinen Grund, warum es dir jetzt schlecht werden sollte", hilft es einem Menschen mit einer akuten Panikattacke absolut gar nicht, wenn man ihm sagt "Dir ist jetzt nicht schlecht. Basta!", denn die Übelkeit ist in der Situaion nicht "eingebildet", sondern überaus real - Übelkeit ist ein normales Begleitsymptom einer Panikattacke und lässt sich anhand der Abläufe im zentralen Nervensystem ganz logisch erklären. Aber wie sollen Angehörige das zu differenzieren wissen? Und eine objektive Distanz wahren, wenn sie selber unmittelbar betroffen sind? Deshalb meine Meinung, dass Angehörige keine therapeutischen Aufgaben wahrnehmen sollten - und auch nicht können.

Und zu guter Letzt: Das Maß aller Dinge sollte für dich sein, wieder gesund zu werden. Falsche Rücksichtnahme hilft dir dabei nicht weiter. Soll heißen: Wenn du der Meinung bist, dass es dir so schlecht geht, dass du dich vorübergehend in einer psychiatrischen Klinik besser aufgehoben fühlen würdest - was hält dich davon ab, diesen Schritt zu tun? Kein Mensch, der sich ein Bein gebrochen hat, würde davon Abstand nehmen, ins Krankenhaus zu gehen, nur weil es den Lebensgefährten traurig machen würde...

Benutzeravatar
Bellchen
Beiträge: 347
Registriert: 22.01.2009, 23:22

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon Bellchen » 04.02.2014, 11:14

Das hast du echt super erklärt. Ich war zwar schon bei verschiedenen Psychologen im letzten Jahr, aber bin irgendwie nie so schlau draus geworden und hatte eher das Gefühl, dass die sich selber widersprechen, aber das lag wohl mit daran, dass mir nie jemand den Unterschied zwischen Angst und Panik erklärt hat.

AliasHope
Beiträge: 130
Registriert: 15.12.2007, 23:19

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon AliasHope » 04.02.2014, 12:14

Das ging mir anfangs auch so. Meine damalige Therapeutin hat mir zwei Bücher ans Herz gelegt, die Angst und Panik in ihrem Wesen und ihren Unterschieden wirklich sehr anschaulich und gut verständlich erklären. Kann ich nur weiterempfehlen.
Das wäre zum einen "Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie" von Nina Heinrichs, und zum anderen "Ängste verstehen und Überwinden" von Doris Wolf.

Angst und Panik verschwinden zwar nicht, nur weil man diese Bücher gelesen hat. Aber für mich war es schon einmal eine große Erleichterung, zu wissen, womit ich es da zu tun habe, und was da eigentlich mit mir passiert. Meinen "Gegner" etwas besser zu kennen und einschätzen zu können, hat ihn weniger bedrohlich erscheinen lassen...

Emmy1990
Beiträge: 6
Registriert: 17.01.2014, 09:55

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon Emmy1990 » 04.02.2014, 13:39

Vielen Dank AliasHope....

Ich glaube fast niemand kann das so verständlich erklären bzw hat es mir bisher so verständlich erklärt :)

Ich denke dass ich aufjedenfall noch mit meinem Hausarzt darüber sprechen werde. Da ich ja alle 3 Wochen dorthin muss, bietet es sich ja an!
Gegen die Panik habe ich vor 4 Wochen citalopram verschrieben bekommen. Aber nachdem die Ärzte mir gesagt haben, dass eine häufige Nebenwirkung Übelkeit oder im schlimmsten Fall sogar abbrechen sind - ist die Packung direkt in die Schublade gewandert! Manchmal war ich jedoch schon so am Boden dass ich's fast gewagt habe.

Aber mein Psychologe meint auch man kann es mir nicht rein drücken! Es ärgert mich sehr, dass ich keine Medikamente zu mir nehmen kann die mir eventuell sogar helfen könnten..

In vielen Situationen denke ich einfach, dass ich in einer Klinik besser aufgehoben wäre. Ich denke dass man in einer gewissen Art und Weise schon eine Belastung für Angehörige darstellt.
Wenn meine Eltern oder mein Freund krank sind, an kümmert man sich 2-3 Tage um die und dann ist es auch wieder vorbei aber bei mir ist das ja eigentlich ein Dauerzustand ich benötige eigentlich andauernd jemand der für mich da ist. Und natürlich tut es gerade meinen Eltern sehr weh, mich so extrem leiden zu sehen.

Es ist einfach nur die derzeitige Situation Mir fast nicht ermöglicht in eine Klinik zu gehen. Die Krankenkasse beziehungsweise der medizinische Dienst habe mir zumindest eine 50% Arbeitsfähigkeit zugesprochen. Ich habe mich aufgrund dessen auch schon beworben und habe in den nächsten 2-3 Wochen einige Vorstellungsgespräche. Ich habe zwar keinerlei Ahnung wie ich das schaffen kann, aber solange die Krankenkasse mir einen Strich durch die Rechnung macht kann ich daher nichts anderes tun. Das Krankengeld kommt auch nur sporadisch und von da kann ich dann zumindest etwas in die Haushaltskasse beisteuern. Ansonsten wäre ich denke ich auch schon in einer Klinik, wenn diese ganzen Sachen mit der Wohnung mit dem Geld etc. nicht wären.

Es ist einfach eine unerträglicher Situation und ich kann jetzt auch nicht alle alleine lassen und die Wohnungsauflösung bzw Das ausräumen der Wohnung ect.

Vielleicht hilft es mir wieder eine neue Herausforderung in einer neuen Arbeitsstelle zu haben-zumindest mache ich mir da nicht nur andauernd Gedanken oder muss gezwungenermaßen sogar raus.

Ihr habt mir schon riesig geholfen und ich kann mich gar nicht oft genug bei euch bedanken!!

AliasHope
Beiträge: 130
Registriert: 15.12.2007, 23:19

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon AliasHope » 04.02.2014, 14:20

Emmy1990 hat geschrieben: Gegen die Panik habe ich vor 4 Wochen citalopram verschrieben bekommen. Aber nachdem die Ärzte mir gesagt haben, dass eine häufige Nebenwirkung Übelkeit oder im schlimmsten Fall sogar abbrechen sind - ist die Packung direkt in die Schublade gewandert! Manchmal war ich jedoch schon so am Boden dass ich's fast gewagt habe.
Aber mein Psychologe meint auch man kann es mir nicht rein drücken! Es ärgert mich sehr, dass ich keine Medikamente zu mir nehmen kann die mir eventuell sogar helfen könnten..


Aha - da kommen wir der Sache also schon näher :wink:. Ich hatte mich ehrlich gesagt nämlich schon gewundert, warum dir in Anbetracht deines Zustandes noch kein Arzt zu Antidepressiva geraten hat.

Wie dein Psychologe schon gesagt hat - dazu zwingen kann dich niemand; nehmen musst du die Medikamente schon aus freien Stücken.

Ich kann dir dazu aus eigener Erfahrung folgendes erzählen: Mein erster Therapeut hatte mir vor Jahren bereits zu eben diesem Schritt geraten. Und ich habe mich aus denselben Gründen wie du dagegen verwehrt. Aber eines Tages - das war gut zwei Jahre später - war der Leidensdruck dann so groß, dass ich freiwillig zu einem Psychiater gegangen bin und um Medikamente gebeten habe. Indikationsbedingt habe ich dann ein AD verordnet bekommen, das für seine Nebenwirkungen berühmt-berüchtig ist. Das Einschleichen war dann auch entsprechend hart - aber schlechter, als es mir zu dem Zeitpunkt ging, konnte es ohnehin nicht mehr werden. Und nach wenigen Wochen folgte dann die versprochene "Belohnung": Die Panikattacken ließen erst nach, und verschwanden schließlich ganz. Von einem Tag auf den anderen hat es sich angefühlt, als würden die vielen kleinen Rädchen in meinem Kopf nach langer, langer Zeit endlich wieder richtig ineinander greifen.

Und was die Nebenwirkung Erbrechen anbelangt: Ich weiß, du willst das natürlich nicht hören, aber Fakt ist nun mal: Du kannst jederzeit rein theoretisch wegen irgendwas erbrechen. Medikamente können, müssen aber nicht zwangsläufig ein Auslöser sein. Schau dir mal Packungsbeilagen an: Es gibt fast kein Mittel, wo Übelkeit und Erbrechen nicht als potenzielle Nebenwirkung aufgeführt sind. Bei AD ist das nicht anders.
Ich will das an dieser Stelle gar nicht weiter breit treten; du wirst hier im Forum - speziell im Therapie-Unterforum - genug Threads zu dem Thema Übelkeit und Erbrechen bei AD finden - und dich wundern, wie wenige von denen, die es schlussendlich doch gewagt haben, ein AD zu nehmen, sich übergeben mussten.
PS: Ich hatte zwar auch mit einer ganzen Reihe Nebenwirkungen zu kämpfen - aber übergeben musste ich mich nicht, obwohl das als Nebenwirkung Nummer Eins im Beipackzettel aufgeführt war :ja:.

malo

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon malo » 04.02.2014, 18:02

Hallo Emmy, mir sind bei dem was du schreibst ein paar Sachen aufgefallen, ich pflücke es mal auseinander, damit verständlich ist, worauf ich mich beziehe.

Emmy1990 hat geschrieben:Hallo an Alle,

Vielleicht könnt ihr euch noch an mich erinnern, vor einigen Monaten hatte ich mich hier angemeldet und mir stand eine Magen und Darmspiegelung bevor. Der damals eigentliche Verdacht war Morbus Crohn. Nach diesem ganzen Procedere kam dann eine niederschmetternde Nachricht. Ich hatte nichts!!!!! Alle Ergebnisse waren ohne Befund und außer einer kleinen Magenschleimhautentzündung konnte rein gar nichts festgestellt werden. Ich wurde mit der Diagnose "Reizdarm" nach Hause geschickt. Natürlich hört sich das im ersten Moment erstmals super an... Aber in den darauf folgenden Wochen veränderte sich mein ganzes Leben.


Ich kenne den Gedanken genauso von mir, nachdem ich meine Magen- und Darmspiegelung hatte. Ich dachte auch: Mist, hätten die doch bloß was gefunden, damit ich Tabletten nehmen kann und diesen Kram endlich los bin.
Im Nachhinein finde ich diesen Gedanken ziemlich bescheuert.
Es ist ja schließlich kein Wunschkonzert, bei dem man sich aussuchen kann, nee, Magenkrebs bitte nicht, Schleimhautentzündung würde ich nehmen, usw.
Letztlich ist die Diagnose: Du bist (vom Magen-Darm-Trakt her) ein völlig gesunder Mensch! eine wunderbare Diagnose, auf die sich viel aufbauen lässt.
Und es gibt dir ganz persönlich alle Möglichkeiten, du kannst es ganz selbst entscheiden, wie du gegen die Emo vorgehen möchtest und weißt ganz genau, dass dir ein gesunder Körper dabei eine Hilfe sein wird.

Wenn ich es dann schaffe tatsächlich etwas zu essen oder gezwungen werde, dann geht der Horror erst richtig los... Jedes Grummeln oder blubbern im Bauch löst langsam einen gesteigerten Puls aus.

Aber mein Psychologe meint auch man kann es mir nicht rein drücken! Es ärgert mich sehr, dass ich keine Medikamente zu mir nehmen kann die mir eventuell sogar helfen könnten..


Das ist mir bei mehreren Stellen aufgefallen, aber diese hier fand ich am deutlichsten, du liest dich so, als würdest du ganz extrem passiv Dinge angehen.
Bei beiden Sachen, dem Essen und der Medikamenteneinnahme, kann dich niemand zwingen.
Natürlich würdest du irgendwann verhungern, wenn du gar nichts mehr isst, das ist eine Tatsache und lässt sich auch nicht leugnen.
Aber du alleine und sonst kein anderer Mensch entscheidest über das was du zu dir nimmst. Wenn du etwas essen willst, dann iss, wenn du nicht willst, dann nicht.
Ich weiß nicht, ob du von außen dich zwingen lässt oder dich selbst dazu zwingst, aber ich denke Zwang macht es da nicht einfacher.
Im Gegenteil, wenn man eine Weile sehr wenig gegessen hat, danach wieder lernt normal zu essen, dann merkt man erstmal, wie sehr es einem gefehlt hat.
Kochst du denn selbst? Was isst du besonders gerne? worauf hättest du jetzt gerade in diesem Moment so richtig richtig Lust?
Grundsätzlich ist Essen etwas sehr schönes, tolles, es schmeckt gut, es gibt dir Energie um die Dinge zu tun, die du tun möchtest.
Das ist keine Pampe mit potentiell krank machenden Bakterien drinnen sondern eine sehr leckere, lebensnotwendige Sache.
Führst du ein Ernährungstagebuch?
Ich habe das eine ganze Weile gemacht und mir hat es sehr geholfen auf Dauer, weil man dann erstmal merkt, wie wenig das ist.
Emos neigen dann ja auch dazu, schon nach weigen Bissen sich vollgefressen zu fühlen und befürchten, sich davon übergeben zu müssen.
Es ist sicher nicht ratsam, sich jetzt sofort eine Familienpizza reinzuhauen, aber kleine Mengen von Sachen die dir schmecken, damit würde ich anfangen.

Zu den Medikamenten: Ich finde den Denkansatz nicht gut, du KANNST Medikamente zu dir nehmen, die dir helfen. Der Teil in dir, der Angst davor hat, der aus Angst davor, dass dir davon schlecht wird, überwiegt und letztendlich WILLST du die Tablette nicht nehmen.
Das ist ein großer Unterschied. Manche Menschen können ja aufgrund von Wechselwirkungen oder Allergien bestimmte Sachen nicht nehmen, die KÖNNEN es dann nicht.
Du kannst, du willst nur nicht.
Das klingt hart und es bedeutet auch nicht, dass du schuld daran bist und dich jetzt schlecht fühlen sollst, sondern es bedeutet, dass es nur an dir und in deiner Verantwortung liegt, was du mit den Tabletten machst.

Aber am Tag danach ging es dann sofort wieder weiter mit meinen Panikattacken. Diese extremen Panikattacken beeinflussen langsam auch meine Beziehung und dann noch meine Kündigung etc.

Mir kann niemand helfen - dieses Gefühl habe ich! Ich würde so gerne wieder leben und ein freier Mensch sein. Ich weiß das ich nicht die einzige bin mit EMO aber ich fühle mich so einsam mit dieser krankeit... Und ich will dieser EMO immer wieder den Kampf ansagen - und ein bis zweimal die Woche verliere ich diesen Kampf aufs Neue.


Ich kenne dass, dass es einem nachdem man was geschafft hat, wieder schlecht geht und man daran total verzweifelt.
Aber man kann einfach nicht erwarten, dass durch eine einzige Aktion alles besser wird.
Es war trotzdem gut, dass du mit Freunden unterwegs warst, genau an dem Punkt ist es dann an dir, am nächsten Tag wieder wegzugehen. Und am nächsten Tag wieder, und wieder und wieder.
Dich nicht unterkriegen lassen und einen Schritt nach dem anderen machen.
Du kannst nicht von dir erwarten, dass es ganz plötzlich und ganz schnell besser geht, so als würdest du nur schmutzige Klamotten ausziehen, duschen und alles ist vergessen.
Jeden Tag ein kleines Erfolgserlebnis, eine kleine Herausforderung. Die wirst du nicht immer schaffen, aber dann hast du nicht gleich den ganzen Kampf verloren.
Dann kann man ein Stück zurück gehen, sich die Sache nocheinmal anschauen, und es wieder versuchen.
Wichtig ist auch, dass du dich nicht überforderst und dass du dir trotzdem eine Herausforderung suchst, du hast ja deinen Therapeuten, mit ihm zusammen kannst du bestimmt aussuchen und abwägen, welcher Schritt als nächstes am besten ist.
Ich hatte z.B. immer Kärtchen, mit Zielen drauf, die ich mir vorgenommen habe mit Schwierigkeit von 10 - 100. 10 ging ziemlich einfach, 20 auch noch, aber bei Sachen die ich mit 40 bewertet hatte hatte ich große Probleme und hab vieles nicht geschafft. Wichtig ist nur, dass es vorangeht. Nicht linear steil nach oben, meistens passieren kleine Rückschläge oder Stagnationen, aber im gesamten wieder nach oben.

Mein Freund und ich waren vor 2 Wochen mit Bekannten in einem Freizeitpark und ich habe mich so gefreut :) und es war ein toller Tag und die Emo war zwar da und ich habe nicht gegessen und immer artig die Hände gewaschen... Aber auf der Heimfahrt mussten wir zweimal am Rasthof rausfahren weil ich Panik hatte und schwören konnte.... "Ich muss mich übergeben und habe eine Magen darm Grippe und erst muss ich k**** und danach werd ich furchtbaren Durchfall bekommen und das ganze Auto beiderseits vollmachen" dass sind Gedanken die mich dann verfolgen.


Das ist eigentlich auch gar nicht verwunderlich, dass es dir auf der Rückfahrt so schlecht ging, wenn du aufgeregt warst und dann noch den ganzen Tag nichts gegessen hast, ist das kein Wunder.
Vielleicht ist so ein Ausflug auch noch ein bißchen viel, wenn du schon zu Hause fast nichts essen kannst, dann vermute ich unterwegs erst recht nicht?

Es gibt kein Rezept gegen Emo. Aber ich will diese Bestie besiegen und vll bin ich noch nicht bereit dafür diesen Kampf mit dem Goliath aufzunehmen. Ich hoffe nur dass ich irgendwann gewinne :(


Das sehe ich wieder anders. Es gibt einen Haufen Rezepte gegen Emo. Es gibt verschiedene Therapieformen und -verfahren, die stationär oder ambulant durchgeführt werden, es gibt viele Medikamente, die unterstützen können, es gibt letztlich in erster Linie dich selbst, die für sich selbst daran arbeiten kann.
Es gibt nicht das Allheilmittel, das sofort hilft, sondern eher unterstützende Maßnahmen für dich bei deiner Arbeit an dir.
Was für den Einzelnen richtig ist, welcher Weg, das findet jeder, der sich mit der Emo auseinandersetzt auch Schritt für Schritt raus.
Und zuletzt gibt es auch nicht dich, David und die Emo, Goliath, sondern es gibt nur dich und es scheint momentan so zu sein, als würde der Teil in dir, der von der Emo beherrscht wird und emetophobisch gestrickt ist total überwiegen, aber das kannst du dir Stück für Stück zurück erarbeiten.

Snowwwy
Beiträge: 2
Registriert: 12.02.2014, 23:03

Re: Was ist wenn die Emo siegt und ich verliere...?!

Beitragvon Snowwwy » 19.02.2014, 21:49

Liebe Emmy,
keine Angst, die Emo wird dich nicht besiegen, das kann sie garnicht! Bei mir war's als Teenie auch jahrelang ganz schlimm, ich hab fast nichts mehr gegessen und bin nurnoch wenn ich musste aus dem Haus gegangen... Aber irgendwann habe ich dann angefangen zu akzeptieren, dass die Emo halt einfach da ist und mich mal mehr und mal weniger nervt. Was mir auch sehr geholfen hat ist, dass ich inzwischen zwischen "echter Übelkeit" und "eingebildeter Angstübelkeit" meistens ganz gut unterscheiden kann! Aber das auch erst, seit ich eine Magen-Darm-Grippe hatte... Ich weiß dass das in so einer besch******* Paniksituation echt schwierig ist, aber versuch ganz ruhig zu bleiben, tief durchzuatmen und mal ganz genau auf deinen Bauch zu hören! Und wenn du merkst, dass da eigentlich in echt garnichts ist, dann kannst du ja versuchen dir zu sagen "Hey, das ist ja nur meine Angst! Die kenn ich schon, und ich weiß dass mir da noch nie so wirklich was passiert ist!" Mit dieser Methode habe ich gelernt immer besser mit meiner Emo umzugehen. Das dauert natürlich seine Zeit, aber inzwischen geht es mir schon wieder richtig gut! Also Ich hoffe dass du was davon ausprobieren kannst und dass es bei dir so gut hilft wie bei mir!
Ganz liebe Grüße, Snowwwy


Zurück zu „Alltag mit Emetophobie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Bing [Bot] und 1 Gast