Zahnarztangst: ich weiß nicht mehr weiter

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

Moderatoren: Basti, Dianati, *

Louise
Beiträge: 4
Registriert: 26.01.2014, 14:46

Zahnarztangst: ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Louise » 26.01.2014, 15:04

Hallo ihr lieben "Mitleidenden",

zuerst einmal: Ich bin begeistert von diesem Forum, fühle mich endlich mal verstanden und lese viele Beiträge, die mir aus dem Herzen sprechen.

Endlich habe ich die Ursache meiner ganzen Alltagsprobleme erkannt. Alles dreht sich bei mir um die Angst vor der Übelkeit und dem Erbrechen. Dafür habe ich jetzt fast 3 Jahre gebraucht, viele Freunde verloren und fast auch den Glauben daran, dass das Leben wieder schön sein kann. Mittlerweile mache ich eine Therapie und erfahre so einiges über mich. So habe ich beispielsweise herausgefunden, dass meine Angst vor dem Zahnarzt nicht daher kommt, dass ich Angst vor den Schmerzen, Geräuschen etc habe (also das "typische" womit man ja sofort abgestempelt wird), sondern dass mir mein Würgereiz und der Ekel vor den Sachen in meinem Mund, vorm Geschmack und vor der Möglichkeit mich erbrechen zu müssen, zu Schaffen macht. Ich habe so einige Zahnärzte hinter mir und kann mittlerweile sagen, dass die meisten mit Angstpatienten nur werben oder Geld machen wollen. Lust dazu sich Zeit zu nehmen oder Verständnis zu zeigen, hatte bisher niemand.

Trotzdem bin ich immer regelmäßig gegangen und hatte nie etwas Schlimmes. Bis ich 25 Jahre alt wurde...es fing an mit kleineren und größeren Füllungen. Eine davon war leider sehr tief, so dass ich immer Schmerzen beim Kauen habe. Plötzlich fingen auch die Weisheitszähne an zu drücken. Einer muss nun definitiv raus (am liebsten würde man mir alle entfernen lassen, aber das schaffe ich nicht). Das Problem ist, dass mir keiner so richtig sagen kann, ob es danach besser ist, ob es wirklich der Weisheitszahn ist und so weiter. Ich war bei mehreren Zahnärzten und sogar beim Orthopäden. Bei allen das gleiche Ergebnis: Einfach mal alle raus und den Zahn mit der tiefen Füllung aufbohren, eventuell Wurzelbehandlung.

Nun zu meinem Anliegen: Ich bin mittlerweile echt verzweifelt und weiß nicht was ich machen soll. Ich habe eine riesengroße Panik vor den Sachen in meinem Mund, auch nach einer Vollnarkose (Blut, Watterolle...). Ich möchte also nichts einfach mal ausprobieren, sondern nur das machen lassen, was wirklich nötig ist. In meinem Kopf dreht sich alles im Kreis und niemand hilft mir da raus. Habt ihr auch Erfahrungen mit sowas gemacht? Kennt jemand einen Zahnarzt in Köln und Umgebung, den ihr empfehlen könnt? Der wirklich zuhört und auch diese besondere Angst ernst nimmt?

Ich freue mich auch über einen Austausch per Nachricht/email, da ich in meinem Freundeskreis wirklich niemanden habe, der mich versteht. Die Leute sind leider alle ziemlich mit sich selbst beschäftigt, habe ich festgestellt. Tja, jeder hat sein Päckchen zu tragen und kaum einr hat noch Energie anderen zu helfen.

Liebe Grüße und euch allen einen beschwerdefreien Sonntag
Louise

Natalie
Beiträge: 72
Registriert: 09.12.2012, 22:37

Re: Zahnarztangst: ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Natalie » 26.01.2014, 16:37

Louise hat geschrieben:Hallo ihr lieben "Mitleidenden"

Hallo liebe Mitleidende!

Nun zu meinem Anliegen: Ich bin mittlerweile echt verzweifelt und weiß nicht was ich machen soll. Ich habe eine riesengroße Panik vor den Sachen in meinem Mund, auch nach einer Vollnarkose (Blut, Watterolle...). Ich möchte also nichts einfach mal ausprobieren, sondern nur das machen lassen, was wirklich nötig ist.

Grundsätzlich kann ich deine Bedenken nachvollziehen. Ich leide, wohl Emo-bedingt, an einem sehr starken Würgereflex und mag es überhaupt nicht, wenn ich keine Kontrolle über meinen Mund-Rachenraum habe. Ich hatte allerdings keine negativen Erfahrung mit Zahnärtzen diesbezüglich.
Alle haben immer sehr vorsichtig gearbeitet, und nie hatte ich ein wegen ihnen ein Würgeproblem.

Das Gemeine bei dir ist zur Zeit, dass du eine ziemliche Angst aufgebaut hast, die dich daran hintert, eine Positiv-Erfahrung zu machen.
Ich habe das alles schon hinter mir, mit Wurzelbehandlung, Zahn ziehen, zur Zeit trage ich auch noch eine festsitzende Zahnspange ... Es ist alles kein Problem. Man muss sich allerdings überwinden und sich beherrschen, während der Behandlung entspannt zu bleiben. Oder wenigstens den Mund-Rachenraum zu entspannen ;-) Dann passiert nämlich wirklich nichts.

Kennt jemand einen Zahnarzt in Köln und Umgebung, den ihr empfehlen könnt? Der wirklich zuhört und auch diese besondere Angst ernst nimmt?

Da kann ich dir keinen Tipp geben, weil ich nicht aus deiner Ecke komme. Ruf doch mal in den Praxen durch und frag, ob man sich auf Angstpatienten versteht. Ich habe immer gleich zu Anfang mit offenen Karten gespielt und gesagt, dass ich "schwierig" bin. Hat immer gut geklappt. Meine Zahnärzte haben noch alle Finger und keine Schrammen im Gesicht :mrgreen:

AliasHope
Beiträge: 130
Registriert: 15.12.2007, 23:19

Re: Zahnarztangst: ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon AliasHope » 26.01.2014, 17:55

Einen Zahnarzt in deiner Gegend kann ich dir leider auch nicht empfehlen.
Dein Problem mit dem Würgereiz und einer starken Abneigung gegen Fremdkörper im Mundraum kenne ich dagegen nur zu gut.
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dazu nur sagen, dass es meist sehr hilfreich war, mit offenen Karten zu spielen. Die Zahnärzte hatten zumeist mehr Verständnis, als ich im Vorfeld erwartet hätte. (Und diejenigen, die kein Verständnis für meine Probleme, sprich, für ihre Patientin hatten, habe ich eh gar nicht erst weiterbeschäftigt...)
Wenn bei mir größere Reparaturen anfielen - und davon hatte ich einige, Weisheitszähne inklusive - haben viele Zahnärzte bzw. Kieferchirugen durchaus "im Interesse aller Beteiligten" mit Sedativa gearbeitet. Unter Sedativa waren Behandlungen möglich, die ich "bei klarem Verstand" niemals toleriert hätte...

Louise
Beiträge: 4
Registriert: 26.01.2014, 14:46

Re: Zahnarztangst: ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Louise » 26.01.2014, 19:35

Mit offenen Karten spiele ich immer, aber irgendwie haben die dann trotzdem keine Lust. Bei der letzten bekam ich vor der OP nichtmal eine persönliche Aufklärung von der Ärztin und auch keinen Kostenplan. Im Gegenteil, ich musste noch betteln, um meine Fragen stellen zu dürfen. Es scheint in Köln einige schwarze Schafe zu geben.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass mir vielleicht doch noch jemand einen Zahnarzt empfehlen kann...

Wie war das denn bei euren Weisheitszahn-OPs? Habt ihr danach geblutet? Hattet ihr noch Watte im Mund? Musstet ihr alle entfernen? Mir sagen einige, dass man nicht nur 1 oder 2 entfernen lassen sollte, wegen dem Gleichgewicht im Mund!?

Lizzerd
Beiträge: 11
Registriert: 08.01.2014, 13:45

Re: Zahnarztangst: ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Lizzerd » 27.01.2014, 13:43

Also was die Weisheitszähne angeht, die habe ich letztes Jahr im September raus bekommen. Alle 4 (eben auch wegen dem Gleichgewicht im Mund und weil alle früher oder später Probleme bereitet hätten) auf einmal, per Vollnarkose. Vollnarkose war bei mir wegen der Lage der Wurzeln notwendig und würde ich ehrlich gesagt auch jedem mit Angstproblemen empfehlen. Ich hatte natürlich auch davor richtig Angst, vor allem weil manchen von Narkosen ja übel wird. Diese Ängste hatte ich allerdings auch mit meinem Kieferchirurgen geklärt und so haben sie mir eine Extra-Dosis von dem Medikament gegen Übelkeit verpasst, welches man aber sowieso schon (in kleinerer Dosis) per Infusion bekommt.
Das Aufwachen war erträglich, der Arzthelfer hat mir sogar den Mund ausgewaschen (lecker ;) ) weil ich Angst vor Blutresten im Mund hatte.
Alle waren dort total nett und haben meine kleinen Macken mit Humor genommen, mich aber trotzdem ernst genommen.
Nachblutungen hatte ich gar keine und auch sonst war beim Aufwachen nichts im Mund, er war lediglich von den lokalen Betäubungen eben betäubt, aber das vergeht ganz schnell und ist ja auch viel besser, weil man sonst mit Schmerzen aufwachen würde.
Oh und schlecht war mir zu keinem Zeitpunkt :D war richtig glücklich damit,wie es gelaufen ist.
Es gibt soweit ich weiß noch die Möglichkeit ohne Vollnarkose aber mit einem ... mhh wie nennt man das ... ich sag mal Beruhigungsmittelchen zu arbeiten, man ist also wach und bekommt theoretisch alles mit, aber eigentlich (ähnlich wie bei einer Magenspiegelung wenn man so ein Mittelchen bekommt) kriegt man überhaupt nichts mit. Weißt du denn schon wie das bei dir gemacht werden würde?
Ich wohne leider nicht in deiner Nähe deswegen kann ich dir auch niemanden empfehlen :?

Natalie
Beiträge: 72
Registriert: 09.12.2012, 22:37

Re: Zahnarztangst: ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Natalie » 27.01.2014, 13:56

Ich bekam alle 4 Weisheitszähne nacheinander (innerhalb von mehreren Jahren) gezogen:
Die unteren beiden mussten vor dem Durchbruch raus, weil zu wenig Platz im Kiefer war, die oberen beiden erst viel später nach dem Durchbruch, weil sie keinen "Gegenspieler" mehr hatten und dadurch zu lang wurden. Irgendwann biss ich mir selbst ins Zahnfleisch.

Das Ziehen oben war gar kein Problem. Ich habe dieselbe Betäubungsspritze wie sonst auch (z.B. bei Kariesbehandlungen) bekommen, und dann waren sie auch schon draußen. Ich glaube, ich musste danach auch auf Watte beißen. Wenn ich mich richthig erinnere, war eine halbe Stunde vorgeschrieben, aber ich hab sie länger drin behalten, weil ich eine eher schlechte Wundheilung habe. Danach verheilte das problemlos; brauchte keine Schmerzmittel.
Das größte Problem ist für mich eigentlich, mich mit dem Essen einzuschränken ;-)

Hab keine Angst; ich wüsste keinen Grund, warum man sich dabei übergeben sollte ...

Louise
Beiträge: 4
Registriert: 26.01.2014, 14:46

Re: Zahnarztangst: ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Louise » 28.01.2014, 20:43

Oh das ist super auch mal positive Erfahrungen zu hören. Bei mir müsste ja eigentlich nur ein Zahn raus, aber sie wollen dann direkt den Gegenspieler mit raus nehmen, wegen dem Gleichgewicht. Ich habe mir überlegt mir von einem ganzheitlichen Zahnarzt nochmal eine zweite Meinung einzuholen und dann mal sehen, ob ich die Angst überwinden kann...

dariusbritt
Beiträge: 181
Registriert: 17.06.2013, 21:23

Re: Zahnarztangst: ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon dariusbritt » 28.01.2014, 23:14

Vor'm Zahnarzt hatte ich auch ziemliche Angst, auch aus genannten Gründen. Musste bei der ersten Behandlung auch zwischendurch kurz abbrechen und rausgehen (bin dann aber wieder rein). Da ich aber insgesamt 7 vor mir hatte, musste ich mich immer wieder überwinden und genau das hat geholfen! Mittlerweile habe ich vor Prophylaxe Terminen oder Kariesbehandlunven so gut wie gar keine Angst mehr, weil es wirklich nicht soo~ dramatisch ist. Klar ist angenehm was anderes, aber es ist notwendig.

Was meine Weisheitszähne angeht, habe ich sowohl positive als auch negative Erfahrungen gemacht. Und habe noch 2 vor mir.
Den ersten (oberen) habe ich im Sommer 2012 rausbekommen. Ich hatte die ganze Zeit Schmerzen wegen Karies, woraufhin sie ihn nicht direkt gezogen haben sondern vorläufig erst einmal gebohrt und dann eine Füllung reingemacht. Weil es dadurch aber nur noch schlimmer wurde, bin ich noch mal hin und weil er unkompliziert rausgewachsen war, haben sie ihn gleich gezogen. Habe eine einfache lokale Betäubung gekommen und nach 2 Minuten war er draußen. Musste danach dann auch noch eine Stunde etwa auf ein Stück Mull beißen. Blut hBe ich gar keines gespuckt und auch kaum geschmeckt.

Ausgehend von dieser Erfahrung, bin ich im Herbst letzten Jahres noch einmal hin, mit Schmerzen im anderen oberen. Wollte auch erst mal nur eine Kariesbehandlung machen, hat sich dann aber relativ schnell dazu entschieden, ihn auch rauszuholen. Weil mir beim Entfernen des anderen auf Grundlage des Röntgenbildes gesagt wurde, dass dies genau so einfach ginge, war ich damit auch ganz glücklich - ging schnell und danach keine Probleme mehr. Haha, Pustekuchen. Eine Dreiviertelstunde haben sie dran rumgedoktert und verzweifelt versucht ihn rauszubekommen. Details erspare ich euch mal. Es schien sehr blutig zu sein, mitbekommen habe ich selbst davon aber nichts ! Habe dann aber doch irgendwann ziemliche Angst bekommen. Als es dann auch noch hieß, es muss genäht werden, habe ich völlige Panik bekommen und angefangen zu weinen. Nach der Behandlung ist dann auch noch mein Kreislauf zusammengebrochen, woraufhin ich eine Panikattacke bekommen habe, weil mir so schlecht war. Das hielt auch noch gut eine halbe Stunde an - trotz Rescue Tropfen - und wurde erst besser als ich im Bett war und eine Runde schlafen und danach was essen konnte. Vor dem Fädenziehen hatte ich auch Angst (weil ich mir das Gefühl vom Faden rausziehen total ekelhaft vorgestellt habe), habe davon aber absolut nichts gemerkt. :)

Jetzt stehen die beiden unteren noch an, die aber von einem Kieferchirurgen rausgenommen werden müssen. In meiner alten Praxis wurde mir gesagt, dass sie das in dem Fall aber auch ausschließlich mit lokaler Betäubung machen. Weil ich das nach der letzten. Erfahrung aber definitiv nicht bei vollem Bewusstsein über mich ergehen lassen werde und vor einer Vollnarkose genau so viel Angst habe, suche ich gerade einen Chirurgen, der mich sediert. Bzw habe ich einen gefunden, muss jetzt nur erst mal einen Termin machen und Vertrauen fassen.

Zur Sedierung hat meine Mutter mir bestätigt, dass es absolut hilft, da sie auch immer tierische Angst (allerdings 'nur' vor den Schmerzen) hatte.


Zurück zu „Alltag mit Emetophobie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast